Nur wer wenig begehrt, hängt von wenigem ab

Ganz so dunkel war es in der Ecke nicht, aber die Kandidatin blieb doch lange unsichtbar

Ganz so dunkel war es in der Ecke nicht, aber die Kandidatin blieb doch lange unsichtbar

Aus der „unabhängigen Bürgermeisterin“ wurde am gestrigen Abend eine einsame Kandidatin. Wie eine Verliererin saß Ute Borchers-Seelig lange abseits des Rampenlichtes im Rathaus Schwarzenbek. Vom ersten Wahlkreis an, dessen Ergebnis gegen 19:00 Uhr auf die Leinwand projiziert wurde, führte Christian Carstensen das Tableau an und verteidigte seinen Vorsprung von letztlich 4,2% auch bis zum Schluss. Im Gegensatz zu Heike Wladow, die ein für sie enttäuschendes Ergebnis von 16,9% erzielte, und Jan Piossek, der auf 13,3% der Stimmen kam, erreichte Borchers-Seelig jedoch deutlich mit 32,8% der Stimmen die Stichwahl am 15. Juni 2014.

Hans-Heino Meier (CDU, links) und "sein" Kandidat

Hans-Heino Meier (CDU, links) und „sein“ Kandidat

Dennoch kam erst Leben in die Kandidatin, als die Presse zum vorläufigen Endergebnis die beiden Sieger zum gemeinsamen Posieren bat. Das Lächeln beim Handshake fiel jedoch reichlich gezwungen aus, die Enttäuschung war ihr deutlich anzumerken. Ganz anders natürlich der strahlende Sieger, der sich bereits den ganzen Abend souverän und locker übers Parkett bewegt hatte. Nachdem früh feststand, dass Heike Wladow die Stichwahl nicht würde erreichen können, gratulierte sie fair dem Gewinner und machte deutlich, dass sie fortan Carstensen unterstützen würde. Für die Fraktion der CDU wollte sie an diesem Abend nicht gleich sprechen, doch machte auch Hans-Heino Meier deutlich, dass man nun für den Kandidaten der SPD und FDP votieren werde. Bei den Grünen scheint die Stimmungslage identisch. Die Fraktion der FWS ist vielfach gespalten, deren Vertreter waren entweder im Wahlkampfteam der Kämmerin, auf Wahlfeten der SPD oder in der neutralen Zone anzutreffen.

Genau diese Umarmung durch die nun ausgeschiedenen Parteien soll dem Team um Borchers-Seelig sauer aufgestoßen sein. Aber was hatte man denn erwartet? Die Kämmerin hatte sich im Wahlkampf derart von der Stadtverordnetenversammlung distanziert, dass man sich schon fragen musste, wie denn eine künftige Zusammenarbeit funktionieren sollte. Insofern ist der jetzige Schulterschluss der Parteien nur logisch und zwangsläufig. Als vermeintlich unabhängige Kandidatin – immerhin arbeiten Fraktionsmitglieder der FWS in ihrem Wahlkampfteam – dürfte es ihr schwerlich besser gefallen haben, wenn CDU und/oder Grüne sich nun auf ihre Seite geschlagen hätten.

Das vorläufige amtliche Endergebnis

Das vorläufige amtliche Endergebnis

Insofern hat die Bergedorfer Zeitung vermutlich Recht, wenn sie unkt, dass es für Borchers-Seelig nun „schwer werden dürfte, den Rückstand wettzumachen“. Diese Einschätzung schien der Gemütslage der Kämmerin und ihres Teams zu entsprechen. Man spürte wohl, dass das Pulver mit diesem Drittel der Stimmen verschossen war. Es erscheint schwer vorstellbar, dass die zusammen rund 30% Wähler, die mit Wladow oder erst recht mit Piossek auf Neuanfang setzten, nun etwa zum überwiegenden Teil auf die Kontinuität verfallen sollten, die Borchers-Seelig zweifellos verkörpert.

Gehen in die Stichwahl am 15. Juni: Ute Borchers-Seelig und Christian Carstensen

Gehen in die Stichwahl am 15. Juni: Ute Borchers-Seelig und Christian Carstensen

Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen war gestern zu hören, das UBS-Team wolle in den verbleibenden Wochen noch stärker auf die Opferrolle setzen. Mit medialer Unterstützung wolle man die Kämmerin zur Märtyrerin und den erwarteten Zusammenschluss der Parteien als eine Art Verschwörung gegen die Verwaltung stilisieren. Solches Vorgehen setzte jedoch der Fehleinschätzung der Kämmerin die Krone auf, wonach die Stadtverordnetenversammlung etwa eine Interessenvertretung der Parteien wäre. Bleibt also zu hoffen, dass man solchen Unsinn unterlässt, denn spätestens dann müsste „die Verwaltung“ sich emanzipieren und deutlich machen, dass es für sie gar keinen Unterschied machen darf, wer am Ende Bürgermeister/in ist!

