Als wäre man dabei gewesen

„Die Firmen sind beauftragt, zum Jahresende soll alles fertig sein.

In der Bergedorfer Zeitung findet sich heute ein Artikel von Stefan Huhndorf, in dem diese „Verkündung“ des Vorsitzenden des Haupt- und Planungsausschusses Hans-Joachim Delfs in einer Weise zitiert wird, als wäre der berichtende Stefan Huhndorf bei der Sitzung anwesend gewesen. Das war er nicht. Vermutlich hat Huhndorf also vor- oder hinterher mit Delfs gesprochen. Im Ausschuss klang Herr Delfs nämlich anders (nachdem er zunächst vergeblich Herrn Hinzmann animieren wollte, diese Mitteilung zu verkünden):

„Eine Rückfrage hat ergeben, dass sich im ehemaligen ALDI an der Buschkoppel etwas tut. Und zwar beginnt voraussichtlich in dieser Woche der Umbau. Es war ja immer die Frage, was tut sich in Schwarzenbek und wird da überhaupt etwas gemacht, nehmen die das überhaupt ernst?  Also, die haben das nicht nur gekauft, sondern fangen jetzt auch mit dem Umbau an.“

Hier geht es zum Artikel

Das war die Mitteilung. Und wenn Huhndorf gesprächsweise etwas anderes erfuhr, dann ist das in Ordnung, aber eben keine Verkündung. Außerdem frage ich mich gerade, auf welche Rückfrage Delfs anspielte. Hat er, oder hat Huhndorf bei den Chinesen angefragt? Wer tauscht hier welche Informationen mit wem aus? Lustig finde ich in dem Zusammenhang ja auch, dass Delfs sich angeblich darauf festlegte, dass bis zum Jahresende alles fertig sein soll, ein paar Zeilen später aber dahingehend zitiert wird, dass die Chinesen sich über Termine nicht äußern. Das ist doch putzig, oder? Über die Unvereinbarkeit von Zitaten habe ich übrigens auch persönlich mit Herrn Delfs gesprochen. Laut Bergedorfer Zeitung soll er ja vor zwei Jahren noch von der Geschwindigkeit der Chinesen gesprochen haben (wofür übrigens ja auch das Rekordtempo der Entstehung des Handelszentrums in Haimen spräche), während er heute mit der Langsamkeit derselben aufwartet: „Die Chinesen haben vor allem viel Zeit“. „Sie sind doch ein intelligenter Mensch“, habe ich zu ihm gesagt, „der Widerspruch fällt Ihnen doch auf!“

Na ja, und da hat Herr Delfs gesagt, dass das damals in der Presse nicht richtig dargestellt wurde. Er habe gesagt und gemeint, dass Schwarzenbek sich beeilen sollte, die Voraussetzungen zu schaffen, damit der Zug nicht an uns vorbeirolle. Er wollte nicht riskieren, dass man am Ende selbst verantwortlich wäre, wenn das Geschäft woanders getätigt würde. Über die Geschwindigkeit der Chinesen habe er sich nicht geäußert. Die hätten wirklich Zeit, da ginge alles langsamer, so wie er das jetzt auch sagte (und zur Abwechslung richtig zitiert wurde?). So, und wenn wir das jetzt wissen, dann wissen wir vielleicht auch, was wir von den Zitaten in der BZ zu halten haben.

Ich habe Herrn Delfs bei der Gelegenheit übrigens auch auf den Ältestenrat angesprochen und die Meldung in eben der erwähnten Zeitung, dass man sich dort nicht habe verständigen können, wer mit nach China reise, weshalb die kurzfristige Sitzung des Hauptausschusses erforderlich geworden sei. Nein, das sei auch nicht so, wehrte Delfs ab. Der Hauptausschuss hätte in jedem Fall tagen müssen, im Ältestenrat habe man das nur vorab einmal angesprochen. War also offenbar wieder falsch zitiert. Ist halt Pech.

Und es geht noch um ein weiteres Zitat:

„Da es sich um die offizielle Einladung unserer Partnerstadt und um die eines privaten Unternehmers handelt, werden wir die Reisekosten tragen. Sie kommen aus dem Etat der Wirtschaftsförderung, da es schließlich um die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Haimen und Schwarzenbek geht.“

Nur einmal interessehalber, wie andere das handhaben...

Wird schon richtig zitiert sein, hoffe ich zumindest, aber in meinem Gespräch klang auch das anders. Da legte Herr Delfs besonderen Wert darauf, dass es sich eben gerade nicht um die Einladung eines privaten Investors, sondern um die der Partnerstadt handele, weshalb man die Kosten auch über die Stadt abwickeln könne bzw. dürfe. Oder müsse, so klar war das dann doch wieder nicht. Jedenfalls ist das ein zwar kleiner, aber feiner Unterschied, finden Sie nicht? Abgesehen davon hätten wir natürlich gerne auch noch von der Frage des Huhndorf gelesen, seit wann es denn eine offizielle Partnerschaft gibt und ob eine solche nicht von der Stadtverordnetenversammlung hätte beschlossen werden müssen? Auch die Aussage, die Kosten über die Marketing GmbH abrechnen zu wollen, hätte die eine oder andere Rückfrage erlaubt, meine ich, aber das scheint über die Absprache hinauszugehen, die Sitzungsinhalte vom Vorsitzenden geliefert zu bekommen, wenn man mal nicht selbst erscheint. Nein, halt, ich weiß nichts von einer solchen Verabredung, aber kann mir nicht helfen, dass es danach aussieht.

Jetzt noch 8 zusammenhängende Tickets finden? Und das für 5.200€? In diesem Beispiel kämen über 30.000€ zusammen!

Erstaunlich finde ich ja auch, dass Herr Delfs die Kosten laut Huhndorf auf 5.200 € schätzt. Teilen Sie das mal durch acht! Was ist denn das für eine Schätzung? Also, wenn er jetzt auf 5.243,20€ geschätzt hätte, dann wäre ich mir sicher, die Kosten stünden bereits fest und der Blogfan Nr. 1 hätte mit seinem Kommentar womöglich recht, dass die Tickets längst geordert wurden. Wenn Sie es mal spaßeshalber versuchen wollen, ist es auch gar nicht so leicht, jetzt noch acht zusammenhängende Tickets zu bekommen. Und noch steht ja angeblich nicht fest, wer überhaupt fliegt! Okay, bei Herrn Huhndorf schon, da sind neben Ruppert, Beckmann und Warmer „Politiker aller Parteien“ dabei. Herr Delfs ermahnte mich noch vorgestern Abend, ich solle keinesfalls schreiben, dass die Parteien mitführen, denn es wäre lediglich die Möglichkeit geschaffen worden. Ob und wer am Ende mitflöge, stehe noch gar nicht fest. Schau an, dachte ich, werde ich doch mal nachfragen. Bisheriges Ergebnis: Laut Hildebrandt (FDP) und Heitmann (FWS) werden diese beiden Parteien niemanden entsenden. CDU und SPD sehen das anders und die Fraktion Grüne hat mich ja durch deren Vorsitzenden schon einmal wissen lassen, dass man grundsätzlich keine Auskünfte gebe. Daher frage ich die auch gar nicht mehr, bringt ja nichts. Aber Herrn Delfs frage ich beim nächsten Mal erneut und spiele dann wieder Memory mit der BZ. Ist irgendwie spannend. Und erheiternd.

5 Responses to Als wäre man dabei gewesen

  1. Blogfan Nr. 1 says:

    Genau auf dieser Ticketrecherche basiert ja meine Vermutung. Laut besagtem BZ-Artikel („Rückkehr am 25.10.“) müsste das ganze aber noch einmal um eine ganze Woche vorgezogen werden. Und da hätte ich folgende Verbindung anzubieten (Quelle: http://www.flug24.de)

    Sie haben gesucht nach
    Hamburg , Deutschland – Shanghai , China
    Di. 18 Oktober 2011 – Di. 25 Oktober 2011 | 8 Erwachsene

    Flugtarif: Economy
    Personen Preis Steuern Flugpreis
    1. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    2. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    3. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    4. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    5. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    6. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    7. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €
    8. Erwachsener 5.039,00 € 460,50 € 5.499,50 €

    Zwischensumme inkl. Ticket-Flex:
    44.186,72 €
    Reiseschutz für alle Reisenden:
    2.419,76 €
    Wir haben für Sie einen Reiseschutz hinzugefügt. Auf Wunsch können Sie die Reiseschutzoption unten löschen.

