Schwarzenberg Baker, oder wie der Chinese sagt 施瓦岑贝克

Die einzige Städtepartnerschaft in ganz Deutschland ohne entsprechenden politischen Beschluss?

„Nicht kaputt reden lassen“ möchte sich der Bürgermeister, laut dem Artikel in den Lübecker Nachrichten über den kuriosen SPD-Stammtisch, unter anderem die vermeintliche Tatsache, dass Schwarzenbek die erste Stadt in Deutschland mit einer chinesischen Städtepartnerschaft sei. Na ja, den Artikel hat Silke Geercken geschrieben und insofern muss man sich nicht wundern, dass das unkommentiert wiedergegeben wird. Wobei ich den Bürgermeister in Schutz nehmen will: Die erste Stadt in Deutschland hat er sicher nicht gemeint, sondern sich sehr wahrscheinlich mit Schleswig-Holstein zufriedengegeben. Aber richtiger wird es dadurch natürlich nicht, denn tatsächlich hat Schwarzenbek keine Städtepartnerschaft mit Haimen und es wird nun Zeit, das endlich auch offiziell anzuerkennen und dem dummen Spuk ein Ende zu bereiten.

Den Beweis für die ernsthaften Absichten hatte man im Oktober 2011 aus Haimen mitgebracht: Einen Werbeprospekt!

Denn es reicht keineswegs, bei dem nun erneut anstehenden Trip nach Haimen „die Größe der Delegation und (..) die Dauer der Reise auf ein Mindestmaß zu reduzieren“ wie der Beschlussvorschlag für den heutigen Hauptausschuss vorsieht. Denn spätestens wenn auch der Bürgermeister, wie bei dem SPD-Talk offenbar geschehen, kleinlaut einräumen muss, „die Euphorie habe sich gelegt“, gibt es keinerlei Grund mehr auf vermeintliche chinesische Gefühle und/oder Ambitionen Rücksicht zu nehmen. Noch am 27. Oktober 2011 ließ man großspurig verlauten, es sei nicht mehr die Frage, ob das ETC komme, sondern nur noch wann. „Findet statt“, lautete vor nicht einmal einem Jahr die knappe Antwort des Bürgermeisters, heute brauche es nun wieder Geduld. Nun, ich habe die nicht mehr und es gibt auch keinen Grund mehr so zu tun, als ob es ein Investitionsabkommen und eine Städtepartnerschaft gäbe. Beides wäre ohne entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung gar nicht möglich und da es einen solchen weder für das eine, noch für das andere gegeben hat, gibt es außer dieser kruden Vereinbarung über den Aufbau einer privilegierten Partnerschaft gar nichts. Und fragen Sie mal die Türken nach dem Wert einer privilegierten Partnerschaft!

Wir erinnern uns mit Schrecken daran, dass auch die Gründung der Schwarzenbek Marketing GmbH klammheimlich und rechtswidrig erfolgte und man das Prozedere, nachdem die Sache nun gar nicht mehr zu halten war, nachholen musste. Noch gruseliger als diese nachträgliche Heilung einer kaum zu toppenden Pflichtvergessenheit sowohl der Verwaltung, als auch der Selbstverwaltung, war der Umstand, dass dem Beschluss der Politiker über die Gründung der Marketing GmbH keinerlei Debatte über Sinn und Unsinn dieser GmbH vorausging. Es wurde nicht darüber beratschlagt, wofür man die Gesellschaft benötigte. Mit keinem Wort wurde die Gründung als Tochter der – thematisch eindeutig festgelegten – Stadtwerke GmbH problematisiert. Die zu diesem Zeitpunkt bereits komplette Veruntreuung des Gründungskapitals war ebenso tabu wie das vollständige Abhandenkommen des Gründungszweckes. Keinerlei Fragen wurden beantwortet, stattdessen wurde dem Blogger als fragendem Bürger ebenso rechtswidrig das Fragerecht beschnitten, wofür der Bürgervorsteher sich später hochnotpeinlich entschuldigen musste. Das ist mehr als ein Geschmäckle, wenn die Mehrheit der Stadtverordneten entweder als Gesellschafter oder als Aufsichtsrat an einer rechtswidrigen Firmengründung beteiligt sind und diese später verwaltungsrechtlich nur dadurch geheilt werden kann, dass eben diese Stadtverordneten über die Sinnhaftigkeit der von ihnen ja bereits exekutierten Gründung befinden sollen. Wie kann man dabei eigentlich noch unbefangen sein?


