Parole Stammtisch?

Seit Jahren mehren sich die Klagen über das hoheitliche Gehabe der Verwaltung und die Wagenburgmentalität der Selbstverwaltung in Schwarzenbek. Kaum gewählt, scheint man jede Versprechung des Wahlkampfes in den Wind zu schlagen, entscheidet nur noch in Hinterzimmern und ignoriert den Wählerwillen ebenso konsequent wie beharrlich. Viele Bürgerinnen und Bürger haben sich die Zähne daran ausgebissen und nicht selten wurden Mitbürger auch noch verhöhnt und diskriminiert, um deren allfällige Kritik zu diskreditieren. Und das mit Erfolg. Auch die ansässige Presse übernimmt in aller Regel ungeprüft die Verlautbarungen der herrschenden Parteien und des Bürgermeisters und unterschlägt ebenso regelmäßig die Kritik. Von eigener Recherche und kritischer Nachfrage scheint man eher weniger zu halten und es ist ein trauriger Aspekt der Schwarzenbeker Presselandschaft, dass ausgerechnet das Anzeigenblättchen am verlässlichsten berichtet und die erforderliche Distanz wahrt. Das war beileibe nicht immer so und liegt selbstverständlich in der Person der Berichtenden begründet.

Stammtisch der SPD?

Die Profis der Branche stellen sich regelmäßig ihr Armutszeugnis selbst aus, so wie jetzt wieder Silke Geercken in den Lübecker Nachrichten. Den zweiten Stammtisch der SPD hatte sie selbstverständlich besucht, so wie ja auch ihr Kollege von der Bergedorfer Zeitung anwesend war. Es versteht sich von selbst, dass man auf vergleichbaren Veranstaltungen der FDP und/oder FWS nicht erscheint, denn dort ist ja nur das bekannte Personal der ohnehin ewigen Querulanten vertreten. Dafür kann der SPD-Talk jetzt mit echter Prominenz aufwarten: Konrad Freiberg war über mindestens ein Jahrzehnt als Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei eine bundespolitische Größe und damit kann er sich des Interesses sicher sein, selbst wenn sein zweiter Stammtisch thematisch offenbar nur den ersten wiederholte. Das wahre Phänomen dieses Stammtisches wird von Frau Geercken jedoch konsequent ausgeblendet oder einfach nicht erkannt.

Normalerweise nutzen Parteien die politischen Stammtische, um auch Nichtmitglieder in ungezwungener, unprotokollarischer Stimmung erreichen und von den eigenen Positionen überzeugen zu können. Ein weiterer Aspekt ist sicher auch, gesellschaftliche Stimmungen und Strömungen wenn nicht zu übernehmen, so aber doch aufnehmen zu können. Bei der SPD scheint es sich jedoch eher um eine Veranstaltung parteilicher Renegaten zu handeln und solche werden eigentlich von unseren lokalen Journalisten geradezu leidenschaftlich ignoriert. Bei Herrn Freiberg ist das jedoch anders. Seine Themen, von der Hinterzimmer- und Ratsherrenpolitik über die mangelhafte demokratische Ausprägung bis hin zur Selbstbedienungsmentalität der Akteure entsprechen genau den Inhalten der ewigen Kritiker auch und vor allem an der SPD. Es handelt sich also wohl kaum um einen Stammtisch der SPD, wenn überhaupt, um einen Stammtisch der SPD von unten. Und ist es nicht bezeichnend, dass selbst ein Mann wie Freiberg offenbar nicht in der Lage ist, die Schwarzenbeker SPD von innen zu reformieren? Oder hat er dort keine Mehrheiten und nutzt nun frech seine Popularität, um sein Anliegen zu transportieren?

Normalerweise wird der Stammtisch vom Ortsverein initiiert und ausgeführt und treibt nicht ausgerechnet die Vorsitzende in die Defensive…!?

Erinnern wir uns an die Reformprozesse der jüngeren Vergangenheit! Die Fraktion der Bürger für Bürger hörte auf zu existieren, weil deren Mitglieder geschlossen zu den Grünen überwechselten, nachdem der Ortsverein glaubte, in der Politik mitreden zu wollen. Die CDU brach fast auseinander und verlor zwei Fraktionsmitglieder, als man versuchte, die alten Seilschaften zu durchbrechen. Seitdem ist die SPD stärkste Fraktion und verweigert den damit verbundenen Führungsanspruch, weil man offenbar andere Interessen hat. Womit ist also nun zu rechnen? Werden wir erleben, dass mindestens Siepert und Francke den Laden verlassen und konsequenterweise zur CDU wechseln, deren Politik sie ja offenbar ohnehin überzeugender finden? Und was ist mit mindestens zwei weiteren Mitgliedern der Fraktion, denn man muss doch wohl hoffentlich davon ausgehen, dass die von dem SPD-Stammtisch jetzt leidenschaftlich gegeißelte Politik auch (und gerade?) des eigenen Vereins mindestens innerhalb der Fraktion eine Mehrheit hat? Oder ist am Ende die These des blackbekblog zutreffend, welche dieser seit vier Jahren vertritt, wonach die Schwarzenbeker Politik von vier oder fünf RatsherrInnen incl. Bürgermeister bestimmt und von 18 Wackeldackeln abgenickt wird, deren vorrangiges Interesse ihren Herrchen und dem regelmäßig gefüllten Fressnäpfchen gilt?

Denn nur insofern ist dieser Stammtisch wirklich spannend. Thematisch bietet er sogar weniger als die Veranstaltungen der FDP und der FWS, denn das gegenseitige Tränentrocknen haben wir in den vergangenen Jahren ausgiebig geübt, dazu bedarf es keiner prominenten Unterstützung. Sollte er jedoch die einsetzende Götterdämmerung innerhalb der SPD markieren (und mit entsprechender medialer Begleitung ist das nicht unwahrscheinlich), dann könnte sich mit der Wahl 2013 tatsächlich etwas in Bewegung setzen. Dann wären nach dem Rückzug des ewigen Hauptdarstellers Delfs der CDU und dem dadurch zwangsläufig zu erwartenden Verbleichen seiner farblosen Steigbügelhalter auch die Politikverhinderer Siepert und Francke samt deren Claqueuren fällig. Nachdem mit Eberhard Schröder das einzige politische Gegengewicht zur schwarzroten Koalition, der Grandseigneur der FWS in 2013 wohl auch nicht mehr antreten wird und der fast ebenso ewige Stadtverordnete Schirmacher von den Grünen als Trabant dieser Schwergewichte wohl kaum eigenes Format finden dürfte, könnte ein echtes Vakuum entstehen. Wer außer Freiberg sollte da wohl hineinstoßen? Es heißt, er möchte kein Mandat, kein Amt übernehmen. Würden Sie darauf wetten?

One Response to Parole Stammtisch?

  1. Gut das Sie weiter machen. Solche Analysen helfen der Stadt und bringen hoffentlich alles durcheinander und danach wieder Ordnung. Wir brauchen wirklich etwas anderes hier in der Stadt.

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