Ursache und Wirkung

Wenn man der Bergedorfer Zeitung trauen darf, waren sich die Mitglieder im Sozialausschuss am vergangenen Montag in einer Frage einig: Der Seniorenbeirat bleibe eine „Spaßtruppe“. So stand es am vergangenen Donnerstag zu lesen und spontan bedauerte ich, die Blog’sche Sommerpause nicht wenigstens unterbrochen zu haben, um die Betrogenen und die Betrüger live mitzuerleben. Denn das hätte ich nun nicht für möglich gehalten, dass ausnahmslos alle in Schwarzenbek in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien sich nach ihren teilweise doch markigen Worten für eine Gleichbehandlung in der Demokratie nun geschlossen gegen eine solche aussprechen. Natürlich war mir klar, dass man nach der ebenso durchsichtigen wie liebedienerisch-populistischen Einrichtung eines Jugendbeirates so gar keine Lust verspürte, sich nun auch noch zickige Alte ins Nest zu holen. Aber dass man wirklich den Arsch in der Hose haben würde, das auch öffentlich zu vollstrecken, hat mich dann doch überrascht.  Ich hätte gewettet, man hängt die Senioren weiter hin und vertagt aufs Neue. Insofern muss man den Politikern beinahe Respekt zollen, dass sie nun Farbe bekannten.

Besonders lustig wirken die nicht: Ulf Miehe (li.), Hans-Dietrich Zymny (Foto: Archiv)

Warum nur beinahe, werden vielleicht manche fragen? Nun, weil die Entscheidung selbst nicht nur aus demokratischen Gründen zum Himmel stinkt, sondern auch eine ausgemachte Eselei ist. Die Konsequenz solch (haar-)spalterischen Vorgehens darf man heute in der Zeitung lesen: Der völlig zurecht verärgerte Seniorenbeirat – mithin die „Spaßtruppe“ – zog sich mit sofortiger Wirkung aus der Organisation des Sommerfestes für die Senioren zurück und droht mit weiteren Konsequenzen, falls die Stadtverordnetenversammlung der Empfehlung des Sozial- und Kulturausschusses folgen sollte. Man mag bedauern, dass dem Beirat außer einem verbitterten Rückzug nichts Besseres eingefallen ist, verständlich ist die Frustration durchaus. Und als wäre der Gemeindefrieden durch die Altersdiskriminierung nicht schon ausreichend bedroht, sorgt der Bürgermeister, der von Anfang an keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die überparteilichen Mitspracherechte für Senioren machte, für den eigentlichen Eklat, indem er die Opfer zu Tätern macht. Gemäß Berichterstattung und Zitat der Bergedorfer Zeitung drehte Frank Ruppert den Spieß einfach um und behauptet keck, der Seniorenbeirat habe sich selbst disqualifiziert. Zement mal, möchte man ausrufen, die Schiedsrichter hatten doch im Ausschuss bereits getagt und über den Spielausschluss entschieden. Das war nicht einmal eine unberechtigte gelbe Karte, auf die durch die allfällige Beschwerde über die Ungerechtigkeit dann auch noch mit einer roten Karte aufgesattelt worden wäre, nein: Zymny & Co. hatten glatt Rot kassiert. Und nun trotten sie wie beschissene Pudel vom Feld und werden auch noch selbst für ihren Rauswurf verantwortlich gemacht?

Oha, dabei lässt es der in Sachen Gemeindespaltung geübte Bürgermeister – wir erinnern uns ungern an das miese Spiel mit der Kirchengemeinde in Sachen Kiefaber – aber nicht bewenden: er verhöhnt die Alten auch noch: „Er (vulgo: der Beirat) hat die Senioren im Stich gelassen“, wird Ruppert zitiert und lässt sich selbst, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftlichen Vereinigung als Retter des Sommerfestes feiern, und beschloss offenbar einmal mehr eil und mit der ihm eigenen Befugnis, die Musik mindestens teilweise aus dem Stadtsäckel zu bezahlen. So geht das. Und auch wenn der heutige Artikel in der Bergedorfer den Seniorenbeiratsvorsitzenden gleichfalls zu Wort kommen lässt, empfinde ich ihn dennoch als reichlich tendenziös, wenn er quasi resümierend endet, dass „es (..) nicht die ersten Turbulenzen im Beirat“ wären und dabei auf den Streit mit dem Ehepaar Gerber und eine davon vermutlich völlig unabhängige Amtsniederlegung der Schriftführerin abhebt. Soll der geneigte Leser dazu verführt werden, den parteiübergreifenden Tritt in das greise Gesäß und deren anschließenden Sturz in den Schmollwinkel als Turbulenz innerhalb des Beirates zu misinterpretieren? Selbst schuld, dass du eine Watsche kassierst, was hast du auch so ein Ohrfeigengesicht?

