Harndrang und Erfolgsdruck

Viele Verantwortliche bedeutet letztlich kein Verantwortlicher

Am nächsten Morgen hoffe sie bereits ein Schreiben vorzufinden, zeigte sich die Bürgermeisterin in der Einwohnerversammlung vom vorvergangenenen Donnerstag zuversichtlich, was die Lösung der Frage des Fahrkartenverkaufs am Bahnhof angeht. Die Situation sei schwierig, weil so viele Stellen innerhalb des Deutsche-Bahn-Konzerns zustimmen müssten. Nachdem sie aber „sofort die Bahn angerufen“ habe, als sie hörte, der Verkauf sei eingestellt worden, sollte diese „unzufriedenstellende“ Situation doch bald behoben sein. Wer nun am vergangenen Donnerstag die Homestory des Hofberichterstatters Huhndorf las, stolperte über die exakt gleiche Formulierung „wegen der unterschiedlichen Besitzverhältnisse innerhalb des Konzerns“ und wurde erneut von der Bürgermeisterin auf den nächsten Freitag vertröstet. Dann habe sie angeblich „ein Gespräch mit allen Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG für den Bahnhof“.

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Hier geht es zur Homestory der Bergedorfer Zeitung

Welches Gespräch ist gemeint, Frau Bürgermeisterin?

Das wollte der Blogger nun genauer wissen und fragte daher abends im Bauausschuss nach: Leider sei die Bürgermeisterin ja nicht anwesend, aber vielleicht könne einer der Herren aus der Stadtverwaltung Auskunft geben, ob denn nun ein Schreiben eingegangen wäre bzw. was für ein Gespräch das denn nun sei, mit wem und worüber? Auf welchen Fortschritt hinsichtlich des Fahrkartenverkaufs dürfe man denn nun gespannt sein? Ralf Hinzmann, Leiter des Bauamtes, wusste das auch nicht genau zu sagen. Am morgigen Freitag gebe es ein Gespräch mit der Deutschen Bahn AG wegen des Lärmschutzes. Am kommenden Dienstag sei tatsächlich ein Gespräch mit den zuständigen Töchtern der AG hinsichtlich des angemeldeten Eigenbedarfs und der daraus entstandenen Kollision mit den Bike & Ride-Plänen der Stadt angesetzt. Eventuell meine die Bürgermeisterin dieses Gespräch, mutmaßte Hinzmann.

Planung will geplant sein

 drei-fragezeichen„Sehr zeitnah“ wolle die Verwaltungschefin nun ein Konzept für den Bahnhof und das komplette Umfeld entwickeln, an der auch die Bürger beteiligt werden sollen, berichten die Redakteure Huhndorf und Peters. Das klingt eindeutig nach Wiederholung der unsäglichen Phrase aus der Einwohnerversammlung, wonach man nun plane, in die Planung einzusteigen. Vor der geplanten Planung stehen die Gedanken und die sind bekanntlich frei. Von der Verlegung des Busbahnhofs und kompletten Neubauten darf man dann also träumen und Bike & Ride-Häuschen planen, weil es dafür Fördermittel gebe. Welche BürgerInnen haben danach gerufen? Wer hinhört, hört immer dieselben drei Fragezeichen: Sauberkeit? Fahrkartenverkauf? Toiletten? Die werden auch in der Bergedorfer Zeitung abgearbeitet und da lohnt das Hinhören bei der Lady in Red:

  1.  Sauberkeit: „Ganz kurzfristig“ wolle man das lösen. Warum man das nicht kann, wird auch gleich beantwortet: „Wir dürfen auf den Flächen nicht aktiv werden“. „Hausfriedensbruch“ sei das und außerdem würde die Berufsgenossenschaft das nicht zulassen, dass Bauhofmitarbeiter „an der Bahnlinie“ arbeiteten. Feine Nebelkerzen sind das! Hausfriedensbruch ist eine Frage der Einrede und dass die Bahn sich je dagegen gewehrt hätte, dass die Städte sich um die Sauberkeit der Bahnhöfe gekümmert hätten, ist nicht bekannt. „An der Bahnlinie“ soll kein Mitarbeiter des Bauhofes tätig werden, das ließe nicht nur die BG nicht zu, sondern tatsächlich auch die DB nicht. Aber die Unterführungen und die Zugänge, werden bundesweit in allen möglichen Gemeinden von denen selbst gereinigt, nur beispielhaft soll hier Luckenwalde genannt werden. Dort ist man übrigens auch im Vorfeld der Erneuerung der Aufzüge auf diese Idee gekommen.
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    Benötigt keine öffentlichen Toiletten: Bahnchef Grube (Copyright: Siehe unten!)

