Senioren-Bashing

Als ich Hans-Dietrich Zymny, dem Vorsitzenden des bisherigen Tanztee-Beirates, vor Beginn der Sitzung des Sozial- und Kulturausschusses prophezeite, dass er auch heute wieder verarscht, sorry: vertagt würde, wollte er das anscheinend nicht so recht glauben. Hinterher waren die Gesichter der beiden Senioren allerdings lang. Mit Zymny war Ulf Miehe erschienen, der sich als ehemaliger Vorsitzender der Bürger für Bürger mit schmutzigen Spielchen bestens auskennt, war er doch Ende 2010 von seinem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Schirmacher mit einer dreisten Lüge in der Stadtverordnetenversammlung um seinen Sitz in eben diesem Ausschuss gebracht worden. Dabei war schon der Beschlussvorlage abzulesen, wie lästig, bestenfalls überflüssig man das Anliegen der Alten findet.

Durch den Kakao gezogen schaut man nicht klüger aus der Wäsche: Zymny (re.) und Miehe

Die Vorlage entstammt unverändert der Stadtverordnetenversammlung vom 10.02.2012 und sieht vor, den Antrag abzulehnen (hier nennt man es: „zur Kenntnis nehmen“) oder in den zuständigen Ausschuss zu verweisen (sic!). Um die Fassade aufrecht zu erhalten bzw. so zu tun, als hätte man tatsächlich etwas für die Lebensherbstler getan, hatte man nun noch eilig eine Mustersatzung aus den Archiven gekramt, kopiert und der Beschlussvorlage angeklebt. Das war es dann auch, was vom 10.02. bis zum 12.03. geschehen ist. Björn Warmer interpretierte die peinliche Vorlage hinsichtlich der 2. Alternative zwar noch rasch in eine Beratung hic et nunc um, aber es blieb unklar, ob man nun beschließen sollte, darüber zu beraten…? Die Debatte begann jedenfalls auch ohne Beschluss und es war erneut Gerhard Moldenhauer, dereinst Hüter, faktisch aber eher Vollstrecker der Finanzen, der sich als Abmeierer gefiel. Er eröffnete mit dem Totschlagargument, welches in den nächsten 10 Jahren wohl unser ständiger Begleiter sein wird: „Auch hier sollten wir den Zusammenhang mit dem Konsolidierungsbeschluss sehen: Beiräte kosten Geld.“ Aber dabei ließ es der taffe Christdemokrat nicht bewenden. Selbst Senior, nur eben seit Jahrzehnten immer vorne dabei, meinte „Mighty Mouse“ Moldenhauer die Alten auch noch abwatschen zu müssen:

Immer mit dabei: Der SKJB, hier dessen Vorsitzender Melf Johannsen

„Der Kinder- und Jugendbeirat ist sinnvoll“, sorgte Moldenhauer für hörbares Luftholen im Raum, bevor er präzisierte, „weil die sich nicht anders äußern können, während Erwachsene sich über die Wahlen äußern können“. Bevor der sich sammelnde Sturm losbrach, setzte der krude Konservative noch einen oben drauf: „Wenn der Seniorenbeirat hier Zustimmung erfährt, kommen alle anderen auch.“ Das hätte er im blackbekblog richtiger nachlesen können, aber er liest den „Müll“ in der Presse nach eigenem Bekunden nicht. Aber dann hätte er verstehen können, dass die Büchse der Pandora mit dem Schwarzenbeker Kinder- und Jugendbeirat geöffnet wurde. Wenn man dann noch ständig miterleben muss, wie erwachsene (!) Bürger mit zweifelhaftem Mandat wie selbstverständlich an allen nicht-öffentlichen Sitzungen teilnehmen, dann muss man sich über aufkeimende Begehrlichkeiten nicht wundern, zumal es doppelt so viele Senior/innen wie Kinder und Jugendliche  gibt. Aber hören wir nicht den ermüdenden Tiraden des Bloggers, sondern lieber der Debatte zu:

