Die Delfsche Relativität

Wir erinnern uns, wie die Vielbeschäftigten Delfs und Siepert, als es um die Frage ging, ob man nicht wegen des Raumnutzungskonzeptes noch eine Stadtverordnetenversammlung zwischen September und Dezember einschieben könnte, den Terminplan bemühten. Delfs unkte von Zufallsmehrheiten, die keiner wolle und Siepert, obschon „keine Führungskraft“, konnte seinem überstrapazierten Kalender auch keinen Termin mehr zuordnen. Wie schön, dass man diesem aber kurzfristig nicht nur die morgige Feierstunde zum 50. Jahrestag der Verleihung des Europapreises zufügen konnte. Nein, auch eilig einberufene Ein-Themen-Ausschüsse sind gar kein Problem. So konnte am vergangenen Dienstag ein Hochgeschwindigkeitsausschuss stattfinden, in dem der Chef der Schwarzenbeker U-Boot-Flotte, Major a.D. Delfs zackig durch das Programm führte (man hatte schließlich noch andere Termine!).

Rohre 1 bis 4 bewässern!

Eberhard Schröder von der FWS fand noch gerade Zeit, die Niederschrift zu bemängeln, denn entgegen der Zusage war eben nicht ins Protokoll mit aufgenommen worden, dass er es für ein Unding hält, wenn die zukünftigen Bewohner der Brüggemannschen Koppel hinsichtlich der Abwassergebühren in Zahler und Nichtzahler aufgeteilt würden. Wenigstens müsse die Satzung überprüft werden, hatte Schröder bei der letzten Sitzung angemahnt und zufällig stand es nicht im Protokoll. Das werde man jetzt nachholen, versicherte der Vorsitzende, um dann durch die B-Plan-Änderungen zu rasen. Und das ging Knall auf Fall, es gab nicht eine Wortmeldung und jede Abstimmung lief einstimmig ab. So soll das kommunalpolitisch sein. Und wenn es z.B. auch um eine wichtige Änderung des B-Plans 55 ging, wonach im Lupus-Park nun doch der Ausschluss von Unterhaltuingselektronik, Computer sowie Elektrohaushaltswaren gestrichen werden soll, so reicht den Ausschussmitgliedern offenbar eine Stellungnahme der Wirtschaftlichen Vereinigung vom 19. September, wonach man sich einer „textlichen Änderung (..) nicht entgegenstellen“ werde. Selbstverständlich verhält es sich nicht etwa so, als wären alle Gewerbetreibenden auch Mitglied der WVS und natürlich handelt es sich dabei nicht etwa um eine gewählte Institution, auch nicht um einen Beirat oder so etwas Ähnliches. Ich will hier auf keinen Fall die WVS schmähen, die – nicht zuletzt im Eigeninteresse – tatsächlich auch viel für Schwarzenbek tut. Aber vielleicht kann man auch zwei takte länger darüber nachdenken, ob man nicht die eigene Innenstadtgestaltung mit Füßen tritt, wenn man jetzt dafür sorgt, dass so etwas wie Saturn, Media-Markt oder Medi-Max im Lupus-Park Einzug hält.

Mündungsklappen auf!