    Fahrkartenverkauf: Im Vorfeld künftiger, noch zu führender Gespräche an irgendeinem kommenden Freitag habe die Bürgermeisterin zwei Gespräche bereits geführt. Mit dem Seniorenbeirat über Schulungen für den Umgang mit dem Fahrkartenautomaten (der übrigens häufig einfach defekt ist, wogegen keine Schulung hilft) und mit einem „einige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt“en Reisebüro. Wozu führt man dann ein solches Gespräch? Soll dann ein Schild am Automaten aufgestellt werden: „Fahrkarten gibt es in der Zeit von 10 – 13 Uhr auch im Reisebüro XYZ zu erwerben, zu Fuß in 5 Minuten erreichbar (mit Rollator ein wenig länger)“?

  3. Toiletten: Auch in dieser Frage, so erfahren wir, hatte Borchers-Seelig auf das Cafe Kreativ gehofft. Die haben aber nachvollziehbar kein Interesse daran. Und nun? Keine Hoffnungen mehr? Das Problem fehlender Toiletten an Bahnhöfen ist ebenfalls bundesweit vorhanden. Die Deutsche Bahn macht regelmäßig Gewinne in neunstelliger Höhe, weigert sich aber auch in deutlich größeren Bahnhöfen, Toilettenanlagen vorzuhalten. Allerdings weigert sie sich auch in dieser Frage nur in den seltensten Fällen, Flächen für eine solche Anlage zur Verfügung zu stellen, wenn sie denn zu Lasten Dritter errichtet und unterhalten werden.

Eine öffentliche Bedürfnisanstalt

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Etwas weiter als das Reisebüro, aber auch eine Lösungsmöglichkeit

Wie steht es mit Ehrlichkeit und Transparenz? Was soll das Gezerre, das Hinhalten, das Ausweichen, die schwammigen Antworten und Ausflüchte? Die Schwarzenbeker Stadtverwaltung möchte die Kosten für die öffentliche Toilette am Bahnhof ebenso wenig tragen, wie die Deutsche Bahn. Die einen werden durch die Steuern, die anderen durch die Fahrkarten der PendlerInnen mitfinanziert. Die einen wie die anderen handelnden Personen sind persönlich offenbar weder auf den Bahnhof, noch auf öffentliche Toiletten angewiesen. Wenn Frau Borchers-Seelig jeden zweiten Morgen neben Herrn Grube mit drückender Blase auf den sich wieder einmal verspätenden Zug warten müsste, wie wäre die Situation dann? Liebe Bahnhofsbenutzer, wenn es Euch irgend möglich und zuzumuten ist, dann wandert die 500 Meter zum Rathaus und verrichtet dort Euer Geschäft und das möglichst morgens und abends. Vielleicht hat man dann ein Einsehen und löst das Problem. Man könnte schließlich die Toilette am Bahnhof auch vorübergehend öffnen. Der Kostendruck würde dann vielleicht die Planung der Planung vorantreiben helfen.

Fotos:
Bahnchef Grube – Autor: Boris Pasek – Diese Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

One Response to Harndrang und Erfolgsdruck

  1. Heiner Wilhelmi says:

    Es ist schon erstaunlich das es nicht möglich ist den richtigen Ansprechpartner bei der Bahn zu finden. Dieses Thema war schon einmal auf der Tagesordnung und unserem ehemaligem Bürgervorsteher ist es gelungen binnen von ein paar Tagen den oder die Sachbearbeiter zu finden und schon war der Bahnhof sauber. Warum fragt man nicht Herrn Siepert, ob er nicht weiß, wer der Ansprechpartner ist und in welcher Abteilung e sitzt ??
    Das es ein Treffen mit der Bahn gibt ist schon etwas erfreuliches, aber der Lärm bekommt nicht nur der Winkel ab , nein den Lärm bekommen auch wir in der Königsberger Allee ab, denn wo ist der zweite Lärmschutzwall??? nirgends zu finden. Es ist schon ein Trauerspiel, was sich hier geleistet wird mit dem WC und das keinen Verkaufsstand für Fahrkarten gibt, denkt den keiner an die Senioren, für die der Automat ein rotes Tuch mit sieben Sigeln ist, warum kann man nicht im Rathaus solchen Verkaufsstand einrichten???

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