Einer für alle, alle für einen

Genießt jetzt den Rückhalt aller Parteien: Christian Carstensen

Genießt jetzt den Rückhalt aller Parteien: Christian Carstensen

Dass sich CDU und die Grünen nach dem Ausscheiden ihrer Kandidatin Heike Wladow in der Stichwahl am 15.06.2014 hinter Christian Carstensen als Kandidaten stellen würden, wurde bereits am Wahlabend am vergangenen Sonntag von beiden ausgesprochen. Die Lübecker Nachrichten erschienen daher erst gar nicht zu der für Freitag um 15:30 Uhr anberaumten Pressekonferenz, sondern beschieden sich mit dem Abdruck der dünnen Erklärung. Dabei reicht die Tatsache, dass sich nun alle politischen Parteien hinter einem externen Kandidaten versammeln und sich nicht eine einzige Fraktion für die Kandidatin aus dem Rathaus ausspricht, schon für eine kleine Sensation aus. Was dann aber alles zur Sprache kam, müsste der Kämmerin und ihren Unterstützern jedoch deutlich machen, wie sehr man nicht nur auf das falsche Pferd setzte, sondern auch wie erheblich man sich im Wahlkampf vergaloppierte.

"Ein Bürgermeister muss auch gestalten können" (Hans-Heino Meier, CDU)

„Ein Bürgermeister muss auch gestalten können“ (Hans-Heino Meier, CDU)

Nach dem Dank an die eigene Kandidatin und dem Ausdruck der Freude darüber, dass man sie als Fraktionsvorsitzende behalte, erläuterte Hans-Heino Meier, seines Zeichens Ortsverbandsvorsitzender der CDU, warum man sich nun für Christian Carstensen einsetzen wolle, der bislang bereits von SPD und FDP unterstützt wird. In Fragen der Innenstadtbelebung, der Entschleunigung des Verkehrs aus der Lauenburger Straße, der Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Erschließung eines neuen Gewerbegebietes habe man viele Gemeinsamkeiten entdeckt. In Carstensen erkenne man, dass er sich die Entwicklung und Gestaltung zum Thema gemacht habe und nicht die Verwaltung im Vordergrund stehe. „So etwas setzen wir voraus, dass ein Bürgermeister eine Verwaltung führen kann“, erläuterte Meier und unterstrich, dass Carstensen jetzt nicht etwa das kleinere Übel sei, für das man sich entschieden habe.

"Die Politik muss mit dem Bürgermeister zusammen arbeiten" (Oliver Panak, Bündnis 90/Die Grünen)

„Die Politik muss mit dem Bürgermeister zusammen arbeiten“ (Oliver Panak, Bündnis 90/Die Grünen)

Auch Oliver Panak, Sprecher der Partei Bündnis 90/Die Grünen, sieht die Entscheidung als deutliche Positionierung der Politik. Für die gewählten Vertreter der Bürgerinnen und Bürger stehe die Frage im Vordergund, „mit wem wir vertrauensvoll zusammenarbeiten können“. Neben der Verwaltungserfahrung und der guten Vernetzung, traue man Carstensen zu und habe ihn auch bereits so erlebt, „dass er die Fähigkeit hat, auf die Fraktionen zuzugehen, etwaigen Streit zu schlichten und per Moderation zu einem guten Ergebnis zu kommen“. Außerdem erfülle er die Bedingung der Grünen, von außen zu kommen und mit „Helikopterblick“ neue Anstöße geben zu können. Betrübt zeigte sich Panak über die Bewertung der Presse, Heike Wladow sei abgewatscht worden: „Ich frage mich, wofür?“ Vielleicht habe man im Wahlkampf mehr auf die Erfolge setzen müssen, aber man wollte weg von dem egozentrischen Stil: „Wir wollen keine Selbstbeweihräucherung, sondern Zukunftgestaltung“. Das habe man bei Wladow gesehen und erkenne man auch in Carstensen. Man wünsche sich bis zur Stichwahl einen fairen Wahlkampf. Das sei in den letzten Wochen nicht immer der Fall gewesen.

Zuvor hatte bereits Meier angedeutet, man könne vielleicht noch ein paar Punkte anführen, weshalb man sich eben nicht für Borchers-Seelig entschieden habe. „Aber wenn Sie das nicht hören wollen, dann lasse ich das“, lud er zur Nachfrage geradezu ein. Der blackbekblog wollte und nun kam es knüppeldick für die Kämmerin. Sehr befremdlich sei für die CDU der Umgang der Kämmerin mit der Wahrheit. So bezeichne sie sich in einem Flyer nicht nur unzutreffend als Stellvertreterin des Bürgermeisters, sondern schmücke sich auch mit fremden Federn, wenn sie sich etwa das Verdienst zuschreibe, die Fördergelder für die Drehleiter organisiert zu haben. „Hier hat aber Frau Wladow interveniert und die Dinge vorangetrieben, so dass Frau Borchers-Seelig als Buchhalterin nur noch zuschlagen musste“, zürnte Meier.

