Mit Schmidtchen rede ich nicht

Theater- und Politikaufführungen haben vieles gemeinsam. Dem Publikum wird ein Schauspiel geboten, die Akteure schlüpfen in verschiedene Rollen und Masken. Rhetorik, Mimik, Gestik und manchmal auch billige Effekte sollen unterhalten, Geld einbringen und bisweilen auch Botschaft transportieren. Unterscheiden sollten sie sich darin, dass die Politiker ihren persönlichen Überzeugungen folgen sollten, nicht fremden Drehbüchern. Es steht zu befürchten, dass die Ortsvereinsvorsitzende der SPD in der letzten Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses genau diesen Anspruch erfüllte.

Befürchtete sie einen publikumswirksamen Auftritt der geplanten Opfer desaströser schwarzroter Haushaltspolitik?

Josefin Francke fand es „merkwürdig, die Theatergruppe der VHS eingeladen zu haben“, handele es sich bei dieser doch nur um eine „Untergruppe“ der Volkshochschule. „Ich habe noch nie erlebt, dass wir zum Beispiel nur mit der Turnergruppe sprächen. Wenn, dann verhandeln wir mit dem TSV Schwarzenbek, aber nicht mit Untergruppen“, verdeutlichte Francke ihren Unwillen beispielhaft. Man habe der VHS eine Summe zugesagt; jetzt mit nur einer Gruppierung der VHS zu reden ginge gar nicht: „Der ganze Tagesordnungspunkt geht nicht!“, stellte die Sozialdemokratin unmissverständlich fest. Zur Klarstellung: Da gibt es eine Gruppe von Amateuren, die sich ohne Aufwandsentschädigung um Schwarzenbeks Restkultur verdient macht, was besonders in den kommenden Jahren radikalen kulturellen und sozialen Kahlschlags eine der letzten Pflänzchen sein dürfte, und Frau Francke mopst sich über Majestätsbeleidigung. Die schwarzrote Politik der verbrannten Erde sorgt mittlerweile dafür, dass man – selbstverständlich ohne auf eigene Pfründe verzichten zu wollen – auch noch den letzten Einwohnern mit Bürgersinn den Zehnten ihres gemeinnützigen Umsatzes (!) abpressen zu müssen glaubt, und man hat dennoch die Stirn, nicht mit Krethi und Plethi verhandeln zu wollen. Schade nur, dass solche Auftritte einem so exklusiven Publikum vorbehalten bleiben, hätten sie doch bestimmt durchschlagenden Erfolg.

Wie einem internen Drehbuch folgend, assistierte nun die CDU in Person des sattsam als Sparfuchs bekannten Gerhard Moldenhauer: „Die CDU hatte in der letzten Sitzung Beratungsbedarf angemeldet, um eine Stellungnahme der VHS abzuwarten. Die liegt noch immer nicht vor, folglich besteht auch noch immer Beratungsbedarf.“ Bernhard Hildebrandt (FDP) verwies auf die Niederschrift, aus der das auch hervorginge. Wir haben Glück und sind hier im Internet und schauen daher mal schnell nach:

Schau an, Stellungnahme einholen und prüfen, wer Gesprächspartner ist. Aber war nicht jemand gekommen, um eben diese Stellungnahme abzugeben? Und wer weiß, vielleicht war das ja sogar der richtige Gesprächspartner? Für die SPD und die CDU offenbar nicht, aber aus dem allgemein einsetzenden Gemurmel ging glücklicherweise hervor, die extra zu diesem Punkt eingeladenen Vertreter der VHS – denn das sind sie ja nun einmal! – wenigstens anhören zu wollen. Einmal mehr vermisste man eine klare und klärende Sitzungsleitung durch den Vorsitzenden. Jürgen Heitmann (FWS) wirkt allzu oft wie ein Getriebener. Er sollte sich seinem Amt dringend adaptieren!

Dieser Akteur hatte einen überzeugenden Auftritt: Ralf Dmoch

Ralf Dmoch aus dem Vorstand der Theatergruppe konnte anschließend klarstellen, dass man mit Wissen und Willen der VHS-Leitung finanziell autark agiere, gerade weil man kostendeckend zu wirtschaften habe. Genau das erreiche man dann auch nur gerade so. Dmoch unterstrich die Dankbarkeit der Gruppe, städtische Räumlichkeiten gebührenfrei nutzen zu dürfen, führte jedoch zahlreiche Beispiele finanzieller Belastungen auf (GEMA, Baufundusmiete, Kostüme, Maske, Werbung), die das auch erforderlich machten. Dem Kartenverkaufserlös aus 2011 von 4.500€ stünden Fixkosten von 2.100€ und variable Kosten von 2.800€ gegenüber. „Wir zehren von gelegentlichen Brennern“, erklärte Dmoch und meinte beispielsweise den großen Publikumserfolg „Ladysitter“ aus 2010. Denn selbst das zu Schwarzenbek „wie der Wolf zum Rathaus“ gehörende Weihnachtsmärchen habe zurückgehende Zuschauerzahlen, weil immer weniger Lehrer bereit wären, um 17:30 Uhr noch ins Theater zu gehen. Er gebe dem Ausschuss gerne Einblick in die Bücher, resümierte der Theatermann, aber kein Unternehmen zahle Steuern auf seinen Umsatz. Das ist natürlich eine verkürzte Aussage, aber jeder wusste, was er meint: „Auf 10% der Nettoeinnahmen würden wir uns noch einlassen können“, schloss der Bühnenkünstler, nicht ohne noch darauf hinzuweisen, dass man in den 65 Jahren seines Bestehens noch niemals Zuschüsse beantragt habe.

Gestik und Mimik zeigen: Jörn Kranacher (FWS) und Wolfgang Thiel (Grüne) verstehen sich blendend

Angesichts des nicht anders als überzeugend zu nennenden Monologes des Mimen hatte den Ausschuss offenbar der Mumm verlassen. Auch Moldenhauer grummelte nur noch über den nach wie vor bestehenden Beratungsbedarf und maulte, bei 10% von netto könne man auch fast schon verzichten. Wohl wahr, denn bevor ich als Laientheatergruppe 10% abgäbe, um zum Beispiel Sitzungsgelder gegenzufinanzieren, fände ich Wege, das Geld sinnvoller anzulegen. Recht besehen, ist der aberwitzige Vorschlag, dem Volkshochschultheater aus dem selbst erwirtschafteten Budget auch noch etwas wegnehmen zu wollen, nichts als der traurige Beweis, wie verzweifelt die Lage ist. Bevor man aber weiter daran geht, auch noch die letzten Groschen einzusammeln und abzupressen, muss man endlich die eigenen Bezüge kürzen und das nicht nur symbolisch. Hier ist ein Etat von gut 100.000€, der offenbar unangetastet bleiben soll, während man ansonsten keine Hemmungen kennt. Man kann sich nur wundern, wie schamlos die Stadtverordneten über teilweise infame Kürzungen und Abgaben diskutieren und gleichzeitig eisern mit den eigenen Geldern geizen. Moralisch ähnelt man dadurch immer mehr den so genannten Heuschrecken, wenngleich die Dimensionen natürlich, verglichen mit den Ackermännern dieser Welt, im Promillebereich liegen. Aber anständiger wird so ein Verhalten dadurch dennoch nicht.

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