Susanne Heyer (SPD): „Ich muss mich hiervon deutlich distanzieren. Es kann doch nur eine Gleichbehandlung infragekommen, darüber kann es doch gar keine zwei Meinungen geben. Das hätte man sich dann vorher überlegen sollen! Wenn wir unsere Aufwandsentschädigungen nur ein wenig kürzten, hätten wir den Beirat schon finanziert.“
Bernhard Hildebrandt (FDP): „Mein Redebeitrag geht in die selbe Richtung und das Gleiche gilt für den Ausländerbeirat auch. Das hängt mit der Demokratie zusammen und das müssen Sie sich dann anhören, Herr Moldenhauer! Denn die wird ja wohl erhalten bleiben müssen!“
Gerhard Moldenhauer (CDU): „Ich bin lange genug Demokrat, vielleicht sogar länger als Sie!“
Wolfgang Thiel (Grüne): „Also da besteht schon ein Unterschied, denn Jugendliche können nicht mitwählen. Wir möchten uns aber noch in der Fraktion beraten, da in den letzten Wochen viele Gruppen auf uns zugekommen sind, ob sie auch Beiräte bilden könnten. Wir müssen erst einmal intern beraten, ob wir überhaupt für Beiräte sind.“
Jörn Kranacher (FWS): „Er wurde zwar nicht eingeladen, aber vielleicht will ja Herr Zymny etwas dazu sagen!?“

Ein schönes Beispiel für die Beliebigkeit, man könnte es auch Willkür nennen, wie die Regularien für die eigenen Zwecke gedehnt werden. Zymny war weder eingeladen – übrigens ein Unding! – noch hat er mit seinem Spielzeugbeirat bisher Rederecht. Normalerweise – und so wird das gehandhabt, wenn man etwas nicht hören will – könnte er nicht einfach so mitreden. Die Sitzung müsste unterbrochen werden. Wenn Sie das nun pennschieterig finden, ich auch. Aber ich wünschte mir dann generell diese Großzügigkeit. Was hatte nun Zymny beizutragen?

„Sie haben unseren Antrag wahrscheinlich gelesen. Es geht lediglich um die Gleichstellung mit dem Kinder- und Jugendbeirat. Auch die älteren Mitbürger wollen Unterstützung erfahren. Die Jugendlichen dürfen überall mithören, wir nicht. Unsere Aufgabe ist es aber doch, für Informationsfluss zu sorgen, die Älteren anzuhören, deren Wünsche und Bedürfnisse an die Verwaltung heranzutragen. Das ist aber schwerlich zu leisten, wenn wir wie zuletzt seit anderthalb Jahren keine Antwort auf unsere Anfragen erhalten.“

Diese Senioren waren übrigens vollamtlich dabei: Gerber, Jeschke, Heitmann, Hildebrandt, Moldenhauer (von links nach rechts, Moldenhauer = Archivbild)

Erstaunlicherweise verkündete nun Björn Warmer implizit das Ende der Debatte, indem er so etwas wie ein Fazit zog: „Ich nehme also mit, dass es Beratungsbedarf gibt und dass sinnvoll wäre, wir würden verwaltungsseitig so etwas wie eine Richtlinie für die generelle Behandlung von Beiräten entwickeln. Wir sollten aber alle bei diesem Thema vermeiden, die Generationen gegeneinander auszuspielen!“ Man hatte den Eindruck, der Ausschussvorsitzende war erleichtert, den Tagesordnungspunkt wegen des von den Grünen vorgebrachten Beratungsbedarfes verlassen zu dürfen. Fazit? Das kann dauern, bis diese Richtlinie entwickelt ist, obschon es sie recht eigentlich schon gibt. Sie nennt sich Gemeindeordnung. Und was die „Behandlung“ angeht, gibt es auch eine Richtlinie, auch wenn die etwas aus der Mode gekommen ist. Sie nennt sich Grundgesetz und man kann da ruhig einmal hineinschauen und nicht nur, um etwas über die Würde des Menschen zu erfahren. Wie man mit den Senioren in Schwarzenbek umgeht, entbehrt jedenfalls aller Würde. Ich finde es jedenfalls traurig, wenn ein alter Hund wie ein Schulbub vor den Ratsherren winseln und schwanzwedeln muss, um vielleicht auch ein paar Brosamen von der Tafel zu erhalten, während die Hofnarren längst daran Platz genommen haben. Dem SKJB kann man jedenfalls nur dringend empfehlen, ausnahmsweise auch die Sache der Senioren zur eigenen zu machen, denn es ist nicht in Ordnung, Rechte zu empfangen, die anderen in identischer Lage verwehrt werden. Aber ich verlange hier ausgerechnet von den Jüngsten eine Solidarität, die allen anderen selbstverständlich sein sollte, es aber leider nicht ist.

