Nicht so toll

Da soll er hin!

Das Selbstbewusstsein der Stadtverordneten Schwarzenbeks scheint ungebrochen. In der jüngsten Sitzung stand eine „vereinfachte Änderung“ des Bebauungsplanes 55 auf der Tagesordnung. Danach sollen entgegen der ursprünglichen Planung auf dem Flurstück 20/17 (Eingang Lupus-Park direkt an der B 207) nun doch Elektrowaren verkauft werden dürfen und das auch noch auf einer um 200 m² größeren Fläche, als auf der ursprünglich ausgewiesenen Gewerbefläche im hinteren Teil des Lupusparks. Das vereinfachte Verfahren nach § 13 Baugesetzbuch ist aus Sicht der Planer möglich, da „durch die Änderung oder Ergänzung … die Grundzüge der Planung nicht berührt“ würden. Das sehen sowohl der Fachdienst Regionalentwicklung und Verkehrsinfrastruktur des Kreises, als auch das Innenministerium ganz anders und halten nicht nur die Zulässigkeit des Verfahrens nach § 13 für fraglich, sondern eben auch die infrastrukturelle Sinnhaftigkeit für fragwürdig. Und tatsächlich: Wenn man die entsprechenden, d.h. betroffenen Gewerbetreibenden in Schwarzenbek befragt, so muss man bis zu vier innerstädtische Geschäftsaufgaben in der Folge einer Ansiedlung eines großen Elektrofachmarktes im Gewerbegebiet fürchten. Das ahnt das Innenministerium nicht, sieht dafür aber die ganz generelle Gefahr eines zunehmenden „Ungleichgewichtes“ zwischen Innenstadt und Lupuspark.

Ausschnitt aus der Stellungnahme des Innenministeriums

Stellungnahme der WVS

„Nicht so toll“ fand dann auch Matthias Schirmacher diese Aussagen und zeigte sich zudem erstaunt über die Stellungnahme der Wirtschaftlichen Vereinigung Schwarzenbeks. Das mit dem Konkurrenzzentrum Lupuspark, das sei „teilweise jetzt schon so“ konstatierte der Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Wir wollen aber den Schwarzenbekern nicht die Möglichkeit nehmen und stimmen daher zu“, so sein kleinmütiges Fazit. Schnell schob er noch das Feigenblatt hinterher, man müsse jetzt aber „dringend ein bisschen für die Innenstadt tun“. Dieses „bisschen machen“ ärgerte den Fraktionsvorsitzenden der FDP. „Darüber reden wir jetzt seit 10 Jahren“, monierte er. Politik und Stadtverwaltung versicherten ständig, die Innenstadtgestaltung nicht aus den Augen verlieren zu wollen, „es geschieht aber trotzdem nichts. Es mag ja grundsätzlich angebracht sein, einen solchen Markt im Lupuspark anzusiedeln“, fuhr Stolze fort, „da die erforderlichen Parkplätze im Innenstadtbereich nicht vorhanden sind.“ Aber nicht nur angesichts der Stellungnahmen des Kreises und des Innenministeriums habe er ein Problem, dem zuzustimmen, „da es mindestens einen weiteren Leerstand geben wird“. Es könne nicht angehen, so Stolze, die Innenstadt weiter ausbluten zu lassen. Entweder würde man nun endlich gemeinsam etwas bewegen oder die „Wohlstandsruinen“ würden sich vermehren. „Jede Stärkung des Lupusparks schwächt die Innenstadt!“, mahnte der Liberale.

Auf trat Herr Delfs und zeigte sich verwundert: „Ich dachte, diese Debatte hätten wir im Hauptausschuss bereits geführt!“ Aber der Fraktionsvorsitzende der CDU zeigte sich auch dieser Situation gewachsen und verblüffte mit einer Kombination seiner zwei rhetorischen Mittel: Die berühmten drei Delf’schen Möglichkeiten und die berüchtigten Phantomzeugen: „Die erste Möglichkeit: Wir erlauben im Lupuspark keinen Elektromarkt, sondern nur in der Innenstadt“. Das aber habe man dem Investor wie Sauerbier angeboten. „Der wollte das nicht und wenn man ihn dann zurückstößt, tut man der Bevölkerung keinen Gefallen, vor allen Dingen den Jugendlichen nicht“, zeigte sich Delfs überzeugt. Die zweite Möglichkeit sei die Ansiedlung anderer Gewerbearten in der Innenstadt und dazu habe man ja einen Vorschlag und einen Investor gehabt, aber das sei ja leider im Verfahren gescheitert. „Das ist keine Schuldzuweisung, aber eine Tatsache.“ Was soll der Mann also machen, denkt sich der unaufmerksame Zuhörer und stimmt eventuell mit Delfs überein, dass nur die dritte Möglichkeit bleibe.

