Die Mutter der Hilflosigkeit

Oh weia, das habe ich alles geschrieben?

Oh weia, das soll ich alles versprochen haben?

Kaum einen Tag ist sie gewählt und schon offenbart sich nicht nur das ganze Wahlkampfgetöse als heiße Luft, sondern zeigt sich auch das tiefe Missverständnis der neuen Bürgermeisterkämmerin vom Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung. Dem falschen Eindruck, den Sie bei den Wählerinnen erzeugte, als bestimme die Bürgermeisterin quasi die Richtlinien wie die Kanzlerin es für das Kabinett tut, unterliegt sie offenbar selbst. „Auf Kurs“ wolle sie die Politik bringen, führt die selbsternannte Süßwasserkapitänin im heutigen Interview der Bergedorfer Zeitung aus. Trotz ihrer gegenteiligen Angaben im Wahlkampf hat sie aber ganz offensichtlich nicht den blassesten Schimmer, welcher das sein könnte. Vielmehr zeigt sich ihre komplette Hilflosigkeit in ihrem sinnigerweise erst jetzt veröffentlichten Masterplan: Einen runden Tisch, die Mutter aller Hilflosigkeit, will sie einberufen und verkündet das als „Strategie“.

Von wegen hat sie die Lösungen schon in der Tasche, wie sie lauthals im Wahlkampf verkündete. Keine Rede mehr davon, dass es ohne Zeitverzögerung starten könne mit der Lösung und Gestaltung und vor allem Entschuldung der Stadt. Nun soll alles erst einmal „sacken“, „auch“ die Politik brauche Zeit, den „Schock“ zu verdauen, zeigt sie sich offenbar selbst von ihrem Erfolg erschreckt. Tatsächlich beginnt die Kämmerin auch erst jetzt mit der Entwicklung ihres „Handlungs- und Strategiekonzeptes“ und dazu bedarf sie offenbar dringlich des Inputs von außen. Mit allen Fraktionsvorsitzenden wolle sie sich zusammensetzen und dafür eben den runden Tisch einführen. Was die frisch und offensichtlich zu heiß gebackene Bürgermeisterin dabei übersieht, ist der Umstand, dass es einen solchen bereits gibt. Er nennt sich Ältestenrat und tagt beispielsweise heute Abend. Vielleicht lässt sich die Kämmerin doch noch ein paar Infos von ihrem Stellvertreter geben, auch wenn sie auf die Frage der BZ, ob sie sich noch in irgendeinem Fachgebiet fit machen lassen müsste, ein kategorisches „Nein“ zur Antwort gab.

Das erste Interview der frisch gebackenen Bürgermeisterkämmerin, natürlich in  der BZ

Das erste Interview der frisch gebackenen Bürgermeisterkämmerin, natürlich in der BZ

Das kennen wir aber bereits aus dem Wahlkampf. Sie kann alles und auch das Gegenteil und im Zweifel gleichzeitig. Ute Borchers-Seelig war quasi bereits Bürgermeisterin, bevor sie gewählt wurde. Ohne das geringste Zeichen von Demut behauptet sie ja immer noch, dass sie in allen Bereichen fit genug ist. Mehr als dem völlig unbeleckten Gegenkandidaten von vor 6 Jahren fällt ihr aber auch nicht ein und im Grunde hatte der Wunschbaum des Wahlkampfes das denjenigen bereits angezeigt, die hinzuschauen bereit waren. Anders als der ehrliche Helge von Appen, der damals dazu stand, in den Job erst hineinwachsen zu müssen, ist Ute Borchers-Seelig auch weiterhin der Wirklichkeit entrückt. Einen „fairen und sachorientierten“ Wahlkampf will sie geführt haben und auf „Anschuldigungen“ der Gegenseite nicht eingegangen sein.

Die nackte oder die hässliche Wahrheit?

Die nackte oder die hässliche Wahrheit oder beides?

