Engelchens Höllenfahrt

Eine Polemik von Rupert Talia

Wenn Sie keine Polemiken mögen, schon gar keine märchenhaft-alptraumartigen, dann sollten Sie jetzt vielleicht nicht weiterlesen. Aus meiner Sicht aber hat die derzeitige deutsche Regierung – mitsamt ihrer nur noch so genannten „Opposition“ – jeden Bogen über das Zerreißen hinaus überspannt. Die Ohnmacht, das nur mit ansehen zu können beziehungsweise sogar zu müssen, verschärft die eigene Sprache. Das ist sicher hilflose, dennoch aber durchaus notwendige Hygiene, da man am fortwährenden Hinunterschlucken des Zorns sonst schlicht zu ersticken droht. Also dann – auf zur Höllenfahrt:

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Eurodämmerung (jetzt mit Übersetzung)

Von Rupert Talia

Paul Krugman

01.11.2011 — Nein, der Titel ist nicht von mir, er ist von Paul Krugman. Er schreibt unter diesem sehr deutschen Stichwort heute:

Die Frage, die ich gerade zu beantworten versuche, ist, wie der letzte Akt wohl aussähe. An diesem Punkt würde ich zunächst steigende Preise für Italiens Schulden vermuten, die zu einem gigantischen Banken-Run führen, sowohl wegen der Solvenz-Befürchtungen hinsichtlich italienischer Banken, als auch wegen der Befürchtung, dass Italien am Ende aus der Eurozone austreten könnte. Dieses würde wiederum zu notfallmäßigen Bankenferien führen müssen, und sobald das passiert wohl auch zu der Entscheidung, den Euro fallen zu lassen und eine neue Lira einzuführen. Nächster Halt dieses Endspiels wäre dann Frankreich.

Das klingt alles apokalyptisch und unwirklich. Aber wie soll sich diese Situation sonst lösen? Der einzige Weg, den ich sehe, so etwas zu vermeiden, involviert eine EZB, die ihre bisherige Haltung komplett verändert, und zwar schnell.

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Die EZB? Nein!!! Wie bitte? Nein! Nein! NEIN!

Von Rupert Talia

[Vom 26.10.2011] Martin Wolf sagt es. Paul Krugman sagt es. Paul De Grauwe sagt es. George Soros sagt es. William Black sagt es. Wolfgang Münchau sagt es. Barry Eichengreen sagt es. Und viele andere sagen es ebenfalls – unabhängig voneinander und aus ganz unterschiedlichen Standpunkten und Perspektiven: Die Eurozone braucht zum unmittelbaren Überleben die EZB als „Lender of Last Resort“, als letzten Kreditgeber in Zeiten der Not. Punkt. Und sie alle sowie die zahlreichen anderen haben das mehrfach wiederholt und untermauert.

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Anosognosie

Sicher ist der Titel für die allermeisten ein Zungenbrecher: A-noso-gnosie. Dabei steht er nur für „fehlende Krankheitseinsicht“. Der medizinische Begriff stammt aus dem Griechischen: A – nicht; nosos – Krankheit; gnosis – Erkennen. Das Nichterkennen-Können der eigenen Krankheit. Ein berühmter Patient war angeblich (laut F.A.Z.) Jacques Chirac. Aber vielleicht hat sich der Gerichtsgutachter auch geirrt, das soll gerade in solchen Fällen (Vorwurf des Nepotismus) immer mal wieder vorkommen. Und dass die Anosognosie inzwischen gar ein „medizinischer Modebegriff“ sei, dürfte wohl ausschließlich der blühenden Phantasie des FAZ-Feuilletonisten geschuldet sein, zumal dieser gleich ganz Frankreich unter den Verdacht der Erkrankung stellt.

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Fiat Pecuniam! – Teil 5

Von Rupert Talia

Teil 5: Wiederholung der Geschichte?

Dieser deregulierte Finanzkapitalismus, und das ist das Niederschmetternde daran, ist kein bisschen modern, sondern nur eine bereits fürchterlich gescheiterte Wirtschaftsform aus der historischen Mottenkiste, nämlich vom ausgehenden 19. / beginnenden 20. Jahrhundert. Er scheiterte in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit der Weltwirtschaftsdepression 1929-1939. Und wir sind bereits so degeneriert, dass wir den widerlichen Mist gerade blind und ergeben wiederholen – und merken es nicht einmal. Nochmals: Die Zeit der vergleichsweise stabilen und regulierten sozialen Marktwirtschaft, als entscheidende neue Errungenschaft der Nachkriegszeit, endete endgültig 1990 mit dem Washington Consensus.

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Fiat Pecuniam! – Teil 4

Von Rupert Talia

Teil 4: Wenn sich keiner mehr verschuldet, steht die Geldwelt still

Im Casino der Finanzwirtschaft zirkuliert derweil das übrige erschaffene Geld nutzlos um sich selbst. Es macht einige Teilnehmer noch reicher, dafür andere gleichzeitig im selben Grad ärmer. Für uns Habenichtse ist das von außen betrachtet schlicht ein ödes Nullsummenspiel, völlig uninteressant und sinnlos, für Banken aber immer noch ertragreich. Darum wollen sie das Casino ebenfalls unbedingt behalten, denn es macht sie vom real angerichteten Schaden relativ unabhängig.

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Fiat Pecuniam! – Teil 3

Von Rupert Talia

Teil 3: Der Kern der Krise ist mangelndes Vertrauen

Das Ganze macht jedenfalls  sofort klar, was den eigentlichen Atomkern einer Finanzkrise ausmacht: massiver allseitiger Vertrauensverlust. Die Banker wissen selbst ja sehr genau, dass ihr Geschäft im Kern darin besteht, zum möglichst großen eigenen Nutzen Schulden in die Welt zu setzen. Das ist nun einmal ihr Hauptgeschäftsmodell. Wenn sich niemand verschuldete, bräuchte es nämlich keine Banken mehr, denn alle hätten dann ja schon alles was sie brauchen, um ihre real notwendigen Dinge zu erledigen. Man muss sich das ganz nüchtern klar machen: Banken müssen die aggressivsten Lobbyisten des Schuldenmachens sein, denn davon leben sie, darauf baut ihr ganzes Geschäft auf, nur mit neuen Schulden können sie neues Geld erschaffen. Banken fördern die Verschuldung, Banken machen mit der Verschuldung ihrer Kunden Profit, Banken leben von Schulden.

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