Diese Pille will geschluckt sein

Digitalisierung mit Null und Eins…

Natürlich sind beide Bürgermeisterkandidaten dafür. Weiteres Fördergeld von 74.000 € für Geräte stehe bereit. Während Matthias Schirrmacher bemängelte, dass in der Vorbereitung wohl einiges versäumt worden sei, wies Norbert Lütjens darauf hin, dass der Ankauf nur eine Seite der Medaille sei. 300 Endgeräte müssten ja auch betreut werden, dafür sei eine weitere Planstelle erforderlich. Das konnte Herr Schirmacher sich nicht vorstellen, wobei unklar blieb, ob er an der Notwendigkeit oder an der Finanzierbarkeit zweifelte. Das Thema blieb im Ungefähren, obwohl es sehr interessant hätte werden können, ob nicht der eine oder andere Kandidat bereits im Vorwege mehr Einfluss hätte nehmen können, sollen, müssen.

Der Medienentwicklungsplan
Foto von H.Zell (siehe Link)

Wie soll man ihn sehen?

In der Stadtverordnetenversammlung vom 14.02.2019 wurde ein Medienentwicklungsplan für die Schulen beschlossen, welcher für die Jahre 2019 und 2020 Mittel von je 390.000,00 € und in den beiden Folgejahren zusammen noch einmal 146.000,00 € bereit stellte. Darüber hinaus wurden Personalkosten von 55.000,00 € jährlich bewilligt. Alle Fraktionen stimmten einstimmig dafür, Herr Schirmacher leitete zudem als Bürgervorsteher die Sitzung. Wenn also etwas versäumt wurde, war er nicht wenigstens Teil dieses Versäumnisses?

Die Berichterstattung in einer 22-Minuten-Sitzung

Im Sozial- und Kulturausschuss (SoKA) vom 07.07.2020 wurde zu diesem Thema lediglich wie folgt berichtet: „Für das Landesprogramm DigitalPakt SH Sofortausstattungsprogramm erhält die Stadt Mittel in Höhe von 74.793,00 € und der Schulverband in Höhe von 23.833,00 €. Die Schulen meldeten folgende Bedarfe: GGS = 236 Geräte, Gymnasium = 66 Geräte, Nordost = 45 Geräte.“ Ausweislich der Niederschrift fand keine Debatte statt. Für den nicht-öffentlichen Teil war kein entsprechender Tagesordnungspunkt vorgesehen. Ob man unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Verwendung diskutierte, ist dem Blog nicht bekannt. Beschlossen wurde auf jeden Fall nichts.

Ein nachträglicher Beschluss
Beschlussvorlage SoKA

Beschlussvorlage

In der vorgestrigen 17. Sitzung des SoKA wurde etwas beschlossen. Nach einigermaßen putzigem Hin und Her hinsichtlich der Formulierung konnte man sich einstimmig dazu bekennen, dem weiteren Ankauf von 211 Geräten zuzustimmen. Das war auch dringend erforderlich, denn der Kauf war längst getätigt, die Geräte in Teilen schon ausgeliefert. Wer hatte das zuvor beschlossen? Wie wurden die Geräte ausgewählt? Teilt man die Gesamtsumme der Förderung in Höhe von 98.626,00 € durch die 211 Geräte, kommt man auf einen Einzelpreis von 467,42 €. Abgesehen davon, dass in der Beschlussvorlage auf einmal die Rede von 364 als Bedarf angemeldeten Geräten war, wurde – nur als Ergänzung, denn im Prinzip hatte man ja schon im Februar 2019 Entsprechendes beschlossen – weiteren 7.500,00 € zugestimmt, da natürlich alle Lehrkräfte im Förderzentrum ausgestattet werden müssen. Insofern benötige man noch einmal 16 Geräte (7.500 geteilt durch 16 = 468,75 €).

König Moldenhauer

Der frühere Schuldenkönig nun als Sparkommissar: G. Moldenhauer (Foto: Archiv)

Wer ist der Sparkommissar?

Ebenso wie die Bürgermeisterkandidaten war man sich nicht einig über die Personalkosten. Die Beschlussvorlage sah ganz klar eine weitere Planstelle (nota bene: noch über die 2019 bereits beschlossene hinaus) vor und Frau Kipke von der Verwaltung wusste das auch beredt zu verteidigen. Obwohl man windelweich umformulierte, dass „die erforderliche Personalausstattung sicherzustellen“ sei, wollte Herr Moldenhauer (CDU) nicht einmal diesem Allgemeinplatz zustimmen. Wie dem auch sei, scheint  es hinsichtlich der Bürgermeisterkandidaten zwei Gesichtspunkte zu geben: Herr Lütjens ist Kind der Verwaltung und es dürfte fraglich sein, ob ausgerechnet er wie Moldenhauer vom Ausgaben-Saulus zum Spar-Paulus mutiert. Herr Schirmacher muss sich dahingegen fragen lassen, wo seine Meriten beim Sparen lagen und welche Erfahrungen der letzten 25 Jahre er denn genau in die Verwaltung einzubringen gedenkt.

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…oder doch nur mit Nullen?

Tablet

Die Mitgliederinnen des SoKA müssen sich hingegen die Frage gefallen lassen, warum nicht eine von ihnen auf die Idee gekommen ist, nach der Marke der Geräte zu fragen. Obwohl an keiner Stelle genannt, scheint mir nicht nur der Preis eindeutig für den iPad der Firma Apple zu sprechen und der kostet bis zum Vierfachen von Vergleichsgeräten! In einem vorherigen Tagesordnungspunkt zum PerspektivSchul-Programm sprach die als Gast eingeladene Bettina Kossek über einen weiteren Fördertopf von jährlich 189.000,00 €. Unter anderem soll damit die Digitalkompetenz des Jahrgangs 9 mit 150 mobilen Geräten gefördert werden. Freimütig sprach die Schulleiterin in ihrem Vortrag darüber, welche Geräte angeschafft wurden. Sie ahnen es bereits: iPads. Und nachdem diese Geräte in das Eigentum des Schulträger übergehen, wäre es ja auch irgendwie blöd, wenn die nicht zu den anderen Mobilgeräten passten, oder?

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