Keine Versprechungen! Versprochen!

Ist Ute Borchers-Seelig gut beraten?

„Ich mache keine Versprechungen. Das ist Ehrlichkeit“, positionierte sich Ute Borchers-Seelig am vorvergangenen Freitag bei der Kandidatinnenrunde im Gymnasium. Sie distanzierte sich damit bewusst von den Mitbewerberinnen und erwähnte auch explizit den von Jan Piossek und Heike Wladow erwähnten Kunstrasenplatz für den SC Schwarzenbek sowie den Bürgerhaushalt, den Christian Carstensen als konkretes Ziel eingebracht hatte. Mindestens indirekt bezeichnete die Kämmerin ihre Konkurrentinnen damit als unehrlich und das ist schon ein starkes Stück, wenn man bedenkt, wie hemmungslos gerade diese Kämmerin allen alles verspricht.

Quintus Tullius Cicero

Quintus Tullius Cicero

Es ist ja nicht unbekannt, dass der 2.000 Jahre alte Brief des Quintus Tullius Cicero von vor 2.000 Jahren an seinen Bruder Marcus, „wie man Wahlen gewinnt“ bis heute eine Art Bibel der Wahlkämpfer ist. Doch selten sah man eine so konsequente Umsetzung der Kernsätze: „Versprich jedem alles! Werde nie konkret!“ Wäre Borchers-Seelig ein Mann und würde sich einerseits derart hemmungslos selbst anpreisen und andererseits das Blaue vom Himmel versprechen, würde ihr das wohl kaum jemand durchgehen lassen. Es ist einfach zu platt, wenn sie sich selbst und nur sich selbst als Lösung aller Probleme geriert, die alle Lösungen bereits in der Schublade hat. Und das ist jetzt keineswegs eine Interpretation ihrer Aussagen. Wortwörtlich hat sie es ausgeführt: „Ich habe die Vorschläge in der Schublade, wie man es besser macht“, hieß es bei der Runde im Rathaus und: „Ich habe die Lösungen“, war die Losung im Gymnasium. Und auf ihrer Homepage versteigt sie sich zu der Aussage: „Nur durch mich kann die Stadt schuldenfrei werden!“

InteressenvertreterDas hat schon einen Beigeschmack, wenn die auf das Stadtwohl vereidigte Beamtin darüber schwadroniert, dass sie die besseren Rezepte und Lösungen bislang in der Tasche behielt, anstatt damit zu arbeiten. Was spräche übrigens dagegen, sie wenigstens jetzt zu präsentieren und damit einen konkreten Wahlkampf zu führen? Steht zu befürchten, dass die Kämmerin diese Lösungen und Rezepte nach einer Wahlniederlage der neuen Bürgermeisterin auch weiter vorzuenthalten gedenkt? Wie glaubwürdig ist die Aussage überhaupt, wenn ihr im Gymnasium erstmals erwähntes „Handlungs- und Strategiekonzept“ folgenden Ablauf vorsieht: “ Erstens Bestandsaufnahme, dann Planung und dann kommen die Bürger dazu“. Wie bitte? Bestandsaufnahme? Ist es nicht die Kämmerin selbst, die ständig betont, dass es im Falle ihrer Wahl keine Verzögerungen gäbe, dass sie sofort loslegen könnte? Sie ist doch seit 2-1/2 Jahren dabei und angeblich auf einem guten Weg der Haushaltssanierung, wozu dann noch eine Bestandsaufnahme?

Die weitere Vorgehensweise ist ebenfalls entlarvend: Nach dem Kassensturz soll also geplant werden, obwohl sie doch die Lösungen bereits in der Tasche hat. Und danach, am Ende der Planung kommen die Bürgerinnen dazu. Ja, diese Art der Bürgerbeteiligung kennen wir bereits in Schwarzenbek. Wäre ja auch noch schöner, man befragte die Bürgerinnen, bevor man mit der Planung startete. Da kann die Kämmerin die Schwarzenbekerinnen noch so sehr als „kompetente und intelligente Köpfe“ umgarnen, in einem einzigen Punkt ist sie sehr konkret: Einen Bürgerhaushalt wird es mit ihr nicht geben. Die Bürgernähe propagiert sie wie keine zweite, aber zu nahe dürfen ihr die Bürgerinnen offenbar nicht kommen und wenn sie noch so intelligent und kompetent sind. Das sähe für sie vermutlich auch nicht so gut aus, wenn man wie in den Kantonen der Schweiz, in denen die Bürgerinnen auch über den Haushalt befinden, hinterher feststellen müsste, dass die das besser können.

Will Schwarzenbek wirklich zum dritten Mal den Kämmerer zum Bürgermeister machen?

Will Schwarzenbek wirklich zum dritten Mal den Kämmerer zum Bürgermeister machen?

