Fiat Pecuniam! – Es werde Geld!

Von Rupert Talia

Einleitung

Der Herr hat's gegeben...?

Fast alles braucht Geld, weil fast alles Geld kostet. Und nicht selten mehr, als wir haben. Dann leihen wir uns etwas, d.h. wir finanzieren, wir beschaffen uns das nötige Geld über einen Kredit. Aber wo kommt dieses Geld her, wie entsteht es? Leider lernen wir ausgerechnet darüber nichts in der Schule, obwohl es uns alle zeitlebens betrifft.

Diese Artikelserie will in 5 Teilen versuchen, die tatsächlich komplexen Strukturen auf das Prinzip zu reduzieren. Dadurch vereinfacht sie, verfälscht jedoch keineswegs. Die so genannte Expertensprache dient häufig nur dem Zweck, einfache Vorgänge möglichst undurchsichtig zu machen. Dieser Text ist hoffentlich geeignet, den Nicht-Experten a) die Angst zu nehmen, sich auf das Thema einzulassen und b) eine Grundlage zu liefern, sich eingehender damit zu befassen. Am Ende werden die Leserinnen und Leser hoffentlich feststellen, dass man kein Genie sein muss, um die Geldwerdung und ihre Tücken zu verstehen. Ein bisschen kompliziert ist es schon, aber die Grundlagen kann man (überspitzt) auch sehr einfach formulieren.

Teil 1: Die Herkunft des Geldes

Der Rohstoff „Geld“ kommt durch Schulden in die Welt. Es ist allerdings besser, hier zunächst von „Kredit“ zu sprechen. Jemand hat eine Geschäftsidee oder will ein Haus kaufen? Dann braucht er (zumeist) einen Kredit. Das ist Aufgabe der Banken, die prüfen zuvor die Kreditwürdigkeit, was nichts anderes bedeutet als eine Prüfung, ob der Kreditnehmer vertrauenswürdig genug ist, in einem festgelegten Zeitrahmen den Kredit zurück zu zahlen. Zuzüglich Zinsen, deren Funktion zweischneidig ist. Zum einen muss die reguläre Inflation berücksichtigt werden, sonst würde immer die Bank drauf zahlen und hätte kein Geschäftsmodell. Zum anderen bleibt immer ein Risiko, denn keiner kann die Zukunft kennen. Das potenzielle Ausfallrisiko des Kredits wird in die Zinsen mit eingepreist (ähnlich wie bei Prämien von Versicherungen), je größer das Risiko, desto höher die Zinsen. Auch das muss sein, denn sonst hätten die Banken wiederum kein Geschäftsmodell, weil sie ja etwaige Kreditausfälle tragen müssen.

Hat die Bank dann die Kreditwürdigkeit positiv beurteilt, dann drückt sie (vereinfacht) auf den Knopf und schwupp, erscheint auf dem Konto des Kreditnehmers sein neues Guthaben, das er für seine Investitionen frei verwenden kann. Und damit ist neues, frisches Geld in den Kreislauf gelangt, aus dem Nichts, auf Knopfdruck. Im Vertrauen darauf, dass derjenige, dem der Kredit gewährt wurde, diesen nebst Zinsen in der ungewissen Zukunft zurückzahlen wird. Sehr vereinfacht, aber im Grunde ist es das schon. Das Ganze nennt sich Fiatgeld und basiert auf (fast) nichts als Vertrauen in die Zukunft. Fiatgeld: Es werde Geld – und es ward Geld. Es braucht nur jemanden, der es haben will und eine lizenzierte Bank, die es für ihn ganz legal erschafft. Es werde Licht – und es ward Licht.

"Geld zeucht die Welt. Das Welt verruchte und Teuffelsverfluchte Gold und Teuffelswerck"

Nun könnte man kritisch weiterdenken und meinen, dass Geld auf diese Weise unbegrenzt zur Verfügung stünde. Das tut es natürlich nicht, denn dann wäre es überhaupt nichts wert. Die Kapazität der Banken, aus dem Nichts neuen Kredit und damit frisches Geld zu generieren, ist regulativ begrenzt (und muss dies auch sein). Diese Regulation beruht im Prinzip auf Erfahrungswerten, nämlich darauf, wie viele der (ordentlich) geschöpften Kredite im Normalfall voraussichtlich notleidend werden. Der Verlust nämlich geht zu Lasten der Bank, die genau hierfür einen eigenen Kapitalstock vorhalten muss. Als Sicherheit, um nicht selbst an faulen Krediten pleite zu gehen. Der Kreditnehmer zahlt ja nicht selbst seine Geschäftspartner, sondern lässt in der Regel seine Bank mittels Überweisung zahlen. Und dabei materialisieren sich auf der anderen Seite des Kreditgeschäfts irgendwann ganz reale Dinge in der realen Welt, nämlich Häuser, Fabriken, Autos etc. pp. Das geht nur, wenn die Bank selbst solide und gesund ist, also Ausfälle wegstecken kann und sich nicht übernimmt.

Je nach Regularien kann eine Bank beispielsweise (rein illustrativ) auf der Basis von 1.000 € Eigenkapital insgesamt 10.000 € Kredit „schöpfen“ und vergeben, wenn etwa die Annahme vorherrscht, dass durchschnittlich 10% der Kredite ausfallen und nicht zurückgezahlt werden. Aus ihren eigenen 1.000 € erschafft die Bank so ein Vielfaches (in der Realität bis zum Fünfzigfachen) an Kreditgeld, aus dem Nichts heraus, einfach im Vertrauen auf eine gute Zukunft. Und sobald ein Kredit vollständig zurückgezahlt wird, verschwindet das erschaffene „Geld“ wieder im Nichts und der Kreislauf schließt sich. Der Profit der Banken ergibt sich dabei wesentlich aus der Güte des Risikomanagements und der richtigen Zinsgestaltung, woraus sich das grundlegende Geschäftsmodell der Kreditbanken (vereinfacht) zusammensetzt.

Nebenaspekt: Wie wird aus Geld eine Währung?

Ein Nebenaspekt ist vielleicht noch interessant, der sich auf die konkrete „Währung“ bezieht. Denn das oben umrissene Prinzip kann man grundsätzlich mit allem Möglichen gestalten, das müssen nicht Geldscheine und -münzen sein, sondern könnte durch irgendwelche Papiere oder was auch immer repräsentiert werden. Die Währung, in der das wirtschaftliche Geschehen abgewickelt wird, setzt der Staat im Prinzip sehr einfach durch, indem er nämlich von allen Beteiligten gleichermaßen verlangt, ihre Steuerschuld in eben dieser Währung, hier Euro, zu begleichen, worauf sich alle gleichermaßen verlassen können, die Bank, der Investor und dessen Zulieferer oder Handelspartner, jeder. Und eigentlich nur deshalb, weil man sich eben genau darauf verlassen kann, der Staat also nicht plötzlich Steuern in Form von Gold verlangt, akzeptiert jeder „Euro“ und das System funktioniert.

– Fortsetzung folgt im zweiten Teil –

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