Die Regionalschule ist passé

Schulrätin Lorenzen

Dagmar Lorenzen, die Schulrätin im Kreis Herzogtum Lauenburg, brachte es auf den Punkt: „Die Eltern überlegen jetzt, bei welcher weiterführenden Schule sie ihre Kinder im Frühjahr 2012 anmelden werden. Wenn morgen in der Zeitung steht, der Ausschuss empfehle die Auflösung der Regionalschule, dann entscheiden die Eltern auch entsprechend.“ Sie reagierte dabei auf eine Überlegung des FDP-Mitglieds im Sozial- und Kulturausschuss auf dessen gestriger Sitzung. Bernhard Hildebrandt hatte darüber räsoniert, ob nach dem Wechsel in der Schulleitung des Gymnasiums im Februar 2012 eventuell noch über eine organisatorische Verbindung „Gymnasium mit Regionalschulteil“ nachgedacht werden könne.  Der Empfehlung des Ausschusses zur Auflösung bereits zum nächsten Schuljahr müsse ein baldiger Beschluss und anschließender Antrag des Schulträgers  folgen. Nach der Schulleiterwahl des Gymnasiums neu nachdenken zu wollen, sei aussichtslos.

Zunächst hatte die Schulrätin die aus ihrer Sicht verbliebenen Möglichkeiten aufgezählt, deren eine eben diese Zusammenarbeit mit dem Gymnasium (Plan C) hätte sein können, wobei sie selbst die Sichtweise des Gymnasiums zu einer solchen Überlegung als „fraglich“ bezeichnete. Neben der Auflösung der Regionalschule (Plan B) gab es dann noch die Variante jahrgangsübergreifenden Unterrichts  (Plan A) und eine Herauslösung des Grundschulteils aus der Gemeinschaftsschule und organisatorische Verbindung mit der Grundschule Nordost (Plan D), was jedoch die Auflösung der Regionalschule ebenfalls bedingte. Neben der ganz sicher äußerst fragwürdigen Bereitschaft des Gymnasiums hätte auch Plan A nur einen Tod auf Raten bewirkt, so dass den Ausschussmitgliedern sehr bald dämmerte, dass die Auflösung der Regionalschule unausweichlich sein würde. Bevor man aber in die Debatte oder gar Entscheidung übergehen würde, wollte man die Schulleiter/innen hören.

Rege beteiligt: B.Hildebrandt

Bemerkenswert sachlich und ebenso selbstbewusst wie selbstkritisch trug nun die Schulleiterin Liane Meier vor, wie man bei der Schule Nordost seit 3 Jahren „in der Luft“ schwebe. Auch wenn man die Schließung noch 1 oder 2 Jahre hinauszögern könnte, so müsse doch jetzt eine Lösung, müsse  Planungssicherheit her.  Man habe es in den vergangenen 3 Jahren nicht geschafft, Schüler und Eltern von dieser Schulart zu überzeugen. Eine Fortführung mit derart übersichtlichen Klassen von bisweilen nur 18 Schüler/innen könne man nun nicht mehr durchhalten. Auch als eine Einwohnerin es nicht fassen konnte, wie schnell nun entschieden wurde („schwuppdiwupp“), und empfahl, die Anmeldungen abzuwarten, erteilte Frau Meier solchen Planspielen beeindruckende Abfuhr: Ihre Entscheidung sei ihr keineswegs leicht gefallen. Seit 3 Jahren habe man nun keine 25er-Klasse mehr zusammenbekommen und vor drei Jahren habe man sogar 6 vierte Klassen gehabt. „Es hat nicht gereicht“, konstatierte Meier und konnte kein Potential mehr erkennen. Die Sympathien hatte sie längst auf ihrer Seite, als sie sich am Ende nicht nur für die ständige Unterstützung, sondern auch noch für die Entscheidung des Ausschusses bedankte, gebe der doch Planungssicherheit.

Der Schulleiter der Grund- und Gemeinschaftsschule war anschließend an der Reihe. Andreas Hartung berichtete, dass man seinerzeit keineswegs geplant hatte, den Grundschulteil hinzu zu bekommen. Anfangs habe man damit auch sein Tun gehabt, aber es in den vergangenen 3 Jahren eben doch geschafft, das zusammen zu führen, auch wenn man sich aus finanziellen Gründen von der Vision verabschieden musste, die beiden Schularten an der Berliner Straße zu vereinen. „Aus pädagogischer Sicht können wir nun keine Notwendigkeit erkennen, das wieder aufzulösen“, wehrte Hartung sich gegen den Plan D und konnte aus seinen Erfahrungen mit der Außenstelle auch nicht erkennen, warum nun sinnvoll sein solle, zwei Schulen mit Außenstellen zu schaffen. Er sei auch nicht angetreten, um nun über die Raumsituation zu meckern, sondern könne sich sehr wohl vorstellen, die relative Raumnot der nächsten zwei Jahre wegen des Mehrbedarfs in der Sekundarstufe I zu meistern, wenn die Centa-Wulf-Schule eben nicht in die Breslauer Straße, sondern wegen der Auflösung des Regionalschulteils in Nordost eben dorthin umziehe. Man müsse halt für eine Übergangszeit enger zusammenrücken, um die aufgelösten und demzufolge ausgelagerten Regionalschüler aufzunehmen. Er sehe jedenfalls keine Notwendigkeit, eine erfolgreiche Schule auseinander zu nehmen.

Hätte sein Papier wohl besser umfassend verteilt: A.Hartung

Offenbar hatte Hartung diese seine Überlegungen auch bereits in einem 2-1/2-seitigen Papier zusammengestellt, welches allerdings nicht allen Fraktionen vorzuliegen schien. Als Bernhard Hildebrandt es erwähnte, zuckten die christdemokratischen Ausschussmitglieder Gerber und Moldenhauer jedenfalls und fragten nach, wo das denn geschrieben stände. Der ein wenig peinlich berührte Hartung erklärte daraufhin, er habe auch mit Herrn Delfs telefoniert und eine Vorstellung seiner Überlegungen in dessen Fraktion angeboten, was dieser jedoch für nicht machbar erachtet hätte. Moldenhauer grummelte, das Papier hätte aber dennoch verteilt werden können, woraufhin Hildebrandt sich trotz seiner Überraschung über die unterschiedliche Informationslage nur darin bestätigt sah, „heute noch nicht zu entscheiden“. Denn dieses Papier sei sehr überzeugend, alle sollten es genauestens kennen. Hartung, der die Grundschule ungefragt „an die Backe bekommen“ hätte, habe diese Aufgabe in den vergangenen drei Jahren mit beachtlichem Erfolg bewältigt. Es gebe viele Argumente, das so zu belassen, nicht nur wegen des Vorteils, die Zuweisung an Lehrerestellen für die Grundschule für die ganze Schule nutzbar machen zu können. Wenn man nun Klassen nach Nordost auslagere, gäbe man nicht nur diesen Vorteil wegen der erheblichen organisatorischen Probleme wieder dran. An Hildebrandts Wunsch um ein vergleichbares Papier von Frau Meier, schloss sich Eckhard Gerber an. Der erklärte für die CDU, dass man den Plan B (Auflösung) favorisiere, auch wenn man noch so sehr bedauere, dass die Regionalschule keine Chance habe. Plan A und Plan C lehne man klar ab, Plan D stelle sich heute nicht, aber er hätte vorher gerne die erwähnten Papiere gelesen.

Das bedeutet eigentlich, dass jede/r Schüler/in auch eine Regionalschule in zumutbarer Zeit und ohne finanziellen Aufwand erreichen können muss.

Viola Hüfner, die Schulleiterin der Centa-Wulf-Schule, soll hier aber nicht unterschlagen werden. Die kleinste Schule am Ort, immerhin das größte Förderzentrum im Kreis, habe bereits vor Jahren den Antrag gestellt, in die Stadt zu ziehen und nun freue man sich, trotz der massiven Veränderung nicht nur der finanziellen Landschaft, auf zunehmende Klarheit. Ihr sei es im Grunde egal, ob man nun zurück in den alten Centa-Wulf-Trakt an der Breslauer Straße (ehem. Compeschule),  in den Pavillon oder nach Nordost ziehe. Die Hauptsache sei, die Räumlichkeiten stimmten und man habe einen eigenen Eingang. Insofern ziehe man gerne um, sei übergangsweise auch zu Kompromissen und Konzessionen bereit, wenn am Ende ein räumlich ausreichender, eigener Bereich zur Verfügung stehe. Vor Gerber hatte bereits Josefin Francke von der SPD den Plan A als „hinausgezögertes Sterben“ verworfen und Hartungs Argumente als nachvollziehbar bezeichnet. Die Auflösung der Regionalschule (Plan B) löse zwar keine räumlichen Probleme, so Francke, aber den Umzug der Centa-Wulf-Schule nach Nordost halte sie für eine gute Sache. Auch wenn dieser Vortrag nicht ganz konsistent war, nahm der Ausschussvorsitzende das auf und konstatierte, die Regionalschule sei wohl nicht zu halten. Natürlich sei das nur eine grundsätzliche Empfehlung, eine Entscheidung sei heute Abend gar nicht vorgesehen, man müsse das ja auch sachlich durchdenken. „Aber wollen wir das schwabbeln lassen, ohne das etwas passiert? Damit kann doch keiner leben!“ Sprach’s und empfahl, die Regionalschule zum Schuljahresende auslaufen zu lassen. Bei einer Enthaltung (Hildebrandt) wurde dem dann auch gefolgt. Und selbstverständlich ist diese Empfehlung das Todesurteil für die Regionalschule.

Und ebenso selbstverständlich wurde das dann auch pflichtschuldig ganz heftig  bedauert. Frau Francke von der SPD tat das „unheimlich weh und leid“, dass nun die einzige, sogar mehrfach ausgezeichnete Schule in Schwarzenbek schließen müsse, aber die sei bereits bei ihrer Einführung so negativ dargestellt worden, dass sie wohl keine Chance hatte. Herrn Hildebrandt war das wenigstens die Bemerkung wert, dass der unausweichliche Tod der Regionalschule das Erbe der unseligen Schulrechtsreform der Großen Koalition und vor allem der Bildungspolitik unter der Kultusministerin und Parteigenossin von Frau Francke, Ute Erdsiek-Rawe, sei. Und ich möchte daran erinnern, dass Frau Francke bereits vor der Einführung der Regionalschule öffentlich darauf hoffte, dass zu geringe Anmeldungszahlen dieser von ihr selbst als Totgeburt ausgemachten Schulart in Schwarzenbek möglichst den Garaus bereiteten. In puncto Krokodilstränen steht die Genossin ihrem Koalitionspartner Delfs jedenfalls in nichts nach, fürchte ich. Frau Hüfner fragte noch nach, ob diese Entscheidung denn schon auch richtungsweisend für den Umzug der Centa-Wulf-Schule sei, was der Ausschussvorsitzende verneinte. Das sei davon abgekoppelt, meinte Jürgen Heitmann (FWS), aber es muss offen bleiben, wo das Förderzentrum denn anders hin soll, wenn nicht nach Nordost, wo doch die Regionalschule nun gerade zu Grabe getragen wurde.

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