Kämmerin beerbt ihren Stellvertreter

Ubs, das muss ich jetzt auch mit Leben füllen?

Ubs, das muss ich jetzt auch mit Leben füllen?

Das war wohl, was man eine faustdicke Überraschung nennt. Ute Borchers-Seelig gewann zum nicht geringen Entsetzen der überwiegenden Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung die Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Schwarzenbek. Selbst die Mienen der angereisten, lokalen Politprominenz sprachen Bände. Damit hatte so recht niemand gerechnet, selbst die Kämmerin hatte das nicht wirklich erwartet, wie sie gegenüber der Presse einräumte. Ihre Masche der unabhängigen Kandidatin – in Wahrheit ist jetzt niemand von der Politik abhängiger als sie – die sich einer „Front“ (Bergedorfer Zeitung) aller Parteien und angeblichen Schlammschlacht derselben erwehren musste, hat ganz offensichtlich gezogen. Die Wahlhilfe von Amts wegen, als der amtierende Bürgermeister gut eine Woche vor der Stichwahl der Kämmerin auf einer Pressekonferenz erlaubte, sich mit vermeintlich großartigen Haushaltszahlen als Architektin der Konsolidierung zu präsentieren, dürfte ein Übriges getan haben.

So kann es gehen, wenn der untadelige Gegenkandidat sich selbst einen Schmutzwahlkampf verbietet und die örtliche Presse die frappierende Inkompetenz der Kämmerin eben nicht zum Thema macht. Ute Borchers-Seelig, die nicht einmal davor Halt machte, ihren Konkurrentin der Verleumdung zu bezichtigen, hat in diversen Wahlkampfauftritten – und nichts anderes war die Pressekonferenz im Rathaus – ihre erschreckende Unsicherheit und Unkenntnis im Umgang mit den Haushaltszahlen unter Beweis gestellt. Die kommunalen Medien haben einen liebevollen Mantel des Schweigens darüber gehüllt und somit ein gerüttelt Maß Anteil an dem unerwarteten Wahlerfolg der Kämmerin.

Die Kämmerin im Kreise ihrer Unterstützerinnen

Die Kämmerin im Kreise ihrer Unterstützerinnen

Vermutlich ist die geringe Wahlbeteiligung – etwas mehr als ein trauriges Drittel ging zur Wahl – auch nicht ganz unschuldig an der Niederlage des in allen Belangen überzeugenderen Christian Carstensen. Allerdings hat Konrad Freiberg, Bürgervorsteher und Vorsitzender der örtlichen SPD, vermutlich auch nicht Unrecht, wenn er in dem Ergebnis auch eine Klatsche für die Parteien sieht. Heike Wladow, Fraktionsvorsitzende der CDU und bis vor wenigen Wochen selbst Kandidatin in diesem Wahlkampf, fürchtet gar, die Parteien spielten nicht mehr die entscheidende Rolle. Helmut Stolze (FDP/Freie Bürger) und Matthias Schirmacher (Bündnis 90/Die Grünen) waren nicht minder entsetzt. Das tiefe Zerwürfnis zwischen den Parteien und der frisch gewählten Bürgermeisterin scheint für Letztere jedoch gar nicht zu existieren: „Die Parteien stehen hinter mir“, erklärte die entrückte Kämmerin noch am Wahlabend.

Tja, so eine Windmühle ist doch schon verdammt groß!

Tja, so eine Windmühle ist doch schon verdammt groß! (Andreas Thiede, Bürgermeister von Lauenburg, gratuliert Borchers-Seelig zum Wahlerfolg)

Wie dem auch sei, nun wird sie liefern müssen! Denn es ist an der künftigen Bürgermeisterin, die Stadt nun auch voran zu bringen. In Ihrem Wahlkampf hat sie sie Wählerinnen erkennbar glauben gemacht, als läge das Schicksal der Stadt an der Bürgermeisterin allein. Nun muss sie auf die Politik zugehen und das sollte ihr auch keine Schwierigkeiten bereiten, wo sie doch lauthals erklärte, die Lösungen für die vielfältigen Probleme der Stadt bereits fertig in der Tasche zu haben. Es ist kaum zu erwarten, dass die Parteien sich als schlechte Verlierer den Plänen der Kämmerin einfach aus Frustration widersetzten. Vielmehr werden alle begierig sein, jetzt auch zu erfahren, wie Schwarzenbek wieder nach vorne gebracht werden soll. „Nur durch mich kann die Stadt schuldenfrei werden“, hat Borchers-Seelig wie größenwahnsinnig erklärt. Nun sollte sie das auch Wirklichkeit werden lassen!

Ab Montag steht sie dem Bürgermeister nun zur Seite – auch das ein Wahlversprechen der proklamierten Stellvertreterin desselben. Ab Montag wird sie daher an der Wirklichkeit gemessen werden und vielleicht geht dann auch einigen Unterstützerinnen die Scheinriesenhaftigkeit der obersten Buchhalterin der Stadt schmerzlich auf. Schonzeit gibt es jedenfalls keine, denn auch das war eines der vielen überzogenen Versprechen der Verwaltungsbeamtin: Kein Zeitverlust, sie legt sofort los. Alsdann, Frau Borchers-Seelig, lassen Sie Ihren Ankündigungen Taten folgen!

3 Responses to Kämmerin beerbt ihren Stellvertreter

  1. Rüdiger Jekubik says:

    Gratulation natürlich an die Wahlsiegerin des Abends. Leider scheint es tatsächlich so zu sein, dass es erstens nicht gelungen ist, den mündigen Wähler von vorhandener Kompetenz des Gegenkandidaten zu überzeugen und zweitens scheint es auch in Schwarzenbek im Trend der Zeit zu liegen, sich mehrheitlich Parteien, egal welcher Coleur, grundsätzlich zu verweigern und lieber, wenn man denn schon wählen geht, selbst ernannten Unabhängigen seine Stimme zu geben. Leider ist in diesem speziellen Fall ganz offensichtlich übersehen worden, dass Frau Borchers-Seelig bei ihrem Wahlkampf von Personen unterstützt wurde, die jahrelang als Schwarzenbeker Stadtverordnete für unterschiedlichste Parteien und Wählervereinigungen zu dem schlechten Zustand der Stadt beigetragen haben.
    Woher die zukünftige Bürgermeisterin ihre Weisheit nimmt, dass die Parteien hinter ihr stehen würden, erschliesst sich mir bisher nicht. Es bleibt abzuwarten, wie Frau Borchers-Seelig den Schmutz, mit dem ihr „Wahlkampfteam“ besonders in der Schlussphase des Wahlkampfes verbal geworfen hat, wieder von der Straße kehren will, um ein Klima des Vertrauens im Schwarzenbeker Rathaus zu schaffen.

  2. Norakai Gorn says:

    Traurig traurig. Das war ein echter Schlag gestern Abend. Dass es Frau UBS geschafft hat, mit diesem lächerlichen Wahlkampf über 50% der Wahlstimmen zu bekommen sollte jedem Nichtwähler die Schamesröte ins Gesicht treiben. So haben sich über 2000 Leute blenden lassen. Es ist wirklich ein Ärgernis, dass hier die Scheinheiligkeit über die Vernunft siegt.

  3. Ingo Zamperoni says:

    Hauptsache es gibt im Rathaus weiter Kaffee und Kekse. Und vielleicht auch mal wieder eine Reise nach China. Es wär ja wieder mal an der Zeit. Traurige Zeiten für Schwarzenbek.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: