Schafft den Kinder- und Jugendbeirat ab!

Die Kritik der Senioren, er habe seine Amtsneutralität verletzt, indem er sich klar gegen die Einrichtung eines Seniorenbeirats mit vollen Rechten einsetzt, treibt den Bürgermeister offenbar um. Aber natürlich nicht in dem Sinn, dass er sich einfach entschuldigt und solche Entscheidungen künftig wenigstens nicht mehr öffentlich beeinflusst. Nein, Frank Ruppert glaubte bereits in der Stadtverordnetenversammlung sich rechtfertigen zu müssen und in dieser Woche nutzt er seine Kolumne im Gelben Blatt, um neben der umstrittenen Online-Abstimmung nun auch noch zu Rückmeldungen aufzufordern, ob er seine Amtsneutralität verletzt habe. Man möge ihn persönlich oder per E-Mail ansprechen. Sicher eine gute Möglichkeit, gerade für die älteren Senioren, denn die chatten ja laufend und ständig sieht man sie in Horden durch die Stadt laufen. Was liegt also näher, als dem Bürgermeister eine Mail zu schreiben, vielleicht sogar vom neuen iPhone während des Shoppens, oder man schaut auf einen Sprung ins Rathaus.

Ein Auszug aus der aktuellen Kolumne des Bürgermeisters

Von den Lübecker Nachrichten wurde Ruppert neben dem scheinbaren Argument, in der Stadtverordnetenversammlung säßen bereits genügend Weißhaarige, auch die Moldenhauersche Unverschämtheit zugeschrieben, wonach die Kinder und Jugendlichen bevorzugt behandelt werden müssten, weil die sonst keine Teilhabe an der Politik hätten, während die Alten ja wählen gehen könnten. Den Unwillen gegen einen Seniorenbeirat, der diesen Namen auch verdient, konnte man in der letzten Stadtverordnetenversammlung allen Parteien anmerken, vielleicht mit Ausnahme der FDP. Bernhard Hildebrandt hatte sich bereits im Sozial- und Kulturausschuss der Meinung der Sozialdemokratin Heyer-Borchelt angeschlossen, wonach die Demokratie eine Gleichbehandlung verlange und daher wer Jugendbeirat sage, auch Seniorenbeirat sagen müsse. Diese Meinung dürfte in der SPD eine Minderheitsmeinung sein und auch die anderen Parteien geben sich nun Mühe, eine Argumentation zu finden, wonach man den Kindern und Jugendlichen sehr wohl eine exklusive Sonderstellung zugestehen darf. Bemüht wird dabei gerne der § 47 f der Gemeindeordnung, wonach „die Gemeinde (..) bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen“ muss. „Hierzu muss die Gemeinde über die Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner nach den §§ 16 a bis 16 f hinaus geeignete Verfahren entwickeln.“ Und dieses Verfahren soll sich – das war schon damals die Argumentation einiger Befürworter, in der Einrichtung eines Kinder- und Jugendbeirates erfüllen.

...wohingegen Greisenschutz keinen Verfassungsrang genießt.

Die qua Gesetz besondere Stellung der Kinder und Jugendlichen im Umkehrschluss zu einer Rechtfertigung besonderer Privilegierung zu machen, halte ich für problematisch. § 47f GO soll im Zusammenhang mit Artikel 6a der Landesverfassung dafür Sorge tragen, dass die Interessen der Kinder und Jugendlichen in jedem Fall berücksichtigt werden. Diese Regelung – wie übrigens der gesamte § 47  eher deklaratorischer Natur – ist eine eigenständige, von den Bestimmungen über die sonstigen Beiräte abgesetzte kommunalverfassungsrechtliche Regelung über die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Es gibt also keinen Automatismus, der die Gemeinde etwa von der Beteiligungspflicht eo ipso befreite, sobald ein Kinder- und Jugendbeirat errichtet und informiert worden wäre, selbst wenn das als Instrument der Beteiligung durchaus anerkannt ist und die Beteiligungspflicht auch nicht überstrapaziert werden sollte. Die Ratsherren um Delfs, ergänzt um die Ratsdame Francke, hatten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen: a) Wir sind scheinbar nett zu Kindern, denn das kommt immer gut an und b) wir machen aus unserer Bringschuld nach § 47f (2) – „Bei der Durchführung von Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, muss die Gemeinde in geeigneter Weise darlegen, wie sie diese Interessen berücksichtigt und die Beteiligung nach Absatz 1 durchgeführt hat.“ – einfach eine Holschuld bzw. delegieren diese Bringschuld auf den Kinder- und Jugendbeirat. Das ist natürlich ein Unding.

Kurz: Ich halte die aktuellen Rechtfertigungsversuche für spitzfindig, eine bevorzugte Sonderstellung der Kinder- und Jugendlichen auch in puncto Bildung eines Beirates zu konstruieren, da es die Sonderstellung überhöhte. Denn noch einmal: Die Bildung eines Kinder- und Jugendbeirates erfüllt nicht per se die Beteiligungspflicht. Und: Kinder und Jugendliche sind keine gesellschaftlich relevantere Gruppe, als zum Beispiel die Senioren. Noch deutlicher: Was die Bildung von Beiräten angeht, wären recht eigentlich andere gesellschaftlich relevante Gruppen zu privilegieren, denn Kinder und Jugendliche sind bereits qua Verfassung und Gesetz an Entscheidungen zu beteiligen, die sie betreffen, sind also schon deutlich privilegiert. Schließlich noch die Mär Moldenhauer, wonach Kinder und Jugendliche keine andere Möglichkeit der Beteiligung hätten: Zu dem Gesagten kommen gemäß GO hinzu: §§16a, 16b, 16c Abs.1 (in Schwarzenbek jetzt schon ab dem 12. Lebensjahr), 16c Abs.2, 16e, 16f Abs.1, 16g (ab dem 16. Lebensjahr), 35, 41 Abs.3, 46 Abs.8, 46 Abs.11 und 47b Abs.4. Und mittelbar gibt es pro Kind ja auch 2 Elternteile, deren politische Teilnahme und Wahlverhalten unterstellterweise die Interessen der Kinder ebenfalls berücksichtigte. Und wenn die Anzahl der Weißhaarigen im Parlament ein Argument sein soll, dann bitte auch die Kinder und Kindeskinder der Stadtverordneten zusammenzählen!

In Wahrheit haben die doch vor solchen Senioren Schiss, die sich nicht abspeisen und kleinhalten lassen und wenn die dann auch noch in jeder Ausschusssitzung säßen, zumal in den nicht-öffentlichen Teilen, dann wäre Essig mit der Mauschelei.

Politisch und moralisch kann ich nur befinden, dass meiner Überzeugung nach eher Seniorinnen und Senioren eines Beirates bedürfen. Und dabei spreche ich natürlich nicht von den aktiven Alten in der Stadtvertretung oder streitbaren Senioren á la Eugen Prinz. In der Menge der Älteren dürften diese die Ausnahme stellen. Ich bin überzeugt, dass sehr viele Senioren es mindestens so schwer wie Kinder haben, politisches Gehör zu finden aber dieses Gehörs mindestens so dringend bedürfen. Und ich vermute einfach mal, dass Sie mit mir einig gehen, dass der Kinder- und Jugendbeirat in der bestehenden Form eher nicht die Interessen der „Mühseligen und Beladenen“ vertritt. Das ist kein Vorwurf, aber wie soll diese Gruppe von überwiegend wirtschaftlich saturierten Gymnasiasten um die Nöte und Sorgen der unteren Schichten wissen? Oh, das war ein böses Wort in unserer doch so klassenlosen Gesellschaft, ich weiß.

Ich verhehle nicht, dass ich die Einrichtung eines Kinder- und Jugendbeirates mit Rede- und Antragsrecht in allen Gremien für einen Fehler hielt und insbesondere die gelebte Praxis der Teilnahme auch an allen nicht-öffentlichen Sitzungsteilen für einen solchen halte. Einmal geöffnet, bekommt man die Büchse der Pandora nun kaum mehr überzeugend geschlossen, im Gegenteil. Die Hinhaltepolitik gegenüber den Senioren ist beschämend und unerträglich. Wie Bittsteller müssen sich nun die Vertreter der Generation, welche unter häufig großen Entbehrungen die wirtschaftliche Basis für die großzügige Verschwendung der letzen Jahrzehnte schuf, von der Tafel verscheuchen lassen, an der gleichzeitig Jungerwachsene Platz nehmen dürfen, deren Leistung am Gemeinwohl erst noch zu abzuwarten ist. Das ist unwürdig und durch noch so gewiefte Juris-Diktion nicht schönzureden. Aus meiner Sicht ist daher der Kinder- und Jugendbeirat abzuschaffen bzw. auf das Maß herunterzustutzen, welches der Seniorenbeirat hat. Dazu hat niemand den Arsch in der Hose, um es mal deutlich zu sagen, und daher muss man den Seniorenbeirat aufwerten. Und spätestens dann kann ich allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich in irgendeiner Form für relevant genug halten, Einfluss nehmen zu wollen, nur dringend raten, ebenfalls die Bildung eines Beirates anzustreben.

