„Mr. Scott, Energie!“

„Wer koordiniert denn die Ansiedelung von Windkraftanlagen?“, fragte Hartmut Hintze von der FDP, als er zusammen mit den anderen Mitgliedern des Finanzausschusses erfahren musste, dass auch nicht eingespeiste Kilowattstunden vergütet würden. Das sei doch unternehmerisches Risiko wandte er ein, doch wo man ihm grundsätzlich Recht geben möchte, steht die auf 20 Jahre garantierte Förderung dagegen. „Das muss man der Bevölkerung mal erklären, dass sie auch dafür bezahlt, wenn der Strom gar nicht erzeugt wird“, wird in passender Weise heute der Geschäftsführer der Deutsche(n) Energie-Agentur in den Lübecker Nachrichten zitiert: „Derzeit müssen etwa 130 Gigawattstunden Windstrom pro Jahr abgeregelt und trotzdem vergütet werden.“ Gerundet und vereinfacht gesprochen: 20 Mio. Steuergelder für nichts!

„Die Leistung wächst schneller als das Netz!“

Jörg Peters, Kommunalbetreuer der Schleswig-Holstein Netz AG hatte dazu noch eine nette Prognose zu bieten: Im Zeitraum von 2004 bis 2010 nahm der aus erneuerbaren Energien gewonnene Strom um 1.272 Megawatt zu, von 2010 bis 2011 um weitere 655 Megawatt. Die Kurve verläuft exponentiell und kann sich laut Peters’ Prognose noch um das 20-fache beschleunigen. Nun mag sein, dass der Mann auch die Notwendigkeit seines Handelns unterstreichen möchte, denn sein Arbeitgeber ist zu 80 % der Aufnehmer und Verteiler der erneuerbaren Energie in Schleswig-Holstein. 198 Kommunen sollen an der Aktiengesellschaft beteiligt sein und 49,9 % der Anteile halten, wobei es sich um Namensaktien handelt und damit eher nicht um Spekulationsobjekte. Das große Problem der Energiewende, der Transport des Stroms von Norden nach Süden, sei zwar nicht das Thema der SH Netz AG, dennoch wachse auch hier die EEG-Leistung schneller als die Netzleistungskapazität.

„Bei Wasser geht praktisch nichts verloren.“

Neben der Abnahme der in Schleswig-Holstein regenerativ erzeugten 3.600 Megawatt aus 30.000 Anlagen (laut Peters wurden allein im letzten Jahr 900 Millionen €uro EEG-Einspeisevergütung an die Erzeuger „eins zu eins durchgereicht“) beschäftige man sich mit Netzausbau, innovativer Netztechnik, intelligenter Netzsteuerung („Smart Grid“) sowie mit Speicherprojekten. Wie in einer Batterie ließe sich das natürlich nicht machen, klärte Peters auf, aber beispielsweise in Lägerdorf laufe derzeit eine Machbarkeitsstudie für ein Pumpspeicherwerk. Für Schwarzenbek hatte man die gute Nachricht, dass hier ein Netzcenter entstehe, um die kommunale Verankerung und Präsenz noch zu verstärken. Begleitet wurde Jörg Peters von Hubertus Meyer, dem Leiter des zuständigen Netzcenters in Alt Mölln, welcher den technischen Part übernahm. Immer wieder interessant ist in diesem Zusammenhang die Betrachtung des Wirkungsgrades, d.h. wie viel Energie muss man hineinstecken, um Energie zu gewinnen. Klingt paradox, aber während gewöhnliche Kraftwerke gerade einmal auf 50 – 60 % kommen, geht zum Beispiel bei der Wasserkraft „praktisch nichts verloren“ (Meyer). Spannend war auch der Hinweis auf das Konzept „Power to Gas“, wo man Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff oder synthetisches Erdgas umwandelt und im Erdgasnetz speichern kann.

Es muss ja nicht gleich Mopsgeschwindigkeit sein, aber vielleicht können wir ja wenigstens ablegen!?

So lehrreich das alles war, fragt man sich doch, warum sich der Finanzausschuss gerade jetzt damit befasste. Gut, das Ausschussmitglied Hintze von der FDP ist an dem Thema dran und seine Partei auch recht rührig, was die Frage angeht, inwieweit auch Schwarzenbek finanziell von den erneuerbaren Energien profitieren kann. Als pars pro toto würde ich ihn jedoch nicht ansehen, denn der Ausschuss selbst machte nicht den Eindruck, als hätte das Thema mit der aktuellen Diskussion in der Stadt zu tun (auch von den Grünen hörte man übrigens keinen Piep, da schien der Akku leer zu sein). Wenn das aber so ist, hätte man die Zeit vielleicht besser nutzen und lieber über Konsolidierungsmaßnahmen sprechen können. Seit dem entsprechenden Beschluss im März dieses Jahres ist zwar einiges an Wind gemacht, die Energie aber nicht aufgenommen und in Richtung Rathaus geleitet worden. Insofern erinnert die Schwarzenbeker Kommunalpolitik an die 130 Gigawattstunden: Erzeugt und verpufft, aber dennoch teuer bezahlt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: