„Und sie dreht sich doch!“

Bilderbuchmäßiger Einsatz der Drehleiter

So rief mir ein „Kamerad“ der Feuerwehr über die Straße zu, als ich am vergangenen Montag vor dem Rathaus auf die Fortsetzung des Sozial- und Kulturausschusses wartete. Die Feuerwehr hatte just eine Übung und zufällig stand gerade die Rettung einer Person vermittels Drehleiter auf dem Plan. Auf diese Weise hatte der blackbekblog und mit ihm alle Ausschussmitglieder einen schönen Blick auf: eine funktionstüchtige Drehleiter. Und trotz eines entsprechenden Leserbriefes im Gelben Blatt vom 21. August 2012, den Drehleiterkorb nicht mehr besetzen zu wollen, stieg ein Kamerad todesverachtend dort ein, schnallte sich vorschriftsmäßig mit dem Haltegurt an und ließ sich mit dem Leiterpark heben und drehen, bis das Fenster im 2. OG erreicht war. Die Korbnivellierung arbeitete offenbar fehlerlos, jedenfalls blieb der Korb die ganze Zeit in der Waagerechte. Nach all den Unkenrufen der jüngsten Vergangenheit kann das eigentlich nur Zufall gewesen sein und muss man fragen, wie die Wehr- und Zugführung so fahrlässig und leichtsinnig sein kann, nur für eine Übung ein solches Risiko einzugehen?

Vielleicht hatte man ein anderes Ergebnis erhofft? Wäre es nicht das final überzeugende Argument gewesen, wenn die Technik in diesem Moment gestreikt hätte? Nun, den Gefallen tat das Gerät dann angeblich drei Tage später, aber ich will nicht vorgreifen, sondern dem mehr oder weniger geneigten Publikum die ganze Aufführung des kleinstädtischen Schmierentheaters zumuten. Vorab und zur Erinnerung können Sie sich gerne hier noch einmal die Vorgeschichte ansehen, damit Sie dann später auch noch die Fortsetzungen im Hauptausschuss am 18.09. und das große Finale in der Stadtverordnetenversammlung vom 27. September genießen können. Am vergangenen Donnerstag hatte der Finanzausschussvorsitzende den Punkt „Feuerwehrangelegenheiten“ jedenfalls wie angekündigt auf der Tagesordnung. In der vorangegangenen Sitzung hatte Eberhard Schröder von der FWS die kurzfristige Ansetzung bzw. Verschiebung von Ausschusssitzungen moniert. Seine Partei wäre gerne prominenter besetzt gewesen, als der Ausschuss über die Feuerwehrdrehleiter entschied und also hatte Harms einen Rückblick versprochen und wollte nun liefern.

In diesem Winkel sollte der Korb eigentlich hängen bleiben, aber dieses Mal tat er es nicht.

Die Debatte geriet zu einem Lehrstück für die verschwiemelte Schwarzenbeker Art, um den heißen Brei herumzureden. Inzwischen hat man sich derart in widersprüchliche Aussagen verstrickt und schreckt auch vor Lügen nicht zurück, so dass man sich eigentlich nur angewidert abwenden möchte. Wenn Sie das nicht an dieser Stelle, grundsätzlich aber gerne überprüfen mögen, folgen Sie bitte diesem Link zur vollständigen Wiedergabe der Debatte. An dieser Stelle wollen wir es mit dem Fazit bewenden lassen, dass die Ersatzbeschaffung selbstverständlich am 27. September beschlossen wird, denn das hatte man ja bereits vor dem 19. Juni so beschlossen. Mittlerweile hat der Ordnungsamtsleiter einen Maulkorb um (ob nun selbst angelegt oder verordnet), die CDU hat Akteneinsicht genommen (warum eigentlich nur die?) und verkündet, dass keine Rede von Funktionsfähigkeit sein kann, die Feuerwehrführung hat jetzt noch einmal aktuell bestätigt, dass das Teil nicht funktioniert, wir erhalten nicht nur 130.000€ Zuschuss aus der Feuerschutzsteuer, sondern auch 130.000€ aus der Fehlbetragszuweisung (wovon redet Schröder an dieser Stelle eigentlich?)  und wir haben die Luftbuchung nur in diesem Jahr zur Verfügung, d.h. wir können die letzte Förderungsrate für das Gymnasium nur in diesem Jahr umwidmen, später nicht mehr. Und wenn man dann noch ein paar Mal Lebensgefahr und Verantwortung und die Unbezahlbarkeit menschlichen Lebens erwähnt, dann bekommt man auch die Entscheidung, die man haben will. Nun kam ja gestern auch noch das Feuer an der Biogasanlage in Lanken hinzu, bei dem der Einsatz verspätet begann, weil die Schwarzenbeker Drehleiter sicherheitshalber nicht eingesetzt wurde. Wer will, auch wenn noch so viele Fragen noch unbeantwortet sind und wohl auch bleiben, nun noch gegen eine sofortige Ersatzbeschaffung stimmen?

