Der Auftritt des Balljungen

Entspannte Pausendiskussion zwischen Bielenberg (BUB), Kranacher und Jennrich (beide FWS), während bei der SPD die Fetzen flogen

Nach dem Auftakt in der SVV vom Freitag durch Helge Harms, der als Erster in den Wochen langen Diskussionen um den Umzug Jugendtreff eine neue Idee der Finanzierung in den Raum gestellt hatte, war klar, dass der Mann der Beschlussvorlage nicht zustimmen würde. Im Anschluss hatte der momentan grüne Schirmacher seine gleiche Absicht deutlich gemacht. Der leidenschaftliche Appell des SKJB-Mitglieds Henkelmann für einen Umzug hatte beide nicht wanken lassen. Nach der Unterbrechung brachte der FWS-Fraktionsvorsitzende Schröder deren neuen Vorschlag ein, den Umzug aus Haushaltsresten zu finanzieren.

Obwohl sich bereits abzeichnete, dass die ohnehin nur hauchdünne rot-schwarze Mehrheit durch Harms‘ Ausscheren und die angekündigte Enthaltung einer weiteren SPD-Stadtverordneten auf 10 Stimmen zusammengeschmolzen war (die CDU war an dem Abend nur zu fünft), hatte Herr Delfs noch einmal mit allen rhetorischen Tricks versucht, die vermeintliche Unabdingbarkeit der Verwaltungsvorlage zu illustrieren. Würde man nun Herrn Siepert von der SPD in gleicher Rolle erleben oder hatte Herr Harms etwa die neue Linie der SPD verkündet? In der Vergangenheit hatte man ja schon häufiger Frau Francke als Vorsitzende der Fraktion vermutet, nun sah sich Siepert ein weiteres Mal düpiert, was man während der heftigen Aussprache der SPD in der von ihm beantragten Unterbrechung auch erahnen konnte.

Ein zweiter Ausschussvorsitzender sperrt sich: Heitmann (FWS)

Aber auch der achte Redebeitrag kam nicht vom Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion. Vielmehr durfte der von Herrn Schröder bereits erwähnte Abweichler der FWS auch noch vorher ran. Es handelte sich um keinen Geringeren als den Vorsitzenden des Sozial- und Kulturausschusses. Jürgen Heitmann wunderte sich, „wie hier mit öffentlichen Mitteln umgegangen wird“. Dann kritisierte er Delfs‘ Aussage zur baulichen Situation des Gebäudes Am Markt 6 (bislang Jugendtreff). „Wenn Sie da mit einem Sachverständigen durchgegangen sind, war da vielleicht auch ein wenig Eigennutz dabei?“, fragte er und spielte kaum verhohlen auf das hartnäckige Gerücht an, die CDU betreibe von Beginn an den Abriss der Gebäude, um es attraktiver für einen Ankauf durch eines ihrer Fraktionsmitglieder zu gestalten (Auch auf ihrer Homepage insinuiert die FWS ein solches Geschacher). Selbstverständlich unterstütze man das pädagogische Konzept „ohne Einschränkungen“ und man halte den Umzug auch für möglich, sobald die Mittel vorhanden sind. Sich für 2012 darauf festzulegen, könne er aber nicht mittragen. Schuldenabbau sei das Gebot der Stunde. Die Erweiterung des Frauenhauses stehe mit noch unklaren Ausgaben an, der Bürgerverein fordere mit Recht die Lärmbekämpfung, denn Lärm mache krank.“Wir haben keine Eile, den Umzug zu forcieren“, forderte Heitmann erneut, die mögliche Mieteinsparung Centa-Wulf-Schule und VHS von zusammen 100.000 € in die Sanierung Markt 6 zu stecken. „Wir haben genug Leerstand in Schwarzenbek“, mahnte er, dass Leerstand zu Verfall und Vandalismus führe. Am Ende drohe ein beschmiertes, baufälliges Gebäude mit eingeschmissenen Fenstern und einem Bauzaun darum. Er plädiere daher außerdem dafür, so wie die Grünen eine Frist für den Verkauf zu setzen und bei fruchtlosem verstreichen vollständig zu sanieren.

Ob die anderen Kinder wissen, dass ich auch mal Chef sein möchte?

