Schweine schlachten: Burn, Euro, burn!

Von Rupert Talia

Viele Möglichkeiten gibt es zur Rettung des Euro derzeit nicht, denn vor allem deutsche Politiker, insbesondere der CSU-Waigel, aber ebenso Kohl und dann Schröder/Fischer haben

  • (a) den Euro konstitutionell halbfertig und institutionell unvollständig aus der Taufe gestemmt und dann anschließend
  • (b) die Finanzmärkte ordentlich dereguliert und ihnen so das Feld überlassen (daran beteiligt war allen voran der komplett unkomische Fips Asmussen der deutschen Finanzpolitik).

In das Kreuzfeuer der Kritik geraten: die Europäische Zentralbank

Diese deutsche Politik hat den Finanzmärkten Tür und Tor zur Spekulation gegen geldpolitisch entwaffnete Eurostaaten geöffnet. Die EZB verfügt — insbesondere nach deutscher Auffassung der Herren Weber und Stark– nur über ein einziges Steuerungsinstrument, den Leitzins. Der allein reicht aber nicht, um die in eine selbsterfüllende Zins-Todesspirale mündenden Angriffe von Finanzmarkt-Akteuren gegen einzelne geldpolitisch entwaffnete Staaten abzuwehren. Dagegen könnte sich nur der Souverän des Euro als Ganzes, also die Gemeinschaft der 17 Eurostaaten, wirksam zur Wehr setzen. Und diese Abwehr des Euro-Souveräns verlangte — wenn man schon spekulativen Märkten eine derart obszöne Macht über Staaten völlig unreguliert überlassen wollte — Eurobonds einer Fiskalunion. Und solange man darüber nicht verfügt, braucht es einen anderen Lender of last resort, einen letzten Kreditgeber, über den jeder voll-souveräne Einzelstaat außerhalb einer Währungsunion verfügt, aber keiner der Euro-Staaten. Die einzige Institution, die in der Eurozone derzeit glaubwürdig diese in Krisenzeiten unabdingbare Funktion ausfüllen kann, ist die EZB. Darum muss die EZB Staatsanleihen der Länder aufkaufen, gegen die jene vom Asmussen fleißig mit deregulierten und entfesselten Märkte derzeit wetten, denn sonst wäre den selbstherrlichen Deutschen inklusive des Herrn Asmussen ihr Euro bereits unordentlich um die Ohren geflogen.

Deutsche Politiker aber sind strikt gegen Eurobonds. Und deutsche Bundesbanker sind strikt gegen Anleihekäufe durch die EZB. Deshalb war’s das jetzt. Was bleibt da noch, kurzfristig? Es gibt derzeit keine anderen kurzfristigen Optionen. Totale Sackgasse, politisch und finanztechnisch. Ende der Fahnenstange. Klappe zu, Frösche tot. Ende Banane. Wer jetzt blindlings Trichet verprügelt ist ein typisch deutscher Biedermann-Brandstifter und außerdem ein Heuchler. Oder ein von deutschen Politikern und Medien aufgehetzter Verblendeter.

So sieht der griechische Euro bald wieder aus. Na und? Die Briten haben den Euro nie gehabt...

Aber Verantwortung? Nicht doch! Bevor der Bundestag über den EFSF abstimmen muss, bevor es also endgültig offensichtlich wird und dann erst zu einer Koalitionskrise sowie direkt anschließend zu einer Staatskrise durch fehlendes Wahlrecht käme, lösen die, die sich durch Nichtkönnen, Ignoranz und kognitive Dissonanz selbst in diese Falle manövriert haben, ihr Dilemma ganz einfach dadurch, das Äußerste zu wagen und eine Staatspleite innerhalb der Eurozone zu versuchen. Vermutlich in der wahnwitzigen Hoffnung, dass sie in dem zwingend resultierenden Chaos ihre ganze Unfähigkeit und Schuld verbergen und übertünchen, in Aktionismus verschwinden lassen können. Die Kanzlerin will nicht die Verantwortung für ein aktives Aufbrechen der Eurozone übernehmen und der Vizekanzler will seine FDP-Fraktion vermutlich ebenso wenig über die Euro-Hilfe abstimmen lassen, wie die kraftmeiernde CSU, die Griechenland am liebsten den Stuhl sofort vor die Tür setzen möchte. Eine zeitnahe Staatspleite käme da doch sehr gelegen …

Darum denkt Rösler wohl zur Unzeit in der WELT laut genau darüber nach, und der CSU-Vorstand gleichzeitig über einen Tritt in den Hintern der Sünder, sprich: beide Polit-Winzlinge — Stimmanteil-Mikroben im europäischen Maßstab — gießen kräftig Öl ins schon lichterloh brennende Feuer der Spekulation. Da dürfen dann auch die Rating-Riesen nicht abseits stehen und kündigen schon einmal eine Herabstufung der Bonität französischer Banken an. Also, lass krachen, You break it, you own it Europe! Burn, Euro, burn — let’s make money!

