Ein ergebnisorientierter Beamter weniger

Hans-Jürgen Stribrny verlässt nach fast 37 Jahren das Schwarzenbeker Rathaus

Hans-Jürgen Stribrny verlässt nach fast 37 Jahren das Schwarzenbeker Rathaus

Über 36 Jahre hat Hans-Jürgen Stribrny als Verwaltungsangestellter die Schwarzenbeker Geschicke begleitet und bisweilen nicht unwesentlich gestaltet. Hauptsächlich als Leiter des Ordnungsamtes war er jedoch auch in vielen anderen Bereichen tätig, als guter Beamter eben an der Stelle, an der man ihn einsetzte. Nun geht er in Pension und die Bergedorfer Zeitung widmet ihm einen langen Artikel und würdigt auf diese Art sicher angemessen seine Tätigkeit. Doch es wäre nicht die Bergedorfer Zeitung, wenn sich darin nicht auch ein Fitzelchen sachfremde Politikmache versteckte, und es wäre nicht der blackbekblog, wenn er es nicht aufspießte. In Sachen Holzhaus Nordost, bekanntlich eine Einrichtung der Stadtjugendpflege Schwarzenbek in der Cesenaticostraße, erlebte Stribrny seinen „beruflichen Tiefpunkt“, als es „heftige Kritik aus den Reihen der Politik“ gegeben habe. Ersteres ein Zitat von Stribrny, letzteres eine Wertung der Zeitung.

Man merkt die Absicht und ist verstimmt: Verwaltung toll, Politik igitt. Denn im weiteren Verlauf des Artikels wird natürlich deutlich, was für ein toller Erfolg das Holzhaus ist und wie gut, dass Herr Stribrny sich damals weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Ja, das Holzhaus ist ein Erfolg und das wurde erst zuletzt wieder dokumentiert, als der verantwortliche Stadtjugendpfleger im Hauptausschuss unterstrich, wie wichtig die Einrichtung ist und wie ungern er sie jetzt zeitweilig einer Kita-Übergangslösung überlässt. Gewertet hatte die BZ den Vorgang auch damals schon. Denn es hatte keineswegs Kritik „aus den Reihen“, sondern von der Spitze der Politik gegeben und nicht nur von der, sondern auch von der Spitze der Verwaltung. Der Bürgermeister selbst, im Verbund mit den damaligen Politfürsten Delfs (CDU) und Siepert (SPD), war so gar nicht für das Projekt gewesen und hatte Stribrny so scharf kritisiert, dass zeitweilig sogar eine persönliche Haftung des Verwaltungsbeamten für die Mehrkosten im Raume stand.

Ein würdigender Artikel in der Bergedorfer Zeitung

Ein würdigender Artikel in der Bergedorfer Zeitung

„Aus den Reihen der Politik“, quasi von den Hinterbänken hatte es damals jedoch Zustimmung und Unterstützung gegeben. Gegen den Widerstand der bereits genannten Herren, hatte insbesondere Susanne Heyer-Borchelt den Ordnungsamtsleiter in der Sache unterstützt und die „vertrackte Situation zu retten“ (BZ vom 03.02.2010). Damals war die Bergedorfer Zeitung allerdings noch sehr auf Kurs mit der Großen Koalition, die gemeinsam mit dem Bürgermeister wie in den alten Zeiten des Magistrats alle Entscheidungen in kleiner Runde hinter verschlossenen Türen auskoberte und notfalls mit Hilfe geschickter Informationspolitik an die örtliche Presse gefällig transportierte (der blackbekblog hatte damals ausführlichst berichtet). Diese Zeiten sind hoffentlich seit der letzten Kommunalwahl vorbei und daher muss die Zeitung natürlich sehen, wo sie bleibt und sucht vielleicht deswegen die Nähe der Verwaltung. Anders ist die Kritiklosigkeit einerseits und die Geringschätzung andererseits kaum zu erklären.

Aber kommen wir zurück zum eigentlichen Star dieser Geschichte! Das vom Tief- zu einem der Höhepunkte seiner Karriere avancierte Holzhaus belegt ja nur, dass Stribrny zu einer aussterbenden Gattung Verwaltungsbeamter gehört, der eben nicht nur vorschriftsmäßig, sondern ergebnisorientiert arbeitet und bisweilen auch die gezielte Indiskretion wagt, um einen Vorgang zu beeinflussen. Unvergessen und für Schwarzenbek finanziell bedeutsam bleibt in der jüngeren Geschichte die Farce um die neue Feuerwehrdrehleiter. Nachdem Wehrführer, Bürgermeister und Hauptausschussvorsitzender in nicht-öffentlichen Sitzungen und unterstützt durch die Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrreporters Timo Jann den Weg für eine übereilte Neuanschaffung bereitet hatten, war es Stribrny, der mit der Aussage, die Drehleiter sei zu 100% einsatzfähig, die nötige öffentliche Erregung herstellte, die zumindest für die nötige Verzögerung sorgte, dass aus den Reihen der Politik eine entscheidende Förderquelleentdeckt und angezapft wurde.

Übrigens hatte sich Stribrny auch bei dieser Gelegenheit Ärger mit dem Bürgermeister und den damaligen Spitzen der Kommunalpolitik eingehandelt. Allerdings war er wohl nie der Typ, der sich davon nachhaltig beeindrucken ließ. Wenn er nun geht, bzw. war am Montag bereits sein letzter Arbeitstag, hinterlässt er übrigens nicht nur die Leitung im Ordnungsamt, sondern hat Schwarzenbek dann auch endgültig keinen Wirtschaftsförderer mehr. Nachdem Herr Thiede als Bürgermeister nach Lauenburg gegangen war und die Marketing GmbH führungslos hinterließ, hatte zunächst der Bürgermeister, dann Bauamtsleiter Hinzmann und zuletzt eben Stribrny die Aufgabe irgendwie nebenbei übernommen. Warten wir ab, wer den ungeliebten Wanderpokal nun übernehmen muss!

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