Heike Wladow – Die Charme-Offensive

„Das bin ich, Heike“, so moderierte die Bürgermeisterkandidatin der CDU und der Grünen ihre Vorstellung gerne an und präsentierte sich als eine von uns. „Fest verwurzelt“ sei sie in der Europastadt und ihr Buch zum damaligen Schulabgang hat noch der in der Stadt wie ein Säulenheiliger verehrte Hans Koch persönlich signiert, worauf sie auch sichtlich stolz ist.

Ja, ein paar Sätze ihres Wahlkampfauftrittes klingen etwas gedrechselt und auch ihre rhetorischen Fragen zu den Kita-Lerngruppen klingen etwas unecht, aber ansonsten ist sie sehr bei sich und gestaltet ihre Auftritte souverän. Eine leichte Nervosität ist ebenso sichtbar, wie völlig natürlich und macht sie eher glaubwürdiger. Als ehemalige Verwaltungsangestellte der Stadt und heutige Fraktionsvorsitzende der CDU verfügt sie sowohl über ausreichende Verwaltungskenntnisse, als auch kommunalpolitische Praxis. Charmant, zunehmend unverkrampft und selbstsicher ruht sie offenbar in ihren festen Überzeugungen, was die Stadt benötigt.

Das offizielle Wahlkampf-Foto

Das offizielle Wahlkampf-Foto

Ganz starke Momente hat sie jedenfalls, wenn sie über die zurückliegenden und insbesondere über die anstehenden politischen Entscheidungen und Aufgaben spricht. Dann wirkt gar nichts auswendig gelernt, da steckt sie in den vielen Themen fachlich und offenbar auch mit Herzblut einfach drin! Es ist im Grunde eine Schande, dass die alten Herrschaften von der CDU dieses politische Talent so lange in die Hinterbank verbannte. Denn, das lässt sich nicht leugnen, auch wenn es uncharmant erscheint und Frau Wladow durchaus jünger wirkt, sie ist in diesen Tagen 59 Jahre alt geworden. Damit ist es auch ihre letzte Chance und selbst wenn sie natürlich mit 65 zur zweiten Amtsperiode gewählt werden könnte, muss der Gedanke erlaubt sein, dass selbst der erwähnte Hans Koch bei der Wahl 1973 mit 64 Jahren zu seiner großen Enttäuschung nicht wiedergewählt wurde.

Wäre die SPD nicht darauf verfallen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, wäre Wladow wohl die Idealbesetzung gewesen. Die Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen gestaltet sich mit der undogmatischen Christdemokratin regelmäßig unkompliziert, da sie ihren Blick durch ihren Hang zum Konsens und zur kommunalpolitischen Vernunft nicht etwa durch parteipolitische Scheuklappen beeinträchtigen lässt. Auch hält sie sich erkennbar nicht für den Nabel der Weisheit und ist in der Lage, sich überzeugen zu lassen. Skeptikern mag die Kandidatin dadurch zu formbar erscheinen, zumal sie sicherlich auch in beide Richtungen – Verwaltung und Politik – gewisse Beißhemmungen haben dürfte.

Wladow überzeugt besonders, wenn sie über Sachthemen reden darf

Wladow überzeugt besonders, wenn sie über Sachthemen reden darf

Noch einmal: Heike Wladow hätte die ideale Kandidatin und die beste Lösung für ein kommunikatives Miteinander hinsichtlich der Aussöhnung innerhalb der Kommunalpolitik und der Entspannung zwischen dieser und der Verwaltung sein können, wenn sie doch bloß schon vor sechs Jahren angetreten wäre. Das heißt aber nicht, dass sie das nicht auch jetzt noch leisten kann, nur stehen heute eben weitere Kandidatinnen an. Nachdem Wladow leider in ihrer eigenen Partei kaum Rückhalt und Unterstützung genießt (was einfach nur blamabel für die erwähnten alten Herren ist!) und die Alternativen größtenteils auch ihre Vorzüge haben, wird es letztlich eine Geschmacksfrage sein. Qualitativ ist Heike Wladow auf jeden Fall eine Wahlempfehlung des blackbekblog.

2 Responses to Heike Wladow – Die Charme-Offensive

  1. Rüdiger Jekubik says:

    Lieber Herr Borchelt, auch wenn es niemanden wundern wird, dass ich mich bei meiner Wahl für einen anderen Kandidaten entscheiden werde, so muss ich eingestehen, dass sie hier den durchaus passenden Ton gefunden haben. Ich möchte eigentlich noch hinzufügen, dass mir bei Frau Wladow auch der sehr fair geführte Wahlkampf hängen bleibt. Dieses ist ja in diesen Tagen nicht immer selbstverständlich.

