Wer lügt denn da?

Alles für Gotteslohn: Dr. Tjan

Schade, ich hätte nicht zögern sollen. Vor ca. 14 Tagen war ich drauf und dran, die Firma Fette anzuschreiben, wie lange man unkommentiert lassen wolle, dass man seit knapp drei Jahren mit dem China-Deal der Stadt Schwarzenbek unmittelbar in Verbindung gebracht werde. Immerhin geht es um eine Geschichte, die zwar bislang nur in Pseudo-Städtepartnerschaften und -Investitionsabkommen sowie der rechtswidrigen Gründung der Schwarzenbek Marketing GmbH kumulierte, aber durchaus noch Skandalpotential in Richtung Vetternwirtschaft, Scheingeschäft, Veruntreuung, Bestechlichkeit und Bestechung besitzt. Jedenfalls wurde auf der Jahrhundertfeier der Firma Fette die „China-Connection“ geschmiedet, als die sehr eng mit der Firma Fette zusammen arbeitende chinesische Unternehmerin Puping Wang die Möglichkeit einer chinesischen Investition in Schwarzenbek vorstellte. Mit dabei der in dieser Angelegenheit seit gut 25 Jahren rührige Dr. Thian-Fong Tjan aus Schwarzenbek, Studienkollege und späterer Hausarzt sowie laut SPIEGEL auch Reiseapothekenausstatter (Valium 5, Diazepam, Azutranquil) des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Barschel. Die Rolle des in Indonesien geborenen HNO-Arztes erscheint so undurchsichtig wie seine Qualifikation zum offiziellen und einzigen Dolmetscher. Das Vertrauen erscheint jedoch grenzenlos: Die Stadt veröffentlicht sogar chinesische PR auf der eigenen Website und unterzeichnet vermutlich sogar chinesisch-sprachige Dokumente, ohne dass außer Dr. Tjan irgendjemand in Schwarzenbek wüsste, was da geschrieben steht. „Vor eineinhalb Jahren hat er die städtische Delegation als Dolmetscher nach Haimen begleitet und ist seitdem stets zur Stelle, wenn Chinesen Schwarzenbek besuchen – ohne einen Cent zu berechnen“, wusste die Bergedorfer Zeitung anlässlich der städtischen Auszeichnung für Dr. Tjan zu berichten. Das ist aller Ehren wert, aber ist es auch verantwortlich?

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Buddha bei die Fisch!

Wenn ich den Bericht im heutigen Gelben Blatt lese, kriecht auch mir ein heiligmäßiger Schauer das Rückgrat entlang. Es muss wirklich „ein ganz besonderer Moment“ gewesen sein, der Herrn Dr. Tjan dann auch folgerichtig nur flüstern ließ. „Er sieht die Lagepläne jetzt zum ersten Mal“ wird er zitiert. „Ehrfürchtig“ hat er dann wohl auch noch ein „Nur nicht unterbrechen“ gehaucht, bevor er dann, so stelle ich mir das jedenfalls vor, vollständig von seinen Gefühlen übermannt, schluchzend auf die Knie sank. Vermutlich soll diese Beschreibung auch mir die sakrale Aura dieses Augenblickes verdeutlichen, aber tatsächlich verführte sie mich nur zu einem schiefen Grinsen.

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