Kindergarten

Heute findet sich ein Artikel in der Bergedorfer Zeitung über die Schaffung einer weiteren KiTa in Schwarzenbek, der geeignet ist, mehr Verwirrung als Klärung zu stiften. Vom blackbekblog erwarten Sie mit Recht, dass er etwas exakter hinter die Kulissen schaut und umfangreicher informiert. Und wer weiß, vielleicht schaut ja auch der eine oder die andere Kommunalpolitiker/in hinein, um sich zu vergewissern, ob er/sie auch alles richtig verstanden hat. Morgen Abend tagt der Sozial- und Kulturausschuss u.a. zu den Kindertagesstättenangelegenheiten und da kann weitergehende Information ja nicht schaden.

Lassen Sie uns also anhand der Aussagen des Artikels nachschauen, woran wir sind und worum es geht:

1. „Die Stadt ist pleite“

Gut, darüber muss man nicht mehr diskutieren. Das mag verkürzt ausgedrückt sein, trifft aber den Kern.

2. „…aber es fehlen viele Plätze für Krippen- und Kindergartenkinder.“

Ja, aber hier fängt es mit den Ungenauigkeiten an. Natürlich fehlen Plätze, aber es ist eigentlich die Aufgabe des Kreises für Plätze zu sorgen, nur dass der die Aufgabe an die Stadt delegiert.

Das Logo der Montessori gGmbH Ratzeburg

3. „Eigentlich hatten die Politiker bereits im Mai den Weg für eine fünfte Kita in Schwarzenbek frei gemacht, als die Montessouri gGmbh ihr Konzept vorstellte. „

Nein, das ist schlicht nicht korrekt. Der Ausschuss hatte am 17. Mai lediglich festgehalten, dass die Montessori gGmbH als Träger infragekommt, d.h. sich darum bewerben darf. Nur weil deren Geschäftsführer Hagenkötter gleich mehr daraus gemacht hat (siehe auch deren Homepage, auf der bereits seit Mai Anmeldungen entgegengenommen werden), trifft das doch nicht zu.

4. „Passiert ist bislang nichts.“

„Nichts“ ist ein hartes Wort, denn immerhin haben wir in Schwarzenbek so einige Umstellungen und Umzüge zu wuppen und insofern ist die Frage der möglichen Unterbringung einer weiteren KiTa auch nicht so einfach zu beantworten. Wenn „nichts“ meint, dass noch keine weitere KiTa entstanden ist, dann trifft das zu.

5. „Das liegt allerdings auch daran, dass es zwar Zuschüsse von Land und Kreis gibt…“

Auch der ASB plant mit dem Betrieb in der Compeschule

Das Kreisjugendamt hat den Bedarf bejaht und der Kreistag hat am 26. Mai Schwarzenbek hinsichtlich der Zuschüsse aus Kreis und Land auch in den oberen Bereich der Prioritätenliste gesetzt. Nach Aussage der Verwaltung stehen damit 14.000€ pro Platz als einmaliger Zuschuss für den potentiellen Träger zur Verfügung. Als Erklärung für das Stillruhen des Sees vom 26. Mai bis heute also eher nicht geeignet.

6. „…die Stadt aber auch einen Eigenanteil an den Kosten tragen müsste.“

Hm, das ist so eine Wischi-Waschi-Aussage. So etwas benutzt man gern, wenn man es nicht genauer weiß. Müssen muss die Stadt einen Anteil – und zwar einen nicht unbeträchtlichen – an den Personalkosten der KiTas tragen. Der Haushaltsansatz für 2012 beträgt dafür zum Beispiel fast 1 Million €uro (siehe Konto 53120000)!

7. „Dafür müsste jedoch ein Kredit aufgenommen werden…“

Die Überlegung, einen Kredit aufnehmen zu wollen, resultierte nicht etw aus den laufenden Kosten, sondern aus den Umbaukosten in der ehemaligen Compeschule. Für den Betrieb einer KiTa müssen die Räumlichkeiten verändert werden. Die Stadt überlegte daher, hierfür einen Kredit aufzunehmen, um das Gebäude entsprechend vermieten zu können.

8. „…dem hat die Kommunalaufsicht mit Blick auf die ohnehin leeren städtischen Kassen nicht zugestimmt.“

Die Freie Ev. Gemeinde ist der dritte Bewerber im Bunde

Was vermutlich an den Zahlen lag, sprich: die Umbaukosten waren angesichts der zu erzielenden Mieteinnahmen zu hoch. Eventuell vertritt die Kommunalaufsicht jedoch auch die Auffassung, dass ein potentieller Träger, der immerhin mit vielen Hunderttausenden €uro an Investitions- (siehe Punkt 5) und Personalkosten (siehe Punkt 6) unterstützt wird, für die Räumlichkeiten dann selbst zu sorgen hat.

Und siehe da, tatsächlich bewerben sich noch immer drei Organisationen um die Trägerschaft. Das Geschäft scheint also nicht ganz uninteressant zu sein. Wenn die BZ dann übrigens noch schreibt,

9. „…die Montessori gGmbH wolle „den städtischen Anteil an den Investitionskosten jetzt selbst aufbringen.“

dann ist auch das wieder geeignet, einen doppelt verkehrten Eindruck zu erwecken. Es gibt keinen städtischen Pflichtanteil an Investitionskosten, wo kämen wir denn da hin? Vielmehr wird jetzt darüber nachgedacht, dem potentiellen Träger den Investitionszuschuss aus Kreis und Land zu überlassen, damit der die Umbaukosten finanziert. Und damit nicht genug, streben zwei der Bewerber (ASB und Montessori) an, die Räumlichkeiten für die Dauer der Finanzierung mietfrei überlassen zu bekommen. Darüber wird der Ausschuss morgen zu befinden haben. Der dritte Bewerber, die Freie Ev. Gemeinde Schwarzenbek, plant nicht mit der ehemaligen Compeschule, sondern mit dem eigenen Gebäude in der Hamburger Straße.

One Response to Kindergarten

  1. Robert T. says:

    Dem geneigten bz-Leser geht auch am Montagmorgen schnell ein Licht auf, dass zitierter Artikel lust- und lieblos zusammengeklöppelt ist!
    Eigens für den blackbekblog habe ich nochmal reingeschaut. Heute Morgen dagegen verging mir nach den ersten drei Zeilen die Lust am Lesen!!!
    Artikel über Millionendeals sind sicher spannender in die Tasten zu hauen als solch ein „weiches Thema ohne Fleisch dran“.

    Mehr Fragen als Antworten- in der Tat!

    „Fakt ist, dass es derzeit keine freien Betreuungsplätze für Kinder in Schwarzenbek gibt, der Bedarf aber hoch ist. „Es gibt auch immer mehr Nachfragen nach längeren Betreuungszeiten. Somit besteht Handlungsbedarf“, teilt Weiß mit. Deshalb möchte die Stadt 20 bis 30 Krippenplätze für Kinder von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr schaffen. Darüber hinaus sind weitere 40 Regel-Kitaplätze für Drei- bis Sechsjährige vorgesehen, um den Bedarf zu decken. “

    Wo sind denn da bloß die Kausalzusammenhänge? Handlungsbedarf bestand in den vergangenen fünf Monaten nicht? Erst jetzt, da „immer mehr Nachfragen nach längeren Bertreuungszeiten“…? Und weil nun Handlungsbedarf nach längeren Betreuungszeiten müssen jetzt Krippenplätze für die Kleinsten geschaffen werden?

    Hoffentlich gehen die Erzieherinnen mit mehr Elan an die Sache ran!!!

    Aber wir wollen auch nicht zu sehr schimpfen über diesen Artikel- sonst müssen wir bald schon wieder Geschichten lesen, in denen die Zeitungsmenschen selbst Regie führen und Hauptdarsteller sind…

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