Bedenkt der Dichterworte!

Um dieser Schieflage dann wenigstens eine andere entgegenzusetzen, damit der unbeteiligte Schwarzenbeker Bürger – als wenn der Anteil nähme! – wenigstens die Möglichkeit hat, Balance zu finden, wollte ich die Sommerpause mindestens unterbrechen. Ich kann nur hoffen, dass der Seniorenbeirat sich bei nächster Gelegenheit an den Wortlaut des Schiller’schen Wallenstein erinnert und anders als der Bürgermeister (und auch der Blogger :o) die Dinge in Ruhe wägt und erkennt, dass man potentiell die mit Abstand stärkere Wählergruppierung vertreten könnte: Denn es gibt nicht nur weitaus mehr Senioren als Jugendliche in der Stadt, sondern die sind nicht nur alle wahlberechtigt, sondern gehen in großer Mehrheit auch noch hin zu den Wahlen. Das sollte man bedenken, bevor man voreilig die Schlacht ver- und dem Bürgermeister das dadurch selbst verloren gegebene Terrain über-lässt. Wie sagte der in solchen Auseinandersetzungen gewiefte Herbert Wehner: Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen. Wem nun das Vokabular zu kriegerisch erscheint und an die nachgerade flehentlichen Worte des Büroleiters Warmer erinnern möchte, wonach doch bitte die gesellschaftlichen Gruppen in Schwarzenbek nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten, der möge doch bitte zuallererst zwar nicht an die eigene, aber doch an die Nase des Bürgermeisters fassen. Oder besser die Hand vor dessen Mund, damit dort nicht immer wieder diese wie ich hoffen möchte unbedachten Worte herauspurzeln. Ursache und Wirkung, lieber Herr Ruppert, sollten denen, die nicht polarisieren wollen, immer im Bewusstsein bleiben. Als Bürgermeister wollen Sie doch vereinen und nicht spalten! Oder sprachen Sie in diesem Fall für ihre grüne Partei, die wie alle anderen die ungeliebten Alten aufs Abstellgleis schieben wollen?

13 Responses to Ursache und Wirkung

  1. Mimi says:

    Ich bin sehr dafür, dass der Seniorenbeirat ein Mitspracherecht in den städtischen Gremien bekommt. Dabei bleibe ich, auch wenn der Seniorenbeirat m.E. jetzt leider einen falschen Weg geht. Er hat nämlich nie kund getan, was er eigentlich mit dem Stimmrecht machen will. Wofür wollen sich die Senioren denn einsetzen? Was wollen sie erreichen? Was muss verändert werden für die Senioren in dieser Stadt? Dafür hat Zymny kein Konzept. Oder braucht man sowas nicht? Stattdessen will er jetzt brachial mit dem Kopf durch die Wand und schmeißt alles in die Waagschale, was er an Gutem für die Senioren getan hat: das Sommerfest , Tanztee, Frühstück… Und er sagt nicht einmal, wofür das ganze Theater mit dem Hinschmeißen jetzt sein soll. Ist doch kein Wunder, dass viele das als Im-Stich-Lassen und Erpressung verstehen. Ein Konzept bitte, Herr Zymny, oder wenigstens ein paar kluge Ideen! Einfach so gibt es das Stimmrecht bestimmt nicht.

    • Ulf Miehe, 2. Vorrs. says:

      Guten Tag Mimi,
      wir würden uns gern näher mit Ihnen über die Situation des Seniorenbeirates, die Vorfälle und die uns aufgezwungenen Entscheidungen unterhalten. Sehr gern nehmen wir kritische Mitbürger auch in den Beirat auf. Meine Tel.Nr. 04151/898850.
      Wir hoffen von Ihnen zu hören!
      mfG
      Ulf Miehe, 2. Vors.

