Begossene Pudel

Der Schwarzenbeker Kinder- und Jugendbeirat veranstaltet drei Planspiele, geleitet von professionellen Moderatoren, in denen jeweils 30 Teilnehmer, aus logistischen Gründen nach Schularten getrennt, die Stadtpolitik in Schwarzenbek simulieren sollen und man kann für die Kids nur hoffen, dass „Spiel und Spaß“ bei einem solchen Experiment tatsächlich nicht zu kurz kommen. Wenn man sich nur die letzte Stadtverordnetenversammlung anschaut, will man den Jugendlichen nicht wünschen, das etwa nachspielen zu sollen. Aber natürlich muss man die bestehenden Strukturen ausloten, will man überhaupt verstehen, was dort aus welchem Grund und auf welche Art und Weise abläuft. Wollen nur hoffen, dass die Jugendlichen für sich nicht den Schluss ziehen, solchem Treiben auch künftig fortzubleiben. Der SKJB als Veranstalter der Planspiele erwartet natürlich das Gegenteil. Die Jugendlichen sollen an den Entscheidungsprozessen, die sie betreffen, auch beteiligt werden: „Dazu müssen sie nach unserem Verständnis dazu befähigt werden, wie Politik und Verwaltung in einer Kommune funktionieren“, erklären Maike Schäfer und Melf Johannsen vom SKJB.

Primus inter pares: der Vorsitzende Melf Johannsen lebt den SKJB.

Zusammen mit ihren Mitstreitern hoffen die beiden, dass sich einige Jugendliche für die kommende Moderationsausbildung begeistern lassen. Die war in der Vergangenheit auch das Sprungbrett für einige der jetzigen Jugendbeiratsmitglieder und wenn man bedenkt, dass die Vorstandsmitglieder mittlerweile die Schulausbildung beendet haben oder doch kurz davor stehen und künftig sicher eher weniger Zeit für den SKJB haben werden, tut Nachwuchsförderung Not. Der aktuelle Vorstand setzt sich vorbildlich ein und opfert viel Freizeit und Kraft. Es ist bemerkenswert, mit welcher Geduld die jungen Erwachsenen sich dem ermüdenden Prozedere des offiziellen Protokolls unterziehen. Während die Altersgenossen chillen, kämpfen sich die jungen PolitikerInnen durch eine lange Tagesordnung und müssen dabei auch noch Rücksicht auf eigene Klausurvorbereitungen und/oder Nachhilfestunden nehmen. Besonders erfreulich also, wenn nicht nur reagiert, sondern zum Beispiel an Workshops teilgenommen, Kontakt mit anderen Jugendbeiräten aufgenommen und gepflegt und sogar eigene Fortbildungsmaßnahmen angeboten werden, wie jetzt mit der Moderatorenausbildung.

Die Anmeldung für das erste Planspiel (Gymnasium) ist bereits gelaufen und bei 40 Interessenten werden nun sogar 10 herausgelost werden müssen. Für die Regional-, Centa-Wulf- und auswärtige Schülerinnen und Schüler (Termine: 29. und 31.10.2012) sowie für die Grund- und Gemeinschaftsschule (06. und 07.11.2012) kann man sich offenbar noch wenige Tage anmelden und zwar entweder per Mail an info@skjb.de oder auch telefonisch beim Jugendpfleger Norbert Lütjens (04151/895219) oder direkt in der Verwaltung bei Petra Scheerer (04151/881138). „Einmischen Possible“ ist der Slogan, „weil Politik Spaß macht“. Enthusiasmus kann man den sieben Streitern aus dem Vorstand des SKJB wahrlich nicht absprechen, wenn man miterlebt, wie zügig und bereitwillig die anstehenden Aufgaben angenommen werden. Der Vorsitzende Melf Johannsen vergisst nie die entscheidende Frage: „Wer macht das?“, und muss auch nie lange warten, bis sich jemand findet. Alle Verantwortlichkeiten werden sofort festgemacht und protokolliert, zeitlich terminiert und zügig abgearbeitet. Das wirkt schon sehr professionell, aber auch herzzerreißend wenn man bedenkt, dass wirklich alle Aufgaben immer auf den selben, wenigen Schultern verteilt werden. Erstaunlich und keineswegs selbstverständlich, dass noch immer so viel Begeisterung am Start ist.

