Die Männer und Frauen, die man ruft…

Ich erlebte in der Nacht vom 8. auf den 9. März in Schwarzenbek das Folgende:

 

Ich kam gegen 23 Uhr mit dem Zug am Bahnhof an und fand in Bahnhofsnähe Kerntangente/Buschkoppel einen hilflosen Mann im Rollstuhl vor, welcher, zudem stark alkoholisiert, keine Anstalten machte, sich von der Stelle zu bewegen. Auf Ansprache reagierte er kaum und da es einigermaßen kalt war, beschlossen ein anderer Reisender, der ebenfalls in Sorge war, und ich, die Polizei anzurufen. Um 23:22 Uhr beantwortete eine Frau den Notruf und meinte, eine Streife hätte kurz zuvor den Mann überprüft. Das mag wohl sein, wendete ich ein, aber er sei ja nun noch immer hier und bewege sich nicht vor und nicht zurück. Schließlich versprach sie, die Kollegen noch einmal zu schicken.

Nachdem in den nächsten 10 Minuten genau nichts passierte und auch uns zunehmend kalt wurde, riefen wir um 23:32 Uhr noch einmal den Notruf. Die selbe Dame, nun deutlich ungehalten, blaffte mich an, dass sie mir bereits gesagt habe, dass es dem Mann gut gehe. Das habe sie nicht, entgegenete ich und fragte, ob das nun bedeute, dass die Kollegen doch nicht kämen. Genau das, bestätigte sie, woraufhin ich nun erzürnt fragte, ob sie uns das noch von sich aus mitgeteilt oder einfach dort stehen gelassen hätte. Sie wiederholte nur, dass sie mir mitgeteilt habe, dass es dem Mann gut gehe. Ich sagte irgendetwas wie „Das hat ein Nachspiel“ und legte wütend auf.

 

Polizei

Bei anderen Aufgaben ist die Polizei nicht so zögerlich… (Copyright by Marek Peters / http://www.marek-peters.com)

 

Währenddessen hatte der andere besorgte Bürger die Anschrift des Hilfsbedürftigen herausbekommen und wir beschlossen, den Mann nach Hause zu schieben, da das nur rund 1 km entfernt war. In der Folge mühten wir uns einigermaßen ab, mussten zwischendurch noch die Notdurft des Herrn bewältigen und immer darauf aufpassen, dass er seinen einen verbliebenen Fuß nicht unter den Rollstuhl bekam. Als wir seine Wohnung schließlich erreichten, stellten wir sehr bald fest, dass es dem Manne auf seinem einen Bein und dem anderen Stumpf unmöglich war die enge Treppe bis in den 2. Stock zu bewältigen. Nach wenigen Stufen rutschte er uns aus den Händen und die Treppe wieder herunter. So hatte es keinen Zweck. So konnten wir den Mann aber natürlich nicht liegen lassen, zumal wir den Eindruck hatten, dass er jetzt auch noch aus der Nase blutete.

Leider kamen wir erst jetzt, um 0:02 Uhr auf die Idee, statt der Polizei die Feuerwehr anzurufen. Keine 5 Minuten später war der Rettungswagen vor Ort und zwei Sanitäter nahmen uns die Sorge um den Mann ab. Es stellte sich zwar heraus, dass einer von den beiden den Rollstuhlfahrer bereits kannte und es wohl nicht so selten sei, dass der betrunken irgendwo einschlafe. Irgendwann wache der aber wieder auf und rolle dann nach Hause, insofern hätten wir uns die Mühe nicht machen brauchen. Dennoch dankte man uns für die Hilfsbereitschaft und entließ uns in die Nacht.

 

323 StGB

Fazit: Nicht jede Sorge ist begründet und nicht jede Hilfeleistung bringt wirklich etwas, denn wir machten uns keine Illusionen und waren uns einig, dass der Mann demnächst wohl wieder betrunken (und hilflos) irgendwo herumsitzen würde. Aber woher hätten wir das zuvor wissen sollen? Die patzige und einsilbige Auskunft der Polizei, dem Mann gehe es gut, war weder überzeugend, noch beruhigend gewesen. Tatsächlich überlegte ich sogar, Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung und auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde einzureichen, letztere, weil man uns Bürger ja eben auch so schmählich im Stich gelassen hatte.

Wichtigeres Fazit und die Lehre aus der Geschichte? Der alte Spruch stimmt immer noch: Polizei, die Männer und Frauen, die man ruft. Feuerwehr, die Männer und Frauen, die kommen.

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