13 Responses to Schafft den Kinder- und Jugendbeirat ab!

  1. Tom Sacks says:

    Die Abschaffung des Kinder- und Jugendbeirates wäre auch unter dem Aspekt der Ausgabenminderung gerechtfertigt. Dieser Gesichtspunkt müsste zugleich dazu führen, dass alle Ausschüsse – mit Ausnahme des Hauptausschusses, der nach der Gemeindeordnung unter diesem Namen gefordert ist – abgeschafft werden. Da dies aber einigen Mitbürgern zugleich ans Portemonnaie gehen würde, ist zu befürchten, dass auch dieser Vorschlag nicht umgesetzt wird. Lieber wird an anderer Stelle gespart, noch lieber werden die Einnahmen zu Lasten aller Bürger erhöht. Wann war noch mal die nächste Kommunalwahl?

  2. Blogfan Nr. 1 says:

    Na toll: Dann motten wir doch das einzige Instrument ein, das unserer überschaubaren Zahl an politinteressieren Halbwüchsigen die Möglichkeit einräumt, themenbezogen mitzureden und die allgemeine Verdrossenheit im Rahmen der Möglichkeiten zu bekämpfen.

    Es liegt mir fern, alt und jung gegeneinander auszuspielen, aber da der vorangegangene Artikel (sorry, Herr Borchelt) auch nach mehrmaligem Durchlesen (und Eliminierung sämtlicher satirischer Spitzen) eher dazu geeignet ist, einen Generationenkampf zu schüren, sollte einmal hinterfragt werden, ob hinter der Behandlung der Schwarzenbeker Senioren nicht wieder einmal ein durchdachtes Machtkalkül steckt.

    Es sollte doch jedem halbwegs denkfähigen Menschen spanisch vorkommen, warum ausgerechnet Delfs und Moldenhauer, seit jeher alles andere als Freunde einer modernen aufgeklärten Jugenderziehung, dem SKJB aktuell derart Zucker in den Hintern blasen, während sie ihre eigene Klientel öffentlich wie den letzten Dreck behandeln.
    Dabei ist die Frage, warum die große Koalition sich so vehement gegen eine Reformierung sperrt, vor dem Hintergrund der Ereignisse des letzten Jahres nicht schwer zu beantworten: Ein Seniorenbeirat unter der Führung von Herrn Zymny wäre politisch allzumal als unbequem einzustufen und somit eine Belastung, die sich CDU/SPD nicht noch zusätzlich aufhalsen will.

    Das könnte sich allerdings schnell ändern, wenn Herr Zymny in einigen Wochen/Monaten so mürbe gemacht worden ist, dass er den ganzen Mist hinschmeißt – und dann raten Sie mal, wer in den Startlöchern steht – zurückgetreten, vom Rücktritt zurückgetreten, aktuell vom zurückgetretenen Rücktritt zurückgetreten und bereit, den Seniorenbeirat nach seinem Bild parteikonform neu zu formen…und dann wundert sich wahrscheinlich keiner mehr, wie fix die Beschlüsse per Mehrheitsbeschaffung durch die Gremien gehen werden.

    Der SKJB auf der anderen Seite hat von Beginn an seine politische Neutralität gewahrt (und sich bereits gegen Anwerbungsversuche VERwahrt); und seine jüngste Entscheidung zur Nutzung der Sitzungsgelder beweist, dass die Mädels und Jungens weitaus andere Interessen haben als auf eine hier implizierte politische Grundbevorzugung gegenüber Oma und Opa zu pochen. Ganz im Gegenteil: Ich bin mehr noch überzeugt, dass der SKJB sogar bereit wäre, der Stadt entgegenzukommen, wenn es nur darum ginge, die eigene Arbeit erfolgreich zu bewältigen und gleichzeitig den Seniorenbeirat funktionsfähig in die Politarbeit einzubinden – vielleicht begünstigt durch private Spendenunterstützung.

    Und jetzt zum Abschluss die Gretchenfrage: Wäre der Seniorenbeirat bereit, das gleiche für den SKJB zu tun?

