Fiat Pecuniam! – Teil 2

Von Rupert Talia

Teil 2: Die Basis des Systems ist Vertrauen

Am Ende kann man sehr leicht erkennen, worauf das Ganze im Kern wesentlich basiert: auf Vertrauen. Und man kann auch erkennen, warum Banken ein unmittelbares Geschäftsinteresse an Nichtregulierung (und/oder an einem Schatten- bzw. Casino-Bankenwesen) haben: Je mehr Kredite sie ausreichen können, desto größer ihr Profit durch Gebühren und Zinsen. Zumal sie das staatlich garantierte Oligopol auf den allseits nachgefragten Rohstoff „Geld“ haben (das vom Status her also durchaus mit dem Rohstoff „Trinkwasser“ vergleichbar wäre). Es sind zwar die Zentralbanken, die letztlich mithilfe ihrer Geld- bzw. Zinspolitik die zirkulierende Geldmenge steuern, weil die Banken sich selbst über diese Zentralbanken refinanzieren müssen.

Nein, das ist kein Bankster, das ist ja nur ein ein-armiger Bandit!

Aber wie viel umlaufendes Geld über Kredite tatsächlich in den Wirtschaftskreislauf (und leider auch ins Casino) gelangt, bestimmen letztlich de facto ganz allein die Banken (zumal auch die Zentralbanken nicht staatlich gelenkt werden, sondern unabhängig sind, jedenfalls der Theorie nach). Und im geschäftlichen Bankwesen bestimmen letztlich die Vorstände selbst (formal natürlich eigentlich die Aufsichtsräte) über ihr Bonifikationssystem, welches sie an den Bankenprofit gekoppelt haben, der letztlich im Wesentlichen wiederum von der Kreditschöpfung (also der Verschuldung anderer) abhängt.

Fehlanreize als eingebaute Systemkrankheit

Und genau darin liegen zugleich die wesentlichen und massiven Fehlanreize des Systems. Für manchen sind die obszönen Bonifikationen von Fuld[1] und Co. deshalb nichts anderes als das, was Geldfälscher tun: nämlich sich selbst Geld für die eigene Tasche zu drucken. Lehman ist als Bank letztlich an der deregulierten und infolgedessen betrügerisch aufgeblähten Vergabepraxis von Hypothekenkrediten zugrunde gegangen, während ihr Chef Fuld genau dadurch unermesslich reich wurde (legal, sagen die Verantwortlichen). Je mehr Kredite, desto mehr Profite – zumindest buchungstechnisch, denn AAA-Kredite sind ja für die Banken selbst wiederum todsichere Guthaben (ausfallsichere Forderungen), jedenfalls der Theorie nach. Und so kommen dann die Rating-Agenturen mit ins Bild.

Nur für so genannte Investment-Grade-Papiere (Status BBB und besser) brauchen Banken kein oder nur wenig Eigenkapital vorzuhalten, denn die Rückzahlung ist ja „garantiert risikolos„. Wobei diese Garantien wiederum von Privatfirmen attestiert werden, die ihre (selbstverständlich unverbindlichen) Zertifikate direkt an die Banken verkaufen, also von diesen genau dafür bezahlt werden und genau damit wiederum selbst Profit machen. Na ja, das sollte reichen, um sich klar zu machen, dass in „guten“ Zeiten die Fehlanreize nur so sprießen. Daher rührt auch das Zitat: „Die beste Art, eine Bank auszurauben, ist die, eine zu besitzen“. Das könnte man inzwischen ergänzen um: Die zweitbeste Art ist, eine Rating-Agentur zu besitzen.

Aus Schulden werden Schuldige: Produzenten oder Konsumenten?

Ja, der hier hat zwei Arme: Richard Fuld

Und wenn man dies erst einmal so sieht, dann kann man auch verstehen, warum sich einige sehr darüber aufregen, wenn derzeit ausschließlich von einer „Staatsschuldenkrise“ gesprochen wird. Die Staaten haben nur den Hebel der Banken, mit dem diese ihre Profite generierten (und dabei zugleich ihre Banker königlich entlohnten), auf sich selbst übernommen. Sie haben also das Risiko der rücksichtslos eigennützigen Kreditvergabe der Banker auf ihre Kappe (also unsere) genommen, weil eben dieser faule Hebel sonst die Banken vernichtet hätte. Das war notwendig, denn wir alle sind existenziell vom Bankwesen abhängig. Aber die Staaten haben danach grob fahrlässig versäumt, die Banken (deren Kerngeschäftsmodell in der Verschuldung anderer besteht) wesentlich schärfer zu kontrollieren und zu regulieren, die deshalb natürlich ihr gnadenloses Geschäft anschließend sofort wieder fortsetzten. Jetzt aber sind die Staaten (also wir) die Dummen, weil wir nur die Schulden der Banken halten, nicht aber die daraus generierten Profite und auch nicht die über diese Schulden finanzierten Realwerte, die jetzt wenigen Privatleuten (oder den Banken selbst, etwa in Form zwangsgeräumter Immobilien) gehören.

Man könnte das auch einen heimlichen Staatsstreich nennen, denn die Banken sind (direkt oder indirekt) zugleich die Gelderschaffer für die Staaten, und knechten jetzt diese (zusammen mit den Ratingriesen), nämlich mit eben genau jenem Schuldenhebel, den sie selbst zuvor rücksichtslos produziert haben, ihn aber nicht schultern mussten. Das mussten wir. Wir hätten ihnen also vielleicht doch nicht das Oligopol zur Gelderschaffung aus dem Nichts überlassen sollen, zumindest nicht so weitgehend und zugleich so großzügig unreguliert. Großzügigkeit ist nämlich gerade keine kapitalistische Kategorie, oder nur eine von geborenen Bankrotteuren, nämlich von uns. Da ist es kein Wunder, dass uns die Banker und Ratingriesen gerade verhöhnen, besonders die Griechen, aber nicht nur die.


[1] Ehemaliger CEO der Investmentbank Lehman Brothers

Fotos:
One-armed Bandit – Author: Joe Mabel – This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.
Richard S. Fuld – Source: http://flickr.com/photos/wricontest/369118382/   –  This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license

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