Katzenjammer Kids

Hans und Fritz, die "Katzenjammer Kids"

Der Freude über den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, den Jugendtreff sofort umziehen zu lassen, folgte in der gestrigen Sitzung des Schwarzenbeker Kinder- und Jugendbeirates unter Leitung von Femke Johannsen schon bald ein ernüchternder Kater. Der Stadtjugendpfleger Norbert Lütjens eröffnete den desillusionierten „Kids“, dass der auf 250.000€ gedeckelte Etat mit großer Wahrscheinlichkeit nicht einmal für alle gewünschten und  erforderlichen baulichen Veränderungen ausreichen werde. Auch der als Besucher anwesende Finanzausschussvorsitzende Helge Harms (SPD) konnte den Jugendlichen keinerlei Hoffnungen auf weitere Gelder machen. Er sehe „keinen Hoffnungsstreifen“, sei vielmehr „froh, wenn der Bürgermeister die 250.000€ zusammen bekommt“, aber auch daran machte er vorsorglich ein Fragezeichen.

Not amused: Harms

Schon vor Beginn der Sitzung war Harms mit den 5 erschienenen Jugendlichen im Gespräch und zeigte sich noch immer verärgert und verständnislos, warum man nicht wenigstens abwarten wollte, ob die von ihm angedachte Förderung einer Sanierung des Gebäudes Am Markt 6 als „ortsprägender Bau“ über die Aktivregion Sachsenwald-Elbe möglich sei. Darauf angesprochen, dass der Vorsitzende des Haupt- und Planungsausschusses, Hans-Joachim Delfs, solche Möglichkeit für eher unwahrscheinlich, wenn nicht ausgeschlossen erachte, zürnte Harms: „Ich bin doch nicht blöd und gehe mit so einer Sache ohne Rückversicherung in die Stadtverordnetenversammlung“. Den Jugendlichen rechnete er jedenfalls noch einmal vor, wie mit 250.000€ Eigenkapital durch die  Förderung von 55 % eine Gesamtinvestitionssumme von 555.000€ hätte resultieren können. Mit dieser Information im Kopf mussten die engagierten Nachwuchspolitiker/innen sichtbar schlucken, als ihnen der Jugendpfleger später von der „ernüchternden“ Begehung der neuen Örtlichkeiten berichtete. Die Vorkalkulation müsse nun verifiziert werden, bevor ein Antrag auf Fördermittel aus Kreis und Land gestellt werden könne. Allerdings habe auch er nicht damit gerechnet, wie teuer allein die Einhaltung aller gesetzlichen Schutzvorschriften kommen werde. So sei zum Beispiel in dem vorgesehenen Werkraum der Fliesenboden komplett auszutauschen und solche Maßnahmen wären sehr kostenintensiv. Die „gute Botschaft“, so Lütjens: „Alle wollen. Alle sind sehr bemüht, das beste Ergebnis zu erzielen“.

Trotzte den Aussichten mit sympathischer Versammlungsleitung und strahlendem Optimismus: Femke Johannsen

Darauf angesprochen, ob denn der Eindruck, welcher in der Sitzung der Satdtvertreter entstanden war, als ob in dem bestehenden Gebäude angemessene Jugendarbeit zu keiner Zeit möglich gewesen wäre, wehrte Lütjens ab: Er schaue nicht nach hinten, habe aber bereits bei seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass moderne und erfolgreiche Jugendarbeit zukünftig unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich sei. Insofern hätte auch in dem bestehenden Gebäude umfangreich investiert werden müssen und das sei allen Beteiligten klar gewesen. Er sei jedenfalls unter dieser Prämisse angetreten. „Ich musste ja auch nicht kommen“, ließ er zwischen den Zeilen erkennen, wie frustrierend die jetzige Situation für ihn sein muss. Man beschloss, eine Liste aufzustellen, was aus Sicht des Kinder- und Jugendbeirats notwendig ist. Harms mahnte zur Eile, denn in zwei bis drei Wochen gäbe es vermutlich bereits einen ersten Entwurf für die Haushaltsplanung. Er erinnerte daran, dass man Anfang Dezember einen Doppelhaushalt für die Jahre 2012 und 2013 aufstellen wolle und verkündete unheilschwer, „wenn erst einmal alle Zahlen auf dem Tisch liegen, wird von allen Seiten Zeter und Mordio geschrien werden“. Auf die Frage der Versammlungsleiterin, ob die Kommunalaufsicht vielleicht zustimmen würde, wenn aus dem Verkauf der Liegenschaften am Markt doch noch ein Betrag für den Umzug bzw. die Ausgestaltung abgezwackt würde, wusste niemand so recht Antwort.