  • Kanzlerin: Lehnt Ausschluss der Griechen ebenso wie Eurobonds ab (kognitiv komplett dissonant und inkohärent)
  • Vizekanzler Dr. Doom:  „Denkt“ derweil laut über eine Insolvenz Griechenlands nach (ebenso dissonant wie inkohärent)
  • Bundesbanker sind strikt gegen die EZB-Rettungsaktionen und fast alle FAZ-Leser sind auf ihrer Seite: Der nahezu einmütige Hass des FAZ-Forums auf die EZB und Trichet ist erschreckend
  • Folge: Kreditausfallversicherungen steigen weiter rasant & rabiat (selbsterfüllende Prophezeiung)

"Die Verursacher müssen endlich für die Krise zahlen!"

Einer erklärt — auch anhand von Äußerungen Wulffs, Tietmeyers, Schirrmachers und Charles Moores — warum das so ist, aber kein einziger hört auch nur hin: Debatten-Unkultur, vom deutschen Souverän großzügig finanziert und toleriert: Widerlicher geht es nicht — Audiatur et altera pars? Wir doch nicht! Wenn man den abgebildeten Redner für eine linke Socke hält, dann sollte man de Grauwe’s wegweisende Publikation kennen: THE GOVERNANCE OF A FRAGILE EUROZONE – Paul De Grauwe, University of Leuven and CEPS:

„When entering a monetary union, member-countries change the nature of their sovereign debt in a fundamental way, i.e. they cease to have control over the currency in which their debt is issued. As a result, financial markets can force these countries‘ sovereigns into default.“

Außerdem sollte man Münchau’s Interpretation zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts kennen:  Stop rejoicing. This was no victory for the eurozone, Wolfgang Münchau, Financial Times (s. Anlage)

Letztlich gibt auch das Bundesverfassungsgericht dem Euro keine Chance; das Urteil führt dazu, dass keine dauerhafte Lösung der Eurokrise ohne Grundgesetzänderung erreichbar ist; die Ressentiments im Volk dürften jedoch sowohl eine eigenmächtige GG-Änderung nur durch die Politik als auch eine neue Verfassung durch das Volk ziemlich utopisch machen. Also auch hier: Das war’s. Auf in die Depression:

„The two real options for a resolution of the eurozone crisis came into full conflict last week. The first is a common eurozone bond. The second is a monetisation of national debt through the European Central Bank. Angela Merkel rejects the former. Europe’s central bankers reject the latter. Jürgen Stark, a member of the European Central Bank’s executive board, rejects both, and last week resigned in protest. Along with other conservative economists, he is advocating a third way, adjustment through depression – the simultaneous deleveraging of the private and public sector debt.“

Alles mit Ansage also, und das sieht man, so scheint’s, am deutlichsten vom Ausland aus:

Wes Brot der frisst, sehr deutlich ist.

Da bleiben einem wohl nur drei Möglichkeiten: (1) Alles Idioten oder linke Socken oder beides, (2) deutsche Euro-Politiker sind genial, oder (3) Unfähigkeit oder Mutlosigkeit oder hinterhältige Verlogenheit (oder all das zusammen) bestimmt die deutsche Euro-Politik.

Sollte es nun zu einem griechischen Bankrott noch vor der Bundestagsabstimmung zum EFSF kommen, dann bleibt für mich bis zum sicheren Beweis des Gegenteils nur die allerletzte aller genannten Möglichkeiten als die wahrscheinlichste übrig. Keiner wäre es gewesen, alle ohne Verantwortung, aber trotzdem hat man was man wollte und den Kopf nicht mehr in der tödlichen Schlinge einer ausweglosen Sackgasse, in die man sich selbst manövrierte, politisch gesehen.

Fotos:
Philipp Röser – Author: Fdp nds – This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

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