Realpolitik für die Realschule: „Es wird nicht großartig vorangehen“

Es war zu erwarten, dass aus den Reihen der Bürgerinnen die Frage nach der Zukunft der Realschule gestellt würde. Stellvertretend für wohl die meisten interessierten Einwohnerinnen fragten der ehemalige Wehrführer Thorsten Bettin und Renate Grunert (Die Grünen) beim Stelldichein in der letzten Woche, was denn „nun endlich“ damit werden solle. „Die steht doch leer“, sprach Frau Grunert die Bürgermeisterkandidaten an, „da könnte man doch ein Bürgertreff einbauen!“ Sie warb dafür, Räumlichkeiten interessierten Bürgerinnen unentgeltlich in die Verantwortung zu übergeben. Sie unterschreibe auch gerne für einen Schlüssel: „Man muss einfach mal den Mut haben und die Bürger machen lassen!“

Man darf gespannt sein

Das müsse er nicht ergänzen, entgegnete Norbert Lütjens: „Das ist absolut möglich, sobald der Bau fertig saniert ist.“ Die Replik aus dem Publikum erfolgte umgehend: „Der ist doch seit 5 Jahren fertig eingerichtet. Und nun zahlen wir 70.000,00 € im Jahr für die Nichtnutzung und gleichzeitig werden andere Räume angemietet.“ Nun kam Matthias Schirmacher zu Wort: „Vor 5 oder 6 Jahren hat es einen Antrag gegeben, das Gebäude abzureißen, um das Grundstück anderweitig zu nutzen. Es hat einen Sonderausschuss gegeben, aber dessen Ergebnisse sind mehrheitlich nicht so gut angekommen.“ Er sei gespannt, was da kommen wird. Es werde noch geplant und dann werde da gebaut werden.

 

Den erwähnten Antrag hatte Schirmacher selbst (gemeinsam mit der CDU) eingebracht und wenn er jetzt immer noch von Bauvorhaben und von Wohnraum spricht, dann ist er auch immer noch für den Verkauf. Sein Ehemann ist Immobilienmakler, der wird ihm gesagt haben, welcher Erlös für den Stadtsäckel möglich ist. (Foto: Ausriss aus der Bergedorfer Zeitung vom 17.10.2013)

Seine Vision blieb etwas verschwommen: Matthias Schirmacher

Ein Sahnestück mit Potential

„Auf jeden Fall ist das ein Sahnestück mit Potential“, befand Lütjens und sprach sich deutlich gegen einen Verkauf aus. In der Sache sei ja auch Bewegung, eventuell könne dort die Bücherei hinein und die Volkshochschule und natürlich auch andere Nutzer. Er würde sich als Bürgermeister für dieses Projekt stark machen wollen. Schirmacher war „nicht so optimistisch“ und das war ein Euphorismus: „Selbst wenn sich eine Mehrheit finden sollte, bliebe immer noch die Frage nach dem Geld.“ Nein, für einen Verkauf sei auch er nicht, aber leider werde es „nicht großartig vorangehen“. Es blieb ein wenig undurchsichtig, was er nun wirklich anstrebte, denn kurz zuvor hatte er ja noch etwas vom Bauen gesagt und unter anderem auch eine Nutzung für Wohnraum erwähnt. Und ganz sicher meint er nicht, dass die Stadt als Bauherr auftreten solle…

Norbert Lütjens konzedierte, dass es sicher Aufgaben gibt „die größere Priorität“ haben, aber dennoch glaube er, dass „da etwas möglich ist“. Er sei jedenfalls unbelastet und nicht für die Situation verantwortlich: „Ich bin nicht seit 25 Jahren kommunalpolitisch dabei, so wie Herr Schirmacher.“

Kein Wirtschaftswachstum in Schwarzenbek

Eine weitere Anwohnerin (sorry, der Blogger kennt nicht alle bei Namen und bisweilen geht das auch in den Notizen verloren) begehrte nun zu wissen, wie man die Ankündigungen überhaupt umsetzen wolle: „Die Politik will keine Bürgerbeteiligung, der Ausschuss ist nicht zu Entscheidungen gekommen. Seit 12 Jahren haben wir Wirtschaftswachstum im Land und Schwarzenbek kann sich nicht einmal annähernd konsolidieren.“ Gefragt wurde dann auch noch, warum die Fraktion der Grünen zusammengebrochen sei und warum es keine vernünftige Internetseite gebe. Schirmacher wirkte etwas flügellahm, als er auf die Verantwortung der Bürgermeisterin für die Internetseite ver- und darauf hinwies, dass Fraktionsarbeit immer schwierig sei. Als Bürgermeister wolle er jedenfalls die Zusammenarbeit verbessern, indem er Lösungen anbieten und die Fraktionen überzeugen werde.

Sein Visier war deutlich offen: Norbert Lütjens

Ein Kandidat nimmt Fahrt auf

Norbert Lütjens kam deutlich mehr in Wallung. Das sei der größte Unterschied zwischen den beiden Kandidaten. Als er zum Beispiel das Stadtfest organisierte, riet man ihm von allen Seiten, das kleiner zu halten. Mach das so wie immer, hätten die zu ihm gesagt. „Also mussten wir Gelder sammeln und es hat funktioniert.“  Als er die Jugendarbeit neu formierte, hätten ihm die selben Mahner, Zweifler und Zauderer ím Ohr gelegen: Das ginge so nicht, er solle das kleiner halten. Aber er habe die Einrichtung (Den Namen „Korona“ vermied er bewusst?) hinbekommen. Er trete für Jugendliche ein, wolle Ansprechpartner stellen, Mehrheiten generieren. Und was die Zusammenarbeit mit der Politik anginge, wollte er darauf hingewiesen haben, dass auch aus den Fraktionen gefragt wurde, ob er nicht kandidieren wolle. Ja, er sei politisch unabhängig. Und er sei bekannt dafür, zu seinem Wort zu stehen.

Nun, das war tatsächlich eine Tour de force und sie mangelte nicht an Spitzen gegenüber dem Konkurrenten und dessen 25-jährige Zugehörigkeit zur Stadtverordnetenversammlung ohne zählbare Erfolge, dafür aber mit zählbaren Fahnenwechseln. Darauf spielte Lütjens erkennbar an und als Macher ist Matthias Schirmacher bislang auch eher nicht bekannt. Nicht einmal als politisches Oberhaupt ist er in den letzten zwei Jahren entscheidend in Erscheinung getreten, dabei hätte er doch bereits „Lösungen anbieten und die Fraktionen überzeugen“ können. Nun war man gespannt, wie er auf diese volle Breitseite antworten würde. Aber der Kandidat schwieg.

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