Von welchem Planeten will sie uns da berichten? Sie hat es ja eben nicht dabei belassen, sich selbst als Gottes Geschenk für Schwarzenbek zu preisen, sondern eben immer wieder auf die angebliche Nichteignung des Gegenkandidaten, aller Gegenkandidaten hinzuweisen. Von all den Gehässigkeiten und der üblen Nachrede aus ihrem Wahlkampfteam meint sie sich offenbar ebenso leicht distanzieren zu können, wie von der bestellten und geschalteten Karikatur-Anzeige, von der sie jetzt erklärt, sie habe das weder in Auftrag gegeben, noch annonciert. Nein, das hat sie natürlich ebenso wenig persönlich getan, wie die beleidigenden und abwertenden Gedichte und Leserbriefe zu schreiben. Aber nur zu gerne hat sie sich diese Inhalte zu eigen gemacht und stolz auf Facebook präsentiert. Wenn das ihre Vorstellung von Fairness ist, dann können sich die künftigen Kritiker der Kämmerin – das will sie ja hauptberuflich bleiben – auf einiges gefasst machen. Gipfel der Unverschämtheit war, zum Ende des Wahlkampfes die eigene Schmutzkampagne dem Gegner anzulasten und Carstensen sogar der Verleumdung zu bezichtigen. Das blieb ebenso pauschal wie unbewiesen vorgeworfen, wie sie jetzt Anschuldigungen gegen ihre Person erfindet.

Nein, mit der Wahrheit scheint es die Verwaltungsbeamtin ähnlich ungenau zu nehmen, wie mit den Zahlen des Haushalts und den Richtlinien und Erlassen aus Kiel und Ratzeburg. Hinzu kommt die jetzt im Interview auch eingestandene Konzeptions- und Ideenlosigkeit. Wenn man nicht mehr weiter weiß, dann gründet man ‘nen Arbeitskreis. Das ist jetzt also die Lösung der Lichtgestalt der Jünger des Mittelmaßes. Prima, das hatten wir ja auch noch nicht in Schwarzenbek: Eine Bürgermeister-in, die ihren Job schwänzt und glaubt, die Verantwortung für die Gestaltung der Stadt an die Stadtverordnetenversammlung oder sogar die Bürgerinnen und Bürger delegieren zu können. Und die dürfen sich dann hinterher wieder anhören, wie dämlich und/oder undurchführbar ihre Vorschläge sind. Es bleibt zu hoffen, dass die Stadtverordneten die Kandidatin beim Wort nehmen und ihr die Vorschläge zur Gestaltung und Entschuldung der Stadt abverlangen. Dafür wird sie ab Dezember bezahlt. Vielleicht sollte sie sich bis dahin ausnahmsweise doch auch selbst Gedanken machen und nicht nur denken lassen. Im Interview fällt jedenfalls auf, dass sich die Kämmerin ungern auf eigene Wahrnehmung und Analyse verlässt, sondern sich gerne sagen lässt, was sie meinen soll. Dass der Wahlkampf eben auch ein Kampf sei, habe sie sich sagen lassen, ganz als sei sie nicht selbst verantwortlich für die Tiefschläge oder als gehörten die dann eben dazu. Die erschreckend niedrige Wahlbeteiligung sei „für Schwarzenbek in Ordnung“, habe sie sich ebenfalls sagen lassen. Und jetzt möchte sie sich halt von den Politikerinnen und den Bürgerinnen sagen lassen, was sie tun soll?

One Response to Die Mutter der Hilflosigkeit

  1. Rüdiger Jekubik says:

    Da ich mich von diesem Interview der neuen Bürgermeisterin natürlich besonders angesprochen fühle, gibt es natürlich auch einen Kommentar dazu: liefern muss aus meiner bescheidenen Sicht zunächst einmal nur eine Person: die Bürgermeisterin. Wir, die Stadtverordneten, freuen uns schon auf die ganzen fertigen Konzepte aus den Schubladen der Bürgermeisterin. Ich bin mir sehr sicher, dass wir diese Pläne und Konzepte dann selbstverständlich kritisch aber konstruktiv begutachten und begleiten werden. Auf welchen Kurs mich Frau Bürgermeisterin dann bringen möchte, werde ich mit Spannung erwarten. Ich hoffe es wird kein Zick-Zack Kurs und Frau Borchers-Seelig wird, was die Aussendarstellung ihrer Amtsführung betrifft, auf bessere Berater bauen können, als im abgelaufenen Wahlkampf. Mit Gift verschmutzte Kommentare wie den Leserbrief einer Frau Genz benötigt unsere Stadt nicht!

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