Glaubensfrage

Ob das der korrekte Dienstweg ist: Erst zur Zeitung, dann zum Chef?

„Dass uns die Drehleiter uneingeschränkt zur Verfügung steht, glaube ich nicht“, wird der Wehrführer in der heutigen Lauenburgischen Landeszeitung zitiert und es lohnt sich, auch seine restlichen Äußerungen in diesem Artikel genau anzuschauen. So hebt er auch darauf ab, dass nach aktueller Beschlusslage es „jetzt wohl drei oder mehr Jahre dauern“ wird, ehe man ein neues Fahrzeug bekomme. Tatsächlich ist das so und dürfte auch keinerlei Überraschung für den Wehrführer bedeuten, denn das steht seit 2010 fest und war in den letzten zweieinhalb Jahren kein Grund, derartige Erpressungsversuche zu starten. „Die Leiter ist und bleibt alt und anfällig“, so Schröder, aber das ist sie eben schon länger und war in der jüngeren Vergangenheit auch kein Grund, an dem Prinzip zu rütteln, dass die Geräte bis kurz vor der nächsten Inspektion genutzt werden. Denn das ist auch spannend an diesem Artikel bzw. am Kommentar des Marcus Jürgensen. Die einzigen, die am Prinzip rütteln, sind diejenigen, die jetzt partout vorfristig eine Ersatzbeschaffung bereits VOR Ablauf der aktuellen Inspektionsperiode verlangen. Diese Leute müssten „ein anderes Konzept erarbeiten“, wenn sie der Meinung sind, dass eine gewisse Reparaturanfälligkeit bereits in dem abgesprochenen Nutzungszeitraum eine Ersatzbeschaffung auslösen soll!

Gar als „Sicherheitsrisiko“ bewertet Martin Schröder die Drehleiter und das ist durchaus erstaunlich: Der Leiter des Ordnungsamtes bezeichnete das Gerät noch vor wenigen Tagen als zu 100 % funktionsfähig und wies darauf hin, dass auch von Seiten der Feuerwehr „keine Klagen“ kamen und heute wird das Gerät als „Sicherheitsrisiko“ bezeichnet? Das Fahrzeug biete einfach keine Verlässlichkeit mehr und daher werde er jetzt anordnen, dass nunmehr die Vorschrift gelte, sich im Korb der Drehleiter anzugurten. Das ist witzig, könnte man meinen, da die Anschnallpflicht dort ohnehin zu gelten scheint, aber es dürfte auch eher der Art entsprechen, wie hier Politik gemacht wird. Zwar versteigt Schröder sich nicht so weit wie manche seiner Kollegen, die mit täglich mehrfachem Sirenengeheul und Massenaustritten aus der Feuerwehr drohen, aber einen bedrohlichen Unterton hat das schon, wenn jetzt der „aufgelaufene Reparaturstau“ aufgelistet und „entsprechende Maßnahmen eingefordert“ werden sollen, um nur „einigermaßen über die Zeit zu kommen“. Und das alles, weil „unklar“ sei, „wie lange die Technik noch durchhält“. Und dann schiebt die Bergedorfer noch den Satz ein, dass die Drehleiter zwar aktuell noch funktioniere, es aber keine Garantie gebe, dass das so bleibt. Dieses perpetuierende Scheinargument begleitet uns die ganze Zeit und zwar eigentlich spätestens seit Ablauf der Garantiezeit für das Fahrzeug. Hat es bisher eine Rolle gespielt? Kann es eine Rolle spielen?

Das war auch ihr Problem: Keine überzeugenden Argumente.