  3. Jutta says:

    Ich bin ganz ehrlich: Ich bin gegen den Seniorenbeirat, denn ich kann Herrn Zymny einfach nicht leiden. Die Vorstellung, dass er Macht haben soll, gruselt mich. Das ist nicht korrekt, aber es ist einfach so. Was Herrn Ruppert betrifft, ist meine Sympathie auch ausgereizt. Sonst sagt er nie was. Lässt die Politiker oft im Regen stehen, wo ein klares Wort sehr gut tun würde. Aber bei den Senioren da reißt er den Mund auf. Was soll das denn? Die Kolumne im Gelben Blatt ist doch wirklich nur peinlich, oder? Wetten, dass er nächste Woche miteilt, dass bald Ostern ist?

  4. von Interesse says:

    Der ganze Bürgermeister ist NUR noch peinlich. Überhaupt keine Austrahlungskraft – und schon gar nicht in dem was er sagt.

    Über Herrn Zymny kann man denken wie man mag. Toll finde ich ihn auch nicht – abgesehen davon, das ich bei M. Johannsen keine anderen Empfindungen hege . Aber es geht um das Gleicheitsprinzip. Und entweder schaffe ich den einen ab oder lasse den anderen zu. Basta. Ob alt oder jung – dick oder dünn – groß oder klein – schwarz oder weiß. Das ist nicht das Kriterium. Nur ist man hier in Schwarzenbek derart gelähmt, das rein sachliche Entscheidungen einfach nicht gewollt oder tatsächlich nicht mehr machbar sind.

    Man muß nur den Mut haben sich zu entscheiden. In welche Richtung auch immer. Mecker gibts immer. Aber das weiß ich vorher, bevor ich Verantwortung in der Stadt und FÜR die Stadt und FÜR die Bürger übernehme. Aber das haben vielleicht schon einige vergessen (senil??) oder verdrängt…

    Ich warte ja immer noch darauf das Ruppert die Kolumne nutzbringend einsetzt, sofortige Neuwahlen ausruft und selber zurücktritt. Aber das ist so ein TRaum, wie vom Lottojackpott mit 6 Richtigen plus Zusatzzahl und Spiel 77…

  5. Blogfan Nr. 1 says:

    Auch, wenn immerhin Einigkeit darüber zu herrschen scheint, wer mal wieder die Hauptverantwortung trägt, kotzt mich die Richtung, die diese Diskussion nimmt, allmählich gewaltig an.

    Denn wenn wir schon die SH-Gemeindeordnung heranziehen , sollten wir als erstes den bisher ungenannten § 47d heranziehen, der über „Sonstige Beiräte“ befindet:

    (1) Die Gemeinde kann durch Satzung die Bildung von Beiräten für gesellschaftlich bedeutsame Gruppen vorsehen.

    Wohlgemerkt: KANN, und nicht MUSS.

    Und zur besseren Übersicht noch einmal § 47f über die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen:

    (1) Die Gemeinde muss bei Planungen und Vorhaben, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, diese in angemessener Weise beteiligen. Hierzu muss die Gemeinde über die Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner nach den §§ 16 a bis 16 f hinaus geeignete Verfahren entwickeln.

    Tja: Das kleine Wörtchen MUSS (2x) macht den ebenso kleinen wie feinen Unterschied.

    Und jetzt einmal ungeachtet der Paragraphen: Ist eigentlich jedem bewusst, wohin dieser Artikel führt? Die bekannte Grundhaltung unseres Blogchefs, dass die SKJB-Truppe auch mit deutlich abgeschwächten Rechten im Rathaus fahren könnte, ist per se nicht zu verurteilen (auch wenn ich sie im Hinblick auf den klaren Wunsch nach Neuordnung und politischem Frischfleisch nicht recht nachvollziehen mag). Aber diese Abneigung jetzt scheinbar dazu zu verwenden, den Kampf gegen Bürgermeister, Großparteien und Verwaltung mit Privatinteressen abzustimmen und zu diesem Zweck auch noch die Landesgesetze fehlerhaft auszulegen, dafür fehlt mir echt jedes Verständnis.

    Es wird auf ein paar 15-18jährigen herumgehackt, die absolut NICHTS für diese verfahrene Situation können (by the way: es sind auch nicht alle Mitglieder Gymnasiasten) und trotzdem nach dem Willen einiger zahlen sollen.
    Und warum? Weil diese einige sich wirklich bedingungslos für generationenübergreifende Gerechtigkeit einsetzen und nachts kein Auge mehr zu bekommen, weil sie befürchten, dass Schwarzenbek ohne einen funktionierenden Seniorenbeirat näher an den Abgrund rückt – oder weil sie sich einfach nur schwer tun, für das Wohl der Stadt den Gemeinnutz vor den Eigennutz zu stellen?