Es ist die oberste Dienstpflicht der Verwaltungsspitze, den in der Stadtvertretung formulierten Mehrheitswillen der Bevölkerung umzusetzen und zwar unabhängig davon, ob es „der Verwaltung“ nun genehm ist, oder nicht. Es ist schon schlimm genug, dass Ute Borchers-Seelig „die Verwaltung“ als Organisation so sehr herausstellt, als wäre diese in irgendeiner Form befugt, aus eigener Machtfülle heraus, die Stadt zu gestalten. Die Kämmerin sei daran erinnert, dass sie selbst und alle anderen Mitglieder bis hin zum Bürgermeister weisungsgebunden sind. Mit ihrer scharfen Trennung zwischen Gemeindevertretung und Gemeindeverwaltung tut sie gerade so, als hätte sie als Bürgermeisterin etwa die Wahl, ob sie Beschlüsse umsetzen möchte. Das hat sie nicht.

Allerdings wäre sie auch als Bürgermeisterin davon abhängig, die Stadtverordneten in möglichst großer Mehrheit hinter sich zu haben. Das ist aber überhaupt nicht zu erkennen. Daher sollte sie sich in ihrer aktuellen Einsamkeit und Verlassenheit eher fragen, ob es nicht sogar besser wäre, auf eine Fortsetzung der Kandidatur zu verzichten, anstatt die Frage Verwaltung oder Politik, die auch nur sie so formuliert, auf die Spitze zu treiben. Das tut sie aber nicht. „Ich gehe weiterhin davon aus, dass viele Wähler gern eine Frau an der Spitze des Rathauses sehen wollen“, wird die Kämmerin in der BZ zitiert. Mehr Hoffnung scheint ihr nicht mehr zu bleiben.

2 Responses to Nur wer wenig begehrt, hängt von wenigem ab

  1. Rüdiger Jekubik says:

    Mit der letzten Aussage in der BZ, in der sich Frau Borchers-Seelig lediglich auf die Rolle “ Es wird Zeit für eine Frau an der Spitze“ definiert, kann sich ernsthaft kein Wähler / Bürger identifizieren..
    Die Frage muss doch erlaubt sein, möchte ich einen Bürgermeister der sich mit dem Bürger ganz offen und kompetent auseinander setzt, Themen besetzen kann und keine Versprechungen macht, die nicht eingehalten werden können oder möchte ich eine Bürgermeisterin, die sich hinter Dingen wie „Bürger-App“ versteckt und so aus ihrem Büro hinter dem Schreibtisch nicht mehr hervor kommt. Was wird mir außerdem ein Wunschbaum bringen? Wünschen kann ich mir viel, was dann tatsächlich hinterher herauskommt, entscheidet dann die Besitzerin des Wunschbaums?
    Bürgerbeteiligung sieht doch wirklich anders aus….oder?

  2. Jürgen Findt says:

    Wer kennt ihn nicht, den Satz: „Wer hat sie verraten? Sozialdemokraten!“
    Der Blick fällt diese Woche aber auf eine andere Konstellation: Ein auffälliges Wahlergebnis erfuhr die Kandidatin der CDU. Waren doch die Stimmen im Europawahlkampf von der CDU nach Hause geholt worden, fehlten sie bei der Bürgermeisterwahl der sehr gut aufgestellten CDU-Kandidatin Wladow. Im Vergleich dazu hatte es an der Teilnahme ihrer Parteimitglieder an den zu führenden Wahlkämpfen gemangelt, wie aus den Diskussionen zu entnehmen.
    Als einer der Nichtpolitiker fällt mir eine Erkenntnis von einem Freund, der in der Politik bestens zu Hause ist, wieder ein: „Hast Du irgendwelche ersthaften Gegner aus der CDU, bleibst Du auch außerhalb der Politik in ihrem Sog. Selbst die letzte Position, und wäre dies der dritte stellvertretende Schriftführer eines kleineren Vereines, ist letztlich auch noch von einem Unionsvertreter besetzt, sollte vorher keiner von ihnen dort schon sitzen. Du triffst sie überall.“ Ich scheue mich nicht zu bemerken, dass seine Erfahrung auch auf Vereinigungen übertragbar ist. Und in Schwarzenbek gibt es auch gleich mehrere dieser, beispielsweise Wirtschaftsvereinigungen.
    Vermutlich liefen über die eine oder andere dieser Verbindungen rein informelle oder gar inverse Wahlkämpfe, wenn schon nicht im offiziellen Rahmen vernehmbar.
    Keine Wahlunterstützung, auch nicht über die Presse, einzige Frau und das mit Sachverstand in Verwaltung und Politik in einer kleinstädtischen CDU. CDU-Stimmen wirksam vereint im Ergebnis der Europawahl, in der Bügermeisterwahl für diese aussichtsreiche Kandidatin aber Fehlanzeige… ein Schelm, wer Böses dabei denkt!
    Wer Stimmenwanderungen interpretieren möchte, könnte auf die Lösung kommen.
    Die Sozialdemokraten waren es diesmal wirklich nicht, um auf den am Anfang stehenden Satz zurückzukommen. Bleibt nur noch das eine: Wer hätte in anderen Reihen sein Ansinnen, solch Geschicke wirksam bis in die noch so kleinen oder größeren Vereinigungen einer Stadt hinein zu lenken? Jemand hatte hier und da agiert und das Resultat zeigt sich auf fatale Weise durch den Wert von 16,9 %.Ich weiß es und mein Freund behält Recht.
    von Jürgen Findt

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