Ungeplante Entwicklung

Eberhard Schröder hat für die FWS einen Antrag in die letzte Stadtvertretung eingebracht, wonach die Entwicklungspläne für Schule und Kita aus dem Jahr 2007 fortzuschreiben wären. Die zu erwartenden Kosten solle man dann künftigen Investoren aufs Portemonnaie drücken. Zur Information: Die Stadt hatte in 2003 bei der Projektgruppe Bildung und Region aus Bonn ein Schulentwicklungsgutachten bestellt und teuer bezahlt, da man ohne entsprechendes Gutachten in Schleswig-Holstein keine Fördergelder bezieht. Das ist ein teurer und meist auch überflüssiger Luxus, den wir uns da leisten, denn natürlich steht in den Gutachten dann auch, was der Besteller darin lesen möchte. Die Stadt gab damals einen hohen fünfstelligen Betrag dafür aus, damit über 70 DIN-A 4-Seiten und viele Schaubildchen verteilt, der zu erwartende Kita- und Schulweg der bereits vorhandenen Kinder auf der Basis der aktuellen Schulwegsentscheidungen schlicht fortgeschrieben wurde. Aber selbst den gefälligen Gutachtern war offenbar damals nicht ganz wohl, denn trotz der Unterstellung weiteren Zuzugs wie in den Boom-Jahren (von 16.840 Einwohnern in 2012 zu 17.834 in 2022 und 18.503 in 2032) wiesen sie darauf hin, dass Schwarzenbek dem generellen Trend zur Kinderarmut nicht entfliehen kann:

Aus dem Gutachten von 2007

„Die beschriebene expansive Bevölkerungsentwicklung in der Region Stadt Schwarzenbek kann diesen unaufhaltsamen demographischen Entwicklungsprozess nicht kompensieren; wie der Entwicklungsverlauf der Grundschülerzahlen aufzeigt, wird sie ihn jedoch sowohl beträchtlich abfedern, als auch zeitlich verschieben können.“

 Die Gutachter unterstellten im Jahr 2004 einen Zuzug wie in den Jahren zuvor (20 % von 1995 bis 2004). „In der linearen Fortschreibung ohne weitere Zuzüge“, so die Wissenschaftler, „würde dagegen in der Stadt Schwarzenbek die Wohnbevölkerung bis 2032 auf 13.932 Einwohner sinken.“  Die Fortschreibung dieses Gutachtens aus dem Jahr 2007, welche man hauptsächlich wegen der Prognose für die Gemeinschaftsschule erstellen ließ, beschreibt das nun kaum anders, wobei man in der Spitze sogar deutlich vorsichtiger geworden ist. Die „maximale Bevölkerungsentwicklung“ berechnete man mit 16.886 Einwohnern in 2016, mit 17.744 in 2026 und schließlich mit 17.804 in 2036. Dabei handelt es sich um die „Trendfortschreibung“, wobei unklar bleibt, welcher Trend gemeint ist. „In der linearen Fortschreibung dagegen – ohne weitere Zuzüge – würde die Wohnbevölkerung bis 2036 auf 13.574 Einwohner sinken. Die Prognose des immer um Ausgleich bemühten blackbekblog liegt in der goldenen Mitte der beiden Extrema: In 2036 würde Schwarzenbek demnach 15.691 Einwohner zählen. Wenn Ihnen das zu billig ermittelt erscheint, sollten Sie sich die Methoden einmal anschauen. Das sind keine echten Zukunftsprognosen über die Entwicklung von Land und Leuten. Da sind nur Zahlenfexe am Werk, die auf der Basis der vorhandenen Zahlen und bisherigen Entwicklungen arbeiten. Zur Erinnerung: In 2003 „errechnete“ man einen Bevölkerungsstand von 16.840 Einwohnern in 2012. Gehen Sie ruhig einmal nachzählen, derweilen wir hier weitermachen.

Wer weiß, welchen Trend man da in Grün fortschrieb?

Nun hat Eberhard Schröder aber wohl nicht im Sinn, per Gutachten nachweisen zu wollen, dass wir Kapazitäten schaffen, die schon in Kürze, also in wenigen Jahren über mangelnde Auslastung klagen werden, sondern er fürchtet offenbar das Gegenteil, wenn er sagt:

Eberhard Schröder fordert verlässliche Zahlen

Aber selbst wenn wir das heute auf den Weg bringen (Anm.: er meint das Gutachten), sagt es ein Mal Puff und die Wirkung ist weg. Wir planen derzeit 2 Neubaugebiete: eines mit 50 und ein weiteres mit 75 Einheiten. Macht 125 Einheiten und in jede dieser Einheiten zieht voraussichtlich auch eine Frau. Die bekommt statistisch 1,4 Kinder, ergibt bei 125 Frauen also 175 Kinder. Eine Kita kostet uns rund 200.000 € Zuschuss. Unser voraussichtlicher Anteil an Lohn- und Einkommenssteuer wird nur 112.000 € betragen. Das deckt die Kosten für Kita und Schule nicht. Meine Damen und Herren, durch Neuzuzug gesunden wir nicht. Arbeitsplätze sind das Ziel. Für die städtische Entwicklung ist es wichtig, die Pläne auf den aktuellen Stand zu bringen.

Wer wollte dem widersprechen, zumal wenn es sich um Gutachten handelte, deren Ergebnis nicht etwa schon vorher festgelegt wird. Aber es fanden sich doch zwei Stadtverordnete, die Schröder widersprachen. Leider waren sie nicht annähernd überzeugend. Egon Siepert, SPD, liefert ein erneutes Zeugnis sowohl seiner Sprachlosigkeit, als auch seines Hanges zur Mauschelei:

„Zu den grundsätzlichen Einschätzungen Schröders habe ich eine ganz andere Einschätzung, aber die will ich hier nicht diskutieren.“

Wo denn dann, Herr Siepert? Wo wollen Sie denn die grundsätzlichen Debatten führen, wenn nicht in der Stadtvertretung? Und warum zum Henker lassen Sie die Menschen ihre grundsätzlichen Einschätzungen nicht wenigstens kennenlernen, wenn Sie diese schon nicht diskutieren wollen? Wer soll Sie wählen, wenn man doch immer nur die Katze im Sack kauft und auch hinterher der Sack nur hinter verschlossenen Türen geöffnet wird? Man fragt sich wirklich, warum der Mann überhaupt in der Politik ist. „Die Kita ist auf den Weg zu bringen“, befand er noch und außerdem sei das Ganze Ausschussarbeit. So ist das wohl. Die Stadtverordnetenversammlung wäre für Herrn Siepert anscheinend vollends verzichtbar, wenn nicht lästigerweise ein paar Entscheidungen deren Beschlüsse benötigten. Herr Siepert könnte vermutlich gut damit leben, wenn alles in Hinterzimmern entschieden würde. Eine Rückkehr zur Ratsversammlung und zur Berufung der Ratsherren wäre wohl in seinem Sinne.

Frau Wladow von der CDU befand, die Schul- und Kita-Entwicklungsplanung sei nicht Aufgabe der Stadt:

„Natürlich können wir uns intern unterhalten. Aber wenn der Investor die 8.000 € bezahlen soll, dann sage ich Ihnen klar: Das geht nicht. Solche Art Planungskosten sind nicht umlegbar. Und genau hier fängt das Sparen an.“

Es ist weder eine Überraschung, dass auch die CDU lieber intern diskutiert, als extern debattiert, noch dass sie lieber handelt, ohne vorher zu planen. Dann kann man hinterher nämlich immer schön behaupten, dass man nicht habe wissen können, was eventuell dagegen spricht. Was bleibt? Verweisung in den Ausschuss. Einstimmig. Darf man auf die dortigen Debatten gespannt sein? Bleiben. Man darf es bleiben. Denn stattfinden werden sie nicht. Weder dort, noch sonst irgendwo.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: