Erwiesene Unschuld

"Verdächtigem fehlt Alibi" anstatt "Mutmaßlich Unschuldiger verhaftet"

Als ich vorgestern in der Zeitung las, dass man im Zusammenhang mit dem Mord an einem elfjährigen Mädchen in Emden aufgrund von „Hinweisen aus der Bevölkerung“ einen 17-jährigen Berufsschüler festgenommen und am hellichten Tag in Handschellen abgeführt habe, empfand ich dieses Vorgehen – bei allem Entsetzen über die Tat – als skandalös. Auch die Berichterstattung, in diesem Fall durch die Lübecker Nachrichten, war in einem Stile abgefasst, die erkennbar von der Täterschaft des Verhafteten ausging. In Widersprüche habe er sich verwickelt, ein Alibi fehle völlig, aber ein Geständnis habe er „noch immer nicht“ abgelegt. Nein, das Gegenteil hatte er getan. Bestritten hat er die Tat. Aber natürlich war die Verhaftung nicht unentdeckt geblieben, selbstverständlich hatte die nach eigener Darstellung objektivste Behörde der Welt der Öffentlichkeit einen Täter präsentieren wollen und ebenso zwangsläufig setzte eine öffentliche Vorverurteilung ein, die hier sogar bis zu Lynchaufrufen und Belagerungszuständen führte.

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