Einzige Gegenstimme: H.Stolze

„Auf einer Veranstaltung habe ich neulich 2 Damen gefragt“, führte Delfs nun auch seine unsichtbaren Kronzeugen auf, „welche Branche sie denn gerne in der Innenstadt vertreten sähen, wo sie dann auch einkaufen würden. Die Antwort: Stille.“ Das Problem der Innenstadt hätten viele Städte, fuhr der Christdemokrat fort, da sich die Strukturen verändert hätten. Am 24. Februar habe man ja aber eine Veranstaltung, spielte Delfs auf die von der FDP initiierte Ideenwerkstatt an, „und ich warte darauf, dass dann die eine oder andere kommt, auf die wir aufbauen können“. Der sichtlich indignierte Stolze stellte dann noch richtig, dass man natürlich im Hauptausschuss debattiert hätte, „aber es gibt ja auch noch die Fraktion!“ Upps, da hatte er Delfs aber erwischt. Das kann man auch schon mal vergessen, wenn die Debattierfreude und/oder der Transparenzwillen im eigenen Laden nicht so ausgeprägt ist. „Das war keine Kritik“, beeilte sich Delfs zu versichern, aber überzeugend war das nicht.

„Ich kann es nicht mehr hören!“, donnerte anschließend der Anchorman der FWS von der Kanzel. Eberhard Schröder war böse: „Wo sind denn die Vorschläge?“, zitierte er seinen Vorredner und antwortete: „Wir haben sehr früh und immer wieder den Vorschlag gemacht, den Bebauungsplan anzufassen und jetzt, zum Ende der Wahlperiode soll er angefasst werden? Der Verkauf des Grundstückes am Markt ist doch keine Lösung der Innenstadtproblematik.“ Einen Satz zu den angeblich zu kleinen Flächen in der Innenstadt wollte er auch noch anbringen: „Was ist denn mit den großen Flächen? Die stehen doch leer! Unser Vorschlag, die Eigentümer einzuladen, ist ebenfalls schon Jahre alt.“ „Ach, nöö!“, entfuhr es Delfs laut. „Das haben Sie nie gemacht“, setzte Schröder fort, woraufhin Delfs wie ein trotziges Kind „Doch!“ rief und von dem Bürgervorsteher ermahnt werden musste: „Herr Delfs, bitte, das Mikrofon ist anschließend frei.“ Trotz seines Schaukampfes mit dem anderen Alphatier resümierte der Patriarch der FWS: „Wir haben zum Lupuspark A gesagt, nun müssen wir auch B sagen.“

Schlechter Stil: E.Siepert

Egon Siepert von der SPD zeigte sich überzeugt, die Innenstadt nicht retten zu können, indem man den Antrag ablehne und hatte ansonsten auch noch eine bemerkenswerte Attitüde zu bieten: „Diejenigen, die Markt 6 und 8 nicht gefördert haben, sollten sich zurückhalten“. Vom Niveau erinnert das an den früheren Spruch, wem es hier nicht gefiele, könne ja nach drüben gehen.  Der Verkauf des Grundstückes Markt 6 und 8 ist an dem vermeintlichen Investor gescheitert, lieber Herr Siepert, der sich im Verlauf der Verhandlungen als unseriöser Geschäftspartner  erwiesen hatte. Die infame Beschuldigung der Kirche und deren Patrons als Verhinderer hat seinerzeit die Gemeinde tief getroffen und beinahe einen Keil in die städtische Gemeinschaft getrieben. Man sollte endlich aufhören, damit Schindluder zu treiben, zumal mit dem durchsichtigen und unappetitlichen Ziel, Kritiker ganz anderer Projekte und Vorhaben mundtot machen zu wollen!

„Charlie“ Delfs fügte noch an, die größeren Flächen in der Innenstadt seien Discounterflächen und für den jetzt geplanten Elektro-Markt zu klein. Außerdem habe man zwei Veranstaltungen zur Innenstadt gemacht und versucht, die Eigentümer dabei zu haben. Jedenfalls habe man sie „schriftlich eingeladen“. Schröder antwortete nicht mehr. Der Antrag wurde abgestimmt und mit einer einzigen Gegenstimme (Stolze) angenommen. Nun wird also voraussichtlich ein Elektrofachmarkt im Lupuspark entstehen und soll vermutlich nach dem Willen der Entscheider nicht nur für zusätzliche Gewerbesteuer, sondern auch entsprechenden Schub für die Kommunalwahl sorgen.