Der am vergangenen Wochenende stattgefundene Bauernmarkt – auch von der WVS u.a. mit einem verkaufsoffenen Sonntag unterstützt und ein großes Event für Schwarzenbek – erbrachte dem Blog auch interessante Gespräche mit Gewerbetreibenden in der Stadt. Die sehen sehr wohl die Gefahr, dass für jeden Arbeitsplatz, der im Lupus-Park entsteht, in der Innenstadt einer entfällt. Vier bis sechs Geschäfte wären gar in ihrer Existenz bedroht, wenn und sobald ein großer Markt außerhalb der Innenstadt entstünde. Neben den wirtschaftlichen Aspekten sind solche Entscheidungen also durchaus geeignet, die Innenstadt weiter zu veröden. Den meisten Stadtverordneten scheint aber zu genügen, dass die WVS nicht widerspricht. Und zum Fortgang der Geschichte scheint auch der Hauptausschuss-Beschluss auszureichen. Die Nachfrage von Herrn Schröder (der übrigens nicht Mitglied dieses Ausschusses ist!), ob die Entscheidung denn nun Zeit habe bis zur nächsten Versammlung der Stadtvertreter am 3. Dezember, beschied Herr Delfs jedenfalls mit der Beruhigung, alle Planer und Antragssteller wüssten ja nun um die einstimmige Zustimmung des Hauptausschusses. „Wir müssen ja auch nun erst einmal unsere Hausaufgaben machen“, stellte Delfs fest und es mutet schon seltsam an, dass man die Hausaufgaben erst nach dem Beschluss zu machen gedenkt. „Wir waren auch schon mal schneller“, moserte Schröder, woraufhin nicht nur Delfs widersprach. „Das Baugenehmigungsverfahren kann parallel laufen“, sekundierte der Bauamtsleiter. „Darum geht es mir doch“, setzte Schröder nach, „ich kritisiere doch, dass die nächste Stadtverordnetenversammlung erst am 03.12. stattfinden soll“. „Dafür“, so der  nicht minder überraschende Schlusssatz des Herrn Delfs, „sei der Haupt- und Planungsausschuss nicht zuständig“. Und damit war er dann auch nach kaum 15 Minuten vollbracht.

Feuer!

Heute findet übrigens bereits die nächste Sitzung statt und auch diese wurde wie selbstverständlich kurzfristig einberufen und hat nur einen einzigen Tagesordnungspunkt (der Rest sind ständige Punkte): „Einladung aus Haimen (China)“. Wir erinnern uns, dass der Investor Zhu vor relativ kurzer Zeit, nämlich im Oktober 2010, den Besuchern aus Schwarzenbek ein Modell seines geplanten Zentrums in Haimen vorführte. Vielleicht erinnern sich auch einige LeserInnen daran, dass insbesondere die chinesische Geschwindigkeit demHerrn Delfs Respekt einflößte. Damals hieß es im Gelben Blatt:

»Bei den Chinesen geht alles sehr schnell, da werden wir ebenfalls sehr schnell Freiflächen für Gewerbe finden müssen. Das schaffen wir, da bin ich sehr zuversichtlich«

Und tatsächlich ist das Ding bereits fertig, jedenfalls so gut wie. Und nun hat Herr Zhu eingeladen und zwar neben seinem Freund Thiede aus Lauenburg auch die Schwarzenbeker. Tja, aber wen? Wer soll nun fahren? Und sollte man sich überhaupt diese Kosten antun, wo doch die chinesische Geschwindigkeit in Schwarzenbek sehr zu wünschen übrig lässt. Bekanntlich hat man hier gerade einmal den ehemaligen Aldi-Markt erworben, in dem dann aber auch nach Monaten noch kein Handschlag erfolgte, weil angeblich die Gattin des Zhu die angeblich existierenden Pläne verwarf, nachdem sie feststellen musste, dass die nicht nach Feng-Shui ausgerichtet waren. Wer hätte je von erfolgreichen Investoren gehört, die auf solchen Pipikram setzten bzw. dafür so viel Zeit vergeudeten? Aber heute klingt das alles auf einmal anders: „Die Chinesen haben vor allem eins: Zeit“ (Bergedorfer Zeitung). Und das weiß auch der Große Vorsitzende Delfs zu berichten:

„Die Chinesen haben vor allem viel Zeit. Das ist eine andere Mentalität.“

Treffer, versenkt!

