Der Ausschuss hat Kenntnis genommen

Der Sozial- und Kulturausschuss besucht den Jugendtreff

„Und nun sagen Sie mir doch bitte, wie Sie es finden“, beendete Stadtjugendpfleger Norbert Lütjens den Rundgang des Sozial- und Kulturausschusses durch den Anfang September wiedereröffneten Jugendtreff. Es verging einige Zeit, bis sich der Vorsitzende Heitmann (FWS) räusperte und so etwas wie „interessiert zur Kenntnis genommen“ sagte. Leicht irritiert zuckte Lütjens zusammen: „Das kann ja durchaus zweideutig sein“. Die peinliche Situation wurde durch die Sozialdemokratin Heyer-Borchelt gemildert. „Wenn ich Jugendliche wäre, würde ich mich freuen, in solchen Räumen aktiv zu werden“, löste die Genossin die ungute Spannung und der Ausschuss atmete auf. Dennoch wurde man das Gefühl nicht los, als teilte die Mehrheit diesen Eindruck eher nicht.

Gemütlich sieht anders aus (Das ist übrigens kein Bier, was der Bürgermeister da trinkt!)

Nun mag man die Räumlichkeiten gelungen, das Geld gut angelegt finden oder nicht. Aber warum schaut man es sich an, wenn man anschließend so gar nichts zu sagen hat? Auch in der anschließenden Sitzung erfolgte kein Resümee, keine Aussprache, nichts. Dabei hätte man durchaus darüber reden können, ob einem die großen Räume gefallen. Selbstverständlich benötigt man zum Tanzen entsprechenden Platz und Filmvorführungen, Konzerte oder sonstige Veranstaltungen können auch schlecht in Nischen stattfinden, aber es fällt auf, dass genau solche fehlen. Nun gehört es wohl auch zum Konzept, dass die Betreuer die Jugendlichen im Blick behalten und auch selbst transparent agieren sollen, aber gemütlich – bzw. wäre „chillig“ wohl der angemessene Begriff – wirkt der Treff (noch?) an keiner Stelle in den drei Geschossen.

Der Tisch ist eine Eigenentwicklung des Jugendtreffs, von der Planung bis zur Produktion!

Die Raummaße und das außerhalb der Flure liegende Treppenhaus bewirken eine deutliche Zergliederung und unterstreichen die kühl wirkende Sachlichkeit. Die spätestens im hässlichen Treppenhaus unangenehm spürbare Mehrherrigkeit unterstreicht diesen pragmatischen Zweckcharakter. Allerdings hat Jugendarbeit wohl auch nichts mehr mit dem heute geradezu barock anmutenden Schmus der Siebziger oder der betont anbiedernden Coolness der Achtziger und frühen Neunziger zu tun. Die relative Strenge der Architektur und Einrichtung, lediglich durch ein paar archaisch wirkende Möbelresiduen aus dem Altbestand konterkariert, atmet eine Funktionalität, die heute wohl eher angesagt ist. Wenn auch in der Stadt mitunter argwöhnisch auf professionelles und dadurch nicht billiges Equipment geschaut wird, dann benötigt man vermutlich genau das, um Jugendliche überhaupt hinter dem Ofen hervorzulocken. Wenn der Jugendtreff keine modernen Apple-Macs (obwohl die offenbar aus Spenden stammen!), keinen Tanzfußboden, keine Beschallungsanlagen, Misch- und Schnittpulte zu bieten hätte, warum sollte sich jemand blicken lassen? So famos sind die Weisheiten nicht, die eine überalterte Gesellschaft den jungen Systemverlierern anzubieten hat.

Die sehr umfangreichen Fußbodenarbeiten wurden zu großen Teilen gar nicht berechnet!

Und an der Stelle wirken Lütjens und seine Mannschaft, wirkt dieser sachliche Stil offenbar überzeugend. Den Worten des Jugendpflegers zufolge, ließen sich die Nutznießer der Räume bei Umzug und Einrichtung nicht zweimal bitten und auch jetzt noch produziert man beispielsweise viele Intarsien selbst. Besonders stolz ist man auf einen selbst entwickelten Tisch, den man nun mehrfach für das Haus produziert. Dank dieser Eigeninitiative, aber nicht zuletzt auch Dank der vielen unentgeltlichen Arbeit und des kostenlos überlassenen Materials durch die beteiligten Firmen wird man voraussichtlich im Kostenrahmen bleiben. 250.000€ sollten nach dem Willen der Stadtverordneten nicht überschritten werden. Bei 230.000€ ist man nach Angaben des Bauamtes jetzt angekommen, wobei noch ein paar Abrechnungen ausstehen. Intern hat man die weitere Arbeit jetzt erst einmal eingefroren, was man auch durchaus hier und dort erkennen kann.

Man sieht, es fehlt an Stauraum!

Der Jugendpfleger bangt nun ein wenig, ob er die rund achttausend Euro noch bekommen wird, die ihm zur Grundausstattung noch fehlen, ob das nun Fernseher, Computer, Monitore oder auch die Spiegel im Tanzsaal sind. Auch ein paar Stahlschränke stünden der Einrichtung noch gut, denn außer einer kleinen Abstellkammer hat man kaum nennenswerten Stauraum. Auch in dieser Beziehung fällt einfach auf, dass man mit 800 m² zwar 5% mehr Raum, aber doch weniger Räume als im Altbau hat. Dadurch sind manche Funktionsräume schlicht überdimensioniert, so z.B. auch das Büro des Jugendpflegers. Da staunte selbst der Bürgermeister nicht schlecht, der als Vorgesetzter ein deutlich kleineres Büro unterhält. Aber selbstverständlich benötigt Lütjens ein eigenes Büro und das nicht nur wegen der vielen vertraulichen Gespräche, die er quasi täglich führt. Und kleine Räume gibt es in diesem ehemaligen Schultrakt eben nicht! Daher wird Lütjens auch in seinem Büro noch Stauraum schaffen.

Was die Größe und Teile der Einrichtung des Büros angeht, würde der Bürgermeister glatt mit seinem Jugendpfleger tauschen.

Ganz zum Schluss hatte Norbert Lütjens noch eine Bitte: Derzeit sei man auf der Suche nach einem griffigeren Namen. Die Bezeichnung ‚Jugendtreff’ empfinde man mehrheitlich als muffig. Die Bezeichnungen ‚Jugendzentrum’ oder ‚Jugendbegegnungsstätte’ hätten bereits mehr Anhänger. Man werde also demnächst auf den Ausschuss zukommen und bitte dann um freundliches Entgegenkommen. Und da murrten doch tatsächlich einige Herren! ‚Jugendtreff’ wäre damals gewählt worden, weil die anderen Bezeichnungen als muffig angesehen worden wären! Na ja, und was damals richtig war, kann heute nicht verkehrt sein, nicht wahr? So funktioniert Großvaters Verstand nun einmal. Nein, das nehme ich zurück, das war altersdiskriminierend. Längst nicht alle Opas sind verstockt.

One Response to Der Ausschuss hat Kenntnis genommen

  1. Thomas Kuehn says:

    Ganz ehrlich! Da hätte mich jetzt mehr interessiert, was die Jugendlichen zu den neuen Räumen gesagt haben. Schließlich ist Schwarzenbek nicht die einzige Stadt, die sich bei den Räumlichkeiten für Jugendliche zwischen funktional und gemütlich entscheiden muß.

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