6 Responses to Nicht so toll

  1. Bekannnt says:

    In diesem Bericht wird klar, dass die Damen und Herren keine Ahnung von der Materie haben. Allen fehlt der Sachverstand und nun sind es bald 12 Jahre Diskussion über die Innenstadt. Keiner hat einen Vorschlag, alle sagen: „KEIN LEERSTAND!“ So etwas gibt es nicht aber die Realität sieht anders aus. Keine/r der Vertreter/innen ist/sind bis heute durch die Stadt gegangen, um sich zu informieren. Alle wollen die Belebung der Stadt, aber keiner hat ein Konzept und die Vorschläge fehlen. Jeder schiebt die Verantwortung dem anderen in die Schuhe.
    Wann wird endlich mal etwas passieren? Nun soll der Elektromarkt doch kommen, wozu? Wer plant nur so etwas, wer hat in Schwarzenbek die Planungshoheit?
    Bekommen etwa die Stadtverordneten Gelder hinter vorgehaltener Hand? Man weiß es nicht.
    Mit diesen Damen und Herren ist die Innenstadt nicht zu retten.

  2. plotz says:

    (Norbert Geis, CSU, der dafür plädiert, dass Norbert Geis sich endlich von der Mutter seiner vier Kinder)

    Demnach plädiert er für seine eigene Scheidung. 🙂

  3. Margret Jennrich says:

    @ Bekann(n)t

    Ihre Vermutungen (Bekommen etwa die Stadtverordneten Gelder hinter vorgehaltener Hand? Man weiß es nicht.) die Sie hier öffentlich in den Raum stellen sind geradezu abenteuerlich!

    Mit solchen Äußerungen sollten Sie vorsichtig sein, dass grenzt schon an Verleumdung und dagegen verwahre ich mich mit aller Deutlichkeit.

    Margret Jennrich

  4. von Interesse says:

    Herrn Stolze Hut ab vor seinem Mut, seiner Entscheidung und – wie ich meine – auch seiner Weitsicht. Ganz ehrlich: ich brauche keinen Elektrofachmarkt. In Bergedorf Saturn, in Geesthacht Expert, in Mölln auch irgendwer. Dann noch das Internet und bequem 2, 3 Tage später nach Hause geliefert.

    Hat jemand mit den Firmen Holst und Kubelke gesprochen? Ach, Frau Reinhold, Sie auch nicht? Vergessen? Kann ja mal passieren… Stattdessen fordere ich ohne eigenes Konzept mal die Innenstadtentwicklung und jubele gleichzeitig, wenn im Lupuspark etwas Neues entsteht, das in direkter Konkurrenz zur Innenstadt steht. Ich kann da weder eine Struktur, geschweige denn eine Logik hinter erkennen. Aber die WVS wird sich sicherlich im Vorstand besprochen haben…

    Stellen sie sich alle einmal vor, die Waschmaschine ist defekt. Glauben Sie wirklich an einen guten Vor-Ort-Service von einem großen Elektronikfachmarkt? Holst und Kubelke kann man dann ja nicht mehr fragen (was die großen Märkte doch auch anstreben – merkt das denn keiner?????). Und das soll im Sinne der Bevölkerung sein, Herr Delfs? Man man man. Wo leben Sie eigentlich???
    (Ich gebe zu, bei Holst und Kubelke ist die Auswahl eingeschränkt, dort gibt es eben keine Druckerpatronen iPad`s usw.)

    Die Innenstadt wird weiter ausbluten.

    Und rechtlich scheint das Ganze ja auch auf tönernen Füßen zu stehen.

    Übrigens: besuchen Sie einmal einen MediMax-Markt. Ich finde es dort grausam. Dann lieber Saturn. Aber das wird die Zukunft in Schwarzenbek zeigen. Hauptsache es entstehen Arbeitsplätze, ca. 50 Stück? Davon 20 auf 400€-Basis und der Rest bekommt vielleicht 1300-1600 € brutto oder noch weniger und der Rest per Provision. Naja, besser als Hartz IV oder so…

    Geile Aussichten. Und wir Menschen wundern uns, warum wir alle immer verrückter werden…

    _________________________________________________________________
    Frau Jennrich, Ihnen gebe ich Recht, dass hier keine Verleumdungen passieren sollten. Man kann gerne Kritik üben und auch mal zynisch sein. Unterstellungen in Richtung „Käuflichkeit“ gehen jedoch eindeutig zu weit.

  5. H.Rose says:

    Es gab ja noch zwei andere „schlagende Argumente“. Herr S. von der SPD wollte nun endlich dort seine Lieblings-CDs oder -DVDs kaufen (könnte er auch am Haupbahnhof, in Bergedorf, im Internet, etc.) – und Herr Delfs peilte gleich die Gemeinsamkeit mit dem SKJB an, indem er sich verschmitzt an dessen Vertreter wandte (Es stehen Wahlen an. Kommunales Wahlrecht ab 16!). Anscheinend läßt man die Innenstadt weiter ausbluten um des Kaufs irgendwelcher Playstations und der dazu gehörigen Peripherie willen. Oder werden die 12 bis 17jährigen künftig dort massenhaft Waschmaschinen, Herde und Bügeleisen erstehen bzw. reparieren lassen? (s.a. Beitrag von „von Interesse“).

    H.Rose

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