Wenn die Delegation aber doch fliegt, kann sie sich vielleicht erkundigen, was aus den Festgenommen wurde und ob die Angabe der in die Hunderttausende gehenden Krebserkrankungen in Haimen auch nur annähernd korrekt sein kann. Vielleicht fragt man aber doch lieber nicht, denn man will ja auch wieder nach Hause kommen.

Anstatt nun also immer noch von nicht existenten Städtepartnerschaften zu faseln und noch mehr Steuergelder zu vernichten, sollte man endlich die Kraft und den Anstand aufbringen, seinem Versagen ins tränende Auge zu blicken und sowohl die Marketing GmbH auflösen, als auch die Chinesen Chinesen sein zu lassen. Das hat nichts mehr mit Verständnis für die Kultur zu tun. Die wirtschaftliche Kultur in China zeichnet sich durch aggressiven, rücksichtlosen Manchester-Kapitalismus aus. Da gibt es kein Zucken und Zaudern, kein Zögern und keine buddhistische Langmut, wie man uns hier vielleicht für dumm verkaufen will. Wenn man da etwas will, dann geht das wie beim Genickschuss ohne Gerichtsurteil kurz und knackig vonstatten. Da kennt der Chinese nämlich nichts. Das Geld, das wir, nein, nicht wir, sondern der Bürgermeister und die PolitikerInnen für Reisen und Festivitäten mit dem angeblichen Investor verplemperten, ist futsch und auf der Habenseite ist nichts, als der Blick in die Röhre. Es gehört schon ein enormes Selbstbewusstsein dazu, diese anrüchige Luftnummer (vulgo: diesen Furz!) auch noch als Vorzug der Stadt anführen zu wollen. Die Sache ist ausschließlich peinlich und vollkommen zu Recht vom Bund der Steuerzahler auch in die Hitliste der übelsten Steuerverschwendungen aufgenommen worden. Der Bürgermeister und die anderen Verantwortlichen sollten sich freuen, dass niemand auf die Idee gekommen ist, Strafanzeige zu erstatten und das nicht etwa noch herausfordern, indem man immer noch nachlegt. Das chinesische Abenteuer ist vorbei. Entweder lassen Sie Herrn Dr. Tjan das noch übersetzen und es dabei dann bewenden, Ruppert Xiansheng, oder ich fordere Sie auf, Schilder in der Stadt aufzustellen, wonach Schwarzenbek offizielle Partnerstadt der Stadt Haimen in der Volksrepublik China ist! Dafür sind dann auch noch ein paar Euro da!

2 Responses to Schwarzenberg Baker, oder wie der Chinese sagt 施瓦岑贝克

  1. TopDeluxe says:

    Der Einschätzung des chinesischen Geschäftsgebarens kann ich aus eigener, intensiver Erfahrung nur voll und ganz zustimmen. Wenn ich mir vor Augen halte, dass unsere Kleinstadt-Möchtegernpolitiker mit der Schläue dieser Darwin-Kapitalisten konfrontiert sind, kann mir nur Angst und Bange werden.

  2. Grognard says:

    Sehr schön geschrieben TopDeluxe, besonders gut gefällt mir „Kleinstadt-Möchtegernpolitiker “ 😀
    Die Frage, die sich mir stellt, was wollen die Chinesen hier und wer will sie?
    Der Presse nach, wollen sie hier Bettwäsche und Handtücher umschlagen/verkaufen, eben genau das, was Deutschland und Schwarzenbek braucht… Bettwäsche und Handtücher!
    Man hat lange nichts gelesen, wo bleiben denn nun die Handtücher?

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