Und wissen Sie was? Das mögen viele, vermutlich sogar die Mehrheit am Ende auch für die richtige, die naheliegende oder mindestens die am wenigsten falsche Entscheidung halten. Aber wenn die doch so richtig und naheliegend ist, warum musste man geradezu konspirativ vorgehen? Wozu die falschen Fährten, wozu die bewussten Irreführungen und sogar Lügen? Warum hat man nicht spätestens, als einem das ganze Konstrukt der Desinformationen um die Ohren flog, die Kraft gefunden, endlich reinen Tisch zu machen? Wieso wurden bis heute so viele Fragen nicht beantwortet? Warum wurden bis heute nicht auch noch ein paar entscheidende Fragen gestellt? Mindestens wird doch zu klären sein, was man von heute an bis Mitte 2014 zu tun gedenkt! Will man fast 24 Monate lang mit der alten Rostlaube, die jeden Moment auseinanderbrechen kann, tatsächlich Menschen retten und dabei nach der eigenen Logik doch eher zusätzlich gefährden und zwar bis zum Tod!? Warum lässt man also nicht endlich diese verlogenen Totschlagargumente weg und gibt rückhaltlos zu, dass es lediglich um diese Luftbuchung geht und damit um einen positiven Saldo, den es in Euro und Cent natürlich nicht real gibt, sondern tatsächlich das Konto weiter überzieht? Haben Sie doch wenigstens den Anstand, die Lügen zuzugeben, wenn sie in flagranti ertappt werden und beleidigen Sie nicht länger die Intelligenz der Bürgerinnen und Bürger!

9 Responses to „Und sie dreht sich doch!“

  1. Torsten Fink says:

    „In diesem Winkel sollte der Korb eigentlich hängen bleiben, aber dieses Mal tat er es nicht.“
    (Bildtext)
    woher kommt denn diese Erkenntnis des Berichterstatters?
    sowohl, dass der Korb so hängen sollte, als auch, dass er es nicht tat?

    • Matthias Borchelt says:

      Oh, ich bitte Sie, lesen Sie den Blog und Sie wissen Bescheid! Der Wehrführer selbst hatte ausgeführt, dass der Korb im 45°-Winkel hängen bleibt oder zumindest bisweilen blieb. Okay? Das kam vom Fachmann, nicht von mir. Und wenn damit etwas anderes gemeint war, dann sollte man das erklären. Und dass der Korb nicht hängen blieb, also dieses Mal nicht, das weiß ich, weil ich daneben stand. Und weil kurz darauf ein Kamerad einstieg und mit dem Ding nach oben fuhr.

  2. Torsten Fink says:

    Nun ja, da haben Sie sich wohl nicht ganz richtig informiert.
    Der Korb reguliert im Betrieb nach, das heißt, je steiler oder flacher der Leiterpark geneigt wird, muss der Korb immer waagerecht nachregulieren – automatisch.
    Was Sie uns hier als defekt oder eben nicht defekt verkaufen wollen, ist eine Momentaufnahme beim Einpacken der Leiter – da stülpt sich der Korb über die Spitze des Leiterparks und das gehört dann durchaus so. Als nichts mit der „Show“, die Sie für Ihre Propaganda Anti-Drehleiter hier gebraucht hätten. Tut mir leid.
    Da Sie ja immer sooooo großen Wert auf vernünftige Informaionen legen, sollten Sie das hier bitte berücksichtigen. Danke. Ansonsten – einfach mal zurück halten.

    • Matthias Borchelt says:

      Wissen Sie, was der Österreicher sagt? G’scheit sein is gut, zu g’scheit sein is a wieder blöd! Tatsächlich war das keine Momentaufnahme beim Einpacken, sondern beim Auspacken. Ich weiß das, denn ich war dabei. Auf die 45° bezog ich mich, weil diese Aussage mit diesem Winkel eine Null-Aussage ist (noch einmal: sie stammt vom Wehrführer). Auf welchen Strahl bezieht sich dieser Winkel? Und wann, wenn nicht beim Ein- oder Auspacken, kann er dort „hängen bleiben“. Oder sollen wir davon ausgehen, dass die automatische Niveauregulierung bis zu einem 45°-Winkel des Leiterparkes bezogen auf das Fahrzeug korrekt arbeitet und dann aussetzt?

