Der kleine König

Unter Druck: Nils Hilger (SPD)

Bevor sich der Bauausschuss vor 14 Tagen im Rathaus zu seiner 36. Sitzung versammelte, drückte er die Schulbank. Im Ortstermin an der ehemaligen Compeschule überzeugte man sich von der unhaltbaren Lärmsituation in 6 Klassenräumen. Die betroffenen Klassen waren durch den bevorstehenden Umzug des Jugendtreffs gezwungen, ihre bisherigen Räume zu verlassen und werden nun mehr schlecht als recht in Zimmern unterrichtet, die nach den Schilderungen der im Ausschuss erneut erschienen, schier unermüdlichen Damen des Elternbeirates, durch die nachhallenden Decken einen Lärmpegel erzeugen, der unzumutbar sei. Der Elternbeirat hat das durch ein Gutachten nachgewiesen, die Lage ist der Stadt bekannt und wird auch von den Mitgliedern des Bauausschusses nicht bestritten. „Die Frage ist nicht, ob wir das machen müssen, die Frage ist nur, wann und mit welchem Geld“, zog Nils Hilger (SPD) als Vorsitzender des Bauausschusses das Resümee des kleinen Ausflugs.

Claudia Lampe bot sogar eine finanzielle Beteiligung der Eltern an

„Die Situation ist brisant“, beharrte Claudia Lampe vom Schulelternbeirat auf einer schnellen Lösung. „Sie können sich das gerne auch im Unterricht einmal anschauen“, bot sie auch im Namen der Lehrerinnen und Lehrer entsprechende Nachhilfestunden an. „Sie müssen schnell handeln und die Eltern reißen sich zwar nicht darum, sich an den Kosten zu beteiligen, aber wir wären selbst dazu bereit“, offenbarte die taffe Interessenvertreterin die ganze Not der Elternschaft. Selbstverständlich bedürfe es dann einer nachhaltigen Lösung, die nicht etwa wieder durch unvorhergesehene Umzüge konterkariert würde. Das bedauerte auch die Vorsitzende des Elternbeirates. Kirsten Niemann war traurig, dass die Kinder die „vernünftigen Räume“ zugunsten des Jugendtreffs verlassen mussten. „Das hätte man vorher prüfen sollen“, haderte die engagierte Mutter mit dem politischen Schnellschuss. Hilger beeilte sich daraufhin, noch einmal darauf hinzuweisen, dass das bei allen Mitgliedern des Ausschusses angekommen sei. Es gebe keine Diskussion über die Sinnhaftigkeit, nur über das Geld. „Ich bin nur ein kleiner König“, warb Hilger um Verständnis für seine Situation, dass er keine Finanzierungen bewilligen könne, die ein größerer König wie z.B. der Landrat verboten habe.

Traurig über die schlechte Planung: Kirsten Niemann

Zuvor hatte der Sozialdemokrat in durchaus sichtbarem Bemühen versucht, Brücken zu bauen. Man habe Angebote eingeholt, die Schallabdeckung auch abschnittsweise vorzunehmen, falls das wirtschaftlich zu vertreten sei. Die Gesamtmaßnahme läge bei 23.500 €, mithin rund 4.000€ je Klassenraum. Es sei noch nichts geplant, so Hilger, denn es müsse geklärt werden, ob die Räume eben auch einzeln tatsächlich zu diesem Kurs mit einer Akustikdecke ausgerüstet werden könnten. „Ich will das auch am liebsten schnell und in eins weg haben, aber ich weiß noch nicht, wie“, zeigte er sich zwar zerknirscht, aber auch überzeugt, dass, wenn man nur einmal den ersten Schritt machte, die weiteren kaum unterbleiben könnten. Glücklich waren die Eltern verständlicherweise darüber nicht. Das könne man den Kindern und Eltern kaum vermitteln, wenn zunächst nur wenigen geholfen würde. „Bitte machen Sie das schnellstmöglich und nicht sukzessive!“, beschwor Lampe abschließend den Ausschuss, aber beschlossen wurde dahingehend nichts.