Bleibt also abzuwarten, ob die Stadtverordneten, denen die gute Unterbringung des Jugendtreffs und das neue Konzept der Jugendarbeit angeblich am wichtigsten sind, nach erfolgreicher Verdrängung vom Markt auch weiterhin dafür streiten werden. Wenn laut rot-schwarzer Koalition die Finanzierung des Umzuges auch mit Mitteln aus den geplanten Verkäufen des Ensembles am alten Markt sowie des alten Bauhofs möglich gewesen wäre und man nun ersatzweise Haushaltsausgabenreste zusammenkratze, dann dürfte ja auch zukünftig wenigstens ein Teil der zu erwartenden Erlöse für die bedarfsgerechte Ausstattung verwendet werden. Dann wird sich ja weisen, ob es nicht doch vorrangig darum ging, die Gebäude leer zu bekommen, damit man nach einer kurzen Zeit des Leerstands gezwungen sein wird, abzureißen, zu sanieren und das Filetgrundstück anschließend besenrein zu verscherbeln. Den Erlös aus dem Verkauf eines Objektes, welches man für über 600.000€ einst erwarb, hatte man offensichtlich ganz früh schon drangegeben. Zahlen werden ohnehin nur gewürfelt. Der Verkauf sollte (und soll immer noch!) den Betrag von 350.000€ nicht unterschreiten und ursprünglich hatte man diese Summe auch für den Umzug vorgesehen. Der muss doch auch vorher sachgerecht, nötig und sparsam gewesen sein!? Diese Zahl wurde dann offenbar gedeckelt, weil man nun nicht mehr mit den Liegenschaften in der Stadtmitte, sondern nur noch mit dem alten Bauhof rechnete und für den scheinen nicht mehr als 250.000€ Erlös möglich. Irgendwie scheint man auch bereits zu ahnen, dass man für das Innenstadtgrundstück deutlich weniger erhalten wird. Die Summe von 350.000€ bezieht sich ja auch auf Verkauf mit Gebäudebestand. Honi soit qui mal y pense. Die Jugendlichen jedenfalls scheinen über den Tisch gezogen worden zu sein und müssen insofern Lehrgeld zahlen, als sie viel zu schnell für den Umzug votierten, als sich auf die Ausstattung – und nur auf die Ausstattung! – zu kaprizieren.

Sahen ihren Erfolg relativiert, als die Herren Lütjens und Harms die Lage referierten: Janssen, Johannsen, Siroschenko (v.l.n.r.)

