Jan Piossek: Außenseiter oder Geheimfavorit?

Als vor 6 Jahren Helge von Appen zur Bürgermeisterwahl gegen den Amtsinhaber antrat, hatte Frank Ruppert sowohl einen Amtsbonus, als auch einen entsprechenden -malus. Der Bonus bestand wohl kaum in seiner erfolgreichen Amtsführung, die sorgte eher für den Malus. Sonst hätte der komplett unerfahrene und unbeleckte Herausforderer wohl kaum ein gutes Drittel der Stimmen für sich verbuchen können. Nein, der Bonus bestand natürlich darin, dass Ruppert alle Vorgänge, Zahlen, handelnden Personen, getroffene und anstehende Entscheidungen aus dem Effeff kannte. Von Appen konnte eigentlich nur für seinen runden Tisch werben, an dem er möglichst viele Honoratioren beteiligen wollte. Das überraschende, sehr achtbare Ergebnis des Herausforderers basierte also vermutlich eher auf dem Malus des Bürgermeisters, als auf dem Vertrauen in von Appens Fähigkeiten. Das ist der Bonus und gleichzeitig auch Malus aller Bewerber, die man noch nicht in diesem oder verwandten Ämtern beurteilen kann. Und so ähnlich geht es Jan Piossek. Der kann nur über Persönlichkeit und Charisma punkten. Ob das Vertrauen gerechtfertigt ist, kann man erst hinterher beurteilen.

Für einen Quereinsteiger macht Jan Piossek seine Sache erstaunlich gut

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Für Piossek spricht das ganz sicher in ihm brennende Feuer, die Leidenschaft für Schwarzenbek und seine Belange, der unbändige Willen, in seiner Heimatstadt etwas positiv zu bewegen und zu verändern. Sprechen Sie ihn nur einmal an und Sie werden Mühe haben, ihn zu bremsen! Denn er war offenkundig jetzt schon fleißig und hat zu allen Themen nicht nur etwas zu sagen, sondern auch klare Überzeugungen. Und auch wenn er eine verbesserte Kommunikation innerhalb der städtischen Gremien für das A und O des Neuanfangs hält, gehen seine konkreten Vorstellungen bereits klar über einen runden Tisch hinaus. Eines wird bei ihm schnell deutlich: dieser Bürgermeister würde sein Initiativrecht intensiv nutzen.

Wenn die amtierende Kämmerin meint, sie habe alle fachlichen Voraussetzungen, quasi alle Lehrinhalte für das Bürgermeisterinnenamt absolviert, gilt für Piossek allerdings sicher das Gegenteil. Er müsste nach einer Wahlentscheidung zu seinen Gunsten die sechs Monate bis zum Amtsantritt für eine Art Crash-Kurs in Sachen Verwaltung nutzen. Und selbst dann bliebe sein Wissen zunächst Theorie und müsste sich in der Praxis beweisen. In dieser Frage macht Piossek weder sich selbst, noch den Wählerinnen etwas vor: Obgleich deren Vorgesetzter, wäre er als Bürgermeister zumindest anfänglich deutlich abhängig von seinen Untergebenen und es bliebe abzuwarten, ab wann tatsächlich er das Ruder in der Hand hielte.

Auf Ansage und per Knopfdruck? So leicht würde man es (vermutlich nicht nur) diesem Bürgermeister nicht machen

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So gesehen ganz sicher ein Wagnis, auch und gerade für ihn, und eine herkulisch anmutende Aufgabe, um die ihn niemand beneiden dürfte. Andererseits wirkt der Mann selbstbewusst genug und wird Schwarzenbek in diesen Jahren der Haushaltskonsolidierung ohnehin nicht viele Fehler machen können – im Sinne von idiotischen Bauvorhaben und Ähnlichem – so dass der Zeitpunkt für eine Bürgermeisterlehre vielleicht nicht der Schlechteste ist. Wenn man bedenkt, dass ein Ex-Kämmerer und Vollblutprofi den Haushalt nachhaltig ruinieren konnte, wird einer der – von der Verwaltungsspitze selbst immer beschworenen – kompetenten und intelligenten Köpfe aus der Bevölkerung es keinesfalls schlechter machen können, im Gegenteil.

Wer also Mut für einen echten Neuanfang, für einen unverstellten Blick auf Verwaltung und keine Angst davor hat, dass man ohne Erfahrung und Netzwerk nur Karpfen im kommunalen Hechtteich sein kann, der wählt Jan Piossek. Nachdem der blackbekblog sich immer einen Außenstehenden wünschte, der nicht vom Gift der Kameraderie gelähmt ist, stellt Piossek eindeutig eine Wahlempfehlung dar. Wir sind uns hier nur nicht sicher, ob man ihm den Sieg überhaupt wünschen soll.

One Response to Jan Piossek: Außenseiter oder Geheimfavorit?

  1. Maja Bienwald says:

    Immer wieder für eine Überraschung gut, der Herr Borchelt. Nun hatte ich auf alte Manie/r des Blogs gesetzt und mit einem Verriss gerechnet…stattdessen ein ehrlicher Text über einen bemerkenswert offenen Kandidaten 😉
    Allerdings, Herr Borchelt, ist es nicht eher so, dass letzlich die kommunale Selbstverwaltung, die sogenannte „Politik“ über den Haushalt entscheidet und nicht ein/e Bürgermeister/in?!

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