Die Methode wird jedoch schamlos ausgereizt. „Fraglich“, so die LL, sei nun auch, „ob der für den Kauf jetzt zugesagte Zuschuss aus der Feuerschutzsteuer (..) „in 2015 tatsächlich noch fließen wird“. Das ist also die zulässige Art der Argumentation für Befürworter eines vorgezogenen Neukaufs: Hätte, könnte, wäre, wahrscheinlich oder wahrscheinlich nicht, unklar und ungläubig. Diejenigen, die angesichts einer erfolgreichen Reparatur und einer aktuell einhundertprozentigen Funktionalität keinen Anlass für eine vorgezogene Ersatzbeschaffung – denn das war der einzige Grund dafür! – sehen, werden als verantwortungslos gegeißelt und mit vereinten Kräften zur Revision ihrer Entscheidung, ja, man kann schon sagen genötigt. Den Politiker möchte ich sehen, der durchhalten soll, wenn die Wehr und die kommunale Presse gemeinsam bereits die potentiellen Todesopfer zählen und den Sündenbock dafür zur Hand haben. Dann doch lieber schnell die 650.000€ durchwinken, ist letztendlich auch schon egal. Wo ist eigentlich der Bürgermeister bzw. sein Stellvertreter, der Stadtrat Siepert? Als Dienstvorgesetzter sollte er der Wehr mindestens erst einmal einen Maulkorb verpassen, denn das, was der Wehrführer sich da in der LL erlaubt, geht schon auf keine Kuhhaut mehr. „Jetzt“ will er den Dienstvorgesetzten informieren, sagt Schröder. Aber vorher geht er schon einmal in die Presse und „informiert“ die Öffentlichkeit? So etwas sollten sich andere Untergebenen einmal erlauben, aber vermutlich wird sich auch der Bürgermeister nicht mit der offenbar mächtigen Lobby der Feuerwehr anlegen, sondern vor der veröffentlichten Meinung einknicken. Das scheint jedenfalls das Ziel zu sein und für meine Begriffe hilft die Presse ordentlich mit. Wieviele Anzeigenkunden sind wohl Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und wieviele Abos stehen auf dem Spiel?

Schlussbemerkung: Angesichts des exzessiven Drucks durch Wehr und Presse kann man die Damen und Herren Stadtverordneten fast schon verstehen, wenn sie lieber in Hinterzimmern tagen, statt öffentlich zu debattieren. Wer in einer Demokratie befürchten muss, dass seine Meinungsäußerung ihn zum öffentlichen Judas macht, der hält lieber seine Klappe. Aber wem es in der Küche zu heiß ist, der sollte nicht Koch werden. Also, liebe Stadtverordnete, ich erinnere Sie an einen anderen Appell des Marcus Jürgensen, der erst vor kurzem anlässlich des Konsolidierungsbeschlusses zum Durchhalten und eisernen Sparen ermunterte. „Nicht umfallen!“, mahnte der Redakteur, sondern jetzt eisern durchziehen. Man möchte ihn an seine eigenen Worte erinnern.

Fotos:
Kassandra  –  Autor: cs:User:Pernak  –  This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

7 Responses to Glaubensfrage

  1. Mimi says:

    Ich weiß nicht, was es da zu diskutieren gibt. Als Bürger vertraue ich der Feuerwehr und nicht den Politikern und der Verwaltung, rest recht nicht nach so einem Hinundher mit den Entscheidungen. Wenn die Feuerwehr sagt, die Drehleiter geht jetzt nicht mehr, dann muss die neue ran. Zumal das Geld ja scheinbar da ist. Es wird ja wohl möglich sein, dass man dieses Problem endlich mit dem gesunden Menschenverstand löst. Hier von einem „Erpressungsversuch“ der Feuerwehr zu sprechen ist das Allerallerletzte! Das ist ein schwerer Vorwurf und den sollten Sie zurücknehmen, Herr Borchelt.

    • Matthias Borchelt says:

      Die „Erpressung“ ist selbstverständlich nicht im strafrechtlichen, sondern nur im politischen Sinne gemeint und wenn der Wehrführer glaubt, Politik machen zu müssen, dann bekommt er auch auf einen auf die Nase wie ein Politiker. Und glauben Sie mir, der kann das ertragen.
      Der Vorwurf, den Sie implizieren, nämlich dass Herr Stribrny lügt, der ist übrigens auch nicht von Pappe. Aber Spaß beiseite: Ich habe der Feuerwehr einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt, den kann sie ja beantworten oder es bleiben lassen. Trauen Sie nur weiter der Feuerwehr, ich vertraue meinem Verstand. Insofern können wir beide nicht enttäuscht werden. Oder doch? 😉