Wer das als Kritik am SKJB liest, täuscht sich. Die Stadt darf sich glücklich schätzen, dass es junge Menschen gibt, die ihre Freizeit (und die ist geringer als man denkt), dafür einsetzen, sich einzusetzen. Den anwesenden Femke Johannsen, Gideon Henkelmann, Shawnee Janssen, Sergej Siroschenko und Maike Schäfer sowie allen anderen Mitstreiter/innen unter Vorsitz des gestern verhinderten Melf Johannsen gebührt aller Respekt. Es ist ja auch nicht etwa so, als wäre der Beirat in bestehende Strukturen hineingewählt. Die Schwarzenbeker Kinder und Jugendlichen leisten, zumindest was den Kreis angeht, Pionierarbeit. Da ist man auf Rat und Tat angewiesen und woher sollen die Kids die Erfahrung nehmen, welcher Rat vielleicht vergiftet sein könnte? An diesem Wochenende findet von heute bis Sonntag ein Treffen der Jugendbeiräte Schleswig-Holsteins in Lütjensee statt und dort könnte man sicher Erfahrungen austauschen und tatsächlich uneigennützigen Rat erhalten. Aber würden Sie, würden unsere kommunalen Politiker/innen ein gesamtes Wochenende incl. Freitag für das Gemeinwohl opfern? Es ehrt die Jugendlichen, dass sie versuchen wollen, auch für diese Veranstaltung Abgesandte zu finden. Die Stadt Schwarzenbek und allen voran die Politikerinnen und Politiker wären gut beraten, diesem Einsatz Tribut zu zollen und wenn man noch so pleite ist. Der SKJB benötigt auch Erfolge, wenn man diese Institution ernsthaft ins Rollen bringen will. Momemtan steht zu fürchten, dass die beiden Projekt, die man sich auf die Fahne geschrieben hat (bzw. auch hat schreiben lassen), der Jugendtreff und die BMX-Bahn, kein glückliches Ende finden.

5 Responses to Katzenjammer Kids

  1. Blogfan Nr. 1 says:

    Auch wenn diese Pille schwer zu schlucken sein wird, gehe ich davon aus, dass der SKJB schonungslose Ehrlichkeit weitaus mehr zu schätzen weiß als irgendwelche halbgaren Versprechungen – um so mehr, da der allgemein verbreitete Denkfehler, die veranschlagten 250.000 € seien abenteuerlich hoch und einfach maßlos kalkuliert (ich musste mich auch erst eines besseren belehren lassen) nun auf dem Papier widerlegt worden ist.
    Wie dem auch sei, die Tatsache, dass allein die strikte Einhaltung der Schutzvorschriften einen Großteil des Etats auffrisst, ist der Knackpunkt, der spätestens jetzt auch den gutwilligsten Jugendfan zu der brutalen Erkenntnis bringen muss, dass dieser Umzug nicht stattfinden DARF. Es wäre eine finanzielle Kamikaze-Aktion und gegenüber anderen Institutionen, die seit langer Zeit gleiche Rechte auf Verbesserungen geltend machen, in keinster Weise mehr zu verantworten.

    Blöd für unsere Damen und Herren Stadtverordnetenpolitiker, die trotz der eindringlichen Warnungen von H. Harms und J. Heitmann dem BM mehrheitlich den Auftrag erteilt haben, die letzten verbackten Schimmelecken aus dem Haushalt zusammenzukratzen, um die veranschlagte Knete herbeizuzaubern…ein Alptraum!

  2. Bekannnt says:

    Mir bleibt die Spucke im Halse stecken, wenn man liest mit welcher Dreistigkeit hier der SKJB angelogen wird.
    Verehrte Stadtvertreter, können Sie tatsächlich noch ruhig schlafen, wenn Sie mit solchen Geschichten und Rechenbeispielen , den Stadtjugendpfleger Herrn Lütjens und sein Team in den Dreck ziehen, wollen Sie denn allen Ernstes die Jugendarbeit so mit Füßen treten, oder wollen Sie diese Stelle streichen?
    Sie sind sich dieser Tragweite gar nicht bewußt, was Sie machen ist mit Worten nicht zu beschreiben, hier zieht sich der BUB auch aus seiner Verantwortung, die er den Jugendlichen gegeben hat, leider kann man nur sagen.
    Verehrte Stadtvertreter für die Jugend ist kein Geld da, aber im Ältestenrat wird schon beschlossen, hinter verschlossenen Türen , wer nach China fliegen darf, nach zu lesen BZ. vom Fr.23.09.2011.
    Ich will mich nicht weiter auslassen , es ist schon eine bodenlose Gemeinheit so mit dem SKJB um zu gehen.

