Versetzung erscheint gefährdet

„Was in der Presse stand, sollte da noch nicht stehen“, leitete Josefin Francke, die heimliche Fraktionschefin der Sozialdemokraten, die an einen Zirkus erinnernde Einwohnerfragestunde vor der Stadtverordnetenversammlung am gestrigen Freitag ein. Selbstverständlich freue man sich über das rege Interesse der besuchenden Eltern, aber die Gespräche im Schulverband wären doch erst einmal ein Gedankenaustausch darüber gewesen, ob die Kinder des Grundschulteils der Gemeinschaftsschule einen „Besitzerwechsel“ verkrafteten. „Ja“, meinte Frau Francke, denn „die kriegen das ja gar nicht mit“. Das Schulgebäude bleibe in der Breslauer Straße und die Gleichwertigkeit der Verbandsschule mit der Gemeinschaftsschule sei gegeben. Außerdem möge man doch bitte bedenken, dass die Gemeinde Grove mit dem Austritt aus dem Schulverband gedroht habe und wenn das einträte, „dann gehen die anderen auch“. Das würde dann teuer für Schwarzenbek werden, denn wer geht, muss ausgezahlt werden.

Die Vorsitzende des Schulelternbeirats (SEB)

Zur Beschwichtigung sah Francke sich genötigt, nachdem Kirsten Niemann, die Vorsitzende des Elternbeirats, die Einwohnerfragestunde mit der Anregung eröffnet hatte, man möge doch angesichts des Votums der Eltern und auch der Schulkonferenz das Thema in den Ausschuss verweisen und dort erst einmal öffentlich klarstellen, was angedacht sei. Ihr schwebe eine Art runder Tisch vor, an dem dann auch die Schulleitungen und die Elternvertretungen einen Platz haben sollten. Auslöser der Aufregung war dieser Antrag der CDU, der nicht nur die Worte der Sozialdemokratin Francke, sondern auch die anschließenden Beschwichtigungsversuche der christdemokratischen Heike Wladow als Ausflüchte dekuvriert. Letztere versuchte die Gemüter zu beruhigen, dass es „um eine langfristige Maßnahme“ ginge, die behutsam vorzubereiten wäre. Mit ihrer Mahnung, man solle die freie Schulwahl nicht außer Acht lassen, schließlich könnten auch Eltern von außerhalb die Breslauer Straße als Schule wählen, wurde dennoch deutlich, wie weit die Gedanken bei der Politik bereits durchgespielt waren.

Klare, überzeugende Ansage durch Claudia Lampe

Entsprechend verärgert zeigte sich Claudia Lampe vom SEB. Man habe das Gespräch mit allen Fraktionen gesucht. Am 18. Januar seien die Pläne bekannt geworden und man habe sofort ein Elternvotum eingeholt, denn der Elternwille sei bis dahin in den Überlegungen der Politik noch nicht aufgetaucht gewesen. Die vom SEB vorgeschlagene Podiumsdiskussion wäre dann leider „torpediert“ worden, „weil heute beraten und beschlossen“ werden sollte. Wenn man den Übergang von der Grundschule Nord-Ost auf die Gemeinschaftsschule als so schwer erachte – was sie als Einschätzung jedoch nicht teile – „warum hat man dann nicht mal umgekehrt darüber nachgedacht, die Grundschule Nord-Ost in die Gemeinschaftsschule aufgehen zu lassen?“ Applaus brandete auf und der Bürgervorsteher wagte auch nicht, auf die Unzulässigkeit solcher Gefallenskundgebungen hinzuweisen. Ohnehin war auffällig, wie bemüht und konziliant man sich zeigte. Das haben wir durchaus schon anders erlebt.

Schröder liest Leviten

Nun war die Stimmung geradezu ideal für den Grandseigneur der Schwarzenbeker Kommunalpolitik bereitet. Mit sichtlichem Vergnügen holte Eberhard Schröder den Dolch aus dem Gewand und stach zu: „Ich habe selten einen so wenig durchdachten Vorschlag zu so falscher Zeit und an so falschem Ort gehört“, watschte Schröder den Antragsteller Delfs öffentlich ab und machte gleichzeitig das Gerede der Damen Francke und Wladow als Lippenbekenntnis deutlich. „Was hat Herrn Delfs bewogen, diesen Antrag zu stellen?“, fragte Schröder rhetorisch. „Der stellt doch sonst auch keinen Antrag, wenn die Mehrheiten nicht gesichert sind.“ Nun meinte Karsten Beckmann als Bürgervorsteher einschreiten zu müssen, erlaubte Schröder mit seiner Intervention jedoch, einen weiteren Punkt machen zu können. „Nun haben Sie zwei Stellungnahmen zugelassen, nun müssen Sie das auch ertragen“, hatte Schröder das einsetzende Gelächter auf seiner Seite. Ob nun aber die (berufliche) Zukunft der Grundschulrektorin oder des Schulverbandes Auslöser dieses Antrags wären, sinnierte der Fraktionschef der FWS, im Schulverband seien sich doch alle einig gewesen, dass die Zeit bis zur Stadtverordnetenversammlung für das Thema viel zu kurz wäre. Außerdem seien zwei Fraktionen im Schulverband nicht vertreten. Für die FWS könne es jedenfalls nur einen einzigen Grund für einen solchen Antrag geben: „Wenn es durch das Anmeldungsverhalten zu unüberbrückbaren Raumproblemen kommen sollte, könnte ich das noch verstehen“, zeigte sich Schröder vermeintlich konziliant, legte aber sofort nach: „Die örtliche Zuordnung erfolgt letztendlich aber durch die Stadt“ und insofern existiere dieses Problem gar nicht. Weniger nachsichtig zeigte sich der Patriarch gegenüber der Gemeinde Grove: Deren etwaige Kündigung solle man bitte schön entsprechend der Satzung bearbeiten. Schröder erinnerte daran, dass Grove sich seinerzeit gegen den geplanten Verlauf der Umgehungsstraße gesperrt habe, weswegen die nun so nah am Wohngebiet verlaufe. Der Politiker meinte offenbar, wegen dieser alten Rechnung müsse man nun auch Grove nicht hinterherlaufen und trotz dieser eher unsachlichen Betrachtungsweise erntete er Applaus.

Den hatte am Ende des nun einsetzenden Frage-und-Nichtantwort-Spiels auch Barbara Schicke, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule, auf ihrer Seite. Frau Schicke stellte drei Fragen, für deren Verständnis man nicht zwingend das Abitur nachholen musste:

  1. Ist sichergestellt, dass Grove bei Zusammenlegung der Schulen im Schulverband verbleibt?
  2. Kann Grove vertraglich mittel- oder gar langfristig gebunden werden?
  3. Wie will man angesichts der Wahlfreiheit eigentlich verhindern, dass nicht dennoch Grundschulkinder verstärkt an der Breslauer Straße angemeldet werden?

Klare Fragen, doch die Politiker hatten den Sinn der Veranstaltung offenbar vergessen. Während sich in der Vergangenheit bei vielen Fragen lediglich Grabeskälte und Friedhofsruhe ausbreitete, drängte es weiterhin zum Rednerpult, allerdings nicht etwa, um die Fragen zu beantworten.

–  Fortsetzung folgt –

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