„Ganz hohes Wiederholungspotential“

In den vergangenen Wochen erlangte ein Kriminalfall aus dem Jahr 2008 überregionale Beachtung. Damals war eine 39-jährige Frau von einem Unbekannten, der sich als Paketbote ausgab, überfallen und vergewaltigt worden. Trotz intensiver Ermittlungen konnte ein Täter bis heute nicht ermittelt werden, weshalb es jetzt zu einer DNA-Reihenuntersuchung kam, der zweiten in Schwarzenbek nach 2002. Diese Massengentests sind sehr umstritten, da die Freiwilligkeit der Teilnahme durch die polizeilichen Maßnahmen schnell relativiert werden kann, wenn aus Unverdächtigen aus der schlichten Weigerung, der Polizei auf Zuruf ihr Erbgut anzuvertrauen, Beschuldigte einer schweren Straftat werden, die dann in einer Umkehr der Unschuldsvermutung ihre Unschuld beweisen müssen. Zuständig für den Fall ist der Kripochef in Geesthacht.

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Erwiesene Unschuld

"Verdächtigem fehlt Alibi" anstatt "Mutmaßlich Unschuldiger verhaftet"

Als ich vorgestern in der Zeitung las, dass man im Zusammenhang mit dem Mord an einem elfjährigen Mädchen in Emden aufgrund von „Hinweisen aus der Bevölkerung“ einen 17-jährigen Berufsschüler festgenommen und am hellichten Tag in Handschellen abgeführt habe, empfand ich dieses Vorgehen – bei allem Entsetzen über die Tat – als skandalös. Auch die Berichterstattung, in diesem Fall durch die Lübecker Nachrichten, war in einem Stile abgefasst, die erkennbar von der Täterschaft des Verhafteten ausging. In Widersprüche habe er sich verwickelt, ein Alibi fehle völlig, aber ein Geständnis habe er „noch immer nicht“ abgelegt. Nein, das Gegenteil hatte er getan. Bestritten hat er die Tat. Aber natürlich war die Verhaftung nicht unentdeckt geblieben, selbstverständlich hatte die nach eigener Darstellung objektivste Behörde der Welt der Öffentlichkeit einen Täter präsentieren wollen und ebenso zwangsläufig setzte eine öffentliche Vorverurteilung ein, die hier sogar bis zu Lynchaufrufen und Belagerungszuständen führte.

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Wenn das Selbstbestimmungsrecht vergewaltigt wird

Die gelegentlichen Leserinnen und Leser dieses Blogs kennen das. Ebenso unvermittelt wie die zutiefst subjektive Berichterstattung dieses Mediums bisweilen endet, setzt sie auch wieder ein. Verlass ist auf diese Art Journalismus nicht. Man darf sie also nie als gegeben, getrost aber als geschenkt annehmen. Wer hingegen zuverlässige Reportage wünscht, greift seit jeher zu den Erzeugnissen des Springer-Verlags. Bislang dachte ich, die Bergedorfer Zeitung gehörte, anders als die Lübecker Nachrichten, nicht zu Friedes Reich. [Nachtrag: Stimmt nicht! Die LN gehören zur Verlagsgesellschaft Madsack. Siehe unter Kommentare!] Wenn ich heute allerdings sehe, dass beide Blätter mit den selben Artikeln des selbstverständlich einzigartigen Timo Jann aufmachen, dann kommen mir Zweifel. Solche sind Herrn Jann offenbar fremd. Geradezu begeistert unkritisch berichtet er, wie ihm geheißen.

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