5 Responses to Senioren-Bashing

  1. Blogfan Nr. 1 says:

    „Dem SKJB kann man jedenfalls nur dringend empfehlen, ausnahmsweise auch die Sache der Senioren zur eigenen zu machen, denn es ist nicht in Ordnung, Rechte zu empfangen, die anderen in identischer Lage verwehrt werden.“

    Spitz nachgefragt: Warum sollte der SKJB das tun? Er hat sich seinerzeit eine ordnungsgemäße Satzung gegeben, die vorsieht, sich am kommunalpolitischen Geschehen zu beteiligen und dafür entsprechend finanziell entschädigt zu werden…so what?

    Ich sehe absolut nicht ein, warum Melf und seine wirklich engagierte Truppe in die Verantwortung genommen werden sollten, nur weil sie unbewusst einen zeitlich und organisatorisch günstigen Einstieg in die Schwarzenbeker Kommunalpolitik gewählt haben und der Seniorenbeirat und andere potentielle Kandidaten sich über den verpassten Zeitpunkt ärgern – und nun ist die Kasse zu.

    Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

  2. Ulf Miehe says:

    Danke Matthias Borchelt für den sehr offenen und klaren Artikel über die „Verarschung“ des gewählten und somit legitimierten ehrenamtlichen Vorstands (ohne Sitzungsgelder) der Senioren in Schwarzenbek. Es grenzt an, nein es ist blanker Hohn, auf die Altersstruktur der Stadtverordneten zu verweisen, die sich – wie ich fürchte – weniger den Belangen der Senioren annehmen, als Ihrer eigenen Selbstgefälligkeit und Parteizugehörigkeit verpflichtet fühlen. Der Seniorenbeirat hatte für seine Tätigkeit bis 2009 insgesamt pro Jahr ca. 1500€ bekommen. Dies bekommt ein einzelner Stadtverordneter bereits für 6 Monate.
    Ulf Miehe, 2. Vors. d. Seniorenbeirates

    • hallo ulf,

      diesen kindergarten kenne ich aus meiner zeit als gemeindevertreter auch. allerdings ist dies schon 40 jahre her, es ist beruhigend zu wissen, das sich politisch nichts verändert hat. eigentlich wollte ich dich nur bitten mir deine email-adresse zu nennen. ich habe noch ein paar bilder aus kindertagen, sprich ijgd-teamer ausbildung in langeleben.

      vielleicht meldest du dich ja, ich grüsse dich herzlich als jetzt 70jähriger senior zu senior,
      rolf lödding.

      • Ulf Miehe says:

        Hallo Rolf,
        ein Freund machte mich auf Deine Anfrage aufmerksam. Toll so alte Freunde wieder zu finden. Würde mich überkontaktaufnahme sehr freuen. Hier meine e-mail:
        u.miehe@alice-dsl.net; postalisch: Ulf Miehe, Im Strange 8 C, 21493 Schwarzenbek;
        Tel 04151/898850

  3. Margret Jennrich says:

    Sehr geehrter Herr Miehe,

    in Ihrem Kommentar zum Senioren-Bashing beklagen Sie, dass der Seniorenbeirat für seine Tätigkeit bis 2009 insgesamt pro Jahr ca. 1.500€ bekommen hat und merken an, dass das ein Stadtverordneter bereits für 6 Monate bekommt.

    Die Summe die Sie nennen bezieht sich allerdings nur auf eine Handvoll Stadtverordneter, nämlich auf jene, die im Hauptausschuss sitzen und gleichzeitig noch andere Ämter wie Fraktionsvorsitz, Bürgervorsteher, 1. Stadtrat bekleiden.
    Bei 10 HAPL-Sitzungen im Jahr (lt. gültigem Sitzungsplan) erhält das HAPL-Mitglied ca. 195,00 € pro Sitzung. Der nicht im Hauptausschuss vertretene, aber sich dort informierende Stadtverordnete, bekommt 0,00 €.

    Die bereits mehrfach gestellten Anträge der FDP und der FWS, die Satzung über die Entschädigung in kommunalen Ehrenämtern der Stadt Schwarzenbek dahingehend zu ändern, den jetzigen Höchstsatz nicht in Ansatz zu bringen, wurden von der CDU und SPD jedes Mal abgelehnt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Margret Jennrich

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