  2. Ulf Miehe, 2. Vorrs. says:

    Wir vom Seniorenbeirat müssen noch anmerken, daß im blog ewas sehr wichtiges fehlt: die FDP, Herr Hildebrand, und Frau Heyer-Borchelt, SPD, haben entgegen allen anderen Stadtverordneten für den anerkannten Seniorenbeirat gestimmt.

    • Matthias Borchelt says:

      Danke für die Korrektur. Der Formulierung in der Bergedorfer Zeitung musste man entnehmen, dass, wenn sich angeblich alle PolitikerInnen „einig“ waren, auch ein einstimmiges Abstimmungsergebnis vorlag. Das war ganz offensichtlich nicht der Fall. Wieder ein Grund mehr, selbst hinzugehen.

  3. Bernhard Hildebrandt says:

    Leserbrief von Bernhard Hildebrandt (FDP)

  4. Gerhard Möller says:

    Der schäbige Umgang mit dem Seniorenbeirat hängt sicherlich auch damit zusammen, dass Herr Zymny das Ehepaar Gerber ausgebotet hat. Herr Gerber war im August 2011 noch Vorsitzender der CDU. Es fällt schwer, daran zu glauben, dass in der CDU-Fraktion (und der mit ihr gemeinsame Sache machenden SPD-Fraktion, die ja unbedingt die Aufwandsentschädigung in voller Höhe erhalten wollte) niemand „Rache für Gerber“ gesagt, wenigstens gedacht hat. Dass der Bürgermeister sich an einem derartigen feigen Komplott gegen den Seniorenbeirat beteiligt, es mindestens hinnimmt, muss auch nicht überraschen: er weiß halt auch, wo die Mehrheiten sind.

    • Ulf Miehe says:

      So stimmt die ganze Angelegenheit „Gerber“ nicht! Und somit muß ich, obwohl Herr Gerber mich für den Seniorenbeirat geworben hat, hierzu Stellung nehmen:
      Nachdem Herr Gerber sich mit Herrn Holger Münch über verschiedene musikalische Punkte sehr uneinig war ( Weigerung „Spaßeinlagen“ zuzulassen: Polonaise, Abklatschen, Damenwahl), hat er ohne den gesamten Vorstand zu befragen gewisse Dinge im Musikbereich umstellen wollen. Nachdem der Vorstand dies mehrheitlich abgelehnt hat, hat Herr Gerber das Handuch geworfen. Herr Zymny hat in meiner Zeit keinen aus dem Vorstand ausgebootet!
      Aber Herr Möller, wir bitten Sie, uns doch einmal bei einer Vorstandssitzung zu besuchen. Da werden Sie erfahren, mit welchen Unwahrheiten, Widrigkeiten und Mitarbeitermangel, Parteineutral und überkonfessionell, wir zu kämpfen haben. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich in den nächsten Tagen bei mir melden würden.
      mfG
      Ulf Miehe, 2. Vors.
      ( 04151/898850 + u.miehe@alice-dsl.net )

      • Gerhard Möller says:

        Sehr geehrter Herr Miehe,
        haben Sie gelesen, wie Herr Schmeil im Schwarzenbeker Anzeiger zitiert wird? Auf den Seniorenbeirat bezogen, verwendet er Begriffe wie „kindisches Verhalten“ und behauptet, solches habe „in einer Demokratie nichts zu suchen“. Herr Schmeil ist der neue Vorsitzende der CDU Schwarzenbek. Da kann ich nur zitieren: Wenn das Hoffnung ist, wie sieht dann Verzweiflung aus? Nein, von der CDU (also auch von der SPD-Fraktion und damit von der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung) hat der Seniorenbeirat nichts zu erwarten. Und das hängt auch damit zusammen, dass dem Ehepaar Gerber eine – die letzte? – Möglichkeit genommen wurde, in der Öffentlichkeit zu glänzen. Alles andere entspräche nicht der Lebenserfahrung.
        Mit freundlichen Grüßen
        Ihr Gerhard Möller.