      Übrigens habe ich der Feuerwehr nunmehr vor 4 Wochen einen Fragenkatalog gegeben und bis zum heutigen Tag keine Antwort erhalten. Ich muss also leider weiter spekulieren.

  3. Torsten Fink says:

    Dann mal frohes weiter spekulieren – ganz sicher sollte bzw. soll der Korb nicht so wie auf Ihrem Bild hängen bleiben. Aber ich bin froh, dass die Feuerwehr Ihnen noch nicht geantwortet hat bzw. noch nicht antworten konnte, denn das ist für mich ein Zeichen, dass man da Wichtigeres zu tun hat.

    • Bürgerin says:

      …oder keine Antworten auf die Fragen hat oder nicht antworten möchte um nichts „falsches“ zu sagen. Auch Spekulation.

  4. Felix Magath says:

    Dass Herr Schröder (der Feuerwehrchef, nicht der Stadtverordnete) ein Ausbund an Charakterstärke ist, dem stets nur das Wohl der Allgemeinheit am Herzen liegt und nicht etwa das eigene bzw. das Wohl der Kameraden, ist ja allgemein bekannt. Auch gibt es überhaupt keine kritischen Stimmen, solche Stimmen gibt es selbstverständlich nicht. Und so ist, liebe Stadtverordnete – welchen Geschlechts auch immer – alles, was Herr Schröder äußert, strikt zu befolgen. Ihm eine Bitte abzuschlagen – das ist ja unvorstellbar – grenzt ja schon an Gotteslästerung. Und im Übrigen: Es sind ja für die Neubeschaffung einer Drehleiter sicher auch ausreichend Rücklagen gebildet worden – oder? Aber Geld ausgeben, was man nicht hat, macht eben noch mehr Spaß.

  5. Torsten Fink says:

    Darf ich freundlich daran erinnern, dass die VERWALTUNG der POLITIK vorgeschlagen hatte, eine neue Drehleiter zu beschaffen?
    Danke!
    Dafür kann doch die Feuerwehr nichts, und schon gar nicht Herr Schröder. Wenn die Feuerwehr mit den Defekten der Drehleiter zu kämpfen hat, darf man dazu ja wohl Stellung beziehen, oder? Und soll man dann sagen (wie der eine oder andere Politiker) „wird schon nichts passieren“, oder soll man dann klar sagen, wir können mit der Technik nicht mehr zuverlässig arbeiten? Ich möchte den hören, wenn es schief geht, der dann sagt „hättet ihr mal rechtzeitig gewarnt“.

  6. U. B. says:

    Hey Torsten Fink, den Job gewechselt?

    Weder auf der Homepage des HSV noch in der MOPO oder beim SID ist eine Meldung zu finden, die auf den Wechsel von der Trainerbank zum Kommentator vermuten läßt.

    Also bleibt die von Ihnen verurteilte Spekulation auch an Ihnen haften, nämlich dahingehend wer Sie wohl seien mögen?

    Ich finde es schade, dass die Feuerwehr noch nicht geantwortet hat. Schließlich ist sie auch für unsere Steuergelder verantwortlich und sollte dem Steuerzahler somit auch für offene und vor allem ehrliche Antworten zur Verfügung stehen. Beste Gelegenheit: beim nächsten Tag der offenen Tür ;-).

    Da ich mir denken kann was jetzt kommt: ja ich erkenne die ehrenamtliche Leistung der Feuerwehrleute an und ja ich weiß das Ganze passiert teilweise unter Einsatz des Lebens. Das erkenne ich wirklich und ehrlich an. Ganz nach dem Prinzip: Ehre wem Ehre gebührt.

    Aber insgesamt ist diese Diskussion um die Drehleiter aus meiner Sicht unglücklich, weiß aber auch keine Patentlösung. Ganz ehrlich: ich bin froh nicht entscheiden zu müssen. Die Entscheider können sich nur in die Nesseln setzen.

    Scheinbar wurden keine Rücklagen gebildet. Sind bei der Feuerwehr und der öffentlichen Hand eigentlich AfA`s möglich und wenn ja: werden diese auch vorgenommen? Wenn ja, dann hat die Verwaltung ja echt was verpennt…

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