King Lear in Schwarzenbek?

Beschädigt sein eigenes Denkmal: Schröder

Beschädigt sein eigenes Denkmal: Schröder

Eberhard Schröder, ein Monolith der kommunalen Selbstverwaltung scheint entschlossen, nicht nur seine eigene Legende, sondern auch seine Wählergruppe zu zerstören. Es muss wohl sehr an ihm nagen, dass die SPD sich kurz vor der Kommunalwahl neu erfinden und auf diese Weise vom Totengräber der kommunalen Selbstverwaltung zum strahlenden Wahlsieger avancieren konnte. Ausgerechnet die SPD, die sich ihm bereits bei der vorletzten Wahl verweigert hatte und so eine Fortsetzung der ruinösen Ausgabepolitik unter dem männerbündlerischen Triumvirat ermöglicht hatte, war nun noch einmal stärker aus der Wahl hervorgegangen. Aber der Bürgermeister hatte mit Delfs (CDU) und Siepert (SPD) seine treuen Gefolgsleute verloren, jetzt hätte nach Schröders Vorstellung er selbst also noch einmal auftrumpfen können. Wie groß musste seine Enttäuschung sein, dass die Sozis ihn erneut verschmähten und wie sehr hat er sich geärgert, dass Konrad Freiberg als neuer Bürgervorsteher zu Beginn seiner Amtszeit wenig Rücksichten auf alte Seilschaften, aber auch auf gemeinsame Absprachen nahm. Schnell war klar: Eine Freundschaft fürs Leben würde das nicht werden.

Während sich jedoch FDP, Grüne und nicht zuletzt die CDU schnell besannen und auch Freiberg seinen Einzelgängertrip bald korrigierte, blieb Schröder offenbar in der Schmollecke gefangen und gefiel sich fortan darin, alles zu kritisieren und notfalls am nächsten Tag das Gegenteil zu verkünden, wenn er nur gegen Freiberg anstinken konnte. Einer der, nein, der profilierteste – und schärfste! – Kritiker des Bürgermeisters aus der letzten Wahlperiode gerierte sich nun als dessen Beschützer. Und was die SPD auch vorschlug, Schröder hielt dagegen. Und um das tun zu können, nahm er auch keine Rücksicht auf die nicht nur geplante, sondern eigentlich schon vollzogene Stabübergabe. Heinz-Werner Rose versuchte letztlich vergeblich, aus dem patriarchalischen einen kommunikativen, demokratischen Führungsstil zu formen. Eberhard Schröder nahm darauf keine Rücksicht, redete wie ihm der Schnabel gewachsen war, überging den neuen Vorsitzenden, wo er nur konnte und desavouierte ihn so gründlich, dass Rose sich zuletzt aus allen Ämtern zurückzog und dem Patriarch gesundheitlich angeschlagen das Feld wieder überließ.

Das bisweilen hemdsärmelige Vorgehen des Bürgervorstehers kann zum Widerspruch reizen, keine Frage

Das bisweilen hemdsärmelige Vorgehen des Bürgervorstehers kann zum Widerspruch reizen, keine Frage

Wie abenteuerlich die Vorwürfe Schröders inzwischen sind, zeigte zuletzt ein Artikel in der Lauenburger Online Zeitung, die verlässlich jede Presseerklärung in Windeseile in einen gleichlautenden Artikel umformt, ohne das näher zu beleuchten oder zu kommentieren. Am gestrigen Dienstag ließ Schröder sich nun dort vernehmen und dem Bürgervorsteher ernsthaft vorwerfen, „Parteitaktik vor Gemeinwohl“ zu setzen, indem er eine angeblich für den 21. Mai geplante Stadtverordnetenversammlung ausfallen ließ, obgleich es Bedarf dafür gegeben habe. Ausgerechnet der alte Taktik-Fuchs Schröder warf nun Freiberg vor, was er selbst in seiner kommunalen Laufbahn immer wieder exerzierte? Aber war das nicht selbst ein parteitaktischer Vorwurf, denn verhindern kann ein Bürgervorsteher eine Sitzung schließlich nicht. Verlangt ein Drittel der Stadtverordneten eine Versammlung, muss auch eine stattfinden. Aber was war nun dran an dem Vorwurf?

Offensichtlich nichts und heute musste sich Schröder denn auch öffentlich abwatschen lassen. Denn es war nicht nur der Bürgervorsteher Freiberg, der den Vorwurf sehr entschieden zurückwies, auch das Rathaus düpierte den FWS-Fraktionsvorsitzenden, dass es im Ermessen des Bürgervorstehers sei, lediglich für den Bedarfsfall terminierte Sitzungen einzuberufen oder auch nicht. „Ich rate dazu, rechtzeitig vor einem solchen Beratungstermin auch einmal nachzufragen, ob vorgesehen ist, die Sitzung stattfinden zu lassen“, musste sich der alterfahrene Recke aus dem Rechtsamt wie ein Schuljunge belehren lassen. Und Konrad Freiberg machte in einer Erklärung ganz deutlich, dass „ein Bedarf nach Rücksprache mit dem Bürgermeister und den Fraktionsvorsitzenden von SPD, CDU, FDP und Grünen nicht gesehen wurde.“ Daher habe er auch keinen Anlass gehabt, zu einer Stadtverordnetenversammlung einzuladen: „Was soll das auch, wenn keiner außer Herrn Schröder die Notwendigkeit sieht und auch von der Verwaltung keine beschlussreifen Vorlagen vorhanden sind“ Was daran Parteitaktik sein solle, was das überhaupt mit Parteien zu tun habe, „verschließt sich mir vollends“, resümiert Freiberg.

Wie vergiftet die Atmosphäre zwischen beiden inzwischen ist, zeigt ein anderer Satz aus der heutigen Presseerklärung des Bürgervorstehers: „Die Zustimmung von Herrn Schröder werde ich nie erlangen und das ist auch nicht mein Ziel.“ Es scheint so, als wenn die neue Einigkeit in der Stadtverordnetenversammlung unter Ausschluss der FWS ablaufen wird. Ob das allen Fraktionskollegen des zum Alleinunterhalter mutierenden Schröder gefallen wird, bleibt abzuwarten.

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