Über Zahlen möchte sie nicht sprechen

„Zurückhaltend“ sei die Kämmerin „bei Nachfragen zur Haushaltslage“ gewesen, schrieb der Wochenend Anzeiger am 9. Mai über die Kandidatenrunde vom vergangenen Montag und das kann man natürlich so ausdrücken, aber es bildet die Wirklichkeit ungenügend ab. Zum Zerrbild wird es, wenn man im gleichen Satz ausführt, dass „Christian Carstensen keine Bedenken hatte, die Zahlen auf den Tisch zu legen“. Die Formulierung legt diese Bedenken geradezu nahe. Der ängstliche Leser denkt zwangsläufig: Durfte der das?

Und wie er durfte! Die Lübecker Nachrichten berichten von dieser Fragerunde viel zutreffender, wenn sie ohne Wertung formulieren, dass „Borchers-Seelig auch bei der zweiten Frage nach dem Schuldenstand der Stadt keine Zahlen nannte“. Carstensen schaute „in seine Unterlagen und nannte Fakten“, schreibt die LN weiter und an der Formulierung stört lediglich, dass diese Unterlagen natürlich öffentliche Unterlagen sind und nicht etwa dem Kandidaten auf am Ende noch unlauteren Wegen zugespielt wurden. Die Redakteurin vor Ort wunderte sich denn auch, warum die Kämmerin die Zahlen nicht nennt. Die vom blackbekblog geäußerte Vermutung, dass sie sie vermutlich einfach nicht kennt, verwarf Frau Geercken als Unsinn und nach der Kandidatenrunde im Gymnasium vom vergangenen Freitag stellt sich das tatsächlich auch noch einmal anders dar.

Die Werbung überstrahlt die Kämmerin

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Sie „möchte die Frage nicht beantworten“, ließ sich die Kämmerin nun vernehmen, als der blackbekblog ihr den Gefallen tat, wieder nach einer Zahl zu fragen und zwar nach der Entwicklung der Personalkosten unter ihrer Ägide und in Zeiten straffer Haushaltskonsolidierung. Ist das nicht das zentrale Thema dieser Stadt in dieser Zeit und zudem noch ihr ureigenes Gebiet? Doch anstatt nun zu glänzen, behauptete Frau Borchers-Seelig einfach, die Besucher „möchten nicht mit Zahlen konfrontiert werden“. Waren es Claqueure aus ihrem Tross, die bei entsprechender Nachfrage nun buhten und pfiffen? Die Kämmerin wollte sich jedenfalls auch noch einmal dazu äußern, blieb aber erneut im nebulösen Bereich: Sie habe nicht gesagt, bei den Personalkosten könne man nichts machen. Sie wolle aber keine Versprechungen machen, die sie nicht halten könne. Nur am Rande erwähnt sei, dass die Gesprächsmoderatorin, die Oberstudiendirektorin Roschlaub vom örtlichen Gymnasium, das Niederschreien unliebsamer Fragesteller mit einem Lächeln quittierte.

Wieder war es Christan Carstensen, der inhaltlich etwas zu sagen wusste und der Kämmerin der Stadt sogar zur Seite sprang. Das Ansteigen der Personalkosten von 4,95 Millionen EUR in 2011 auf 5,66 Millionen in 2013 – mithin um satte 14% – sei der Kämmerin zumindest dort nicht anzulasten, wo es auf die deutlichen Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst zurückzuführen sei. Allerdings sehe auch er ein gewisses Missverhältnis, wenn Heraushebungen ausgerechnet in Zeiten der Haushaltskonsolidierung stattfänden. Vermutlich blieb die Bedeutung dieses Satzes beim Publikum im Dunkeln, daher sei es hier noch einmal erklärt: Ausgewählte Stellen wurden höher angesiedelt, noch einfacher: es hat Gehaltserhöhungen gegeben und offenbar nicht zu knapp! Wen wundert, wenn die Kämmerin immer wieder betonen kann, sie habe die Verwaltung hinter sich?

Wie die besorgte Kämmerin, wollen auch wir das Publikum nicht „überfordern“, sondern berichten in Etappen in den nächsten Tagen weiter. Wohin die erste Wahlempfehlung des blackbekblog gehen wird, mögen die erfahrenen Leserinnen dieses Blogs aber bereits ahnen.

2 Responses to Über Zahlen möchte sie nicht sprechen

  1. Rüdiger Jekubik says:

    Es ist in der Tat ein sehr fragwürdiges Verhalten, wenn Fragesteller im Rahmen so einer Veranstaltung ausgebuht / ausgepfiffen werden. Leider hat keine(r) der KandidaInnen sich dazu geäußert.

  2. Christoph Ziehm says:

    Ich kann nur Herrn Jekubik zustimmen! In der Tat ist es sehr fragwürdig, dass man versucht, durch „Buhrufe“ Fragesteller mundtot zu machen, um eine Kandidatin vor fachgerechten Fragen zu schützen. Dieses hat in der Vergangenheit nichts gebracht und wird auch nicht in der Zukunft helfen. Ich hoffe nur, dass Frau Borchers-Seelig so ein schlechtes Verhalten nicht toleriert. Von einer zumindest guten Kämmerin erwarte ich, dass sie die Zahlen und Fakten ihrer Stadt im Kopf hat und nicht den anspruchsvollen Fragen über die personelle als auch die finanzielle Situation der Stadt Schwarzenbek ausweicht. Frau Borchers-Seelig, Sie langweilen mich nicht mit Zahlen.

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