  2. Ellen Leitner says:

    Herr Borchelt, zur Bürgermeister-Wahl – 100% politisch gesehen:
    BEIDE Frauen führen vom Alter her das Feld an, so viel stimmt.
    Warum aber bremste das Alter die Perspektive zum beruflichen Erfolg?

    Ich selbst habe auch erst den späten Durchbruch geschafft (Promotion mit Anfang 50 und glücklicherweise gleich die passende Stelle im Anschluss). Die Gründe sind zwar allseits bekannt, dennoch immer wieder zur Erinnerung zu erwähnen:
    Es entstehen Warteschleifen durch den Managerinnen-Job, der häufig zu Hause (den Frauen) zufällt, in Zeiten, in denen andere ihre Karriere mach(t)en.

    Die BM-Wahl in Schwarzenbek 2014 spiegelt dieses Phänomen aus der Gesellschaft geradezu klassisch wider:
    In die für einen Karrieresprung erwünschte Altersstufe fallen BEIDE männliche Kandidaten!

    Frau Wladow hat es hier ganz deutlich gesagt: Sie konnte und musste damals bei Neuantritt im Bauamt für sich eine halbe Stelle aushandeln, damit sie Zeit für ihr heranwachsendes Kind zu Hause haben wird und sich trotzdem beruflich weiter entwicklen würde – der Job wäre ursprünglich mit einer voll ausgeschriebenen Stelle zu besetzen gewesen.
    Sie hat diese Herausforderung offensichtlich grandios bewältigt, zuerst auch mit dieser reduzierten Stelle.
    Übrigens kein ungewöhnlicher Verlauf bei zielstrebigen Frauen, die nicht nachgeben. Die Mehrbelastungen und Überanforderungen sind den Frauen durchaus klar, dennoch verfolgen sie ihre eigenen und selbst gesetzten beruflichen Perspektiven damit.

    Résumé:
    Ich finde es wichtig und zeitgemäß, dass Frauen ihre vorgenommenen Karrieren, wenn auch zeitlich versetzt ins Ziel setzen und realisieren werden. Es steht ihnen zu, auch über eine ihnen persönlich zweite Instanz Spitzenpositionen zu besetzen … weil sie (sehr) gut sind, hervorragend und gerne arbeiten und im vorher vermeintlich „richtigen Alter“ dazu leider doch nicht kamen. Sie warten auf etwas, was zwischendurch zum Stoppen kam und ziehen am Ende doch noch mit ganzer Kraft und Präzision vor das ganze Feld. Richtig so!

    Schwarzenbek sollte soweit sein, die Rolle der Frau hier zu reflektieren – eine genau so starke Frau, die sehr leistungsfähig ist, beruflich und fachlich viel bewegt hat und noch viel bewegen wird, als ihre Bürgermeisterin zu präsentieren. Das heißt, den kompetenten Frauen, die längere Zeit „auf der Hinterbank parkten“ (frei zitiert aus blackbekblog im Artikel über die Kandidatin Heike Wladow) ihre Chancen zu eröffnen.
    Die Stadt Schwarzenbek wäre modern, wenn sie dieses Bild durch eine bemerkenswerte Bürgermeisterin mit repräsentablen, eigenen Lebenslauf, stellvertretend auch für andere Frauen in unserer Gesellschaft, nach außen tragen würde!

    Absch(l)uss:
    Aus beiden Lagern der Bewerbungen – gemeint sind nochmal die männliche und weibliche Seite im Vergleich – zeichnet sich dazu eine noch eine treffendere Beobachtung ab:
    Die Kompetenz und Performanz zum zukünftigen Amt als Bügermeisterin für die Stadt Schwarzenbek weist klar und deutlich die eine der beiden weiblichen Kandidatinnen und das sehr sicher auf, tritt auch bei den Männern ebenso deutlich bei einem der Beiden hervor.
    In einer Gegenüberstellung dieses möglichen Spitzenduos gibt es einen Gleichstand zwischen der Frau und dem Mann – bezogen auf ihre bis hierhin gezeigten Fähigkeiten.

    Wie wird Schwarzenbek nun entscheiden?

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