Die Elite-Hartzer

Als Pirat unter die Räuber gefallen: Johannes Ponader

Von Ruben Ballutschinski

Vorgestern saßen bei Herrn Jauch im Gasometer der derzeitige Generalsekretär der Piraten, Herr Ponader und der ehemalige Generalsekretär der FDP, Herr Lindner. Da Herr Jauch herzlich unbegabt ist, eine politische Talkshow zu leiten, sei das Thema nur kurz genannt: Welche Auswirkungen haben die SH Wahlen auf die NRW Wahl. Interessant – wenn überhaupt – sind bei Jauch die Gäste oder scheinbar vogelwilde Fragen des Moderators, die mit dem Thema der Sendung nichts zu tun haben. So auch letzte Woche, als er zum Schluss seiner Sendung über Aldi dem Herrn Wallraff eine Zuschauerfrage unter die Nase hielt. Sinngemäß fragte der Herr Jauch im angeblichen Auftrag des Zuschauers: „Wie denn der Stasispitzel Wallraff sich über die Stasi-Methoden Aldis erregen könne?“ Man mag durchaus geteilter Meinung sein über Art und Weise wie Wallraff gearbeitet hat und wie er mit seinen Mitarbeitern umgeht bzw. umgegangen ist. In der Sendung von Herrn Jauch ging es aber um Aldi und nicht um die Person und die Methoden Wallraffs. Es ist zu befürchten, dass Jauch nicht aus integren Gründen Wallraff diese Frage stellte, sondern möglicherweise sich in den Dienst der Springerpresse hat einspannen lassen. Letztere hatte kurz vor der Sendung in mehreren ihrer Blätter eine Anti-Wallraff Kampagne hochgefahren.

  Den Zorn Wallraffs, der sich kurzeitig über Jauch entlud, hatte sich der Journalist Jauch also redlich verdient. Bezeichnend, dass es Jauch an Mut fehlte, die Frage nicht während, sondern am Ende der Sendung, sowie die Frage nicht selbst, sondern nur stellvertretend zu stellen. Überaus mutig. Dies nur als kurze Illustration, wie integer und honorig der Mann ist. Gestern nun saßen in seiner Runde u.a. die beiden Politiker Herr Ponader und Herr Lindner, letzterer auch Spitzenkandidat in NRW. Weitere Gäste waren Herr Röttgen, Frau Künast, Herr Wowereit und Herr Gysi. Die drei Letzten können sicherlich als bürgerliches Schreckgespenst für eine „linksradikale“ rot-rot-grüne „Terrorherrschaft“ im Bund gelten. Erstgenannter Röttgen ist übrigens der Spitzenkandidat der CDU in NRW. Wenn Sie mich fragen, ist die Zusammensetzung angesichts der Wahl in NRW und der Wahl des Sozialisten Hollande in Frankreich kein Zufall und eine phantastische  Plattform für die Spitzenkandidaten des bürgerlichen Lagers, kostenlosen Wahlkampf machen zu dürfen. Im Zentrum dieser Runde saß Herr Jauch als Zeremonienmeister und zu seiner Rechten der Herr Johannes Ponader. Ponaders Outfit bestand aus Jesuslatschen, Batiktuch und Schlabberlook und ist sicherlich gewöhnungsbedürftig für die Sehgewohnheiten der Zuschauer solcher Politrunden. Aber dies Herrn Jauch nun auch noch vorzuwerfen, wäre zu viel des Schlechten. Diesen Mut, sich außerhalb des Dresscodes zu bewegen, sollen meines Erachtens die Vertreter der Piraten durchaus pflegen, aber im Fernsehen werden sie damit zunächst eher negativ auffallen, nicht zuletzt durch die entsprechende Bildregie, als auch durch die entsprechenden Einspieler.

