Vom Überwinden der Parteien

Befreit von allen Lasten? Frank Schmeil (CDU)

Befreit von allen Lasten? Frank Schmeil (CDU)

Die Bergedorfer Zeitung nennt es „Wechselfieber“, in Wahrheit hat aber bislang niemand die Seiten gewechselt. Auslöser für die erneute Schlagzeile ist Frank Schmeil (CDU), seines Zeichens Finanzausschussvorsitzender und als solcher derzeit in den Medien relativ präsent. Insofern konnte er sich mit seinem am Dienstag erfolgten Austritt aus der CDU-Fraktion des öffentlichen Interesses sicher sein, entzieht sich dem aber. Er wolle keine Schlammschlacht eröffnen, verweigert der Christdemokrat dem Wahlvolk die Offenlegung seiner Gründe. Insofern dürften diese tatsächlich rein persönlicher Natur sein und die BZ bietet auch Erklärungen an: Seine Alleingänge sollen ihn unbeliebt gemacht haben und mit Gerhard Moldenhauer habe er ein besonders angespanntes Verhältnis. Aber die CDU kann aufatmen. Mit Ursula Wähling kehrt ein Mitglied zurück in die Fraktion, welches sich vordem isoliert gefühlt hatte und nun im Gegensatz zu Schmeil wieder Heimat im Ortsverband der CDU fand. Wähling war kurzfristig Mitglied der FWS-Fraktion, reiste auf deren Ticket in die Stadtvertretung, um nach der Wahl wieder die Fraktionslose zu geben.

Wenn alle Schäflein zu ihm kämen, wäre es ihm wohl auch nicht recht: Eberhard Schröder (FWS)

Wenn alle Schäflein zu ihm kämen, wäre es ihm wohl auch nicht recht: Eberhard Schröder (FWS)

Mit Heinz-Werner Rose hatte der Reigen begonnen. Der ehemalige Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzende der FWS war unlängst der SPD beigetreten und hat damit für einige Empörung bei seinen ehemaligen Freunden ausgelöst. Aber in Wahrheit war das natürlich genau so wenig ein Wechsel, wie der der beiden anderen. Denn die FWS ist ja im Grunde ein einziges Missverständnis und schon gar keine politische Heimat. Politisch ausgerichtet war Rose immer schon sozialdemokratisch, so wie Wähling und Schmeil nicht aufgehört haben, christdemokratisch zu ticken. Es ist ja nicht zuletzt der große alte Mann der FWS, der beständig Klage darüber führt, dass er eben keinen Draht nach oben (nein, nicht zum lieben Gott!) hat. Immer wieder forderte und fordert er die Parteien auf, sich doch Unterstützung aus ihren Kreis- und Landesverbänden oder gar aus Berlin zu holen und macht dabei die Crux der Freien Wähler überdeutlich.

Denn anders als von Ahnungslosen befürchtet und Eingeweihten fabriziert, nehmen die Bundes-, Landes- und Kreisverbände kaum je Einfluss auf die lokale Politik der Ortsverbände, könn(t)en aber sehr wohl die eine oder andere hilfreiche Hand reichen und das weiß

Sind die Parteien eine Gefahr für Schwarzenbek?

Sind die Parteien eine Gefahr für Schwarzenbek?

Schröder auch ganz genau, daher erwähnt er es ja immer wieder. Es verhält sich genau so, wie der CDU-Ortsvorsitzende Hans-Heino Meier es kürzlich darstellte: „Wenn wir einen Bürgersteig bauen, ist das kein christ- oder sozialdemokratischer, kein liberaler oder grüner Bürgersteig“. Aber wenn man eine Ortsumgehung haben möchte, dann hilft ein roter Innenminister einem roten Bürgermeister vielleicht eher und sieht ein schwarzer Bundestagsabgeordneter mitfühlender auf die Wünsche seiner schwarzen Brüder und Schwestern im Ort. Seit wann wären Ideologien – nebenbei: seit wann folgen unsere Parteien eigentlich noch solchen Ideen? – entscheidend für den Einstieg in die Kommunalpolitik gewesen? Die meisten drängend dort hinein, weil sie konkret etwas für den Heimatort verändern wollen. Es mag auch solche geben, die sich ausschließlich um den eigenen Vorgarten und das eigene Wohlergehen kümmern, aber die findet man eher bei Nichtwählern, als bei denen, die ihre Abende in lausigen Ausschüssen verbringen.