Nun war auch die Zeit gekommen, dass sich der Vorsitzende der stärksten Fraktion an das Pult bequemte. In der Vergangenheit hatte man sich ja schon des Öfteren gewundert, warum die SPD sich nicht längst den Hauptausschuss geschnappt hatte, um endlich zu demonstrieren, warum man sich überhaupt zur Wahl stellte. Worum geht es denn, wenn nicht darum, die politische Verantwortung übernehmen zu wollen, weil man davon überzeugt ist, die richtigeren Antworten zu haben? Nun, Siepert zeigte sich offensichtlich erleichtert, „dass in unterschiedlichen Fraktionen ähnlich diskutiert wird“. „Bei uns ist das nicht anders gelaufen“, fuhr er fort. Es gäbe kein einstimmiges Bild, aber das sei nicht weiter schlimm, die SPD sei eine „freiheitliche Fraktion“. Dann lobte er mit verkniffenem Gesicht seinen Kollegen Harms, dass der versuchte, Gelder locker zu machen. Anstatt es nun dabei zu belassen, musste Herr Siepert offenbach noch öffentlich machen, wie wenig er seine Fraktion im Griff hat und wie sehr er darunter leidet: „Ob dabei die Feinabstimmung in der Fraktion gestimmt hat, lasse ich mal offen“. Wäre dieses Vakuum innerhalb der stärksten Fraktion für Schwarzenbek nicht so bedenklich, könnte man einfach nur Mitleid haben und auch ein wenig lächeln, wie gerne Siepert Chef wäre, wenn die anderen ihn nur ließen. So aber ist das nur ein trauriges Bild und für die Stadt ein politisches Debakel. Hatte er denn nun auch inhaltlich etwas beitzutragen?

Das Klima habe sich verbessert, zeigte er sich erfreut, man könne wieder miteinander reden. Das sei ja auch im Ältestenrat bereits angeklungen, erinnerte der SPD-Fraktionsvorsitzende die Zuhörer daran, dass es ein weiteres, nachgerade geheimes, weder gewähltes, noch vorgesehenes Gremium gibt, in dem die Vorabsprachen getroffen werden. Pech nur für Siepert, wenn er dann die dort gegebenen Zusagen und/oder beschlossenen Abstimmungsergebnisse Dank eigener Führungsschwäche nicht liefern kann. Politisch lieferte er sogleich den nächsten Offenbarungseid und der war leider ebenso typisch für ihn: Der Antrag Schröders ginge in die Richtung Einsparung und man könne ja über alles reden, aber das Gehalt des Wirtschaftsförderers müsse man ausklammern. Herr Siepert kann immer über alles reden, nur an dem dafür vorgesehenen Ort möchte er es nie tun. Und ansonsten schnappt er immer brav nach dem Wurstzipfel, den der Bürgermeister ihm hinhält. Duzfreundschaft ist ja auch eine feine Sache, aber wenn Herr Ruppert neben Frau Francke und Herrn Harms der dritte heimliche Fraktionsvorsitzende der SPD ist, hört der Spaß doch wohl auf. „In die Innenstadt gehört eine Einkaufsmöglichkeit“, war dann die einzige Aussage, bevor Siepert wieder schwafelte: Er freue sich, „dass wir uns einigen und den Umzug in Kürze umsetzen“. Das sei ein gutes Signal für die Jugendlichen. „Ein so wichtiges Gremium benötigt einen vernünftigen Raum für seine Arbeit“, sprach Siepert und man wunderte sich, wen oder was er wohl meinte. Ist der SKJB so vehement für einen Umzug, weil er in den neuen Räumlichkeiten ein eigenes Büro erhält? Vielleicht hatte er selbst keine Ahnung, was er meinte, aber betonte noch einmal, wie sehr er sich freue, „dass wir ein einvernehmliches Ergebnis erzielen werden“. Er wusste offenbar bereits mehr, wollte, konnte oder durfte aber noch nichts sagen? Wie auch immer, die Sphinx von Schwarzenbek verdrückte sich wieder an ihren Platz und schwieg den Rest des Abends, so wie sie zuvor geschwiegen hatte.

– Fortsetzung folgt –

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