      • Mimi says:

        Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Borchelt. Ich bin wirklich nur ein einfacher Bürger und weiß nicht, was hier die Wahrheit ist. In so einem Fall hat man zwei Möglichkeiten. Entweder, man findet selbst die Wahrheit heraus, wenn man die Möglichkeiten hat, oder jemand anders (z.B. Sie !) tun das objektiv und unabhängig als Journalist für mich/uns. Da können sie natürlich mit so etwas wie „Vertrauen“ nicht an die Sache heran gehen.
        Ich kann das aber und hab es nun an die Feuerwehr vergeben. Der Fragenkatalog ist eine sehr gute Idee. Zeigt es mir doch, dass sie jetzt begonnen haben, als Journalist auch zu recherchieren und nicht wie sonst meistens auf den Themen drauf rum zu denken. Das allerdings hochintelligent, wenn ich das sagen darf. Ich hoffe, Sie veröffentlichen die Fragen, auch wenn die Wehr sie nicht beantwortet. Dann weiß man wenigstens, um welche Fragen sie sich drückt. Ich finde, das sagt auch was aus. In diesem Sinne: Frohes Schaffen und viele Grüße von Mimi !

  2. Blogfan Nr. 1 says:

    Zumindest steht jetzt definitiv fest, dass es sich bei dem „Martin Schröder“ aus der BZ-Diskussion nicht um den Wehrführer handelt (dessen Pro-Sparer-Einlassung passte aber auch nicht wirklich zu der Zupack-Mentalität des S´beker Feuerwehrchefs, wie der aktuelle Artikel bedauerlicherweise zeigt.)

    Es bleibt jetzt zu hoffen, dass dieses (sorry, es so benennen zu müssen) hinterhältige, feige und verlogene Pseudo-Argument, das Leben der Bürger stände auf dem Spiel, von der Mehrheit der Bürger als Teil des schmutzigen politischen Lobbyspiels erkannt wird, das es ist.

    Und noch einmal: Es tut mir leid für die ehrlichen und anständigen Mitglieder, die den Grad der Knochenarbeit nicht von der Anzahl der Drops, die die Stadt ihnen spendiert, abhängig macht. Dem Rest, der sich der dargestellten Mittel der Erpressung (Moni, es ist doch nichts anderes) bedient, kann man guten Gewissens attestieren, dass er seinen Berufs-Ethos beschmutzt und nichts bei der Feuerwehr zu suchen hat!

  3. Was war eigentlich zuerst da? Die Henne oder das Ei?
    Baut man eine Rettungsleiter mit seinen mechanischen Funktionen und dazu die passende Steuerung, oder zuerst die Steuerung und dazu die passende Leiter? Wenn die Steuerung nicht mehr funktioniert ist es dann notwendig alles neu zu kaufen?

  4. Tom Sacks says:

    Zu dem ganzen Thema Ersatzbeschaffung einer Drehleiter oder nicht kommt hinzu, dass die Feuerwehr mit ihrem Wehrführer keinen Mann an der Spitze hat, der mein Vertrauen hat. Wer den Eindruck erweckt, öffentliches Eigentum als Privatbesitz zu behandeln, unwahre Aussagen zu streuen, darf eigentlich nicht eine herausgehobene Funktion bekleiden. Dass dies die Feuerwehrangehörigen nicht wahrhaben wollen, lässt ihr lobenswertes Eintreten für die öffentliche Sicherheit immer mit einem schalen Beigeschmack erscheinen. Kameraden, trennt Euch von Herrn Schröder, dann seid Ihr glaubhafter!

  5. Ich bin es says:

    Hallo Tom Sacks, sind Sie denn auch schon irgendwo ehrenamtlich aktiv, oder haben Sie in irgendeiner Form so eine Verantwortung übernommen? Ich fürchte, das ist nicht der Fall, aber easy going im Sessel hocken und Kommentare posten ist ja auch einfacher. Dabei werden Leute wie Sie, die eine Meinung haben und wissen, wie man es richtig anpackt, doch dringend gebraucht!

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