Zivilcourage gegen Asoziale

Es bleibt auch nach Jahren der Aufklärungsarbeit dabei: Wer nur einen verkürzten und eingefärbten Blick sowie eine ebenso willkürliche wie manipulative Auswahl auf die Geschehnisse in der Stadt haben möchte, der lese die Bergedorfer Zeitung. Wer mehr wissen möchte, gehe selber hin!

hundekot-und-asoziale

Glaubt man dem Bericht des Stefan Huhndorf in der BZ vom 10.09.2016 diskutierten 30 Besucher der Einwohnerversammlung über Hundekot und Ratten einerseits und über das Fahrkarten- und Toilettenproblem am Bahnhof andererseits. Mit welcher Berechtigung – und welcher Motivation – der Redakteur aus den 10 Wortmeldungen von 5 EinwohnerInnen genau 3 Themen auswählte und für berichtenswert erachtete, bleibt sein Geheimnis. Folgende Themen wurden nämlich vorgebracht:

einwohner-p

Einwohner P. hat mit Sicherheit nichts dagegen, nicht nur anonym benannt zu werden

Einwohner P., ein ewiger Mahner und in besten Sinne unbequemer Zeitgenosse, erinnerte an das desaströse PPP-Verfahren im Zusammenhang mit dem Gymnasium-Neubau und dem anschließenden Leerstand der ehemaligen Realschule und begehrte zu wissen, ob die Stadt auch weiterhin jährlich sechsstellige Beträge für auswärtige Fachanwälte und den laufenden Unterhalt des Leerstandes aufwenden müssen. Seine Befürchtungen hinsichtlich der Anwälte (erneut 600.000,00 EUR Rückstellung für dieses Jahr) und des Aufwandes für den Leerstand (wie in jedem Jahr knapp 100.000,00 EUR) musste die Bürgermeisterin bestätigen, konnte ihn aber wenigstens dahingehend beruhigen, dass kein weiteres PPP-Projekt geplant sei.

P. verlieh später auch noch seiner Enttäuschung beredten Ausdruck, dass die Verabschiedung von 5 langjährigen Lehrkräften am Gymnasium am 18. Juli 2016 weder in der Presse Nachklang fand, noch von der Stadt als Schulträgerin in irgendeiner Form begleitet wurde. Die Bürgermeisterin wies darauf hin, dass das Land die Anstellungsbehörde ist und die Schulleitung für die Außendarstellung der Schule verantwortlich sei. Lassen wir dahingestellt, ob das die Art von Wertschätzung ist, welche die Bürgermeisterin immer so sehr betont! Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass immer mehr Schüler Schwarzenbek den Rücken kehren, für die der Schulträger dann Schulgelder an andere Gemeinden zahlen muss, bedürfte es doch gerade angesichts des Millionengrabes PPP der besonderen Aufmerksamkeit der Stadtverwaltung. Schließlich fragte P. dann auch noch nach dem Schicksal des Bauantrages Markt 6-8 vom Mai 2016. Man rechne in Kürze mit der Baugenehmigung, wurde er beschieden.

im-winkelDie Einwohnerin S. beklagte, dass ausgerechnet die Anwohner der Straße Im Winkel nicht im Lärmschutzprogramm aufgenommen worden seien und befragte die PolitikerInnen, ob man mit diesem Ergebnis etwa einverstanden wäre. Passiver Lärmschutz reiche nicht aus; auch die Winkelaner wollten sich auf Terrasse und im Garten wohlfühlen. Der stellv. Bürgervorsteher versicherte, mit dem Ergebnis sei wohl keiner zufrieden und versprach, das Thema weiterzutragen, wohin auch immer. Heiterer war seine Stimmung, als S. etwas später auch noch die Wildschweine ansprach, denen man als Anwohner bisweilen Aug in Auge gegenüberstehe. Auch deren Lautstärke, besonders offenbar das heftige Geschnaufe, sei mitunter eine erhebliche Belastung. Ob man die nicht in den nahe gelegenen Sachsenwald vertreiben oder vielleicht auch gleich abschießen… nein, nein, bedauerte Herr Larisch gut gelaunt, so einfach wären die Jäger dazu heute leider nicht mehr zu bewegen.

Einen zugegeben relativ hohen Anteil an den Wortmeldungen hatte der Einwohner D., offenbar Eigner einiger Häuser und damit vieler Mietwohnungen im Bereich Kollower Straße. Seine Sorge galt dem vielen Hundekot auf öffentlichem und privaten Grund sowie der Zunahme der Rattenplage und beides ist durchaus Grund genug, bei der Stadt vorstellig zu werden. Auch der Umstand, dass das Ordnungsamt, so jedenfalls die Aussage des D., ihn aufforderte, selbst tätig zu werden, erschiene ihm kritisierenswert. Er fühle sich jedenfalls allein gelassen, sei dann aber auch selbst tätig geworden. So habe er diverse Täter identifiziert und sei bereit, diese gemeinsam mit dem Ordnungsamt zu besuchen und deren Urheberschaft (also natürlich die der Hunde!) zu bestätigen. Auch hinsichtlich der Ratten sei er nicht untätig gewesen, habe die gelben Säcke („die reinste Rattenfütterung“) gegen Tonnen ausgetauscht. Ganz tatkräftig habe er auch Sieldeckel eigenhändig geöffnet („ist das eigentlich erlaubt?“) und feststellen müssen, dass in den Gullischächten im Gegensatz zu früher keine Köder mehr zu finden wären. Woher er dieses Wissen nahm und ob er etwa selbst nachrüstete, blieb unklar, trieb die Verwaltung jetzt aber auch nicht um. Der Bauamtsleiter Hinzmann antwortete für den Eigenbetrieb Abwasser, dass sich deren Methoden nicht verändert hätten. Genauere Zahlen müsse er aber erst nachschlagen.