    Isn´t that a little bit hippocratic?

    • Matthias Borchelt says:

      Die fehlerhafte Auslegung der Landesgesetze ist nicht mein Privileg, also fühlen Sie sich frei! Aber verraten Sie den Lesern doch bitte unbedingt, welche „Abneigung“ und – vor allem – welche „Privatinteressen“ Sie zu (er)kennen glauben!

  6. Blogfan Nr. 1 says:

    Morjen, Herr Borchelt.

    Mit „Privatinteressen“ (war vielleicht nicht ganz das passende Wort) meinte ich einfach Ihr grundlegendes Bedürfnis, Ansichten zum S´beker Politbetrieb zeitweilig mit einem Übermaß an Bauchgefühl und Emotionen zu verquicken – und das ist, um es deutlich zu sagen, mit diesem Artikel ziemlich nach hinten losgegangen.

    Ich gebe zu, dass mich gestern nacht eine Sauwut an der Tastatur umgetrieben hat, aber nachdem ich festgestellt hatte, dass Sie in Ihrer kalkulierten Paragraphenauszählung gerade die Absätze weggelassen haben, die die dargelegte Auslegung zum Mitwirkungsrecht Kinder und Jugendlicher mit einem Schlag hinfällig machen, war das einfach mal fällig.

    Besonders ärgert mich, dass Sie mit Ihrer leidenschaftlichen „Fürsprache“ für den Seniorenbeirat eine Rolle eingenommen haben, die Sie im Grunde doch gar nicht vertreten. Sie wissen genau, dass die Installation eines Seniorenbeirates in der Form, wie Herr Zymny sie anstrebt, praktisch keinen Einfluss auf die Ausschussarbeit haben wird – weil einfach keine Charakterköpfe vorhanden sind, die die Anliegen wirksam nach außen tragen können, und, wie die letzte Wahl gezeigt hat, der Beirat sowieso geschätzten 99,5 % aller Schwarzenbeker Rentner hinten vorbei geht.

    Aber Sie schieben diesen Fakt beiseite, weil Sie aktuell bei jedem Ausschussbesuch die Wut kriegen, wenn schon wieder eines der (überspitzt gesagt) frechen SKJB-Rotzbälger am Tisch sitzt – und die Diskussion über den Seniorenbeirat verschafft Ihnen die Nische, um jetzt kräftig gegen diesen „Mißstand“ vom Stapel zu lassen. (Verstehe ich immer noch nicht – Sie kommen mir eigentlich nicht wie ein Kinderhasser vor…)

    Gut, zu der inzwischen etablierten Ausschussteilnahme des Vorsitzenden kann man stehen, wie man will (und manchmal nervt er schon ein wenig), aber unabhängig von den ollen Paragraphen: Ich halte den SKJB für die Zeit nach 2013 für ein wichtiges Instrument, eine größere Anzahl Bürger für den Feinschliff unserer Stadt zu begeistern.

    Wenn der SKJB dagegen abgeschafft wird, haben wir gar nichts.

    In diesem Sinne

    Schönen Sonntag
    Blogfan Nr. 1

  7. Vesra says:

    Blogfan N.1 hat quasi meinen Eindruck niedergeschrieben. Dieser Artikel ist enttäuschend. Einerseits fordert der Blogbetreiber Transparenz, dann aber wieder will er die Türen vor dem Jugendbeirat verschlossen sehen. Warum? Weil er selbst außen vor bleiben muss und sich gekränkt fühlt? Weil sonst jeder kommen und Einsicht fordern könnte? Umso besser, wenn nicht alles hinter verschlossenen Türen besprochen wird! Das ist doch normalerweise auch die Meinung von Herrn Borchelt, glaubte ich herausgelesen zu haben. Nein, ich irrte wohl. Ich finde es wichtig, junge Leute zu beteiligen, ebenso Senioren. Und private Motive muss man dort vermuten, wo einmal mehr von den gut situierten Gymnasiasten die Rede ist. („Das ist kein Vorwurf, aber wie soll diese Gruppe von überwiegend wirtschaftlich saturierten Gymnasiasten um die Nöte und Sorgen der unteren Schichten wissen?“) Meine Güte, dieses Totschlagargument könnte man jeder Gruppe/Person zuschreiben, die sich nicht zur Unterschicht zählt.