  5. Hallo, Herr G. Möller,

    der neue CDU-Vorsitzende, Herr Frank Schmeil, mag sich unbedarft und unbesonnen im Gelben Blatt zu Wort melden. Das ist Meinungsfreiheit. Dass er dabei eine erschreckende Unkenntnis über die Aktivitäten des Seniorenbeirats beweist, der durchaus seine Meinung in der Bürgerfragestunde geäußert hat, lässt wohl Rückschlüsse darauf zu, wie sich Herr Schmeil über die politischen Tagesereignisse informiert. Zur Information: – vor allem für Herrn Schmeil – die CDU war nur eine von vielen Spendern für das Sommerfest. Allerdings hängen es die anderen Spender nicht so an die große Glocke. Aber wer’s nötig hat ….

    Zum Thema ‚Gerber‘ ist mittlerweile genug gesagt worden. Wir im Seniorenbeirat haben Wichtigeres zu tun.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jörg Scheele

    • Mimi says:

      An Herrn Scheele: Sie sprechen von der „erschreckenden Unkenntnis über die Aktivitäten des Seniorenbeirates“. Das mag sein, dass dies zutrifft. Aber daran ist der Seniorenbeirat mit seiner absolut schlechten, ja kaum vorhandenen, Öffentlichkeitsarbeit selber schuld. Sie müssen Ihre Aktivitäten kommunizieren, um möglichst vielen zu zeigen, dass Ihre Arbeit wichtig ist. Bis auf die Termine für den Tanztee und andere Veranstaltungen geben Sie ja nichts bekannt, weder etwas über die Themen, mit denen Sie sich auseinandersetzen, noch über die Visionen. Damit verpassen Sie eine riesengroße Chance, denn die meisten Leser der LN, LL und der Anzeigenblätter sind die Senioren. Außerdem könnte man jeden Monat ein Infoblatt herausgeben und sie an Stellen auslegen, wo viele Senioren sind… bei Ihren Beratungen, in den Heimen, bei den Ärzten usw. Haben Sie vielleicht auch einen Schaukasten neben dem Rathaus? Sind Ihre Beiratssitzungen öffentlich? Auch das Sommerfest hätten Sie prima nutzen können, um auf nette Art ein paar Themen ansprechen zu können. Alles zusammen wären gute Möglichkeiten gewesen, um vor der Stadtverordnetenversammlung ihren Standpunkt noch einmal darzulegen. Die Öffentlichkeitsarbeit und das Herausgeben von schriftlichen Infos hat noch einen Nebeneffekt. Es zwingt den Herausgeber selbst, über alles nachzudenken und es in Ruhe auf den Punkt zu bringen. Vielleicht gelingt Ihnen das ja in der Zukunft.

      • Ulf Miehe says:

        Nochmals „Mimi“, Ihre Einlassungen zeugen von großer Unkenntnis über die Lage des Seniorenbeirates und der örtlichen politischen Gegebenheiten. Geben Sie sich doch endlich uns gegenüber zu erkennen, damit wir Sie aufklären können. Leider haben wir keine finanziellen Mittel, um einige der von Ihnen vorgeschlagenen Wege zu gehen. Unsere Sitzungen sind öffentlich und werden regelmäßig in LL, LN und Gelbem Blatt bekanngegeben! Nochmals: wir warten auf Ihre Antwort, um mit Ihnen Kontakt aufzubauen!
        Ulf Miehe, 2. Vors. d. Seniorenbeirates

  6. Mimi says:

    Sehr geehrter Herr Miehe, meine Ratschläge bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit des Seniorenbeirates sind nicht besserwisserisch, sondern ehrlich gemeint. Leider stellen Sie mich jetzt hier hin, als wenn ich dumm wäre, keine Ahnung habe und bei mir nur eine „große Unkenntnis“ über den Seniorenbeirat vorhanden ist. Das finde ich sehr schade und es kränkt mich, denn ich habe es wirklich ehrlich gemeint. und viel darüber nachgedacht. Haben denn alle keine Ahnung, außer der Seniorenbeirat? Das ist bestimmt nicht so. Ich werde hier nun nicht mehr kommentieren, wünsche Ihnen aber von Herzen alles Gute!

    • Ulf Miehe says:

      Dass der Eindruck entstanden ist, bedauere ich sehr. Schade, daß Sie sich nun schmollend zurückziehen. Wir hätten Sie gern über unsere sehr erschwerte Tätigkeit in Schwarzenbek in einem persönlichen Gespräch informiert. Vielleicht melden Sie sich ja doch noch bei mir!
      mfG
      Ulf Miehe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: