40 Fakten…

20Achten Sie einmal darauf, wie häufig Menschen, die Vokabeln wie Wertschätzung, gegenseitige Anerkennung und Respekt wie eine Monstranz vor sich hertragen, selbst nur ganz schlecht mit Kritik umgehen können. Der Trick, der dann häufig zur Anwendung kommt, ist den Kritikern vorzuhalten, ihnen mangele es an eben diesen Eigenschaften, an Empathie und Wohlwollen. Nur zu gerne wird die erfahrene Missbilligung dann als vermeintlich negativistische Sicht verleumdet, als grundlose Herabsetzung aus persönlichen Motiven heraus, um sich mit der Kritik in der Sache eben nicht auseinandersetzen zu müssen.

Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg

Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg

Menschen, die ein Klima der positiven Resonanz einfordern, bleiben auffallend häufig unter sich, grenzen kritische Mitglieder gerne aus. „Wahre Mitteilung findet nur unter Gleichgesinnten, Gleichdenkenden statt“, lautet ein Aphorismus von Novalis, auf den diese freundlichen, zugewandten, wertschätzenden Personen sich gerne berufen. Und ist es nicht wahr: Die bedingungslose positive Wertschätzung bestärkt das Gegenüber in seinen positiven Eigenschaften und im Selbstwertgefühl, um daraus Zuversicht und Energie zu beziehen. Und daher gehen in aller Regel Mütter mit ihren Kindern und Therapeuten mit ihren Patienten genau so um.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Freundlich, friedlich und respektvoll sollten auch alle anderen zwischenmenschlichen Kontakte und Kommunikationen ablaufen. In der Sache muss man sich jedoch auch kritisch begegnen dürfen bis hin zur völligen Ablehnung eines anderen Standpunktes. Wenn wir uns nämlich nur alle immer gegenseitig bestätigten und Recht gäben, wie sollte ein Diskurs mit dem Ziel einer weiterführenden, mehrheitlich anerkannten Lösung eines Problems dann ablaufen?

In den Gründen, die für ihre Wahl zur Bürgermeisterin sprechen sollen, führt Ute Borchers-Seelig dieses Klima der positiven Resonanz auf, welches sie angeblich erzeugt. „Hier halten Menschen sich gern auf“, schreibt sie auf ihrer Homepage, doch lebt sie das auch? In den beiden großen, öffentlichen Fragerunden war das nicht bei allen Fragen zu spüren, die sie erreichten. Offenbar hatte mancher Frager den „kreativen Freiraum“ falsch verstanden und eben gar zu kritisch nach Zahlen gefragt. Die Wertschätzung, die er erfahren durfte, war ausweichend bis ablehnend. Und als schließlich sogar Einzelne im Publikum buhten und pfiffen, hat auch diese Kandidatin nicht etwa eingegriffen und Wertschätzung angemahnt.

Insofern wird offenbar auch von ihr fein unterschieden, wem sie positiv begegnet und wem nicht. Ihre Sprache verrät es: Sie scheue sich nicht, „Anerkennung für gute Leistungen auszusprechen“. Welche Leistungen allerdings als gut zu bewerten sind und welche nicht, entscheidet die empathische Wertschätzerin jedoch gern selbst. Wie sonst sollte es auch funktionieren? Lassen Sie sich also nicht durch Geschwätz blenden, sondern erinnern sich – bei aller Wahlkampfrhetorik auch durch ihn – an einen Satz des Gegenkandidaten Christian Carstensen über Bürgernähe: „Vielleicht finden Sie mich ja auch doof und wünschen gar keine (Bürger-)Nähe zu mir. Aber dann sollen Sie trotzdem an den Entscheidungen beteiligt werden!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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