Bislang wagt Liebe nicht, was irgend Liebe kann

Wohl wahr, ich rede von Träumen, Kindern eines müßgen Hirns, von nichts als eitler Phantasie erzeugt. (Jörg Rudat)

Bauausschuss gibt der E.ON einen Korb

Bei Frank Ruppert und Jörg Rudat mag es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, den Bauausschuss umwarb der Projektleiter der E.ON Hanse vorgestern vergeblich. Dorthin hatten die Stadtverordneten das Ansinnen vertagt, nachdem der Hauptausschuss am 18.09. noch seine Empfehlung ausgesprochen hatte. Der Stromkonzern ist gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (dena) auf der Suche nach einem repräsentativen Städtchen in Schleswig-Holstein und nachdem man sich schon ein paar Absagen eingefangen hat, glaubt man in Schwarzenbek den richtigen Partner gefunden zu haben. Hier sei man bereits darin erfahren, etwas Neues auszuprobieren, sei flexibel und mutig genug und tauge daher als „Leuchtturm“. Den Schmeicheleien erlagen am Ende aber nur der Ausschussvorsitzende Hilger und ein weiterer Genosse. Vier Mitglieder lehnten dankend ab, drei enthielten sich der Stimme und nun darf man gespannt sein, ob der Bürgermeister nach diesem Korb noch weiter freit. Dann dürfte es wahre Liebe sein.

Ewig locken die Fördergelder, doch die Aussichten sind vage

Warum Schwarzenbek sich so sehr ziert, die vollmundig als Geschenk und einmalige Chance für die Stadt beworbene, kostenlose Beratung der dena anzunehmen, liegt auf der Hand. Selbst grundsätzliche Befürworter bezweifeln, ob Schwarzenbek in der Lage ist, die Ideen dann auch umzusetzen. „Warum suchen Sie sich keine Kommune, die im Geld schwimmt?“, fragte Gerhard Moldenhauer (CDU) und entlockte dem tapfer lächelnden Rudat die wahren Motive der guten Tat. So liege das Fördergeld buchstäblich auf der Straße und müsse nur eingesammelt werden, nachdem die EU sich auf den Weg gemacht habe, allen Kommunen die Energieeffizienz par ordre du mufti vorzuschreiben. Da sei es viel besser, als einer der ersten dabei zu sein und wenn andere Kommunen sähen, dass selbst Schwarzenbek das schaffen kann, dann setze der erwünschte Effekt ein. Dass gerade die E.ON häufig für etwas anderes stehe, ist dem Konzern natürlich bewusst, aber hier böte sich nun die Chance, das Bild zu korrigieren. Die kostenlose Beratung soll natürlich nicht umsonst sein: „Wenn es hinterher heißt, die dena und die E.ON stehen auch für Energieeffizienz, dann hätten auch wir etwas davon.“

Wer braucht einander mehr?

Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, die eben jetzt mein banges Ohr durchdrang? (Frank Ruppert)

Bevor also die EU alle Kommunen verpflichten wird, will man auf den längst fahrenden Zug aufspringen. Rudat gestand nicht nur freimütig ein, dass man nichts liefern werde, was andere nicht auch könnten, sondern auch, dass Schwarzenbek schon vieles unternommen hätte. Einiges, und damit „den gesamten Ansatz haben Sie aber noch nicht“, sagte Rudat und versprach jedoch großzügig, die bereits vorhandenen Vorhaben in diesen Ansatz zu integrieren. Als Musterkommune sichere man sich zudem „die bevorzugte Behandlung“ durch Bund und Land, wobei er die natürlich weder beziffern, noch versprechen könne. Und er unterstrich wiederholt, dass man nichts bezahlen werde. Die Braut (also die Beratungsleistung), die spätestens an diesem Abend als PR-Investition entschleiert wurde, sei zwar kostenlos, die Mitgift müsse aber die Stadt leisten.

Dem Vorsitzenden des Finanzausschusses war die Suppe erkennbar zu dünn. Helge Harms, der der Sitzung als Gast beiwohnte, wandte ein, dass man nicht nur tatsächlich schon eine Menge unternommen hätte, sondern das größte Einsparpotential in der Straßenbeleuchtung läge. Dort sei der Weg aber bereits vorgeschrieben, da bis 2016 alle Laternen mit LED-Leuchten ausgestattet werden müssten. „Ob Sie uns nun beraten oder nicht, müssen wir das ohnehin einplanen“, konstatierte Harms. Er wolle nicht in Abrede stellen, dass die dena eine gute Beratung leiste, aber auch die sei „ein gewinnorientierter Konzern“. Hinsichtlich der Fördergelder  erinnere ihn der Vortrag an das Märchen Sterntaler, ätzte der Sozialdemokrat und befand, dass a) die Richtung in den meisten Fällen vorgegeben sei und man b) mit Sicherheit auch nicht zu den Ersten gehöre: „Andere Kommunen haben schon vor 15 Jahren angefangen“. Die Frage der Finanzierung stand dem Sozialdemokraten naturgemäß am nächsten. Der Höhe nach wollte Rudat die nicht bemessen, sprach aber bereits in der Erkundungsphase von mindestens der halben Stelle des „Ankerpunktes“. Gemeint ist der vorgesehene Leiter der Arbeitsgruppe und damit ist deutlich, dass allein in der ersten Phase mindestens 50.000€ an Kosten entstehen.

Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften. (Nils Hilger)

Wer A wie Amore sagt, muss auch B wie Bambino sagen

Das sei die Vereinbarung, so Rudat, aber „nichts anderes, als die Verwaltung ohnehin machen muss“. Fast glaubte man den Bürgermeister sprechen zu hören und fast hätte man glauben können, als läge tatsächlich eine Win-win-Situation vor. Jetzt sei der Boden noch fruchtbar, mahnte der Energiemanager, später sei man einer unter Vielen. „Man erntet, was man sät“, blieb Rudat in seinem Bild und rief dazu auf, die Felder zu bestellen, solange es noch Fördergelder gebe. So sehr er sich aber auch bemühte, die vermeintliche Unverbindlichkeit der Empfehlungen herauszustellen („Sie entscheiden dann, was wir machen und was nicht“), unterstrich er letztlich aber doch, dass Schwarzenbek willens sein müsse, die angeratenen Investitionen umzusetzen, „sonst wird das Ganze nichts“. Und so sehr sich der Vorsitzende Hilger auch bemühte, das Votum seines Ausschusses nur als „Empfehlung“ für die Stadtverordnetenversammlung darzustellen, so deutlich war diese dann aber auch. Warten wir ab, was Romeo und Julia als Nächstes unternehmen, um doch noch zusammenzukommen. Das literarische Vorbild ist bekannt.

2 Responses to Bislang wagt Liebe nicht, was irgend Liebe kann

  1. Schade dass Kommunen nicht wie Firmen denken. Sonst hätte man die Kosten für die Energie schon längst effizient gestaltet. Dann sollte man doch vielleicht Beratung annehmen um ein notwendiges Ziel zu erreichen. Wer zwingt denn Schwarzenbek spätere Verträge mit der E.ON einzugehen? Auch andere Mütter haben schöne Töchter.

  2. Bernd Meyer says:

    Gut so, Alles was die mächtigen marktbeherrschenden Konzerne anbieten und machen, ist nur zu ihrem Vorteil. Dort wird auf lange Sicht kein Euro verschenkt. Man muss sie ruhig
    mal abblitzen lassen. Nur ein Wechsel des Anbieters bringt was, siehe Verivox usw.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: