Fiat Pecuniam! – Teil 4

Von Rupert Talia

Teil 4: Wenn sich keiner mehr verschuldet, steht die Geldwelt still

Im Casino der Finanzwirtschaft zirkuliert derweil das übrige erschaffene Geld nutzlos um sich selbst. Es macht einige Teilnehmer noch reicher, dafür andere gleichzeitig im selben Grad ärmer. Für uns Habenichtse ist das von außen betrachtet schlicht ein ödes Nullsummenspiel, völlig uninteressant und sinnlos, für Banken aber immer noch ertragreich. Darum wollen sie das Casino ebenfalls unbedingt behalten, denn es macht sie vom real angerichteten Schaden relativ unabhängig.

Auch eine Art Deflation

Japans einziges verbliebenes realwirtschaftliches Mittel war der Export, also „der Rest der Welt“, um zumindest ein wenig Restwachstum aufrecht zu erhalten. Bedeutet im Klartext: Wenn ganz Japan spart, dann muss sich eben das Ausland verschulden (erneut: in diesem System geht es nicht ohne Schulden!). Und im Ausland fand Japan noch Leute/Betriebe/Staaten, die sich tatsächlich verschulden wollten (lies: die Vertrauen in die eigene Zukunft hatten). Deshalb gehört Japan derzeit auch (noch) mit zu den Exportmeistern. Aber genau darum droht es momentan nun ganz schlimm zu werden, denn „der Rest der Welt“ (vor allem die USA und Europa) sind auf bestem Weg, gerade selbst in die Deflationsschuldenspirale zu geraten, und reagieren dummerweise (man könnte das auch kraftvoller formulieren) mit genau demselben toxischen Rezept wie Japan: SPAREN, sofort, alle! Hinzu kommen zögerlich ängstliche Zentralbanken und Politiker. Bleibt es dabei, dann gute Nacht, Marie.

Ganz übel für Japan (jetzt spart auch noch das Ausland), aber ebenso für alle anderen. Wer verschuldet sich jetzt noch ausreichend kräftig im Vertrauen auf eine gute Zukunft? Sobald das niemand mehr ernsthaft in ausreichend großem Umfang will oder kann, dann resultiert tatsächlich eine handfeste und üble Weltwirtschaftsdepression. Und das wäre dann durchaus eine Wiederholung der frühen 30er, bei gleicher Ursache, nämlich einer vorausgegangenen Bankenkrise. Von den Banken, durch die Banken, für die Banken. That’s it. Das kommt dabei raus, wenn man seine Großeltern vergisst und Banken erneut(!) dereguliert.


Anschauen lohnt auch (und gerade) heute noch.

Egal, ob wir das gut finden oder nicht, wir müssen verstehen, dass diese Welt nur durch Schulden funktioniert, Schulden im Vertrauen auf eine gute Zukunft. Im Vertrauen darauf, dass wir mit diesen Schulden unseren Kindern eine bessere Infrastruktur bauen, als wir selbst sie vorgefunden haben. Diese Infrastruktur (Hard- und Software, also sowohl Straßen als auch Bildung) ist dann nämlich ihr Vermögen, auf das sie wiederum solide ihre Hypothek aufnehmen können, um sie für ihre Kinder, also unsere Enkel, noch besser zu machen. All das aber wird in der aktuellen Vertrauenskrise zerstört. Wir sparen stattdessen die Zukunft unserer Kinder kaputt, wir machen unsere Kinder zu einer verlorenen Generation. Man kann dieses System nicht behalten wollen und zugleich seinen Motor ablehnen.

Wer Schulden ablehnt, muss das ganze System ablehnen. Wer aber stattdessen das System retten will, muss zuallererst die Quelle der Schulden, das Bankwesen, reformieren und strengstens regulieren, denn die Banken generieren Profit aus Schulden und das darf man nicht unreguliert zulassen, sonst gibt man ihnen einen unwiderstehlichen Anreiz, die Welt in den Ruin zu treiben. Dieser Anreiz muss weg, auch zum Schutz der Banken selbst. Nichts liegt heute klarer auf der Hand als das. Alles andere sind nur Scheindebatten und Pfuschereien an Symptomen.

Foto:
Deflation: Author: Brian Robert Marshall – This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

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