Ohnehin sei der CDU die Darstellung der Kämmerin „sehr negativ“ aufgefallen, dass sie persönlich den Kassenkredit von 14 auf 1 Mio. zurückgeführt habe. Dahinter stünden vielmehr höhere Gewerbesteuererträge, Konsolidierungszuschüsse, Fehlbetragszuweisungen und die Anstrengungen der Politik, die Ausgaben zu reduzieren. „Wie kann ein Buchhalter dafür sorgen, dass der Kassenkredit zurückgeführt wird?“, fragte sich der Unternehmer und war irritiert, dass Borchers-Seelig „als Kämmerin in der Podiumsdiskussion die öffentlich bekannten Zahlen nicht nennen konnte“.

Sieht so eine Front aus? Konrad Freiberg (SPD), Oliver Panak (Grüne), Christian Carstensen, Hans-Heino Meier (CDU) und Helmut Stolze (FDP)

Sieht so eine Front aus? Konrad Freiberg (SPD), Oliver Panak (Grüne), Christian Carstensen, Hans-Heino Meier (CDU) und Helmut Stolze (FDP)

Bündnis 90/Die Grünen zeigen sich ebenfalls enttäuscht von Borchers-Seelig und vermissen, dass sie die Stadtverordnetenversammlung als Interessenvertretung des Bürgerwillens anerkenne. Als unfair habe man auch die „sehr unschönen Äußerungen“ an Markständen der Kandidatin empfunden, „die ich hier nicht wiederholen möchte“. Wie die Bergedorfer Zeitung in ihrer gestrigen Ausgabe zu der Aussage kommt, dass „Union und Grüne (..) ihr ‚Pro Carstensen’ nicht als ‚Contra Borchers-Seelig’ verstanden wissen“ wollen, erschließt sich aus der Pressekonferenz nicht. Vermutlich versucht man, im Artikel die reißerische und sowohl sprachlich, als auch inhaltlich falsche Schlagzeile zu relativieren: „Breite politische Front für Carstensen“. Es gibt keine Front für etwas, sondern nur dagegen. Korrekt ist vielmehr: Carstensen hat nicht nur breiten, sondern fast vollständigen politischen Rückhalt in der Stadt. Bis auf die bereits zersplitternden Freien Wähler sind jetzt alle Parteien und ihre Fraktionen für Carstensen. Aber über die Art der Darstellung und nicht zuletzt über die zweite Hälfte der Pressekonferenz wird noch zu berichten sein.

(wird fortgesetzt)

One Response to Einer für alle, alle für einen

  1. Tom Sacks says:

    Ein Wort zu den mir bekannten Unterstützerinnen der Frau Borchers-Seelig: Eine gewisse Frau Franke soll dazu gehören. War die nicht mal Vorsitzende der hiesigen SPD und Fraktionsvorsitzende? Und sie unterstützt nicht etwa Herrn Carstensen, sondern dessen Gegenkandidatin! Wer solche Unterstützerin hat, muss einkalkulieren, dass eine krachende Niederlage durchaus vorstellbar erscheint. Frau Franke hat doch den Ortsverband und die Fraktion der SPD dermaßen „geführt“, dass es ein Wunder ist, dass die SPD das überlebt hat. Läuft eigentlich schon ein Parteiverfahren gegen Frau Franke?
    Und dann noch Frau Jennrich: Aus der CDU-Fraktion ausgetreten (auch aus dem Ortsverband), dann – um eine Schamfrist zu wahren – Unterschlupf bei einem offenbar kurzlebigen Bündnis unabhängiger Bürger, schließlich Beitritt – samt Mandat – zur FWS. Und der FWS geht es gar nicht gut. Vielleicht müsste Frau Jennrich mal eine eigene Partei (oder Wählergruppe) gründen (wenn das das BUB nicht bereits war). Vermutlich würde die aber binnen kurzem nur aus ihr selbst bestehen, weil offenbar nur sie den Durchblick hat. Und Wahlkampf mittels Nachreden zu führen, für die der Ausdruck unter der Gürtellinie gut passt, scheint ihrer Natur zu entsprechen. Bei ihr weiß man nicht, wofür, aber genau, wogegen sie ist.
    Da hat Frau Borchers-Seelig genau aufs falsche Pferd gesetzt. Sage mir, mit wem Du umgehst, und ich sage Dir, wer Du bist, sagt der Volksmund.

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