Wir stellen also fest: Zeit und Wahrheit sind relativ und werden je nach Bedarf gekrümmt. Bleiben nur noch zwei Fragen: Wer fährt nach China mit und wer bezahlt den Kokolores, als der sich das am Ende vermutlich herausstellen wird. Mich würde jedenfalls nicht wundern, wenn der Aldi-Markt nur eine der unzähligen chinesischen Gebäude-Investments in Deutschland und das Handelszentrum Illusion bliebe. Bei Fette, so las man in der Zeitung, kenne man den Investor jedenfalls bis heute nicht.

Zwei abschließende Petitessen:

  1. „Im Ältestenrat (Ausschussvorsitzende, Bürgervorsteher, Bürgermeister) konnte noch keine Entscheidung erzielt werden, wer nach China fliegt“ (BZ). Wieso eigentlich da? Dieses Gremium existiert in der Gemeindeordnung nicht und selbst nach Geschäftsordnung hat es den Bürgervorsteher lediglich in Fragen der Sitzungsordnung zu unterstützen („unterstützt bei der Führung der Geschäfte“). Weder dürfen dort geheime Debatten, noch geheime Beschlüsse (herbei-)geführt werden.
  2. Nachdem man sich dort nicht einigen konnte, musste also auf die Schnelle eine Sitzung des HAPL her, wo man nun debattieren und entscheiden will. Selbstverständlich gedenkt man dieses nicht-öffentlich zu tun. Mit welcher Begrünndung eigentlich? Und wieso darf der Hauptausschuss das eigentlich entscheiden?

Aber das ist in Schwarzenbek sowieso alles egal. Selbst die Städtefreundschaft mit Haimen und das Investitionsabkommen wurden ja irgendwo entschieden und beschlossen, nur nicht in der Stadtverordnetenversammlung. Die ist nur Staffage, ähnlich wie die Volkskammer in Peking. Unsere chinesischen Freunde und wir, das scheint eine gegenseitig befruchtende Partnerschaft zu sein.

One Response to Die Delfsche Relativität

  1. Blogfan Nr. 1 says:

    Die Ansiedelung eines Elektro-Fachmarktes (es soll sich ja um Medimaxx handeln) klingt im ersten Moment nicht wie die allerblödeste Idee. Bei gründlichem Nachdenken ergeben sich aber einige Haken:

    1. Wie unser Blogbetreiber richtig dargestellt hat, müsste der Markt in der Innenstadt angesiedelt werden – stellt sich nur die Frage, wo. Das einzige Gebäude, das die raum- und parkplatztechnischen Voraussetzungen in etwa erfüllen würde, ist SKY, und es liegt wohl niemandem daran, das gerade einmal ein Jahr alte Center-Projekt wieder aufzulösen.

    2. Wozu eine abgespeckte Version in Schwarzenbek, wenn man lediglich zwanzig Bahnminuten vom größten SATURN-Standort Europas und zehn Minuten von der Außenstelle in Bergedorf entfernt ist? Man nimmt ja schließlich auch für andere Branchen (z. B. IKEA, Garten-Center, McDonalds), die aus rein wirtschaftlicher Erwägung nicht in unsere Stadt passen, kleinere Fahrtwege in Kauf.

    Rein konzeptionell schließt sich ein anderer Standort als der Lupuspark aus, aber um mich dafür zu erwärmen, müsste (neben einer erfolgreichen Lösung für die leidige Jugendtreff-Frage) auf längere Sicht mit der Lauenburger Straße Nägel mit Köpfen gemacht werden; d. h. schrittweise Umwandlung der Einkaufsmeile in eine verkehrsberuhigte Wohnzone. Die Sorgen der Betreiber, dass eine weitere Aufforstung des Lupusparkes Arbeitsplätze gefährdet, ist begründet, aber ganz ehrlich? Das ist doch bereits jetzt der Fall. Friseure, Billig-Textilläden, Schuhanbieter – ohne annähernd ausreichende Parkmöglichkeiten und derart unattraktiv, dass am Wochenende spätestens ab Samstagmittag tote Hose herrscht.

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