Muss auch noch manchen Klimmzug machen: Ponader

 Der Einspieler zu Herrn Ponader zeigte ihn als verspielt versprengten Naiven, der Handstand und Purzelbäume im Freien schlägt und sich als Kunstgesellschafter, Regisseur, Darsteller und Künstler deklarierte. Der Volksmund würde „Spinner“ sagen bzw. das Treiben dieses Mannes als brotlose Kunst bezeichnen. Das aber reichte Herrn Jauch noch nicht und so setzte er durch hartnäckiges – Oho! – Nachfragen noch einen drauf. Er fragte, wovon Ponader denn jetzt lebe. Als dieser antwortete: „Wenn möglich von meinen Projekten“, hakte Jauch nach: „Also im Moment von Hartz IV?“. Herr Ponader wiederholte: „Von meinen Projekten und – wenn keine Engagements bestehen – von Sozialhilfeleistungen.“ Herr Jauch: “Also von Hartz IV!“ Dieses Spiel wiederholte sich, bis Ponader antwortete, das nenne sich aber korrekterweise Arbeitslosengeld II. „Also Hartz Vier“, konnte Jauch endlich triumphieren. Was lehrt mich diese Vorführung? Nein, nicht nur etwas über die Grundanständigkeit des Journalisten Jauch gegenüber seinen Gästen und – in diesem Falle – auch Neulingen im Mediengeschäft. Es lehrt mich auch etwas darüber, was Herr Jauch von Empfängern von Arbeitslosengeld II hält. Denn was interessiert es mich, welches Gehalt ein Herr Ponader bekommt? Es ist nicht ehrenrührig, Arbeitslosengeld II zu beantragen. Es ist sein gutes Recht, verdammt noch mal! Noch jedenfalls. Unanständig ist es aber, wenn man im unabhängigen öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftritt, aber z. B. verschleiert, in welchem Umfang man abhängig von der Firma Bertelsmann ist oder in welchen Aufsichtsräten man hockt.

Im Geldversenken erprobter als die meisten Hartzer: Lindner

 Aber da Herr Jauch es anscheinend für wichtiger hält, die momentane Arbeitslosigkeit seines Gastes mit dem zur Beschimpfung gewordenen Begriff Hartz IV zu offenbaren, offenbart sich mir, dass Herr Jauch das nur deshalb gemacht hat, weil er selbst den Bezug von Sozialleistungen als ehrenrührig betrachten muss. Ansonsten hätte die Nachfragerei keinen Sinn. Und noch mehr offenbart sich an dieser Stelle: Wie selbstvergessen Herr Jauch und der auch nicht zimperliche Christian Lindner (geworden) sind.  Lindner, der sich vorgestern u.a. mit dem Satz „Der Welpenschutz für die Piraten muss ein Ende haben“ hervortat und der auch sonst gerne forsch und kernig Beziehern von Arbeitslosengeld mit der Leistungskeule droht, sollte sich eigentlich daran erinnern können, dass auch er Staatsknete bekommen hat und sie aufs Nimmerwiedersehen verprasst hat.  Oder wie war das mit seinem Startup-Unternehmen, für das er bis zu zwei Millionen Euro von der Kfw-Bank bekommen hat und welches er als leitender Geschäftsführer innerhalb von anderthalb Jahren an die Wand gesetzt hat? Das Geld ist weg. Mit dem Geld hätte man Herrn Ponader gut und gerne 150 Jahre und noch länger Sozialhilfeleistungen spendieren können.  Vielleicht hätte man in der KfW-Bank nicht einem Politologen wie Lindner, also einem Absolventen in einem Laberfach so viel Geld hinterherwerfen sollen? Mit welcher Chuzpe, Herr Lindner, dessen Gehalt bei der FDP ausschließlich über Spenden und Wahlkampfkostenrückerstattungen beglichen wird, kurzum Fremd- und Staatsknete, sich als moralisches Fallbeil aufspielt, wenn er z. B. über das bedingungslose Grundeinkommen von der „Geburt bis zur Bahre“ schwadroniert, ist bemerkenswert. Zumal dieser Knilch ohne Kaufmannsbrief in zwei Jahren mehr Steuergelder verbrannt hat, als es ein Sozialhilfeempfänger in seinem ganzen Leben schafft.

