Kindergarten

Wie man der gestrigen Bergedorfer Zeitung entnehmen konnte, ist Sven Minge sauer. Der Kreisgeschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) erzürnte sich angeblich, als er am Montag aus der Zeitung erfahren musste, dass trotz nachgebesserten Angebotes die Johanniter den Zuschlag für die neue Kita in Schwarzenbek erhalten hatten. Diese Entscheidung fiel am späten Freitagabend, die Bergedorfer liegt montags ab 6:00 Uhr im Briefkasten. Bleibt die Frage, wann Bürgermeister Ruppert den ASB hätte informieren sollen, damit der es eben nicht aus der Zeitung erfährt? Nebenbei: Die Lübecker Nachrichten hätten es ja auch schon am Sonntag berichten können. Nun ist Minge also beleidigt und hat – seltsam unprofessionell – einen Termin in anderer Sache kurzfristig abgesagt. Der „ASB will nicht mehr mit Bürgermeister sprechen.“

Not amused: Harms (Archivfoto)

Kindisches Verhalten ist aber nicht das Privileg Minges, der sich zusätzlich als schlechter Verlierer outet. So mussten sich die Johanniter erst kürzlich vom Finanzausschussvorsitzenden Harms (SPD) anblaffen lassen, weil sie mit ihrer Beschwerde, im Bieterverfahren übergangen worden zu sein, eine Wiederaufnahme der Verhandlungen erzwangen und die faktisch bereits gefallene Entscheidung pro bono ASB kippten. Harms‘ Affront erscheint doppelt kühn, denn die Johanniter hatten ja nicht nur vollkommen Recht, sondern legten auch noch das günstigste Angebot vor. Nun ausgerechnet denen einen Vorwurf zu machen, erscheint gewagt.

Wenn man gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen glauben darf, ist die Ersparnis jedoch zerronnen, kaum dass sie gewonnen wurde. Die Verwaltung soll angeblich kindisch kopflos auf den Vorwurf der Johanniter reagiert und die üblichen Verdächtigen um Rechtsbeistand gebeten haben. Die gesalzenen Rechnungen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer sind in Schwarzenbek schmerzlich bekannt. Wozu bedurfte es dieser Beratung? Die Johanniter bemängelten die unterbliebene „europaweite Ausschreibung“. Das ist natürlich ein ziemlicher Käse. Mangelhaft fanden die ja nur, dass sie selbst nicht auch gefragt wurden. Bekanntlich wurde das Projekt auch jetzt nicht europaweit ausgeschrieben. Das bekümmerte die Johanniter nun weniger, da sie nun zur Angebotsabgabe aufgefordert wurden. Die anderen Anbieter durften auch noch einmal nachbessern. Das hätte man auch ohne Beratung und sogar gänzlich ohne rechtliche Verpflichtung tun können. Sogar müssen, und das nicht nur der Fairness wegen, wie das Ergebnis eindrücklich zeigt.

Beleidigt: Arbeiter-Samariter-Bund

Insofern sieht das mit der Rechtsberatung eher so aus, als habe man die Johanniter außen vor halten wollen. Wie dem auch sei, bleibt verwunderlich, dass die Stadt auch bei der 5. Kita die korrekte Vorgehensweise noch nicht kennt. Verwunderlich ist aber auch, was der Minge sich nun mopst. Wenn einer beleidigt sein dürfte, dann der Schwarzenbeker Steuerzahler. Hieß es nicht bislang, dass man ohne einen Verzicht auf den Mietzins für die Dauer der Finanzierung (10 bis 15 Jahre), das Projekt nicht umsetzen, weil nicht wirtschaftlich arbeiten könne? Wie kann es sein, dass nach Vorlage eines Konkurrenzangebotes nachgebessert werden kann? Das kann doch nur bedeuten, dass man zuvor eben nicht das günstigste Angebot vorgelegt hatte. Arbeitet der ASB immer so, sollte man dringend die Kostenstruktur  der beiden bereits von den Samaritern betriebenen Kitas überprüfen.

Selbst wenn in der heutigen „Geiz-ist-geil“-Mentalität Feilschen immer mehr in Mode kommt, muss man doch festhalten, dass ein Anbieter, der ohne erkennbaren sachlichen Grund plötzlich günstiger anbieten kann, vorher einen zu hohen Preis verlangte. Das ist kein seriöses Geschäftsgebaren und insofern hätte eher der Bürgermeister einen Grund, mit einem derart unglaubwürdigen Verkäufer nicht mehr sprechen zu wollen. Allerdings soll hier nicht davon abgelenkt werden, dass ohne Druck von außen die (Selbst-)Verwaltung überteuert eingekauft hätte. Und dennoch bin ich mir sicher, dass man sich auch weiterhin jede Einmischung verbitten, jeder kritischen Hinterfragung ausweichen wird. Demut scheint den meisten handelnden Personen völlig abzugehen.

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