Die Frustration greift um sich

Die Aufhebung des Sperrvermerkes für Umbaumaßnahmen in Höhe von 20.000 € bezog sich mit Fluchtwegsleuchten, Zugangstüren, Rauchmeldern und Rauchschutztüren sämtlich auf Auflagen des Brandschutzes. Ach nein, darin gab es auch noch einen Teppich für eine Klasse mit einem hörgeschädigten Kind und interessanterweise soll der Beschlussvorschlag auch noch „um die beiden Maßnahmen, die in der Lehrküche erfolgen sollen“ ergänzt werden. Diese möge man aber bitte nicht vor der nächsten Sitzung ausführen, bat Hilger. Unklar bleibt, warum man bei einem Haushaltsansatz von 63.000 €, jetzt nicht mutig voranschritt und die dringend erforderlichen Maßnahmen auf den Weg brachte. Wenn man allerdings beobachtete, wie Hilgers eigener Fraktionsvorsitzender, wie Egon Siepert am Besuchertisch grummelte und grunzte, als Hilger darüber nachdachte, die Akustikdecken einzeln und dann mehr oder weniger zwangsläufig stickum durchzusetzen, der ahnte, dass diese Maßnahme auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden könnte, es sei denn, die furchtlosen Eltern machten weiter Dampf. Auf deren Homepage kann man verfolgen, dass und wie der Druck im Kessel zunimmt. Es ist auch schlicht nicht hinnehmbar, dass auch nur ein Euro in andere Richtungen ausgegeben wird, solange diese Situation besteht. Wie die Eltern bereits ausführten und Ende März in der Bergedorfer Zeitung nachzulesen war, gehören diese 23.000 € in den Etat Umzug Jugendtreff und hätten dort abgeknapst werden müssen. Ja, das wird dort niemand gerne lesen und traurigerweise gingen sehr viele Wünsche der Jugendlichen bereits den Bach runter, weil die Umzugskosten vornehmlich von Sicherheitsauflagen aufgefressen wurden. Diese Akustikdecken sind jedoch nicht weniger wichtig und nicht weniger unausweichlich. Aber für diese Einsicht bedarf es vielleicht wirklich größerer Könige, als wir sie derzeit in der kommunalen Politik und Verwaltung aufzuweisen haben. Die nächste Ausschusssitzung vom 10.05. wurde mittlerweile übrigens verschoben. Man trifft sich jetzt voraussichtlich am 14.06.2012 wieder. Dann stehen die Sommerferien an. Vielleicht hofft man, dass der Druck dann ein wenig verfliegt?

3 Responses to Der kleine König

  1. Eine Bekannte says:

    Ich denke logisch, dies scheint aber in der Stadtverwaltung nicht der Fall zu sein. Meine Logik sagt, den „Jugendtreff“ zu behalten und diesen mit Hilfe der Jugendlichen und deren Eltern( diese sind soviel ich weiß nicht abgeneigt, im Gegenteil die brennen darauf) mit Hand anzulegen und dann Stück für Stück nach eigenen Wünschen zu renovieren. Wenn der alte „Jugendtreff“ aber nicht mehr zur Verfügung steht oder stünde, da wäre doch noch das schöne leerstehende Gebäude der „alten Realschule“!! da wäre doch mehr als genug Platz für den „neuen Jugendtreff“ und es müßten in der Compeschule keiner hin- oder herziehen, auch Schallschutzdecken ect. wären überflüssig und die Schüler kämen endlich zur Ruhe. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.

  2. Bekannt says:

    Der kleine König kann gar nichts ohne den großen König etwas machen. Das logische Denken wird vom großen Meister vorgegeben, und nun kann keiner mehr was sagen oder die Meinung des großen Meisters anzweifeln, oder sogar anders umsetzen.
    Der Leerstand der Schule schreit zum Himmel, wann kommt der große Knall und die Schule fliegt in die Luft ( ein Kessel kaputt, ein Kessel Schweißnähte kaputt ) Reparatur?
    Kann man in der Umgebung noch ruhig schlafen? Die Eltern sind genervt und es kann nicht mehr lange dauern und die Eltern gehen auf die Strasse, hoffentlich!
    Herr Hilger machen Sie endlich die Bremse los , oder besteht immer noch Beratungsbedarf?
    Wie lange soll es noch dauern, die Eltern haben keine Zeit, nur der Ausschuß hat ZEIT.

  3. Als Schwarzenbeker würde es mich mal interessieren welche Qualifikation man haben muss, um in den Bauzuschuss „gewählt“ zu werden… oder ist nur das Parteibuch ausschlaggebend???
    Ich hatte angenommen dass zumindest Fachkräfte aus dem Hoch- und Tiefbau bzw. Bau Haupt- und Nebengewerken Mitglieder dieses Gremiums sind.
    Diese währen zumindest in der Lage Maßnahmen und technische Möglichkeiten zu bewerteten sowie die Plausibilität von Angeboten der verschiedene Anbietern zu bewerten.
    Wenn die „Realschule“ tatsächlich leer steht, wieso werden dann Ausbaumaßnahmen in der „Compeschule“ in Höhe von ca. ~20.000 € überhaupt in Erwägung gezogen.
    ~20 Klassen ~6 Fachräume reichen doch für die Grundschüler und vielleicht die VHS…???

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