Ansonsten aber ist sie nach allen Seiten offen, will es allen recht machen, ist „ungefärbt und niemandem verpflichtet“. Auch dabei spielt sie natürlich auf die Konkurrentinnen an und formuliert ihre falsche Begrifflichkeit vom angeblichen Fraktionszwang nur um. Das ist unfein, denn selbstverständlich sind alle Bürgermeisterinnen nicht etwa „niemandem“ verpflichtet, sondern im Gegenteil allen Bürgerinnen! Heike Wladow etwa zu unterstellen, sie wäre später CDU- und/oder Grünen-geneigt und Christian Carstensen eine besondere Zuwendung der SPD und der FDP anzudichten, bleibt nicht nur eine unbewiesene Behauptung, sondern unterstellt den jeweils anderen, angeblich benachteiligten Fraktionen, sie würden nicht einmal merken, was gespielt wird. Sicher richtig ist, dass sich die jeweiligen Unterstützerinnen eine bestimmte Richtung von ihren Kandidatinnen versprechen und später an ein solches Versprechen auch erinnerten. Darauf kann man bei Frau Borchers-Seelig nicht hoffen, denn die macht ja keine Versprechungen?

Buridans Esel? Unsinn!

Buridans Esel? Unsinn!

Im Übrigen kann man die Parteiferne der Kandidatin auch anders sehen: Wohl kaum je war die Distanz zwischen allen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung und der Verwaltungsspitze so groß wie derzeit. Da bräuchte es dringend eine Mittlerin zwischen Verwaltung und Politik. Die Kämmerin mag die Verwaltung hinter sich haben, das kann man schwerlich überprüfen, die Stadtverordnetenversammlung hat sie nicht hinter sich, keine einzige Fraktion. Und das ist keine gute Voraussetzung, auch wenn die Kandidatin das anders sieht.

Bildnachweise:
Bock – Urheber: 4028mdk09 – Die Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.
Esel – Urheber: Ra’ike –  Die Datei ist unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“ lizenziert.

2 Responses to Keine Versprechungen! Versprochen!

  1. Holger Kempter says:

    Der letzte Absatz trifft genau ins Schwarze!

    Die anderen drei Kandidaten und die teilweise dahinter stehenden örtlichen Parteien respektieren sich gegeneinander und erkennen die Bemühungen der Gegenseite an.
    Sollten Herr Carstensen, Frau Wladow oder Herr Piossek letztendlich die Wahl zum Bürgermeister gewinnen, wäre sicherlich weiterhin ein vernünftiges und respektvolles Miteinander gegeben.

    Bei einem möglichen Erfolg von Frau Borchers-Seelig aber würden alle Beteiligte vor einer Menge verbrannter Erde stehen.
    Die selbstformulierte Anmassung, stellvertretende Bürgermeisterin zu sein (das ist nämlich die erste Stadträtin Frau Binder und als deren Stellvertreter Herr Schmeil als zweiter Stadtrat) war ebenso unglücklich wie der Hinweis auf die gesundenden Stadtfinanzen unter ihrer Leitung (wofür haben wir dann noch einen Finanzausschuss, die Verwaltung ist schließlich nur ausführendes Organ der Selbstverwaltung?).
    Nicht zuletzt die Nutzung städtischen Eigentum für die Wahlkampfstände (angeblich alles abgesprochen, die drei Mitbewerber wissen aber von nichts …) hat ein gewisses Geschmäckle.

    Man kann nur hoffen, daß es nicht zu einer solchen Konstellation von Mißgunst und fehlendem Vertrauen kommen wird. Eine Bürgermeisterin, die eine halbe Fraktion auf ihrer Seite hat und vom Rest der Stadtverordneten nur schwer als Leiterin der Verwaltung anerkannt werden würde, ist im Sinne einer positive Entwicklung der Stadt Schwarzenbek nicht zu wünschen.
    Die Presse allerdings hätte dann sicherlich ihre Freude daran (in Lauenburg ist ja diesbezüglich nichts mehr los seit Herr Thiede dort Bürgermeister ist)!

    P.S.: Wieso per Werbeslogan ein „Neuanfang“ versprochen wird, gleichzeitig aber auch ein fließender Übergang in der Stadtverwaltung vom Vorgänger, will sich mir nicht ganz erschließen.

  2. Rüdiger Jekubik says:

    Herr Kempter, danke für die offenen Worte. Als unmittelbar betroffener Stadtverordneter kann ich bestätigen, dass ich mir zum derzeitigen Zeitpunkt eine Zusammenarbeit mit einer Bürgermeisterin Borchers-Seelig schwer vorstellen kann. Zu viel Porzellan wurde in diesem Wahlkampf zerbrochen. Leider hat die Bürgermeisterkandidatin (und nicht wie auf allen Plakaten und Websides zu lesen „unabhängige Bürgermeisterin“!!) offensichtlich auch nicht immer die richtigen Berater um sich gehabt. Ich muss leider sagen, dass ich befürchte, dass bei einer Wahl der Frau Borchers-Seelig das kleine Pflänzchen, welches seit der vergangenen Kommunalwahl ganz mühsam zu entstehen scheint, wieder verkümmert und Schwarzenbek nicht einen Milimeter vorankommen wird.

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