Saure-Gurken-Zeit einmal anders

BeZettDie unmittelbar nach der Stichwahl einsetzende Kritik vieler UBS-Unterstützer, die Parteien mögen doch bitte (endlich) das Wahlergebnis akzeptieren, hatte schon skurrile Züge, denn erstens hat ja ernsthaft niemand das Ergebnis in Zweifel gezogen, wenn auch die Lübecker Nachrichten von dementen WählerInnen zu berichten wusste. Zweitens hat „die Politik“ das Ergebnis sogar schneller kompensiert, als die meisten anderen. Während die gewählte Kämmerin noch am Verdauen war, hatten Kommunalpolitikerinnen aller Parteien, wenige Tage zuvor noch im Verbund für Carstensen trommelnd, unmittelbar nach der Wahlentscheidung per Pressemitteilung vom 18. Juni ihren Willen zur Zusammenarbeit unterstrichen. Gestern, am 24. Juni hat dann auch die Tagespresse darauf reagiert und es ist interessant, wie unterschiedlich ein und dieselbe Mitteilung dargestellt werden kann.

Der wöchentlich erscheinende Schwarzenbeker Anzeiger bleibt, wie das auch gängige Praxis ist, nahe am Text der Mitteilung. Hierin unterstreichen die Kommunalpolitikerinnen ihren Dank an den unterlegenen Kandidaten und würdigen dessen Verdienst für eine „positive Grundstimmung“ für die Zusammenarbeit der Parteien. Nun wolle man die Stadt voranbringen und setze auf die Unterstützung von Ute Borchers-Seelig als Frau an der Spitze der Verwaltung. Ihre Hoffnung auf eine „wirtschaftlich wachsende, familienfreundliche, generationsübergreifende und finanzkräftige Kommune“ ruhe jetzt auf der neuen Bürgermeisterin , da diese im Wahlkampf betont hatte, „Lösungsmöglichkeiten für Ortsumgehung, Kita- und Schulentwicklung, Stärkung des Wirtschaftsstandortes, Innenstadtentwicklung und Konsolidierung parat“ zu haben. Die Politikerinnen zielen also eindeutig auf die Versprechungen des Wahlkampfes ab und unterstreichen, dass mit Borchers-Seelig nach deren eigener Aussage nicht nur ein ausgeglichener Haushalt, sondern auch ein Ausgleich der Schulden zu erreichen sei. „An den erforderlichen Beschlüssen der Politik“ werde es der neuen Bürgermeisterin jedenfalls nicht mangeln, erklären die Frauen sich zur rückhaltlosen Unterstützung bereit.

Während das Gelbe Blatt diesen Inhalt unverstellt und komplett transportiert, spielt die Bergedorfer Zeitung ihr eigenes Spielchen und verzerrt die Aussage bis zur Unkenntlichkeit und macht sich ganz nebenbei zum Anwärter auf die „Saure Gurke“ der Schwarzenbeker Presselandschaft. „Lieber Schmusekurs als Zickenkrieg“, mit dieser Zeile beginnt der Redakteur Jan Schubert allen Ernstes seinen Artikel, welchen er mit „Politikerinnen setzen auf Borchers-Seelig“ überschreibt. Die Pressemitteilung titelte, dass man auf „den neuen Zusammenhalt der Parteien“ setze und Susanne Nowacki vom Gelben Blatt hatte das auch so übernommen. Auf eine „künftig gute Kooperation mit der Noch-Kämmerin“ setzen die Frauen in der BZ und dann verdreht Schubert den Damen mit einer kleinen, aber wirkmächtigen Vokabel das Wort im Munde: „Die Wahlsiegerin habe bereits Lösungsmöglichkeiten [..] kommuniziert“, heißt es nach Schubert in einer Pressemitteilung der Kommunalpolitikerinnen. Heißt es natürlich nicht. Das Einzige, was die angehende Bürgermeisterin kommunizierte, waren bislang Versprechen und das geht aus der Pressemitteilung auch unzweideutig hervor. Und die möge sie bitte einlösen und dafür sichern die Kommunalpolitikerinnen jede Unterstützung zu.

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Hier kann man den Artikel des Gelben Blattes auch online lesen

Man sieht, wie man mit einfachen Mitteln und kleinen Wortverdrehungen eine Pressmitteilung so umfunktionieren kann, wie es offenbar dem eigenen Gusto eher entspricht. Nur zur Klarstellung: Es spräche überhaupt nichts dagegen, wenn Jan Schubert in einem Kommentar ausführte, was er offenbar denkt. Möglicherweise meint er, dass die Zicken aus der Schwarzenbeker Politik nun ihr Fähnchen nach dem Winde richten und möglichst schnell auf den Schoß der Kämmerin hüpfen wollen, um von deren Lösungen profitieren zu können. Dann sollte er es sagen und aus Sicht des blackbekblog, dem ja immer wieder gerne genau so eine Meinungsmache vorgeworfen wird, gerne auch in einer Mischung aus Berichterstattung und Kommentar. Nur sollte man a) dann auch dazu stehen und b) nicht durch Verwendung indirekter Rede einen völlig falschen Zungenschlag in das Gesagte bringen. Denn wer lediglich auf die Bergedorfer Zeitung als Nachrichtenblatt angewiesen ist, wird auf diese Art zwangsläufig in die Irre geführt.

Wie man es besser macht, beweist Susanne Nowacki übrigens nicht nur im Artikel selbst. Auf der selben Seite direkt neben der Mahnung der Politik an die kommende Bürgermeisterin, ihren Versprechen jetzt auch Taten folgen zu lassen, erinnert Nowacki völlig zurecht an die Versprechungen der Politik nach der letzten Kommunalwahl hinsichtlich Transparenz und Bürgerbeteiligung. Wie zuvor der blackbekblog, kritisiert auch Nowacki die bei der letzten öffentlichen Sitzung des Finanzausschusses deutlich gewordene Diskrepanz zwischen den Schwüren einerseits und der Wirklichkeit andererseits. Insofern bleibt zu hoffen, dass die Arbeitsteilung zukünftig deutlicher eingehalten und die Arbeit dann aber auch erledigt wird. Hobbypolitiker sind nicht aufgerufen, die besseren Stadtverweser zu sein und die Verwaltung hat gefälligst keine Politik zu machen. Wenn jede/r seinen Job machte, könnte es für die Stadt vorangehen.

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