kollower-strase
asozialeÄußerst unangenehm und befremdlich war, dass der Einwohner P. die Verursacher des Hundekots (und der Rattenplage?) und der zunehmenden Schäden an den Häusern auch in den Zusammenhang mit Asylbewerbern brachte. Mehrfach verwendete er auch den Begriff „Asoziale“, von denen man dann leider auch keine Entschädigung erwarten könne. Auch zeigte er sich besorgt, dass die Asylanten planlos untergebracht würden und dabei Ghettos entstehen könnten. Dem widersprach die Bürgermeisterin sofort und für ihre Verhältnisse auch energisch. Die Unterbringung erfolge keineswegs planlos, vielmehr eruiere man im Vorwege die Bevölkerungsstruktur in den betreffenden Blöcken und regele die Unterbringung dann in enger Abstimmung mit den Eigentümern. Es werde sehr darauf geachtet, dass es keine Ghettobildung gebe. Zwei hauptamtliche MitarbeiterInnen betreuten die Familien, allerdings stünden nicht alle Asylbewerber in unserer Zuständigkeit.

An dem Begriff „Asoziale“ stieß sich die wertschätzende Bürgermeisterin offensichtlich nicht. Ihre „Zivilcourage“ hebt sie sich angeblich auf, wenn sie selbst auf Hundebesitzer trifft, die das Geschäft ihrer Vierbeiner links liegen lassen wollen. Solche spreche sie immer an, behauptete sie und habe auch immer ein paar Extrabeutel dabei. Sie sei jedenfalls „bemüht“, Zivilcourage zu zeigen. Für die Stadt sei es dahingegen schwierig, etwas zu unternehmen, da man die Hundebesitzer „auf frischer Tat ertappen“ müsse.

Einwohner D. bot sich erneut als Zeuge an, der die Täter identifizieren könne, Frau Bürgermeisterin wollte das „mitnehmen“ und prüfen. Sie kann sich dann ja auch selbst als Zeugin anbieten, aber ob es hilft? Kann man „Täter“ (nota bene: einer Ordnungswidrigkeit) mehr auf frischer Tat ertappen, als mit der Dienstvorgesetzten des Leiters des Ordnungsamtes als Tatzeugin? Was für ein Geschiss! Ihre Courage reichte offenbar nicht aus, dem Einwohner mitzuteilen, was sie von seiner Blockwartmentalität hält.

Fortsetzung folgt

3 Responses to Zivilcourage gegen Asoziale

  1. Heiner Wilhelmi says:

    Es ist schon interessant zu lesen, was die leer stehende Schule am Tag kosten soll, aber man bekommt leider keine Antwort darauf. Wer hat den Umbau bezahlt, und wer muss nun den erneuten Umbau bezahlen, durfte die Schule überhaupt umgebaut werden, gibt es dafür eine Genehmigung? Es ist sehr schade, das die Bürgermeisterin das Wort ASOZIAL akzeptiert, warum kein klares Wort man kann nicht alle Flüchtlinge über einen Kamm scheren, denn hier hat die Bundesregierung in meinen Augen total versagt und sich übernommen. Wo ist der Runde Tisch von Schwarzenbek, gibt es nun auf einmal keinen mehr, der diese Arbeit machen will? Wie soll es nun weitergehen mit der leer stehenden Schule, zwei Räume mussten zurück gebaut werden zu welchen Kosten??
    Schade, das es keine Antwort gibt von den Parteien, die im Rathaus sitzen!!

    • Rüdiger Jekubik says:

      Lieber Kommentator,ich denke du weisst es selber ganz genau: Antworten zu deinen Fragen kann nur die Verwaltung geben. Hier ist der Bürger gefragt. Was spricht dagegen, wenn in der Einwohnerfragestunde am Beginn einer jeden Stadtverordnetenversammlung aus der Mitte der Zuschauer gut vorbereitete Fragen an die Protagonisten gestellt werden. Das Auskünfte von Stadtverordneten aus bestimmten Verhaltensregeln heraus (Infos aus nicht öffentlicher Sitzung zum Beispiel!) schwer möglich sind, sollte dir aus deiner aktiven Zeit als Stadtverordneter bestens bekannt sein.

      • Heiner Wilhelmi says:

        [..] Natürlich erwarten die Bürger auch von Abgeordneten/innen eine Auskunft, doch die sind ja manchmal auch nicht in der Lage zu antworten, oder Anträge richtig zu beantworten, leider kommen bestimmte Verhaltensregeln bei der Bevölkerung nicht an, versuchen Sie doch mal mehr Transparenz in Ihre Politik ein zu bringen!

        Hinweis des Bloggers: Bitte interne Auseinandersetzungen intern behandeln! Danke.

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