Das Loblied der Parteien an sich zu singen, fällt mir hier nicht ein. Aber die (un-)heimliche Freude, die einige jetzt in Schwarzenbek nicht nur empfinden, sondern auch lauthals verkünden, wonach es eine Wohltat sei und die Demokratie gesiegt habe, weil die Parteien einen vor die Schnauze bekommen hätten, ist in Wahrheit natürlich keine Klatsche für die Parteien, sondern für Nachbarn und Mitbürgerinnen, die eben nicht nur zu Wahlzeiten ihre Freizeit einsetzen, sondern ständig, jahraus, jahrein. Und diese Idealisten werden auch nicht nur zu Wahlzeiten sichtbar! Das gilt nur für diejenigen, die sonst niemals hinschauen, die sich einen Dreck ums Gemeinwohl sorgen, die sich höchstens beschweren, wenn der eigene Vorgarten betroffen ist. Die sind dann genervt von den Politikerinnen und glauben, sich echauffieren zu müssen über „die da oben“. Und dann werden eben die Kempters und Meiers, die Panaks und Freibergs (um stellvertretend die Ortsvereinsvorsitzenden zu nennen) in einen Topf geworfen mit den tatsächlich entrückten Gabriels und Merkels dieses Landes. Und darüber freuen sich dann die Schröders und auch die Borchers-Seeligs, weil es für einen Moment wieder so aussieht, als verfolgten sie als „Unabhängige“ natürlich ausschließlich uneigennützige Ziele. Deren Claqueure wenden sich aber wieder fröhlich ab, man hat es den Parteien einmal gegeben, und überlässt die Kärrnerarbeit wieder … den Parteien.

Endlich gefunden: Die perfekte Aufstellung. Das neue Zentralkomitee von Schwarzenbek

Endlich gefunden: Die perfekte Aufstellung. Das neue Zentralkomitee von Schwarzenbek

All denjenigen, die nun also genussvoll auf das Wechselspiel schauen und hämisch applaudieren, wenn sich die Parteien gegenseitig zerfleischen – der ausgelobte Frieden endet vermutlich am 10. Juli bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung – sei ins Stammbuch geschrieben, wie hirnlos sie sind. Die Einigung aller Parteien auf einen gemeinsamen Kandidaten hatte die Chance geboten, dass Neid, Missgunst und Zwietracht wenigstens eine Zeit lang zum Wohle der Stadt hätten im Zaume gehalten werden können. Persönliche Interessen und Eitelkeiten hätten es dann deutlich schwerer gehabt, den eigenen Vorteil als Gemeinwohl zu verkaufen und diese Furcht muss groß gewesen sein, wenn man überlegt, wie viel Niedertracht aufgeboten wurde, um den Konsenskandidaten – dem auf einmal wieder (fast() alle als höchst geeignet empfanden – persönlich herabzuwürdigen und im wahrsten Sinne des Wortes zu schlagen. Nun hat man, was man wollte. Nun streiten sie wieder, antichambrieren, kalkulieren, zählen Ausschussitze und wachen argwöhnisch, wer welchen Vorteil hat. Die Kriegsgewinnler freuen sich und das dämliche Stimmvieh verzieht sich bis zur nächsten Wahl wieder in den eigenen Vorgarten. Dann aber werden sie wieder auftreten und „die Parteien“ geißeln, die angeblich nur auf den eigenen Vorteil bedacht seien. Wenn das so wäre, würden sie perfekt zu diesen WählerInnen passen.

Das sind die Bösen, die müssen Sie sich merken! Von links nach rechts: König Konrad, der Usurpator, O.W.Panik, Hans-Heino Flyer und Harry von der Drei-Punkt-Bande

Das sind die Bösen, die müssen Sie sich merken! Von links nach rechts: König Konrad, der Usurpator, O.W.Panik, Hans-Heino Flyer und Harry von der Drei-Punkt-Bande

Frank Schmeil hat sich diesem Streit nun entzogen und wird – wer weiß wie lange – kraft-, stimm- und nutzlos in der Stadtverordnung seine Sitzungsgelder absitzen. Man wünschte fast, alle Stadtverordneten folgten seinem Beispiel. Der Traum der Schmähbriefschreiber wäre erfüllt: Keine Parteien mehr, nur noch fraktionslose Einzelkandidaten und keinerlei Bewegung mehr. Oder alle rein in die FWS? Hei, das wäre ein Spaß! Ratzfatz wäre Schröder seinen Fraktionsvorsitz los und hätte im eigenen Laden nichts mehr zu sagen. Wir aber hätten dann endlich die unabhängige Einheitsfraktion und müssten die ganzen Meucheleien und Durchstechereien, den Zank, die Intrigen, den Verrat und die Liebedienerei nicht mehr mitansehen. Egal, wie wenige zur Wahl gingen, die Ergebnisse wären immer satt im Neunundneunzig-Prozent-Bereich. Nur der ausgetretene Eberhard Schröder und sein aus ihm bestehender Bund Renitenter Rentner knappste einen Punkt ab. Der Ältestenrat würde aufgeläst (nur noch ein einziges Mitglied!) und gegen ein Zentralkomitee der FWS ausgetauscht werden und endlich, endlich wäre auch in Schwarzenbek die Einheit vollendet.

One Response to Vom Überwinden der Parteien

  1. Qwertz says:

    Also wenn alle in die FWS eintreten würden, wäre die gute Frau Jennrich auf Jahre hinweg mit genug Arbeit ausgestattet…die alle wieder loszuwerden.

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