    • Matthias Borchelt says:

      Es wäre hilfreich, Sie würden die spekulierten Motive benennen, als nur pauschal zu unterstellen, denn das ist kein schöner Stil und macht den derart Angegriffenen wehrlos. Bis dahin nehme ich mir die Freiheit, die Unterstellung ich hätte etwas gegen Gymnasien und/oder Gymnasiasten ebenso haltlos zu finden, wie den behaupteten Neidkomplex. Wenn ich demnächst „Veruntreuung von Wassergebühren“ riefe, verriete das vermutlich nur meine Verärgerung darüber, dass ich beim Versaufen keine Teilhabe hatte.

      • Vesra says:

        Sie müssen sich schon entscheiden, ob Sie für mehr Transparenz sind oder dagegen. Sich wie ein Fähnchen im Wind zu drehen, nur weil sich Personengruppen vom Alter her unterscheiden oder Sie selbst nicht der sind, der davon profitiert, finde ich fragwürdig. Aber darauf gingen Sie natürlich gar nicht ein und auch nicht auf dieses merkwürdige Argument, dass die Kinder und Jugendlichen wohl von den Nöten der Senioren bzw. Unterschicht keine Ahnung hätten. Haben ältere Leute/Politiker denn immer Ahnung von den Problemen anderer bzw. ist es ausgeschlossen, dass sich Jugendliche auch mit dieser Thematik beschäftigen? Und nicht zum ersten Mal erwecken Sie den Eindruck, ein Problem mit Gymnasiasten zu haben, ja. Das ist mein ganz persönlicher Leseeindruck, den Sie mir auch nicht nehmen können, denn ich habe ein Recht darauf. Aber machen Sie ruhig, ich ziehe lediglich meine Schlüsse aus dem, was ich hier lese. Und wenn zwei Leser ähnliche Empfindungen haben (Zitat Blogfan Nr.1: „Verstehe ich immer noch nicht – Sie kommen mir eigentlich nicht wie ein Kinderhasser vor…“/“Es wird auf ein paar 15-18jährigen herumgehackt,“)“, dann sollten Sie vielleicht mal überdenken, ob es wirklich auf Seite der Leser klemmt. Schönen Tag noch.

      • Matthias Borchelt says:

        Danke gleichfalls. Ich akzeptiere, dass das Geschriebene nicht so bei Ihnen anzukommen scheint, wie ich es abzusenden hoffte. Das ist allein mein Problem, keine Frage. Ihre Unterstellungen und Spekulationen über meine Person finde ich – bei allem Recht auf persönlichen Leseeindruck – nach wie vor unbelegt und daher unappetitlich. Blogfan Nr. 1 hob weder auf Gymnasiastenhass, noch auf Neidkomplex ab, aber vielleicht täusche ich mich auch dabei. Ich hasse jedenfalls weder Kinder, noch Gymnasiasten, noch möchte ich persönlich an nicht-öffentlichen Sitzungsteilen teilnehmen, denn ich dürfte davon ja niemandem berichten.

  8. Blogfan Nr. 1 says:

    Nee, das muss ich schon richtigstellen: Hass auf Gymnasiasten (er war ja selber einer…hehe) und Neidkomplex sind garantiert nicht die Intentionen.

    Dafür wurde aber eine Menge Tabasco in die Soße geschüttet. Den SKJB in seiner jetzigen Kompetenz (mal ehrlich: soooo mächtig ist er doch gar nicht) nicht zu mögen, ist eine Sache, aber die Zote von den „saturierten Gymnasiasten“ war ja wohl so etwas von daneben.
    Noch einmal der Hinweis: Es sind auch Vertreter der GGS dabei; und glauben Sie mir: Gymnasiast zu sein ist nicht automatisch ein Ausdruck für materiellen Reichtum.

    Mein Vorschlag: Kommen Sie am 19. April zum SKJB und berichten danach aus erster Hand.

    • Matthias Borchelt says:

      Es ist nicht einmal so, dass ich den SKJB etwa nicht leiden könnte, im Gegenteil. Ich finde den ganz prima. Unabhängig davon kann ich die Einführung doch politisch für einen Fehler halten!? Eine Zote? Wie Sie meinen. Ich war übrigens schon beim SKJB. Ich berichte nur aus erster Hand. Aber ich lasse jetzt allen Menschen Ihr Recht auf eigenen Leseeindruck und werde mich in Zukunft wieder daran halten, die Kommentare nicht zu kommentieren.

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