    • U.B. says:

      Lieber Bekannt, seit Wochen oder gar seit Monaten wird von nichts anderem als 250.000 Euro gesprochen. Ich gebe Blogfan1 Recht, wenn er/sie schreibt dass andere Insitutionen seit Jahren warten.
      Der Fehler liegt doch in Wirklichkeit hier: Man hätte VHS und Centa-Wulff-Schule umziehen sollen, schließlich steht ein kompletter Block an der Compe-Schule leer und man hätte 100.000 Euro Miete jährlich sparen können. Dann wären die ersten 80 TEUR für den baulichen Erhalt des jetztigen Jugendtreffs ein Klacks. (Wobei keiner genau weiß, wie sich die Umbaukosten Compe und die 80TEUR Reparatur genau zusammensetzen, ein weiterer Skandal, dem Hilger nicht gewachsen ist, da die Sozis ja nur Delfs folgen).

      Und ich gehe weiter: Delfs sagt voller Stolz, dass er mit einem Sachverständigen durch denn Jugendtreff gegangen sei und das Gebäude sei nicht mehr zu retten. Liegt ein Beweis vor, dass der Holzbock im Dachstuhl ist? Wenn ja heißt das doch nicht automatisch Abriss! Ein Gutachten muss her!
      Wer war denn der Sachverständige? Ein Partei-Freund? z.B. H.-H. M. oder sein Sohn? Wird dort der Weg bereitet damit H.-H.M. das Grundstück günstig kaufen kann, um dann an die CDU eine großzüge Spende zu leisten (vielleicht sogar an einzelne Personen)? Delfs, erklären Sie sich!
      Übrigens: Wusste Hilger als Bauausschussvorsitzender von der Delf`schen Aktion? Herr Delfs: mit wem waren Sie denn im Gebäude?

      Ich fürchte, hier liegt nämlich der eigentliche Skandal, dass mal wieder die Vetternwirtschaft der CDU anläuft. Die Jugend wird nur als Ablenkungsmanöver genutzt (als alter Millitärmann kennt Delfs sich damit aus) und dann poltern hier einige nur und ausschließlich in Sachen Jugend rum, ohne dabei das ganze wahre Elend im Blick zu haben.

      Delfs wird sicher bald wieder Krokodilstränen fließen lassen.

      • Bekannnt says:

        Hallo U.B. natürlich ist dies ein sehr geschicktes Ablenkungsmanöver, aber ob es so gut wage ich zu bezweifeln, denn die Wahrheit wird irgendwann ans Licht kommen, ich glaube auch nicht, das es eine Begehung gegenben hat, denn dies müßte ja Herr Lütjens wissen, und ich bin mir sicher, das Herr Heitmann mit seinwer Äußerung doch recht hat, auf jedenfall ist es eine sehr große Schw……. was sich hier abspielt. Natürlich kann man die beiden Schulen zusammen legen, Ersparniss 2 Mieten!!!!!!!!!!!!!
        Herr Delfs wird nicht in die Offensive gehen und genau sagen , was dahinter steckt, diesen Offenbarungseid wird es nicht gehen und die anderen Fraktionen halten schön den Mund, weil Sie Angst haben.
        Leider können wir drei den Skandal nicht aufdecken, der Mund von allen ist versiegelt.

    • Bürgerin says:

      Werter Bekannnt,
      immer wieder greifen Sie die, in Ihren Augen unfähigen, Stadtverordneten an und
      neuerdings ist auch das BUB Ziel Ihrer Hasstiraden. Was ich von Ihrer Seite vermisse sind
      konstruktive Vorschläge oder haben Sie sich darüber noch keine Gedanken gemacht.
      Wenn aber doch, dann wenden Sie sich doch bitte an den Ausschussvorsitzenden des Sozial- und Kulturausschusses. Er hat für Ihre „guten“ Vorschläge sicher ein offenes Ohr.
      Vielleicht sind Dank Ihrer Vorschläge bald alle Probleme gelöst.
      Ein Frommer Wunsch??

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