    Insofern hätte Tricky-Charly mit seinen geschätzten 5.200 € gar nicht so unrecht – nur halt pro Person gerechnet…

    • Anonym says:

      Ich möchte jetzt mal nicht die hier so oft kritisierten Zeitungen für ihre Rechercheleistung schelten, sondern Blogfan Nr. 1.
      Die errrechneten knapp 50000 Euro für eine (Hin-)Flug nach Shanghai (?) kamen mir angesichts diverser Pauschalreiseangebote nach China in den Prospekten der Discounter sehr hoch vor. Ich habe in einem anderen Portal (opodo.de) die Flugdaten eingegeben, um komme zu einem Flugpreis mit Emirates für Hin- und Rückflug von 534,27 Euro pro Person – allerdings ohne Reiserücktrittsversicherung, die ich jedoch für 29,38 Euro auch noch abschließen könnte.
      Da mir dieser Preisunterschied mehr als seltsam vorkam, habe ich auch in dem von Blogfan Nr. 1 verwendeten Flugportal nachgeschaut – und würde fündig: Er fliegt offenbar immer Business-Class, denn in dieser luxuriösen Klasse stimmt der von ihm ermittelte Preis.
      Nun darf der Leser selber entscheiden, was bösartiger ist: Unseren Kommunalpolitikern zu unterstellen, sie würden liebend gerne Steuergelder in der Luxusklasse verbraten – oder sie wie ich für mehr als zehn Flugstunden in die engen Sitze der Economy-Class zu pferchen …

      • Blogfan Nr. 1 says:

        Au, das war aber jetzt echt gemein (grins!)

        Aber lieber Anonym, es geht in erster Linie doch gar nicht um die tatsächlichen Reisekosten, die mir, nebenbei gesagt, so etwas von scheißegal wären – wenn nur sichergestellt ist, dass jeder Reiseteilnehmer selbst für die Kosten aufkommt.

        Was allerdings das Verbraten von Steuergeldern angeht…wenn einige unserer Kommunalpolitiker so könnten, wie sie wollten (ungeachtet der Haushaltslage), ist die Einschätzung gar nicht so unrealistisch. Sie müssen es auch so sehen: Für den sehnlichst erwarteten und direkt bevorstehenden Abschluss des Millionendeals mit der Volksrepublik China, der Schwarzenbek ins Siglo de Oro führen wird, sähe es doch reichlich komisch aus, wenn die Abgesandten in der Furzklasse von Emirates anreisen würden…

        Ich würde übrigens weder das eine noch das andere tun, sondern unsere Touris zur nächsten A24-Auffahrt karren, sie dort aussetzen und ihnen empfehlen, den Daumen in Richtung Osten zu strecken – das käme wirklich billig (und jetzt dürfen Sie mich auch WIRKLICH bösartig nennen).

  2. nicoquast says:

    Dass, nach der BZ, Politiker aller Parteien mitfliegen sollen, zeugt von einer Recherche-Schwäche. Aber auch die anderen, von dir aufgezeigten, Beispiele bzw. Ungereimtheiten lassen dieses vermuten. Nachfragen ist das A und O. Pressemitteilungen – und 4-Augen-Gespräche haben einen solchen Mitteilungsduktus ebenfalls inne – einfach abzutippen, ist ungenaues, gutgläubiges, sicher auch naives Handeln. Im boshaftesten Falle ist es eine bewusste – im Sinne der Politik – interessengeleitete Berichterstattung. Boshaft deshalb, weil die vierte Gewalt zu einem lahmen Arm verkommt und so die Aufgaben nicht mehr erfüllt, die es zu erfüllen hat.
    Schade.

  3. Ein interessierter Bürger says:

    War die Presse überhaupt mal zugegen? Wie oft war es schon, dass Lübecker Nachrichten, Bergedorfer Zeitung, Wochenendanzeiger über das gleiche Ereignis unterschiedlich berichtet haben? Nehmen wir alleine den letzten Besuch der Chinesen in Schwarzenbek. In allen drei Zeitungen stand hierzu ein Bericht. Die einzige Übereinstimmung der Berichte bestand darin, dass aus Haimen Chinesen in Schwarzenbek waren. Wenn man keine Ahnung hat, und auch nicht dabei war, sollte man meiner Meinung nach die Berichterstattung sein lassen.
    Ich kann verstehen, dass die Bürger der Stadt Schwarzenbek, bei größeren Vorhaben nicht gerade in Euphorie verfallen. Zu viele Vorhaben (A21-Verlängerung, Hotel mit Schwimmbad, Kaufhaus….) sind bereits in der Planungsphase gescheitert. Trotzdem haben die Bürger es verdient, Tatsachen in der Zeitung zu lesen, und nicht das, was sich ein Journalist vorstellt, wie etwas gewesen sein könnte. Dann mögen diese doch bitte sich an Märchenbücher versuchen und nicht als Journalisten.
    Ein interessierter Bürger

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