Igitt, der lebt von Hartz IV, während ich mich an der GEZ-Brust übersatt saufen darf!

Und da sitzt ja noch der Herr Jauch. Der Journalist, der bei Bayern 3 bzw. im öffentlichen Rundfunk neben Thomas Gottschalk groß geworden und großartig bezahlt worden ist und sich einen Namen machen durfte. Mit nichts anderem also als mit Staatsknete konnte und durfte Herr Jauch seine Karriere starten. Erst bei RTL und seinem stern-TV-Engagement emanzipierte sich Herr Jauch von Staatsleistungen. Vorübergehend jedenfalls. Nun ist er wieder im ÖR und wurde mit einem siebenstelligen Betrag – finanziert durch Ihre Gebühren, liebe Leser – zurückgekauft. Sozusagen als ein: Must Have! Als Niveauverbesserung musste Frau Will Herrn Jauch am Sonntagabend weichen. Geht es nur mir so, oder müsste der Fall Jauch nicht als das herausragende Beispiel schlechthin für die sinnfreie Verschleuderung von Gebühren oder Steuern gelten? Von allen Teilnehmern des gestrigen Abends dürfte Herr Jauch die teuerste Anschaffung für den Steuer- und GEZ-Zahler gewesen sein. Übertrüge man das Invest des Staates in die Herren Ponader, Jauch und Lindner in ein Balkendiagramm, so dürfte die Säule von Herrn Ponader gegenüber denen von Lindner und Jauch außerhalb der Wahrnehmbarkeit liegen. Und wenn Sie mich jetzt noch fragen, welchen Nutzen, welchen shareholder-value  das Investment in die Herren  hatte, dann offenbart sich mir jedenfalls eine kolossale Geldvernichtung auf Seiten der Anzugträger Jauch und Lindner. Herrn Ponaders Kosten sind absolut geringfügig, er engagiert sich im sozialen Bereich und er arbeitet ehrenamtlich in einer Partei an herausragender Stelle.

Die Arschgeigen, die uns richtig Geld kosten und uns, wie Altkanzler Schmidt es ausdrückte, in die Scheiße fuhren, beziehen kein Hartz IV.

Fotos:
Alle Bilder entstammen der Sendung „Günter Jauch“ und wurden vom Bildschirm abfotografiert.

2 Responses to Die Elite-Hartzer

  1. Arno Boldt says:

    Danke für diesen Kommentar! Ich war auch erstaunt, wie unverschämt hartnäckig Jauch Herrn Ponader malträtierte. An dieses Schauspiel schloss sich aber – wie man es von Jauch in solchen Situationen fast schon gewohnt ist – nichts an. Die Frage, ob Herr Ponader ALG II bekomme, war kein Aufhänger für eine weitergehende Debatte. Ihr Ziel war es allein, den Pirat vorzuführen.

    Man kann ja zu Frau Künast stehen, wie man will: Aber ich fand es erfrischend, dass ihr irgendwann fast der Kragen platzte, um diese Mauschelfragen zu unterbinden. Herrn Jauch gehörte öfter der Kopf gewaschen.

  2. cornholio says:

    Da fällt mir der Spruch ein “First they ignore you, then they laugh at you, then they fight you, then you win.” allerdings haben sich die in meinen Augen symphatischen, weil menschlichen Piraten mit ihrem neuem Spitzenmann keinen Gefallen getan. Arroganz und Selbstüberschätzung haben alle anderen Pateien schon. Ich dachte die Piraten würden mit Ehrlichkeit überraschen… das wäre doch mal was.
    Dass hier alle anderen mit verbalen, politischen und intriganten Keule auf den Piraten einhacken steht gar nicht im Vordergrund… was die anderen sagen kann denen egal sein, die voller Tatendrang in See stechen ohne das genaue Ziel zu kennen. So verwirrend diese Tatsache auch ist, umso menschlicher und symphatischer erscheint mir diese Junge, bunte Partei… sie darf sich jetzt nur nicht den anderen Parteien anpassen.

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