Wie lange das aber noch der Fall sein wird, erscheint fraglich, wenn man den jungen Menschen im Zuge der Konsolidierung den ohnehin geringen Etat von 1.500€ nun auch noch auf 800€ zusammengestrichen hat. Für die Planspiele hat man dann zwar noch 1.900€ vom Kreis bewilligt erhalten, musste aber dennoch selbst zubuttern und wenn nicht der Stadtjugendpfleger mitunter auch noch etwas aus seinen knappen Mitteln zuschösse, wäre die politische Arbeit der Jugendlich wohl bereits am Ende, kaum dass sie richtig begonnen hat. Für die Verpflegung der 30 Teilnehmer plus 2 Moderatoren stehen beispielsweise 50€ pro Tag zur Verfügung und das sind nicht einmal 1,60€ pro Teilnehmer für ein siebenstündiges Seminar.  Wenn man bedenkt, welche Summen für das mit Sicherheit niemals startende chinesische Abenteuer verpulvert wurden oder für den nächsten, protzigen Neujahrsempfang angeworben werden, schämt man sich stellvertretend für diese Stadt. Und wenn man dann noch erleben muss, dass den Jugendlichen andererseits der geringste Erfolg verwehrt wird, dann kann man durchaus ärgerlich werden.

Maike Schäfer ist verärgert: „Bitte lassen Sie uns nicht im Regen stehen!“

Mindestens in puncto Busunterstand am Gymnasium fühlen sich die Mitglieder des SKJB im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen. „Am 20. September sollte das endlich im Bauausschuss beraten werden und nun haben wir von Herrn Hinzmann hören müssen, dass das wohl in diesem Jahr nichts mehr wird“, ärgert sich Maike Schäfer und legt eine Chronologie der unendlichen Geschichte vor. „Seit Dezember 2011 kämpfen wir für etwas, für das nach den Worten des Bürgermeisters gar kein Beschluss erforderlich ist, weil es eigentlich selbstverständlich ist“, wundert sich die resolute Gymnasiastin über die Hinhaltepolitik der Stadt: „Wir können niemanden zwingen, möchten mit diesem Papier aber gerne alle aufwecken, sich vielleicht doch noch kurzfristig für uns einzusetzen“. Seltsam, dass der Bürgermeister an dieser Stelle nicht den Hintern in der Hose hatte, um einen Eilentscheid zu fällen. Wundern muss man sich allerdings auch über die Schule und den Elternbeirat des Gymnasiums, dass dieses Problem nicht schon längst gelöst ist. Der SKJB sollte allerdings nicht so kleinmütig sein. Gerade im Vorfeld der kommenden Kommunalwahl könnte man die Parteien ganz sicher vor sich hertreiben. Die Verantwortlichen in der Stadt können sich freuen, mit welch pflegeleichten und wenig konfrontativen Jungerwachsenen sie es hier zu tun haben. Erfreulich auch, wie konsequent die Nachwuchspolitiker darüber wachen, von keiner Partei vereinnahmt zu werden und auch den lässlichsten Verlockungen widerstehen. Nicht nur in dieser Beziehung wünschte man, die Großen wären wie die Kleinen. Vielleicht sollten die Stadtverordneten einmal ein Planspiel machen und sich etwas vom SKJB abschauen, jedenfalls so lange wir ihn noch haben. Wenn wir ihn weiter so stiefmütterlich behandeln, kann das nicht mehr allzu lange sein.

One Response to Begossene Pudel

  1. Rüdiger Jekubik says:

    Vielen Dank für diesen Bericht. Ich hoffe doch, dass viele Erwachsene, die in Schwarzenbek politisch wirken, diesen Artikel lesen (auch wenns nur heimlich ist :-)). Mehr gibts dazu wohl nicht zu sagen.

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